Rubberdome & Mechanisch : Tastaturen für Gaming & Office im Test

Die Qual der Wahl

Eingabegeräte, obschon oft vernachlässigt, sind als Schnittstelle zwischen Nutzer und Heimrechner eine der wichtigsten Komponenten eines PCs. Im Falle von Tastaturen lassen sich mit handelsüblichen Großserienprodukten zwischen drei und dreihundert Euro in ein entsprechendes Modell investieren. Die Preisfrage lautet auch zum Weihnachtsfest 2016: Was wünschen?

Das bietet der Überblick

Diese Übersicht erklärt zuerst die Unterschiede zwischen Tastaturen mit Rubberdome-Technik und mechanischen Tastern und gibt im Anschluss Empfehlungen für beide Gerätekategorien. Die Empfehlung einer „Sofa-Tastatur“ rundet den Ratgeber ab.

Weitere aktuelle Ratgeber auf ComputerBase widmen sich der Kaufberatung bei Grafikkarten und der Kaufberatung bei Prozessoren.

Kurzempfehlungen

Preisklasse Empfehlung Alternativen
Bis 10 Euro Logitech K120*
10 bis 25 Euro Cherry Evolution Stream XT* Cherry KW 3000
Microsoft Wired Keyboard 600
25 bis 50 Euro Cougar 200K* Fujitsu KB910
Gigabyte Force K7
Corsair Raptor K30
VicTsing I-500
50 bis 75 Euro Cherry MX Board 3.0* Qpad MK-50 Pro
75 bis 100 Euro Logitech G910 Fnatic Rush G1 (ehem. Func KB-460)
Ozone Strike Battle
100 bis 125 Euro Cooler Master MasterKeys Pro L Logitech G810
Logitech G710+
125 bis 150 Euro Cherry MX Board 6.0 Corsair K70
Cooler Master MasterKeys Pro L RGB
über 150 Euro Corsair K95 Platinum Razer BlackWidow Chroma
*Award: ComputerBase-Empfehlung

Detaillierte Entscheidungshilfen

Taster und Technik

Tastaturen sind in den letzten Jahren immer stärker aus der Nische und in den Fokus zahlreicher Hersteller gerückt. Der technische Unterbau teilt den Markt zunächst grob in zwei Klassen: Eingabegeräte mit Gummiglocken-Technik (Rubberdome) und solchen mit aufwendigeren, mechanischen Tastern – jeweils mit unterschiedlichen Varianten und Abarten, durch die sich einzelne Hersteller besonders in Szene setzen möchten. Beide Produktklassen haben unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Rubberdome-Technik erklärt

Auf Gummiglocken basierende Schalter sind, wie der ComputerBase-Überblick darlegt, flexibel in Form, dem taktil-weichen Tippgefühl mit stets spürbarem Druckpunkt und im Einsatz. Dies zeigt sich unter anderem an den zahlreichen Layout-Variationen in diesem Segment. Ausgelöst wird ein Signal, in dem durch das Eindrücken der Gummiglocke zwei Leiterfolien zusammengepresst werden. Die qualitative Lebensdauer der Taster ist jedoch in der Regel begrenzt, da sich die Charakteristik im Laufe der Zeit durch Alterungsprozesse des Gummis verändert.

Leiterfolien unter der Gummimatte (Cherry G83)
Leiterfolien unter der Gummimatte (Cherry G83)

Aufgrund der geringen Herstellungskosten können derart bestückte Tastaturen außerhalb des absoluten Budget-Bereichs aber in der Regel mit einer umfangreichen Ausstattung aufwarten - abseits des Key-Rollovers (KRO), das aufgrund technischer Limitierungen in der Regel lediglich lokal die gleichzeitige Erfassung von mehr als zwei gleichzeitigen Eingaben erlaubt. Als veredelte, aber sehr teurere Version dieser Technik kommen Taster von Topre ins Spiel, welche die Charakteristik und das Tippgefühl von Gummiglocken mit der Präzision typischer mechanischer Schalter verbinden.

Mechanische Taster erklärt

Teure Mechanischen Tastaturen haben sich in den letzten Jahren erneut im gehobenen Preisbereich zu starken Konkurrenten für die dominanten Rubberdome-Produkte entwickelt. Während hier durch Schalter unterschiedlichster Charakteristik eine größere Bandbreite präziserer Rückmeldungen angeboten werden kann, sind Taster in aller Regel mit einem festen Hubweg von vier Millimetern und hohen Tastenkappen versehen, wobei die Auslösung mit stets hörbarem Geräuschpegel einhergeht – „Notebook-Tastaturen“ lassen sich auf diese Weise nicht realisieren. Da ein Signal jedoch üblicherweise mit oder ohne Markierung des entsprechenden Punktes nach rund der Hälfte dieser Wegstrecke übertragen wird, müssen die Taster anders als bei Gummiglocken nicht vollständig heruntergedrückt werden. Hubweg und Signalpunkt, der bei Cherrys MX Speed etwa schon nach 1,1 Millimetern, bei Razer Yellow nach 1,2 Millimetern erreicht wird, können jedoch abhängig vom Tastertyp variieren.

