Mainboards mit X399: Platinen mit Sockel TR4 für Threadripper im Überblick

Frank Meyer 107 Kommentare
Mainboards mit X399: Platinen mit Sockel TR4 für Threadripper im Überblick

tl;dr: Für die ersten Ryzen-Threadripper-CPUs 1950X und 1920X (Test) braucht es ein passendes Mainboard mit X399-Chipsatz und riesigem Sockel TR4. Ein Überblick über die Modelle von ASRock, Asus, MSI und Gigabyte, die es bisher zu kaufen gibt. Vergleichen ist angesagt, denn die Preise liegen hoch.

Ryzen Threadripper braucht eigene Mainboards

AMDs neue HEDT-Plattform, die in direkter Konkurrenz zu Intels High-End-Plattform rund um Core X steht, benötigt zwingend ein entsprechend konzipiertes Mainboard mit dem Sockel TR4 in Kombination mit dem X399-Chipsatz. Zum einen setzt der Prozessor auf ein deutlich größeres Package im LGA-Format, zum anderen bietet Ryzen Threadripper bis zu 64 PCIe-Lanes und ein Quad-Channel-Interface. Beides ist den Chipsätzen für AM4 nicht bekannt. Mit Threadripper und dem X399-Chipsatz ergeben sich für die Hersteller von Mainboards allerdings bisher nie gebotene Optionen auf Platinen für CPUs von AMD und nicht jeder geht mit seinem Angebot im ATX- respektive EATX-Formfaktor denselben Weg.

Auf das Format und die Verdrahtung kommt es an

Schon das Format kann dabei beim Einsatz im eigenen Gehäuse einen Unterschied machen. EATX ist etwas breiter als ATX und verdeckt im Zweifel die Öffnungen im Mainboard-Tray zum Verlegen von Kabeln oder steht mit den Laufwerken in Konflikt. Bisher bietet nur Asus eine Platine in diesem Format.

Mindestens ebenso wichtig wie das Angebot von Funktionen und Anschlussmöglichkeiten ist deren Anbindung auf der Platine. Bei Threadripper mit 64 PCIe-Lanes zwar erst spät ein Problem, kann es durchaus entscheidend sein, welche Steckplätze sich mit welchen Zusatzchips auf der Platine die Anbindung teilen. Auskunft gibt in der Regel das online beim Hersteller verfügbare Handbuch.

Wesentliche Unterschiede im Detail

Es ist lange her, dass für ein Mainboard für AMD solche Preise verlangt werden konnten, aber es ist gerechtfertigt“, zeigte sich ein Anbieter von Mainboards in dieser Woche gegenüber ComputerBase erfreut. Und in der Tat sind die ersten TR4-Platinen von ASRock, Asus, Gigabyte und MSI mit hohen Preisen versehen.

Während für Core X breits Platinen mit X299-Chipsatz für knapp über 200 Euro im Handel verfügbar sind, gilt es für X399 bisher mindestens 370 Euro zu investieren, denn nur Topmodelle der Hersteller gibt es zurzeit zu kaufen – fünf weitere angekündigte und etwas günstigere Platinen lassen noch auf sich warten.

Erste Angebote für 370 Euro bis 540 Euro

Das von ComputerBase im Test von Threadripper bereits genutzt Asus ROG Zenith Extreme rangiert mit einem Preis von 540 Euro an der Spitze. Der Preis wird allerdings von einer im Lieferumfang enthaltenen 10-Gbit/s-Ethernet-Karte getrieben, die Asus im anderen Design separat für 100 Euro verkauft. Beim für 440 Euro gelisteten aber nach kurzer Verfügbarkeit zurzeit vergriffenem ASRock Fatal1ty X399 Professional Gaming gibt es einen solchen Anschluss bereits am I/O-Panel.

Wiederum bereits erhältlich ist das rund 390 Euro teure Gigabyte X399 Aorus Gaming 7, das ComputerBase vor einer Woche bereits kurz mit dem Asus ROG Zenith Extreme vergleichen konnte.

