AMD Ryzen Threadripper im Test: 1950X und 1920X im Duell mit Core X 2/8

Volker Rißka et al. 748 Kommentare

Riesiger Sockel TR4, neue Chipsätze und Mainboards

Das auffälligste Merkmal der neuen High-End-Plattform ist der riesige Prozessorsockel mit dem Codenamen TR4. Er ist ein Ableger des Server-Sockels SP3 für AMDs neue Epyc-CPU-Serie mit bis zu 32 Kernen und bietet 4.094 Kontaktflächen im LGA-Format.

Der Sockel TR4 trägt 4.096 Pins
Der Sockel TR4 trägt 4.096 Pins

Weil die sehr empfindlich sind, hat AMD zur Installation des Prozessors eine Mischung aus Verschraubung und Führungsschienen gewählt, die sicherstellen sollen, dass beim Einsetzen der CPU keine der filigranen Pins im Sockel beschädigt/verbogen werden. Wer Threadripper installieren will, sollte die Hinweise in dem nachfolgenden Video von AMD also in jedem Fall beachten. Allerdings sollte im Gegensatz zur Darstellung der beigelegte Schraubendreher Verwendung finden, der bei 1,5 Newtonmetern überspringt.

Geht der Blick über den Prozessorsockel hinaus, erinnern die neuen AMD-Mainboards an Intels letzte Generationen für den High-End-Desktop. Sicherlich nicht ungewollt, wie AMDs Chipsatzbezeichnung X399 im Vergleich zu Intels X299 zeigt.

Aufgrund des Vier-Kanal-Speicherinterfaces gibt es nun auch bei AMD bis zu acht Speicherbänke auf den Mainboards, die ECC-Speicher in Form von maximal 2 TByte respektive 512 GByte pro Channel unterstützten. Da es 256 GByte als einzelnen UDIMM-Riegel mit diesen Eigenschaften aber für Endanwender noch nicht zu kaufen gibt, bleibt das aktuell noch Theorie. Zudem ist Windows 10 selbst in der Pro- und Enterprise-Variante bei 512 GByte gedeckelt (Windows 10 Home bereits bei 128 GByte), darüber hinaus braucht es ein *NIX-basiertes Betriebssystem.

Der X399-Chipsatz ist ein Bekannter

Der X399-Chipsatz ist unterm Strich nichts anderes als ein minimal angepasster X370-Chip für Sockel AM4. Die Anzahl der Anschlüsse, die über diesen bereitgestellt werden, sind folglich nahezu identisch, die Weiterentwicklung ist in zwei Punkten zu sehen: Die Anzahl der nativen SSD-Anschlüsse wird von 4 auf 8 verdoppelt und zwei native PCIe-3.0-Lanes lassen sich zur Anbindung weiterer SATA-Ports nutzen.

Die I/O-Schnittstellen der Chipsätze und CPUs
X399 X370 B350 A320 X300/B300/A300
PCIe 3.0 2* 0 0 0 0
PCIe 2.0 8 8 6 4 0
USB 3.1 Gen 2 (10 Gbit/s) 2 2 2 1 0
USB 3.0 6 6 2 2 0
USB 2.0 6 6 6 6 0
SATA 6 Gbit/s 8 4 2 2 0
SATA-Raid 0/1/10 0/1/10 0/1/10 0/1/10 0/1
Übertakten Ja Ja Ja nur X300
CrossFire / SLI ja / ja ja / ja ja* / – ja* / – nur X300
*Nur für 4 × SATA/2 × SATA Express **CrossFire-Support durch eigene Lösungen der Mainboard-Hersteller

Asus und Gigabyte: X399-Mainboards mangelt es an Nichts

Bei einer High-End-Plattform sind die Mainboards ein gewichtiger Baustein, insbesondere die von Threadripper gebotenen PCIe-Lanes sollten auch genutzt werden. An der Spitze der bisher angekündigten Modelle steht das im Test auch vorrangig genutzte Asus Zenith Extreme X399. Das gilt auch für dessen Preis von rund 550 Euro.

Das Asus Zenith Extreme strotzt aber nicht nur direkt auf der Platine mit den neuesten Entwicklungen wie WLAN-ad und einem DIMM-Slot für eine weitere SSD per Adapter, sondern auch beim Lieferumfang. Neben unzähligen Kabeln und drei verschiedenen SLI-Brücken liegt auch eine PCIe-x4-Karte für 10-Gigabit-Ethernet bei. Diese heißt im Bundle ROG Areion 10G, dahinter verbirgt sich aber nicht viel anderes als die bereits verfügbare XG-C100C, die separat knapp 105 Euro kostet. Die Lösungen setzen auf den Aquantia Aqtion AQC107.

Asus ist bei der Bereitstellungen von Mustern zu Testzwecken immer großzügig mit Informationen. Dazu zählt auch in diesem Fall ein Blockdiagramm, das zeigt, wie das Mainboard die vielen PCI-Express-Lanes verwaltet. Und dieser Überblick hat es bei High-End-Plattformen in sich und sollte auch berücksichtigt werden, wenn viele der Möglichkeiten ausgeschöpft werden sollen, um Konflikte und damit auch Leistungsverluste zu vermeiden.

Doch auch zum Preis von 550 Euro ist nicht alles Gold, was glänzt. Zu den fragwürdigen Aspekten zählt unter anderem ein winziger aktiver 40-mm-Lüfter, der unter der Blende am I/O-Panel verbaut ist und die Kühlung der Spannungsversorgung verbessern soll. Er lässt sich im BIOS zwar beeinflussen, war im Test mit einer All-in-One-Wasserkühlung letztlich aber immer das lauteste Bauteil. In Anbetracht der Kritik an der Kühlung von X299-Platinen fällt ein abschließendes Fazit zu dessen Nutzen aber noch aus.

Gigabyte bietet vergleichbare Ausstattung und mehr RGB-LED

Parallel zum Mainboard von Asus hat sich in der Redaktion auch das Gigabyte X399 Aorus Gaming 7 eingefunden. Das kostet über 150 Euro weniger als das Asus Zenith Extreme, bietet auf dem Mainboard aber vergleichbare Kost: Drei M.2-Speicherplätze flankiert von acht Mal SATA bieten Platz für viele TByte an Massenspeicher. An der PCIe-Steckplatz- und DDR4-Front herrscht komplett Einigkeit. Es fehlen allerdings 10-Gigabit-Ethernet und das I/O-Panel ist auch nicht so opulent, dafür leuchten auch die Steckplätze für Grafikkarten und RAM mit RGB-LEDs.

Kommt es auf die Leistung an, nehmen sich beide Platinen in einem kurzen Schlagabtausch nichts. Die Leistung liegt beispielsweise in Cinebench (-1%), POV-ray (+1%) und Handbrake (identisch) auf einem Niveau, auch die Leistungsaufnahme (+-3 Watt je nach Anwendung) ist vergleichbar. Zuletzt gab es beim Start neuer Plattformen bei Gigabyte oft BIOS-Probleme mit zwar guter Performance aber viel zu hoher Leistungsaufnahme, bei Threadripper ist der Hersteller offensichtlich startbereit.

Auswahl zum Start ab 360 Euro

Während alle Hersteller ihre Flaggschiffe ins Rampenlicht schieben, wurden auch schon günstigere Platinen vorgestellt. Gelistet im Handel sind aktuell allerdings insgesamt erst fünf, 360 Euro gilt es in jedem Fall zu investieren. Einen Überblick über die verfügbaren Optionen wird ComputerBase in Kürze geben.

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