Vpro V720S im Test: Mechanische Taster mit RGB-LED-Beleuchtung für 80 Euro

Max Doll 16 Kommentare
Vpro V720S im Test: Mechanische Taster mit RGB-LED-Beleuchtung für 80 Euro

tl;dr: Günstiger als mit der 80 Euro teuren V720S ist die Kombination aus RGB-Beleuchtung und mechanischen Tastern mit Nummernblock und DE-Layout derzeit kaum zu haben. Das ist interessant, aber Vorsicht bleibt geboten: Vpro spart an der einen oder anderen unauffälligen Stelle, aber auch massiv an der Software.

Vpro V720S im Test

Eine RGB-Beleuchtung mit LEDs, die für jede Taste einzeln konfiguriert werden können, ist für 80 Euro eine Ansage: Selbst mit Kailh-Tastern kostet dieses Feature normalerweise ein paar Euro mehr. Sollen Cherrys MX-Module in der Tastatur stecken, muss mit einer einfarbigen Beleuchtung vorliebgenommen oder die Geldbörse mindestens um weitere 30 bis 40 Euro erleichtert werden.

Die Ausstattung der V720S wird nicht einmal auf ein Minimum zusammengeschmolzen, um buntes Licht auf die Habenseite zu bekommen: Beleuchtete Zierstreifen und vier mechanische Zusatztasten sind ebenso an Bord wie eine Handballenauflage aus Hartplastik. Abwesend sind jedoch Medienverknüpfungen, die in diesem Jahrzehnt fast fester Bestandteil von Tastaturen geworden sind. Stattdessen finden sich im Handbuch lediglich Tastenkombinationen, mit denen sich LED-Effekte wählen und konfigurieren lassen. Auf eine Kennzeichnung der Funktionen auf den Tasten verzichtet Vpro jedoch.

Vpro V720S
Thermaltake Poseidon Z RGB
Logitech G810 Orion Spectrum
Größe (L × B × H): 43,3 × 13,4 (19,6) × 3,7 (4,7) cm
Handballenauflage
44,0 × 13,3 × 3,7 (4,9) cm 44,4 × 15,3 × 3,4 (3,8) cm
Layout: 105 ISO 105 ISO (erweitert)
Gewicht: 920 g 995 g 1.180 g
Kabel: 2,00 m, USB 2.0 1,80 m, USB 2.0
Hub-Funktion:
Key-Rollover: N-KRO 6-KRO, N-KRO 26-KRO
Schalter: Vpro Blue Kailh Blue / Brown Romer-G (Alps-Type)
Tasten: Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
Zusatztasten: 4 × Extra 1 × Extra 5 × Medien
2 × Extra
Scrollrad (Lautstärke)
Medienfunktionen: Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Stopp, Vor/Zurück
Zusatzfunktionen: Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Gaming-Modus, Makroaufnahme Profile wechseln, Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Gaming-Modus, Makroaufnahme Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus
Beleuchtung: Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Gaming-Beleuchtung, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Farbe: RGB
Modi: Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung
Sonstige: individuelle LED-Profile
Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, Farbschleife
Sonstige: individuelle LED-Profile
Makros & Programmierung: 2.048 kB, 5 Profile, Hardware-Wiedergabe
vollständig, softwarelos programmierbar
512 kB, 5 Profile, Hardware-Wiedergabe
vollständig, softwarelos programmierbar
teilweise programmierbar
Preis: 100 € 110 € ab 107 €

Äußerlichkeiten: Schlank trotz Design

Vpro entscheidet sich wie mittlerweile viele Hersteller im unteren Preisbereich, die Taster nicht mit einem Gehäuse zu umschließen. Stattdessen wird die Metallebene, die zur Stabilisierung ohnehin zwischen Tastern und Platine sitzt, als Abdeckung genutzt. Diese freistehende Anordnung der Taster erleichtert die Reinigung der Tastatur. Im gleichen Zuge wird das ohnehin hörbare Tippgeräusch prägnanter, weil die schalldämpfende Wirkung eines Tastenbetts entfällt.

Konzeptionell bewährt sich das Gehäuse der V720S, weil Vpro Prioritäten korrekt setzt. Anders als noch bei der misslungenen V700 (Test), wirkt sich der Versuch, der Tastatur ein markantes Äußeres zu verpassen, nun nicht negativ auf den Platzbedarf auf. Das Eingabegerät bleibt auf die unbedingt nötigste Größe beschränkt. Als einzige Extravaganzen sind Leuchtstreifen an Front und Seiten vorgesehen. Trotz nur weniger Gummielemente steht die V720S zudem sicher. Als Manko erweist sich lediglich die umständliche Anbringung der Handballenauflage: Für diesen Vorgang will die Tastatur idealerweise umgedreht werden.

