Netzteile mit 80Plus Gold im Test: Preisbrecher von Xilence und Corsair mit 550 W im Vergleich 2/5

Nico Schleippmann 69 Kommentare

Technik im Detail analysiert

Nach dem Lösen der Schrauben und dem Öffnen des Netzteils fällt der Blick auf die Elektronik. Wie immer gilt: Nicht nachmachen – Lebensgefahr!

Corsair gibt das TX550M bei Great Wall in Auftrag; Xilence lässt wie von bisherigen Serien gewohnt von XHY (Xin Hui Yuan) fertigen. In der Technik gibt es oberflächlich gesehen keine Unterschiede, denn beide nutzen eine aktive PFC, einen LLC-Resonanzwandler, Synchrongleichrichter und DC-DC-Abwärtswandler.

Technische Daten TX550M Performance X 550W
Primärseite
EMV-Filter 2 X-, 4 Y-Kondensatoren, 2 CM-Drosseln, Ferrit
Sicherungen Feinsicherung, MOV
Aktive PFC 1 MOSFET (Advanced Power AP65SL099AWL), 1 Diode (NXP BYC10-600) 1 MOSFET (Great Power GPT13N50DGN), 1 Diode (NXP BYC8X-600)
Einschaltstrombegrenzer NTC + Relais
Zwischenkreiskondensator 2 Nippon-Chemi-Con (KMM-Serie) 220 µF, 450 V, 105 °C 12KJ (LR-Serie) 330 µF, 400 V, 85 °C
Konvertertopologie LLC-Halbbrücke LLC-Vollbrücke
Schalter 2 Toshiba TK20A60U 4 Silan SVF840F
Sekundärseite
Wandlung Minor-Rails (5 V und 3,3 V) DC-DC
Gleichrichter +12 V 4 MOSFETs (Advanced Power AP9992GP) 2 MOSFETs (IC840L)
DC-DC-Schalter 5 V und 3,3 V je 3 Advanced Power AP0403GH je 3 6R030
Filterkondensatoren +12 V 3 Nippon-Chemi-Con-Elkos (KZE-Serie) 2.200 µF und Feststoffkondensatoren 2 820 µF und 2 470 µF 2 12KJ-Elkos 2.200 µF (WE-Serie) und Feststoffkondensatoren 4 470 µF und 4 330 µF
Filterkondensatoren 5 V Rubycon-Elko (ZLH-Serie) 2.200 µF und Feststoffkondensator 1.500 µF 3 Feststoffkondensatoren 560 µF
Filterkondensatoren 3,3 V Rubycon-Elko (ZLH-Serie) 2.200 µF und Feststoffkondensator 1.500 µF 3 Feststoffkondensatoren 560 µF
Filterkondensatoren 5 VSB 1 Nippon-Chemi-Con-Elko (KZE-Serie) 2.200 µF und 1 Rubycon (ZLH-Serie) 1.000 µF 2 12KJ-Elkos 2.200 µF (WE-Serie)
Supervisor-IC Sitronix ST9S429-PG14 Sitronix ST9S313-DAG
Lüfter
Modellbezeichnung Corsair NR120L Boluo Xin Zhen Heng Electronics DF1202512SEMN
Technische Daten 120 mm, Rifle-Gleitlager 120 mm, FD-Gleitlager, 1.600 UPM

Der Eingangsfilter beider Netzteile besteht aus derselben Anzahl an Filterelementen. In der Ausführung unterscheidet sich allerdings eine Gleichtaktdrossel des TX550M mit ihrem U-Kern von einer üblichen aufzufindenden Ringkerndrossel. Generell sind nämlich Ringkerne für ihre optimalen elektrischen Eigenschaften als Filterspulen bekannt. Mit einem MOV und einer Feinsicherung wurde jeweils an wichtige Schutzelemente der Eingangsseite gedacht. Einschaltströme werden in beiden Fällen von einem NTC-Widerstand begrenzt, der zur Steigerung des Wirkungsgrads nach dem Einschalten von einem Relais kurzgeschlossen wird. Der Brückengleichrichter des Performance X 550W muss nicht auf den höheren Nennstrom des 115-Volt-Netzes ausgelegt sein, weshalb auf einen extra Kühlkörper verzichtet wurde.