Asus X399 Mainboards

Das aktuelle Angebot komplettieren das ab 380 Euro verfügbare MSI X399 Gaming Pro Carbon AC und das ASRock X399 Taichi, das zum Preis von 370 Euro aber bisher nicht geliefert werden kann. Bei Asus soll das mit einer UVP von 329 Euro günstiger angesetzte Prime X399-A ab Mitte August den Handel erreichen. Das nochmals günstigere ROG Strix X399-E Gaming folgt erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Asus ROG Zenith Extreme in EATX mit 802.11ad und Mini-Lüfter

Das ROG Zenith Extreme ist bei Asus die neue Speerspitze im Portfolio und kann beispielsweise mit drei M.2-Steckplätzen (zweimal M.2-2110) und einem U.2-Port für SSDs aufwarten.

Asus X399 ROG Zenith Extreme
Asus X399 ROG Zenith Extreme (Bild: Asus)

Neben der (preistreibenden) 10-Gbit/s-Ethernetkarte im Lieferumfang bietet es als weiteres Highlight für eine schnelle Anbindung ins Netzwerk erstmals 802.11ad-WLAN (WiGig).

Darüber hinaus hat Asus dem Flaggschiff neben den für TR4-Mainboards gewöhnlichen acht DDR4-Steckplätzen auch einen DIMM.2-Slot zum Einsatz einer weiteren SSD in einer Adapterkarte spendiert. Ebenfalls ungewöhnlich sind neben dem obligatorischen 24-PIN-ATX-Stromstecker zwei zusätzliche 8-PIN-Anschlüsse für die Spannungsversorgung. Die VRM-Kühlung erfolgt nicht nur passiv, sondern auch aktiv: Ein kleiner 40-mm-Lüfter versteckt sich hinter der Blende der I/O-Ports. Er lässt sich im BIOS zwar beeinflussen, war im Test mit einer All-in-One-Wasserkühlung letztlich aber immer das lauteste Bauteil.

In vier PCIe-3.0-x16-Slots des Asus ROG Zenith Extreme können Grafikkarten Platz nehmen. Unterstützt werden so im Verbund bis zu vier GPUs von AMD und Nvidia. Beim Ausreizen der Konfigurationsmöglichkeit mit allen Slots sind elektrisch aber nur zwei voll angebunden, die zwei anderen nur mit der Hälfte. Bei der Armada an USB-Anschlüssen gibt es hingegen keine Überraschungen: Zwei Buchsen sind nach dem USB-3.1-Gen2-Standard spezifiziert und je einmal als Typ-C- und Typ-A-Port vorhanden. Acht weitere USB-3.0-Stecker sind am I/O-Panel des ROG Zenith Extreme platziert.

Beim Prime X399-A ist Extravaganz tabu

Asus Prime X399 -A
Asus Prime X399 -A (Bild: Asus)

Das zweite Ryzen-Threadripper-Mainboard bei Asus, das deutlich günstigere Prime X399-A, ist abgespeckter aufgestellt. „Nur“ noch zwei M.2-Slots für SSDs werden geboten, Grafikkartengespanne werden nur in drei der vier PCIe-x16-Slots im Verbund unterstützt. Für die meisten privaten Einsatzzwecke reicht das Gebotene aber immer noch eindeutig aus.

Fatal1ty X399 Professional mit drei Mal LAN

Bei ASRock markiert wiederum das Fatal1ty X399 Professional das Aushängeschild für Ryzen Threadripper. Wie beim Premium-Modell von Asus werden in allen vier PCIe-x16-Slots Grafikkarten von AMD und Nvidia gleichzeitig als GPU-Gespann unterstützt. Zudem wird neben zweimal Gigabit-LAN zusätzlich ein nativ angebundener 10-Gbit-Chip von Aquantia geboten. Ein WLAN-Modul, das bei ASRock nur nach dem 802.11ac-Standard arbeitet, gehört genau wie dreimal M.2 zu den identischen Merkmalen der Premiumplatinen.

Als weitere Schnittstellen sind beim ASRock Fatal1ty X399 Professional ein U.2-Port, achtmal SATA, zweimal USB 3.1 Gen2 (Typ C und Typ A) und acht USB-3.0-Buchsen vorhanden.

ASRock X399 Taichi verzichtet auf 10-Gbit/s-Ethernet

Eingespart wurde beim X399 Taichi laut ASRock der 10-Gbit-Chip, weshalb die Anbindung zum Netzwerk nur noch über zwei klassische Gigabit-LAN-Buchsen (Intel I211AT) und WLAN erfolgen kann. Auch einer der PCIe-x1-Steckplätze fehlt dem Taichi. Auch wenn vom Hersteller nicht explizit erwähnt, sind weitere Unterscheidungsmerkmale in der Konfigurierbarkeit der LED-Beleuchtung und auch den im BIOS möglichen Einstellungsoptionen zu finden.