Taster und Beleuchtung

Beleuchtete Tastaturen werden gegenwärtig nahezu immer mit Tastenkappen aus ABS-Kunststoff und mit Lasercut-Beschriftung versehen. Vpro bildet hierbei keine Ausnahme. Verbessert wird allerdings die Ausleuchtung der Lettern, indem sich der Hersteller die Markierung von Sekundärfunktionen spart. Dadurch verringert sich die Anzahl von Elementen, die im unteren Bereich der Tastenkappen platziert werden müssen.

Tastenkappen aus ABS-Kunststoff mit „Laser cut“-Beschriftung
Tastenkappen aus ABS-Kunststoff mit „Laser cut“-Beschriftung

Dort ist auch bei Vpro die Helligkeit geringer, weil die Leuchtdioden oberhalb der Taster sitzen; sie sind somit nicht in der Lage, die gesamte Kappe gleichmäßig auszuleuchten. Helligkeitsverläufe sind aufgrund der intelligent gewählten Beschriftung aber vorrangig auf Zahlentasten sichtbar. Keinen Anteil an der Qualität der Beleuchtung hat das transparente Oberteil der Taster. Cherrys MX RGB erzielen mit ähnlicher, aber ausgefeilter Technik bessere Wirkung; dort erreicht das Licht der Dioden auch den unteren Bereich der Taster in größerem Maß. Je nach Farbton bzw. Effekt gibt die Beleuchtung zudem ein leises Fiepen von sich. Dieses Störgeräusch ist aus normalem Sitzabstand bei völliger Stille kaum wahrnehmbar, nichtsdestoweniger aber unnötig.

Nach Maß nur im Makromodus

Die Beleuchtung umfasst bei Vpro auch die Status-LEDs, die in die Einzeltastenbeleuchtung integriert wurden. Bei Druck auf Caps Lock oder Rollen leuchtet die entsprechende Taste permanent in Weiß, wobei die Helligkeit dieser Statusfunktion zusammen mit den übrigen Tasten geregelt wird – ein selten beachtetes Detail. Beleuchtet wird die 720S entweder über eine Anzahl vorgegebener Effekte oder in sieben festgelegten Farben. Hier wird ein Tastendruck allerdings mit einem reaktiven Effekt verknüpft: Die Taste wechselt kurz auf eine Kontrastfarbe, um die Auslösung anzuzeigen. Die Wiedergabegeschwindigkeit der Leuchtmuster kann in einem breiten Spektrum eingestellt und auch auf ein erträgliches Niveau reduziert werden, das nicht vom Geschehen auf dem Bildschirm ablenkt.

Abstellen lässt sich dieser Effekt ohne Rückgriff nicht oder nicht überall. Denn die erste Funktionsebene der Tastatur kann nicht verändert werden. In diesem Standardmodus stehen nur auf der Tastatur hinterlegte Farben und Muster zur Verfügung. Die unbefriedigende Software erlaubt hingegen nur das Programmieren und Konfigurieren einer zweiten Makro-Ebene, die per Druck auf die M-Taste oberhalb des Nummernblocks aktiviert wird. Erst dort besteht die Möglichkeit, eigene Farbtöne und Effekte auf die Tasten zu legen. Auf beiden Ebenen lassen sich zudem die drei Lichtleisten am Chassis unabhängig von den Tasten ansprechen. In den Leuchtelementen sitzen allerdings zu wenig Dioden, das Ergebnis ist eine „fleckige“ Beleuchtung, die umso ausgeprägter wird, je größer die Helligkeit der Umgebung ist.

Alltagserfahrungen: Ordentlich

In die V720S verbaut Vpro ausschließlich blau kodierte Taster unter dem Label des Mutterkonzerns rapoo. Dabei handelt es sich gemäß Farbkonventionen um Modelle, die einen eindeutigen Druckpunkt besitzen und dessen Erreichen mit der Generierung eines Klickgeräusches begleiten. Der Widerstand am Druckpunkt beträgt 60 Gramm, womit die Taster laut Spezifikation etwas schwergängiger als Cherrys MX Blue sind.

