4/5 Need for Speed (2015) im Test : Neustart mit FPS-Jagd auf der Xbox One

, 194 Kommentare

Tuning: Get low!

Mit dem gewonnenen Ansehen werden Fahrerlevel freigeschaltet, die wiederum – parallel zum Schrauber-Pfad – neue Tuning-Teile und das nötige Kleingeld für deren Kauf freischalten. Damit erreicht Need for Speed das nächste Standbein der Underground-Serie. In den nur fünf vorhandenen Garagenplätzen können fünf von insgesamt fünfzig Fahrzeugen nach eigenem Geschmack aufgebaut werden – zumindest theoretisch. Praktisch gilt: Je teurer das Fahrzeug und die Marke, desto weniger darf an den Boliden geschraubt werden.

Fahrzeug-Abstimmung und der Fahrzeug-Wechsel lassen sich zudem nicht vor einem Rennen, sondern nur in der Garage erledigen, was zusätzliche Ladezeiten erzwingt. Den Menüs mangelt es dabei an Übersicht; welcher Levelaufstieg nun welches Teil freigeschaltet hat, wird nicht so offenkundig wie nötig präsentiert. Dass dem optischen Tuning ein mächtiger Editor zur Seite steht, erfreut hingegen bei jedem Fahrzeug, dass sich eigene Muster nicht, wie etwa in Forza, teilen lassen, allerdings weniger. Bei Tuning-Teilen wird aber ohnehin stets das teuerste und beste Teil ins Auto geschraubt.

Unterhaltung entwickelt das neueste Produkt aus dem Hause der Ghost Studios oft mehr unfreiwillig, etwa wenn Tuner Nakai-San dem Spieler seinen Porsche leiht – das handgefertigte Einzelstück lässt sich anschließend beliebig oft für 0 Credits auf jedem Garagenplatz abstellen. Hochgezüchtete Autos kommen in Zwischensequenzen aufgrund unterdimensionierter Bremsen, die kaum noch Wirkung entfalten, zudem nicht schnell genug zum Stehen und fahren so mit komischem Effekt gegen die Wand eines Diners, anstatt auf dem Parkplatz davor zu halten. Beide Punkte zu bemängeln wäre eigentlich übermäßig pingelig, wenn nicht an jeder Ecke solche Unachtsamkeiten und Absonderlichkeiten zu Markte getragen würden – etwa die lästige und ungenaue Erfassung von Treffpunkten für Rennen, die sich nur aus einer vorgegebenen Richtung starten lassen. Spaß haben lässt sich auch mit den Video-Protagonisten: Das in pausenlosen Telefonanrufen mündende Kommunikationsbedürfnis der Video-Schauspieler mitten im „Yo Bro“ durch Auflegen zu beenden, unterhält überraschend lange – nur ist Spaß auf Kosten eines Unterhaltungsproduktes selten ein Indikator für Qualität.

Das Prädikat „halbherzig“ beschreibt viele Aspekte des Spiels vortrefflich. Dies gilt auch für die Online-Komponente – die das Always-Online-Konzept des Spiels legitimieren sollte und von der bislang noch keine Rede war. Wie sich bereits im Vorfeld angedeutet hat, haben Spieler durch die ständige Netzanbindung keinen Gewinn. Obwohl next-gen-mäßig gleich sieben weitere Fahrer in der gleichen Spielwelt unterwegs sind, gibt es kaum natürliche Möglichkeiten zu angebahnten Kontakten. In der Regel verfolgt jeder Spieler seine eigenen Ziele. Lebendig wirkt die Welt nur durch KI-Raser. In anderen Worten: Need for Speed verliert offline keine wesentlichen Features und mitnichten an Qualität. Um Bilder zu teilen, tägliche Herausforderungen zu erhalten und Mehrspieler-Rennen zu fahren, braucht man schwerliche eine permanente Verbindung zu EAs Servern.

Auf der nächsten Seite: Fazit