VicTsing I-500 Tastatur im Test: Mit Mechanik zum Preis von mit Gummi 2/4

Max Doll 72 Kommentare

Äußerlichkeiten

Trotz des Preises lässt die VicTsing weder bei Chassis noch Verarbeitung Federn. Die matte und raue Oberfläche des Gehäuses erweist sich als schmutzresistent, die freistehend montierten Taster werden zudem nicht, wie bei derart günstigem Kurs zu erwarten wäre, nur auf dem PCB verlötet, sondern zusätzlich mit einer Metallplatte stabilisiert („Plate Mounting“).

Diese Metallplatte dient zugleich als Oberseite des Gehäuses und wertet das Erscheinungsbild auf. Eine solche freistehende Präsentation der Taster hat nicht nur visuelle Vorteile, sondern erleichtert die Reinigung der Tastatur. Die offene Kulisse geht allerdings mit einem hellen Klangbild und leicht gesteigerter Lautstärke einher.

Die Stabilität bis hin zur Verschraubung des Chassis unterscheidet sich in qualitativer Hinsicht nicht von der ähnlichen Ozone Strike Battle. Dennoch gibt es Grund für Kritik, weil die Status-LED für Rollen bei normalem Sichtabstand von den Tastenkappen verdeckt wird.

Wenig standsicher

Die Gummiauflagen entwickeln zudem aufgrund einer schachbrettartigen und zu glatten Oberfläche auf der Unterseite wenig Wirkung. Die Tastatur flutscht aufgrund ihres Eigengewichts von fast 900 Gramm zwar nicht wild über den Schreibtisch, viel Kraft braucht es aber nicht. Lösen lässt sich das Problem durch den Einsatz der Hochstellfüße, die mit gummierten Auflagen für einen angemessen sicheren Stand sorgen – eine suboptimale Eigenheit, die vereinzelt auch in höheren Preisklassen zu beobachtet werden kann.

Abstriche sind in diesem Bereich nicht einmal beim Anschlusskabel zu machen; die I-500 verzichtet lediglich auf eine bei vielen Spieletastaturen mandatorische, aber völlig funktionslose Textilummantelung. Im Gegenzug wird beim Lieferumgang nicht gespart. Ein praktischer Tastenzieher, der die Demontage der Tastenkappen erleichtert, und eine Kurzanleitung in englischer und deutscher Sprache liegen bei. Die Übersetzung per Google-Translate beeinträchtigt nur die Beschreibung der „Produkt Eignheit“, nicht aber diejenige der Bedienelemente.

Die Beschriftung als Problemzone

Als größte Problemzone der Tastatur erweist sich die Beschriftung, die im einfachen „pad-printing“-Verfahren aufgetragen. Hierbei werden die ausgedruckten Buchstaben lediglich auf den Kunststoff gedruckt. Auf der I-500 kommt eine besonders schlichte Version dieser Methode zum Einsatz, weil auf eine wie auch immer geartete Schutzschicht verzichtet wird. Im Test kam es schon nach weniger als vier Tagen zu Verfärbungen, konkret dem Ergrauen der ursprünglichen weißen Schrift. Der Effekt ist zwar kein ästhetischer Genuss, aber zunächst unproblematisch, weil der Aufdruck selbst sichtbar bleibt.

Wie schnell sich die Beschriftung tatsächlich abträgt und verschwindet, lässt sich aus diesem Befund aber nicht schließen. In Kundenrezensionen auf Amazon wird nur von Wochen gesprochen, wobei in nahezu allen Fällen aufgrund der Wortwahl nicht deutlich wird, ob der Aufdruck tatsächlich verschwindet oder schon die Verfärbung als Abrieb und Abnutzung klassifiziert wurde. Realistisch betrachtet wird die Lebensdauer der Beschriftung jedoch tendenziell kurz ausfallen, wenngleich ein Verschwinden nach wenigen Wochen Betrieb unrealistisch erscheint. Ein derart extremer Verschleiß hat sich während der Testphase nicht einmal in Ansätzen angedeutet. Und gekauft wurde ebenfalls im Handel.

Neue Tastenkappen treiben den Preis

Sofern eine „Ninja“-Tastatur ohne Beschriftung unpraktisch erscheint, muss der Kauf weiterer Tastenkappen einkalkuliert werden. Der Austausch stellt dank Kreuzaufnahmen der Taster und dem Standardlayout der Tastatur, das auch die erste Tastenreihe umfasst, kein Problem dar, zerstört aber die ansonsten positive Kostenbilanz. Wird neben dem Preis der Tastatur auch ein Set Kappen im selteneren ISO-DE-Layout berücksichtigt, bleibt vom Dumping-Kurs wenig übrig.

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