Intel Core i9-7980XE & 7960X im Test: 18 Kerne stellen bei Leistung und Preis alles in den Schatten 2/6

Volker Rißka et al. 370 Kommentare

Taktraten mit Turbo, AVX2 und AVX-512

Der Basistakt steht spätestens seit diesem Jahr nur noch für die absolut garantierte Frequenz, wenn alle Stricke reißen oder die BIOS-Unterstützung nicht komplett ist. Denn im Normalfall liegt dieser nie an, es kommen die unterschiedlichen Turbo-Stufen zum Einsatz, die den TDP-Rahmen effektiv ausschöpfen (sollen). Dies gilt natürlich beziehungsweise insbesondere auch für die Prozessoren mit 18 und 16 Kernen.

Turbo = Immer die maximale Leistung beim erlaubten Verbrauch

Der Turbo ist seit seiner Erprobung in frühen Core-Mobile-Prozessoren und ab der Einführung im Desktop- und Server-Bereich vor knapp zehn Jahren mit der Nehalem-Architektur gereift. Das Ziel ist jedoch das gleiche: Unter Einhaltung der TDP-Parameter wird dem Prozessor erlaubt, mit den Taktraten und der Spannung variabel umzugehen. Heraus soll immer die maximal mögliche Leistung kommen. Was bei Prozessoren mit wenigen Kernen einfacher ist, wird komplizierter, je mehr Kerne ein Prozessor hat. Hinzu kommen die mit Sandy Bridge eingeführten besonderen Anforderungen an die CPU, wenn AVX-Instruktionen ausgeführt werden sollen. Mit der neuen Stufe AVX-512 wird das noch einmal komplizierter.

Der Turbo 3.0 braucht weiterhin Treiber

Intel hatte bereits für die Broadwell-E-Prozessoren ein eigenes Tool aufgelegt, da nicht jedes Windows mit der Favorisierung des einen respektive neuerdings der zwei Kerne für den Turbo 3.0 umgehen kann. Theoretisch sollte dies mit Windows 10 und den letzten Updates automatisch geschehen, das war beim Testen aber nicht der Fall – auch Kollegen anderer Redaktionen bestätigen dieses Verhalten. Im Geräte-Manager von Windows 10 tauchte im betreffenden Punkt des Turbo 3.0 ein Ausrufezeichen auf, folglich wurde ein aktualisierter Treiber installiert – erst danach war das Feature voll einsatzfähig. Dieses favorisiert immer die Anwendung im Vordergrund, manuell können aber auch die jeweiligen Startdateien der Software, in denen das Feature aktiviert sein soll, in eine Liste aufgenommen werden.

Intel-Tool für Turbo Boost 3.0
Intel-Tool für Turbo Boost 3.0

Die AVX-Taktraten von Skylake-X im Detail

Nachdem sich Intel drei Monate zu den Taktraten ausgeschwiegen hat, wurden Anfang September endlich die genauen Frequenzen in Lastszenarien für Skylake-X bekanntgegeben. Damit endet eine unrühmliche Odyssee, da die Tester wochenlang im Dunkeln tappten und teilweise auch falsche Ergebnisse zur Leistungsaufnahme und Temperaturen der CPUs präsentiert haben, da die Mainboards ab Werk alle übertakten und den eigentlich angedachten AVX-Takt in den Testszenarien nicht einhalten. Das ändert nichts an der weiterhin hohen Leistungsaufnahme und Temperatur, aber so hoch wie oft gezeigt fällt sie letztlich nicht aus – denn die CPUs takten nach Intels Vorgaben mit AVX nicht so hoch.

Modell Basistakt Turbo 2.0
(alle Kerne)
Turbo 2.0
(1+2C)
Turbo 3.0 AVX2-Basistakt AVX2-Turbo
(alle Kerne)
AVX2-Turbo
(1+2C)
AVX3-Basistakt AVX3-Turbo
(alle Kerne)
AVX3-Turbo
(1+2C)
i9-7980XE 2,6 GHz 3,4 GHz 4,2 GHz 4,4 GHz 2,3 GHz 3,2 GHz 3,7 GHz 2,0 GHz 2,8 GHz 3,5 GHz
i9-7960X 2,8 GHz 3,6 GHz 4,2 GHz 4,4 GHz 2,5 GHz 3,3 GHz 3,7 GHz 2,1 GHz 3,0 GHz 3,5 GHz
i9-7940X 3,1 GHz 3,8 GHz 4,3 GHz 4,4 GHz 2,7 GHz 3,5 GHz 3,7 GHz 2,4 GHz 3,1 GHz 3,5 GHz
i9-7920X 2,9 GHz 3,8 GHz 4,3 GHz 4,4 GHz 2,6 GHz 3,4 GHz 3,7 GHz 2,2 GHz 2,9 GHz 3,7 GHz
i9-7900X 3,3 GHz 4,0 GHz 4,3 GHz 4,5 GHz 2,9 GHz 3,6 GHz 4,0 GHz 2,5 GHz 3,3 GHz 4,0 GHz
i7-7820X 3,6 GHz 4,0 GHz 4,3 GHz 4,5 GHz 2,9 GHz 3,7 GHz 3,8 GHz 2,7 GHz 3,5 GHz 3,6 GHz
i7-7800X 3,5 GHz 4,0 GHz 4,0 GHz N/A 3,5 GHz 3,8 GHz 3,8 GHz 3,0 GHz 3,7 GHz 3,8 GHz