Corsair mit Kondensatoren namhafter Hersteller

Darauffolgend befindet sich eine aktive PFC, die für eine sinusförmige Stromaufnahme aus dem Netz sorgt und die Energie in großen Elektrolytkondensatoren zwischenspeichert. Im TX550M sind dafür zwei Nippon-Chemi-Con-Elkos der neuen KMM-Serie, die eine längere Lebensdauer gegenüber dem Vorgänger (KMQ) verspricht. Xilence setzt erneut auf die unbekanntere Marke 12KJ, von denen darüber hinaus ein qualitativ schlechteres Fabrikat mit einer Temperaturbewertung von 85 °C genommen wurde. Nichtsdestoweniger kann im 230-Volt-Netz auch von diesem Elko eine lange Lebensdauer erwartet werden.

Ungewöhnlich ist die Vollbrückenbeschaltung des Resonanzwandlers, die prinzipiell erst für Nennleistungen von über 1.000 Watt notwendig ist. Corsair bleibt bei einer LLC-Halbbrückenkonfiguration, sodass nur zwei statt vier MOSFETs zum Einsatz kommen. Die Gleichrichtung auf 12 Volt erfolgt mittels Synchrongleichrichter. Xilence lötet dazu zwei SMD-MOSFETs auf die Platinenrückseite, die gegenüber TO-220-Äquivalenten wie im Corsair TX550M mit einem geringeren Leitwiderstand überlegen sind. Die Kühlung ist andererseits schwieriger, weil die Aluminium-Kühlfinnen durch die Platine hindurchkontaktiert werden müssen. Die DC-DC-Wandler wurden jeweils auf eine vertikale Tochterplatine verfrachtet, auf denen drei MOSFETs einen Wandler bilden. Neben den Kondensatoren auf dem Haupt-PCB findet ein Teil der Filterung auch auf diesem Board mittels Feststoffkondensatoren statt. Bei den Elkos vertraut Xilence erneut auf 12KJ, während Corsair einen Mix aus japanischen Marken einsetzt. Die Umsetzung von Corsair schafft dabei mehr Vertrauen, auch wenn die Zahlen im Datenblatt von 12KJ ebenfalls gut klingen.

Der Supervisor-IC im Performance X 550W beschränkt sich auf die wesentlichen Funktionalitäten – die Aufgabe der Überstromabsicherung muss auf einen separaten IC abgeschoben worden sein. Der IC im TX550M stellt wiederum alle ausgangsseitigen Sicherungen bereit und könnte sogar zwei 12-Volt-Schienen überwachen. Der Temperaturabgriff für den Überhitzungsschutz wurde auf den sekundärseitigen Kühlkörper beim TX550M und neben die Gleichrichter-MOSFETs des Performance X 550W gelegt. Xilence nutzt ein technologisch fortschrittlicheres Double-Layer-PCB, sodass an Schnittpunkten nicht wie im TX550M mit einer einzelnen Kupferschicht Jumper gesetzt werden müssen. Beiden Testmustern kann eine gute Verarbeitungsqualität nachgesagt werden. Im TX550M fällt die großzügige Verwendung von Kleber auf, der an allen wichtigen Stellen aufgetragen wurde und vor allem die Kühlkörper nicht verdeckt. Die Lötqualität gefällt sehr gut – einzig die Handlötstellen im Performance X 550W können noch optimiert werden.

Gleitlagerlüfter hoher Qualität

Anstatt eines einfachen Gleitlagers statten Corsair und Xilence ihre Lüfter mit einem fortschrittlicheren Rifle- beziehungsweise FD-Gleitlager aus. Das soll für eine hohe Laufruhe bei gleichzeitig langer Lebensdauer sorgen. Mit nur sieben, aber dafür sehr breiten Lüfterblättern möchte Corsair den statischen Druck steigern. Im Performance X 550W wird dagegen eine herkömmliche Lüfterstruktur beibehalten, wobei mit einer Abdeckung durch Luftleitfolie nachgeholfen werden musste.

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