Netzteile mit 80Plus Gold im Test: Preisbrecher von Xilence und Corsair mit 550 W im Vergleich

Nico Schleippmann 71 Kommentare
Netzteile mit 80Plus Gold im Test: Preisbrecher von Xilence und Corsair mit 550 W im Vergleich

tl;dr: Corsair TX550M und Xilence Performance X 550W sind beides Preisbrecher in ihrem Segment. Das Netzteil von Xilence ist das absolut günstigste dieser Klasse, das Modell von Corsair das günstigste mit teilmodularem Kabelmanagement. Im Test erweist sich aber insbesondere das Angebot von Xilence als besonders attraktiv.

Das Günstigste und das Günstigste mit Kabelmanagement

Xilence hat sich mit der Performance-A(+)- und -C-Serie bisher auf den Einstiegsmarkt konzentriert, für den der Hersteller Netzteile zum Kampfpreis im Angebot hat, ohne zu sehr die qualitativen Aspekte aus den Augen zu verlieren. Dieses Motto möchte die Budget-Marke in der Mittelklasse mit den Performance-X-Netzteilen fortführen, das Netzteil ist mit Ausnahme von Angeboten aktuell das günstigste am Markt. Ein höherer Wirkungsgrad verglichen zu den bisherigen Serien soll zudem einen größeren Spielraum zur Lautstärkeoptimierung öffnen, was zuletzt nur eingeschränkt möglich war.

Auch Corsair baut Portfolio mit einem neuen Tiefstpreisangebot aus

Corsair rundet hingegen das Oberklasse-Portfolio nach unten ab, das zwischen der Mittelklasse mit der CSM- und der Oberklasse mit der RMx-Serie offensichtlich noch Kapazitäten für die TXM-Serie ließ. Mit teilmodularem Kabelmanagement und vergleichbaren elektrischen Eigenschaften gibt es auch in diesem Fall aktuell kein günstigeres Netzteil am Markt.

Rein äußerlich lässt sich dabei in der Tat als einziger Vorteil des TX550M zum Performance X 550W nur das teilmodulare Kabelmanagement ausmachen. Ob noch weitere Aspekte den Aufpreis für den Markennamen rechtfertigen, soll im Test erörtert werden.

Die Details zu der Testmethodik, der eingesetzten Teststation, den elektrischen Messungen und den Schalldruckpegelmessungen sind auch in diesem Fall im Artikel „So testet ComputerBase Netzteile“ separat nachzulesen. Eine ständig aktualisierte Übersicht empfehlenswerter Netzteile bietet die Netzteil-Rangliste mit Bestenliste.

Technische Eckdaten im Vergleich

Dadurch, dass das Xilence Performance X 550W über keinen Weitbereichseingang verfügt, ist keine 80Plus-Zertifizierung im 115-Volt-Netz möglich gewesen, wie sie üblicherweise durchgeführt wird. Mit 80Plus Gold EU gelten für das Performance X 550W ähnliche, aber nicht dieselben Anforderungen wie für das Corsair TX550M mit 80Plus Gold. Mit nur 140 mm Tiefe zählen die Netzteile zu den kompakten Vertretern der ATX-Klasse. Dementsprechend wurde mit 120 mm auch zu einem kleineren Lüfter gegriffen.

Hersteller Corsair Xilence
Modell TX550M Performance X 550W
80Plus 80Plus Gold 80Plus Gold EU
Lüfter 120 mm
Einbautiefe 140 mm
AC Eingang Spannung 100 ‑ 240 V 200 ‑ 240 V
DC Ausgang +3,3 V 25 A 20 A
+5,0 V 20 A
+12 V 43 A 45,8 A
-12,0 V 0,8 A 0,3 A
+5 VSB 3 A 2,5 A
+3,3 V & +5 V ges. 120 W 100 W
+12 V ges. 516 W 549,6 W
Gesamtleistung 550 W

Während das Performance X 550W mit der kompletten Nennleistung auf der 12-Volt-Schiene belastet werden kann, wird auf dieser Schiene für das TX550M ein etwas kleinerer Strom genannt. Für aktuelle, 12-Volt-lastige Computerkonfigurationen ist aber auch die Lastverteilung des TX550M zufriedenstellend.

Bis auf eine optionale Multi-Rail-Absicherung sollen alle weiteren Schutzschaltungen aber vollständig implementiert worden sein, die in den elektrischen Messungen schließlich auf den Prüfstand gestellt werden.