Die Umsetzung der Taktraten funktioniert mit den aktuellen BIOS-Varianten einwandfrei. Die Probe aufs Exempel nicht nur in Prime95 sondern auch POV-ray in der Beta-Version 3.8, die explizit AVX2 unterstützt, zeigt exakt den maximalen Turbo-Takt, der für den Einsatz von AVX2 freigegeben ist. Im Falle des 18-Kern-Prozessors Core i7-7980XE sind dies 3,2 GHz.

18 Kerne im AVX2-Takt
18 Kerne im AVX2-Takt

Neues Mainboards: Gigabyte X299 Aorus Gaming Pro 7

Zum Start von Skylake-X war die Plattform bestenfalls Beta, der Start Ende Mai wurde zu überstürzt durchgeführt. So reifte die Plattform die letzten Wochen bei den Kunden, diverse BIOS-Updates inklusive Microcode-Update für die CPUs waren die Folge. Zum Start des Flaggschiffs wird deshalb das nachgeholt, was bisher versäumt wurde: Es wird noch einmal Feintuning betrieben, heraus kommen so auch noch einmal weitere Mainboards. Auf dem Papier sind diese natürlich identisch mit dem, was bisher im Rahmen der X299-Plattform verfügbar wurde.

Multiple Stromanschlüsse für mehr Overclocking-Spielraum

Laut Intel sind die neuen Mainboards unter anderem dafür ausgelegt, das Overclocking mit dem 16- und 18-Kern-Prozessor zu verbessern. Dies zeigt sich insbesondere an der Auslegung der Stromversorgung: Statt nur einem 8-Pin-Stromstecker für die CPU gibt es oft noch einen zusätzlichen 4-Pin-Stecker. Der kleine Unterschied hat am Ende aber eine große Wirkung: Sind mit dem 8-Pin-Stecker nur 250 Watt für die CPU möglich, verdoppelt der zusätzliche 4-Pin-Stecker diesen Wert auf 500 Watt. Und diese Empfehlung kommt nicht von ungefähr: Denn Skylake-X mit 18 Kernen soll sich durch scharfes Binning sehr gut übertakten lassen, allerdings werden mitunter auch 500 Watt über die 12-Volt-Schiene benötigt – ein rekordverdächtiger Wert.

Intel Skylake-X mit 16 und 18 Kernen auf drei Mainboards im Test
Intel Skylake-X mit 16 und 18 Kernen auf drei Mainboards im Test

Wichtig: In seinen ab Werk vorgegebenen Parametern soll der neue 18-Kerner auch auf allen bisher verfügbaren X299-Platinen problemlos einsetzbar sein. Die neuen Mainboards sollen nur noch mehr Potential aufweisen.

Asus hatte im Mai vorgelegt, Gigabyte zieht nach

Asus geht gleich mit dem bestehenden Portfolio an den Start, denn das weist bereits in mehreren Fällen mehr als den einen benötigten 8-Pin-Stromstecker auf – so auch das Strix X299-E Gaming, welches auch im ComputerBase-Testsystem für alle bisherigen Skylake-X genutzt wurde und einen zusätzlichen 4-Pin-Anschluss hat.

Gigabyte wiederum schickt mit dem X299 Aorus Gaming Pro 7 eine zusätzliche Platine auf Basis des X299 Aorus Gaming 7 in den Handel, die gleich zwei Acht-Pin-Stromanschlüsse für die CPU bietet. Hinzu kommt allerdings auch hier jetzt ein potentiell nervender Mini-Lüfter am I/O-Panel, der helfen soll, die SpaWas weiter abzukühlen. Er lässt sich zum Glück einfach deaktivieren, da er über einen normalen 3-Pin-Anschluss gespeist wird. Letztlich ist die Leistung so auch im Normalfall auf dem Niveau aller anderen X299-Platinen, die Platine soll aber mehr MHz beim Übertakten ermöglichen.

Gigabyte X299 Aorus Gaming 7 Pro eröffnet Overclocking-Spielraum
Gigabyte X299 Aorus Gaming 7 Pro eröffnet Overclocking-Spielraum

Zum Start der Skylake-X im Maximalausbau haben unabhängig von neuen Produkten viele Mainboardhersteller auch noch einmal BIOS-Updates nachgeschoben. Die Plattform macht jetzt einen ausgereiften Eindruck und begegnet so AMDs Ryzen Threadripper in dem Punkt auf Augenhöhe.

Auf der nächsten Seite: Intel Skylake-X im Benchmark