Fake Games: Valve nimmt Kampf gegen Schrottspiele auf

Max Doll 87 Kommentare
Fake Games: Valve nimmt Kampf gegen Schrottspiele auf
Bild: Valve

Billig produzierte Spiele ohne echten Mehrwert sind seit längerer Zeit ein massives Problem auf Steam. Alleine 2016 wurden 38 Prozent aller Titel im Katalog der Plattform veröffentlicht. Valve hat nun Kritiker der Steam-Plattform eingeladen, um über Maßnahmen gegen die Flut an billig produzierten Spielen zu diskutieren.

Teil der Gesprächsrunde waren unter anderem John Bain („Total Biscuit“) und Jim Sterling, der seit Monaten eine erfolgreiche Videoserie über Müllspiele auf Steam Greenlight (in Zukunft Steam Direct) und über minderwertige Titel aus dem regulären Verkaufsangebot der Plattform veröffentlicht. Beide engagieren sich seit Monaten für eine Überarbeitung von Steam.

„Asset flipper“ und Kampf gegen Kritik

Themen und Brennpunkte gab es genug: Obwohl Greenlight nur vielversprechende Spiele in den Shop befördern soll, erfüllt das System seinen Zweck schon lange nicht mehr richtig. Trotz einer „Kuratierung“ durch die Community kommt praktisch jedes noch so schlechte Spiel in den Katalog der Plattform. Das ist selbst dann der Fall, wenn es sich nur um einen sogenannten „asset flip“ handelt, also ein Werk, das Demo- oder Standardbestandteile sowie günstige Drittanbieter-Elemente des Engine-Shops zusammenstellt – oftmals nicht einmal mit einem eigenen Menü garniert und von rudimentärer Funktionsfähigkeit.

In dieser Kategorie lässt sich häufig beobachten, dass dieselben „assets“ wie das UnitZ-Template für rund 30 US-Dollar von unterschiedlichen Entwicklern zu identischen Spielen mit unterschiedlichem Namen zusammenkopiert werden. Dazu kommt, dass Entwickler dieser Titel Kritik in den Steam-Foren oftmals rigoros löschen und auf YouTube unberechtigte Copyright-Ansprüche anmelden, um unliebsame Berichterstattung zu unterbinden. Das Verhalten dieser Kategorie Entwickler reicht bis hin zu einer Klage auf 15 Millionen US-Dollar durch Digital Homicide, der sich Jim Sterling zuletzt erwehren musste.

Algorithmen und Nutzer als Lösung

Bei der Lösung dieser Probleme will Valve wie mittlerweile gewohnt auf Algorithmen und die Steam-Community vertrauen. Wie Sterling und Bain berichten, plant das Unternehmen „Fakespiele“ mit Algorithmen zu begraben, sie sollen im mittlerweile gigantischen Angebotskatalog unsichtbar werden.

Auch Steam Direct als Nachfolger von Steam Greenlight soll als Schritt in diese Richtung verstanden werden; die Gebühr, die dabei pro Einreichung und nicht mehr pro Entwickler fällig wird, werde jedoch noch immer diskutiert. Im Spektrum zwischen 100 und 5.000 US-Dollar soll sich Valve derzeit in Richtung des unteren Endes bewegen. Zudem soll ein Exploit im Sammelkartensystem behoben werden, mit dem Anbieter dieser Billigspiele erhebliche Gewinne machen können.

Entdecker ergänzen Kuratoren

Damit Algorithmen die korrekten Spiele begraben und gute, aber übersehene Titel noch eine Chance auf Verkaufserfolge besitzen, wird nach jetzigem Kenntnisstand überlegt, „Steam Explorer“ neben die bisherigen Kuratoren, die Spieleempfehlungen abgeben, zu stellen. Entdecker sollen sich durch Listen von Titeln spielen, die sich nicht besonders gut verkauft haben und können diejenigen Produkte, die ihnen gefallen haben, markieren. Nutzern wird darüber hinaus detaillierter dargelegt, warum ihnen ein Spiel vorgeschlagen wird.

Auch das Kurator-Programm wird überholt. Hier sollen mehr Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, zudem wird es die Option geben, Videos einzubinden, Top-10-Listen zu erstellen und Empfehlungen zu sortieren. Darüber hinaus können Entwickler Kuratoren Rezensionsspiele direkt über Steam zur Verfügung stellen. Damit soll Betrug Einhalt geboten werden – dass sich Dritte die Identität eines Journalisten oder Entertainers aneignen um Gratisspiele zu erhalten, kommt immer wieder vor.

Belohnungen für Kuratoren als Option

Außerdem denkt Valve darüber nach, Kuratoren Metriken über ihren Einfluss auf die Verkaufszahlen eines Spiels zu zeigen und Entwickler Möglichkeiten zu geben, Kuratoren zu belohnen oder sogar zu bezahlen. Wie bei einem solchen System Missbrauch durch den Kauf von Wertungen verhindert werden soll, geht aus den Ausführungen Sterlings und Bains nicht hervor.

Sterling hat nach eigenen Angaben außerdem darauf gedrängt, Entwickler, die gegen ihre Community oder unliebsame Berichterstattung vorgehen, grundsätzlich drastisch abzustrafen. Valve hat Digital Homicide zwar das Nutzen von Steam untersagt, aber erst, nachdem das Studio auch Klage gegen reguläre, kritische Steam-Nutzer erheben wollte.