Gigabyte X399 Aorus Gaming 7 leuchtet am stärksten

Beim Gigabyte X399 Aorus Gaming 7 wird im Vergleich zur Konkurrenz von Asus und ASRock mit drei über je vier Leitungen angebundenen M.2-Aufnahmen samt Abdeckungen zur Kühlung, einmal U.2 und einem klassischen Gigabit-LAN-Anschluss gewöhnliche Kost serviert. Als (kleiner) Pluspunkt kann die Netzwerklösung via Killer E2500 und WTFast durchgehen, ein kombiniertes WLAN-Modul (Intel 8265) mit Bluetooth 4.2 ist ebenfalls in der Klasse als Standard anzusehen.

Gigabyte X399 Aorus Gaming 7

Als Audiolösung vertraut auch Gigabyte beim X399 Aorus Gaming 7 auf den Realtek ALC1220. Absetzen kann sich Gigabyte mit der RGB-Beleuchtung, die alle PCIe-x16- und DIMM-Slots beinhaltet. Auf Wunsch lässt sie sich auch bei dieser Platine abschalten.

MSI bewirbt 10 + 3 Phasen Spannungsversorgung für CPU und RAM

MSI startet das Ryzen-Threadripper-Aufgebot mit dem X399 Gaming Pro Carbon AC, das typischerweise in acht RAM-Slots Arbeitsspeicher bis zu einer Geschwindigkeit von DDR4-3.600 unterstützt. Wie bei den Mitbewerbern können auch beim Mainboard von MSI vier Grafikkarten in den verstärkten PCIe-x16-Slots platziert werden. Dagegen bietet das X399 Gaming Pro Carbon AC anstatt eines x4-Slots zwei kleinere x1-Aufnahmen. Für schnelle Speichermedien wie PCIe-SSDs sind drei M.2-Slots vorgesehen, die alle über die M.2-Kühlung „Shield“ verfügen. Acht SATA-Ports können mit weiteren HDDs und SSDs bestückt werden.

MSI X399 Gaming Pro Carbon AC

Für die Konnektivität ist das ATX-Mainboard X399 Gaming Pro Carbon AC mit einmal Gigabit-LAN (Intel I211-AT) und ac-WLAN (Intel 8265) über eine externe Steckkarte zweigleisig aufgestellt. Als Besonderheit sieht MSI die Spannungsversorgung der Threadripper-Hauptplatine, die 10+3 Phasen für CPU und RAM umfasst und mittels zwei zusätzlicher 8-PIN-Stecker einen stabilen Betrieb gewährleisten soll.

In diesem Fall keine Frage der Garantie

Nie vergessen sollten Käufer den Aspekt Garantie. In diesem Fall herrscht allerdings Einigkeit: Alle Hersteller geben dem Handel drei Jahre Garantie, die Abwicklung für den Endkunden muss deshalb auch immer über den Händler erfolgen. Gigabyte gewährt die drei Jahre offiziell nur „ab Herstellungsdatum“. Praktisch wird aber auch hier der auf der Rechnung hinterlegte Zeitpunkt des Kaufes herangezogen.

Fazit

Das aktuell am Markt verfügbare Angebot an X399-Platinen ist teuer. Die Hersteller versuchen sich den guten Ruf der ersten High-End-Plattform von AMD seit dem Athlon FX-62 aus dem Jahr 2006 zu nutzen zu machen, mit dem Design und der Beleuchtung werden eindeutig Spieler ins Auge gefasst. Die haben von Ryzen Threadripper gegenüber Ryzen allerdings nur dann in Spielen einen Vorteil, wenn der Rechner parallel gefordert wird.

Hinter vorgehaltener Hand haben erste Hersteller gegenüber ComputerBase verlauten lassen, auch Varianten mit dem Fokus auf Workstations anbieten zu werden. Einen signifikanten Preisvorteil bieten die allerdings in der Regel nicht, eventuell aber 10-Gigabit-Ethernet als Standardausstattungsmerkmal. Wichtiger wären für viele Anwender aber vorerst günstigere Alternativen.

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