Intel Core i9-7980XE & 7960X im Test: 18 Kerne stellen bei Leistung und Preis alles in den Schatten 3/6

Volker Rißka et al. 370 Kommentare

Intel Skylake-X im Benchmark

ComputerBase hat die neuen Intel Core i9-7980XE und Core i9-7960X in zahlreichen aktuellen Anwendungen und Spielen getestet. Die Analyse erfolgt separat. Wie ComputerBase Anwendungen testet, kann im Artikel „Prozessoren: Benchmarks & Methodik“ im Detail nachvollzogen werden. Informationen zu den Spieltests sind dem Abschnitt mit den Testergebnissen zu entnehmen.

Leistung Anwendungen

In Anwendungen spielen je nach Einsatzgebiet mal ein hoher Takt und mal viele Threads eine Rolle. Die neue Intel-CPUs mit bis zu 36 Threads sollen in erster Linie über die Parallelisierung punkten und so einen relativ geringen Takt ausgleichen. Sind jedoch Anwendungen mit Bedarf an nur wenigen Kernen im Einsatz, soll wiederum der höhere Turbo-Takt helfen. Das ComputerBase-Rating mag beide Szenarien, weshalb für die neuen Prozessoren eine Platzierung im oberen Bereich sicher ist.

Anwendungen (Windows)

Dem ist auch so: Der Core i9-7980XE ist fortan der insgesamt schnellste Prozessor, ihm dürfte auch der Titel des schnellsten Prozessor des Jahres 2017 bereits heute gebühren und kaum mehr zu nehmen sein. Doch der Core i9-7960X folgt dem neuen Intel-Flaggschiff für den Desktop direkt auf dem Fuß, im Durchschnitt über alle Anwendungen liegt er nur vier Prozent zurück – die 100 bis 200 MHz mehr Takt sorgen dafür, wenn keine 18 Kerne und 36 Threads unterstützt werden.

Platz 3 hält AMDs größter Threadripper-Prozessor 1950X. Dieser ist in dem Fall aber nicht der zweite Verlierer, denn der Preis spielt bekanntlich immer eine Rolle. Und mit 1.000 US-Dollar kostet er nur die Hälfte des neuen Intel-Flaggschiffes, selbst der nur zwölf Prozent schnellere Core i9-7960X kostet noch immer 70 Prozent mehr.

Das Mehr an Kernen sorgte bei den Windows-Tests nur in einem Fall für Probleme: Die CMD-Anwendung des alten Paint.net-Benchmarks lief beim 36-Thread-Modell nicht, bei 16-Kernern sowohl von Intel als auch AMD hingegen schon. Da dieser Wert aber bereits seit zwei Jahren nicht mehr zum Rating zählt, sei dies nur eine Anmerkung, die jedoch zeigt, dass es Probleme mit älterer Software und der Vielzahl an Kernen/Threads geben kann.

36 Threads in Cinebench
36 Threads in Cinebench

Die Diagramme zum Selberbauen

Die ComputerBase-Diagramme erlauben es, die Tests auf Wunsch auszublenden. ComputerBase hat das in diesem Fall „default“ mit der alten Version von 3DPM getan, die Ryzen stark benachteiligt. Über den Bearbeiten-Schalter können die weiteren Benchmarks respektive Ausreißer von Ryzen, die sich gegenüber dem Test von Ryzen 7 nicht geändert haben, abgewählt werden.

Intel Core i9
Intel Core i9 (Bild: Intel)

Anwendungen (Linux)

Unter Linux liegen die Ryzen-Threadripper-Prozessoren von AMD und die Core-i7/i9-Prozessoren von Intel nah beieinander, mit nur noch minimal besserem Ausgang für die Neulinge von Intel. Auch hier zeigt sich ein kleines Problem: Der x264-Benchmark zeigt einen massiven Einbruch auf beiden neuen Intel-Prozessoren – auch hier ist die ältere Software nicht bereit für so viele Threads.

Die allerneuste (Beta-)Software

16 oder 18 Kerne mit 32 und 36 Threads sind extrem auf die passende Software angewiesen, die insbesondere für den heimischen PC bisher kaum verfügbar ist. Von bestimmten Programmen gibt es aber seit einiger Zeit Versionen, die beispielsweise nicht nur sehr gut über viele Kerne und Threads skalieren, sondern auch von zusätzlichen Instruktionen Gebrauch machen. Auf zwei dieser Anwendungen wirft ComputerBase einen kurzen Blick.

POV-ray in der aktuellen Beta mit AVX2

POV-ray gibt es in einer frühen Beta-Version 3.8, intern läuft diese auch unter der Nummer 3.7.1 (Beta9). Diese nutzt unter anderem AVX2, welches nicht die höchste Ausbaustufe von AVX darstellt, aber immerhin die zweite. Um diese genau nach Plan anzusteuern, reagieren die Intel-Prozessoren auch wie vorgesehen: Sie takten exakt mit dem maximal möglichen Turbo im AVX2-Modus, was 3,2 GHz für den 18-Kerner und 3,3 GHz für den 16-Kerner bedeutet. Und obwohl sie so eigentlich niedriger takten als zuvor, fällt das Ergebnis gegenüber dem schnellsten Prozessor des kleinen Mitbewerbers höher aus – die Umsetzung der Instruktionen in höhere Leistung funktioniert demnach.

POV-ray: Version 3.8 Beta gegen 3.7 Final
Angaben in Punkten
  • Beta 3.8:
    • AMD Ryzen Threadripper 1950X
      6.562
    • Intel Core i9-7960X
      7.281
    • Intel Core i9-7980XE
      7.943
  • Final 3.7:
    • Intel Core i9-7960X
      5.957
    • AMD Ryzen Threadripper 1950X
      6.084
    • Intel Core i9-7980XE
      6.724

Blender macht ebenfalls einen Sprung mit AVX

Auch Blender macht seit Version 2.78b Gebrauch von zusätzlichen CPU-Möglichkeiten. Die frühe Beta-Version 2.80 zeigt folglich für Skylake-X ebenfalls einen kleinen Leistungssprung, AMDs Threadripper muss sich zwar geschlagen geben, aber nicht verstecken. Problematisch sind beim AMD-System jedoch die schwankenden Ergebnisse, von 22 Minuten bis über 27 Minuten für das gleiche Projekt waren Zeiten dabei. Dieses Verhalten war bei Intel nicht zu beobachten, könnte aber am Beta-Status der Software liegen.

Blender 2.80 Beta
Angaben in Minuten, Sekunden
  • Gooseberry Benchmark:
    • Intel Core i9-7980XE
      18:17
    • Intel Core i9-7960X
      19:28
    • AMD Ryzen Threadripper 1950X
      22:02

Am Ende des Tages ist der 20 Prozent Vorteil von Skylake-X gegenüber Threadripper aber mitunter ein Kaufargument. Zehn oder gar 20 Minuten Zeitgewinn pro Stunde macht nach einer Woche mit Projekten dieser Art theoretisch einen ganzen Arbeitstag aus – die Mehrkosten für die Hardware sind so nach einer gewissen Zeit wieder eingespielt, da die Personalkosten in der Regel alle anderen übertreffen.

Blender 2.80 Beta
Blender 2.80 Beta

Auf der nächsten Seite: Spiele-Benchmarks in 720p, 1.080p und 2.160p