Blaue Taster sind sich nur ähnlich

Dieser Unterschied hält dem Vergleich von Papier und Realität nicht stand. Vpros Taster erscheint in der Praxis keinesfalls schwergängiger als das Vorbild, obwohl sich fünf Gramm Unterschied am Widerstand durchaus bemerkbar machen sollten. Im Gegenteil wirkt Vpros Blue-Variante fast schon leichtgängiger. Zudem fällt die Rückmeldung an den Fingern weniger zugespitzt aus. Der Klick selbst wird dabei eine Spur deutlicher akzentuiert, die Feder wiederum weicher und schwammiger abgestimmt. Beides fällt in die Kategorie persönlicher Geschmack. Zur Lebensdauer der Taster – angegebenen werden 50 Millionen Klicks – liegen allerdings keine Erfahrungen vor. Über der Langzeitqualität von Rapoo Blue schwebt deshalb ein Fragezeichen.

Vpro V720S

Leise Taster sind „Blues“ allein aufgrund ihres künstlichen Klickgeräusches nicht. In der V720S wird diese Eigenheit durch die offene Kulisse verstärkt. Die Tastatur fällt durch hellen Klang auf, der bisweilen von leisem Nachhallen der Federn unterlegt wird. Dieses Nebengeräusch hängt stark vom Kraftüberschuss beim Herunterdrücken der Tasten ab. Wird normal getippt, verschwindet es ganz. Ein Leisetreter ist die Tastatur aufgrund ihrer hellen, dadurch sehr präsenten Stimme aber nie.

Solide in Benutzung

Im Einsatz fällt neben dem Tippgeräusch sofort die zu geringe Tiefe der Handballenauflage auf. Aufgrund der fehlenden Fläche entfaltet sie zu wenig Wirkung, die Handballen kommen bei kleineren Händen nur (unbequem) auf der Vorderkante zum Liegen, bei größeren Extremitäten entfällt dann jegliche Wirkung. Immerhin: So spielt die unglückliche Montage keinerlei Rolle, was zusammen mit dem Ausstattungsmerkmal auch einen Kritikpunkt entwertet.

Der Verzicht auf die Markierung von Zusatzfunktionen stört zu keinem Zeitpunkt. Indem nach einem Druck auf die FN-Taste ausschließlich Funktionstasten beleuchtet werden, gewährt die Beleuchtung eine erste Hilfestellung. Weiteren Aufschluss gibt das Handbuch, das allerdings eine Schnellübersicht vermissen lässt. Suboptimal erscheint die Position der FN-Taste, die über dem Nummernblock jede Art von Klammergriff unterbindet. Da die Beleuchtung nicht permanent geändert wird, ist das mehr ungewohnt als wirklich störend. Im Gegenzug erhalten Nutzer ein Eingabegerät mit unauffälligem Äußeren, dessen 105 Standardtasten in Größe und Funktion vollständig dem Normlayout folgen.

FN-Funktionen
Tastenkombination Funktion
Vpro+F1-F7, F9-F11 LED-Effekte
Vpro+F8 Statische Beleuchtung
Vpro+F12 Beleuchtung der Zierleisten
Vpro+Up/Down Helligkeitsregelung
Vpro+Left/Right Geschwindigkeit der LED-Effekte

Keine Medien für FN

Gespart hat Vpro aber auch an Medienfunktionen für die FN-Ebene, deren Fehlen erst verdeutlicht, wie viel Komfort dieses kleine Extra im Alltag eigentlich einbringt. Diese Funktionen lassen sich zwar über die Software nachrüsten, aber nur, wenn zugleich auf die Standardfunktionen von Tasten verzichtet wird. Da die vier mechanischen Zusatztasten nicht neu belegt werden können, muss also im dringenden Bedarfsfall an anderer Stelle verzichtet werden – zumindest in Teilen. Denn die selbst erstellte Konfiguration wird auf einer zweiten Belegungsebene gespeichert, die per Druck auf die M-Taste geladen wird. So lässt sich schnell zwischen den Standardfunktionen und einer angepassten Tastenbelegung wechseln, was durchaus praktisch sein kann.

Auf dieser Makro-Ebene – und nur dort – werden zudem selbst erstellte LED-Profile geladen –, und zwar zwingend, denn die vorgegebenen Effekte und Konfigurationen können nicht mehr genutzt werden, sie sind ohne Rückgriff auf die Software nur im Standardmodus verfügbar. Das Problem daran: Erklärt oder dokumentiert wird kaum etwas. So konnte nicht abschließend geklärt werden, ob der reaktive Zusatzeffekt bei einfarbiger Beleuchtung der Standard-Ebene deaktiviert werden kann. Das muss besonders ärgern, wenn Dokumentation und Anleitungen den Hersteller mehr Zeit als Geld, den Anwender aber Nerven kosten.

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