Dokumentierte Schutzschaltungen
TX550M Performance X 550W
Unterspannungsschutz (UVP) ja
Überspannungsschutz (OVP) ja
Kurzschlusssicherung (SCP) ja
Überlastschutz (OPP) ja
Überstromschutz (OCP) ja
Überhitzungsschutz (OTP) ja

Garantiebedingungen

Auch für die vergleichsweise kostengünstige TXM-Serie kleckert der Hersteller nicht mit der Garantiedauer. Mit sieben Jahren wird ein gewöhnlicher Nutzungszeitraum überbrückt, der normalerweise nur für Oberklasse-Netzteile so lange abgesichert wird. Zudem ist die Rücksendung über eine deutsche Servicezentrale von Corsair möglich, sodass die Abwicklungsdauer sehr kurz gehalten werden kann.

Garantie nur mit fristgerechter Registrierung

Größere Hürden im Rücksendeprozess werden von Xilence gestellt. Eine Rücksendung ist nämlich nur über den Händler möglich, der in den ersten zwei Jahren nach der gesetzlichen Gewährleistung dem Kunden verpflichtet ist. Sollen nach diesen zwei Jahren Garantieleistungen von Xilence in Anspruch genommen werden, muss schon im Vorhinein innerhalb von 60 Tagen nach dem Kauf eine Online-Registrierung des Netzteils durchgeführt werden. Dadurch werden Defekte auch bis zu zwölf Monate nach dem Gewährleistungsende vom Hersteller abgedeckt. Eine direkte Rücksendung über den Hersteller ist nur vorgesehen, wenn der Austausch mit dem Händler zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis führt.

Lieferumfang und Äußeres

Auf der Umverpackung nennen die Hersteller praktischerweise den mitgelieferten Kabelsatz und die Lastverteilung des Netzteils. Corsair zeichnet sogar Graphen zur Effizienz und Lautstärke auf, sodass zumindest ein Vergleich von Corsair-Serien untereinander gezogen werden kann.

Der Lieferumfang hält keine Überraschungen bereit. Von Corsair gibt es die gewohnte, ausführliche Dokumentation und die weiteren Standardbeigaben wie Schrauben, Kabelbinder und ein Netzkabel. Kabelbinder lässt Xilence vermissen, obwohl diese quasi keine Kosten für den Hersteller darstellen.

Das Gehäuse beider Netzteile macht einen unscheinbaren Eindruck, da eine solche Standard-Bauform und ein Lüftergitter mit radialen Streben auch in sehr günstigen Netzteilen zu finden sind. Corsair verzichtet zudem auf auffällige Farben, weshalb der Lüfter und die seitlichen Aufkleber in Grau gehalten sind. Xilence sieht das anders und bringt mit einem roten Lüfter und roten PCIe-Steckern mehr Farbe ins Spiel.

Kabelausstattung

Die Steckerausstattung wurde sinnvoll ausgelegt. Fünf beziehungsweise sechs SATA-Anschlüsse genügen für gängige Gaming-Computer. Mit zwei PCIe-Steckern besteht zudem die Kompatibilität zu quasi jeder Grafikkarte. Vom Kabelmangement ausgenommen sind lediglich der 24-Pin-ATX- und der 4+4-Pin-EPS-Stecker des TX550M, alle weiteren Kabelstränge können abgenommen werden. Das Performance X 550W muss andererseits komplett ohne Kabelmanagement auskommen.

Peripheriestecker unterschiedlich aufgeteilt

An den Kabellängen gibt es nichts auszusetzen, denn mit einer langen CPU-Leitung wurde auf eine große Dimensionierung geachtet, damit diese auch hinter dem Mainboard-Tray geführt werden kann. Corsair trennt SATA- und Molex-Stecker nach Kabelsträngen, wohingegen Xilence SATA-, Molex- und Floppy-Anschlüsse auf drei Kabeln vermischt. Welche Lösung die beste Kabelführung erlaubt, hängt vom Einzelfall ab.

Kabelausstattung (Länge in cm) TX550M Performance X 550W
nicht abnehmbar
24-Pin ATX 1 (60) 1 (59)
4+4-Pin EPS 1 (65) 1 (64)
6+2-Pin PCIe 2 (53 + 16)
SATA 6 (52 ‑ 67)
Molex 3 (82)
Floppy 1 (99)
abnehmbar
6+2-Pin PCIe 2 (60 + 15)
SATA 5 (50 ‑ 70)
Molex 4 (45 ‑ 75)
4-Pin-Molex-auf-Floppy-Adapter 1 (10)

Ein Flachbandkabel ist für Corsair die bevorzugte Bündelungsvariante der einzelnen Adern. Nur für das 24-ATX-Kabel wurde sinnvollerweise Sleeve eingesetzt, das in diesem Fall eine bessere Ordnung erzielen kann. Xilence setzt hingegen komplett auf eine Sleeve-Ummantelung, die zudem aufgrund der dichten Bündelung und der schwarzen Kabeladern hochwertig wirkt.

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