Es muss nicht immer Cherry sein

Immer mehr Hersteller werfen abseits der dominanten MX-Schalter von Cherry „eigene“ Taster in den Ring. Während im Einstiegsbereich der Griff zu den in dieser Preisklasse weniger überzeugenden Alternativen von Kailh oder vergleichbar stark an Cherrys Tastern angelehnten Varianten trotz gradueller Verbesserungen der Qualität in den vergangenen Monaten aufgrund der geringen Preisdifferenz nicht lohnt. Qualitativ vergleichbar sind erst die Modelle von Razer sind im gehobenen Segment.

Logitech bietet im Luxusbereich zudem RGB-Taster auf Alps-Basis an. Steelseries profiliert sich mit unter eigenem Label vertriebenen Kalih-Tastern, die den Hubweg auf drei Millimeter verkürzen und mit flachen Tastenkappen bestückt werden. Beide Varianten sind ebenso wie Cherrys neue MX-Silent-Taster hörbar leiser als herkömmliche mechanische Schalter.

Eine Frage des Geschmacks

Welche Variante bevorzugt wird, ist nicht nur eine Frage des Geldes. Rückmeldung und Klang der Taster sowie die gewünschten Zusatzfunktionen und Ansprüche an das Layout spielen ebenso eine Rolle. Diese Punkte müssen individuell anhand des eigenen Bedarfes abgewogen werden. Dabei gilt: Nicht jedes beworbene Feature ist auch eines oder gar nützlich. Ungeachtet den Versprechen der Hersteller sollte daher genau überlegt werden, wie und wo sich ein praktischer Nutzen zusätzlicher Produktmerkmale einstellt. Dies gilt vor allem für zusätzliche Makro-Tasten und Makro-Funktionen, deren Nutzen für „Spieler“ im Allgemeinen noch kein Hersteller umfassend darlegen konnte.

Empfehlenswerte Rubberdomes

Fällt die Wahl auf Rubberdome-Technik, beginnt der Einstieg bei unter zehn Euro. Wie der Marktüberblick mit 18 Tastaturen für weniger als 15 Euro verrät, hat sich die K120 von Logitech für rund 8 Euro sowohl zum Spielen als auch zum Schreiben eine Empfehlung verdient – für noch weniger Geld wird aus günstig billig. Verdoppelt sich das Budget, rücken mit der Cherry KW 3000 eine Funktastatur und mit der Cherry G85 Evolution Stream XT ein Modell mit Scissor-Tastern im Notebook-Stil in die Auswahl.

Logitech K120
Logitech K120

Empfehlungen in der Mittelklasse

Verdoppelt sich der Kaufpreis erneut, kann zusätzliche Ausstattung gewählt werden. Auch hier sind Tastaturen im Laptop-Stil wie die Cougar 200K oder die Fujitsu KB910 durchweg empfehlenswert. Spieler mit dem Wunsch nach Makrotasten finden in der Tt eSports Challenger Prime einen Begleiter, müssen jedoch bei Verarbeitungsqualität oder Tippgefühl Abstriche machen.

Generell empfiehlt es sich aus diesem Grund, bis zu einem Kaufpreis von rund 30 Euro um Produkte mit überbordender Ausstattung herumzugreifen. Was mit massiver Featurezahl nach Schnäppchen klingt, ist in aller Regel durch Abstriche im Punkto Qualität erkauft und die Investition nicht wert.

Empfehlungen für Spieler

Erst zwischen 40 und 50 Euro lohnt der Griff zu dedizierten Spieletastaturen uneingeschränkt, da in diesem Fall auch den Gummiglocken selbst genügend Aufmerksamkeit gewidmet wurde. in aller Regel wird mit einer Tastatur vor allem geschrieben, weshalb den Tastern vorderste Aufmerksamkeit zukommen sollte. Einen guten Eindruck hinterlässt Corsairs Raptor-Serie insbesondere in Form der K50 und K40. Im Microsoft Natural Ergonomic Keyboard 4000 finden Vielschreiber alternativ eine ergonomische Tastatur für den Office-Betrieb.

Empfehlungen in der Luxusklasse

Oberhalb von 50 Euro wachsen die Anzahl der Zusatzschalter und Ausstattungsmerkmale in gleichem Maße wie der Kaufpreis, nicht so sehr jedoch die Qualität der verwendeten Taster-Technik, deren „Sweet Spot“ bereits zum kleineren Kurs erreicht wird. Mit RGB-Beleuchtung, Displays, Touchscreens oder variablem Aufbau versuchen Hersteller, sich gerade im Hinblick auf Spieler zusätzlich zu profilieren. Ein Kauf lohnt jedoch nur, wenn das spezielle Feedback von Rubberdome-Tastern sowie die hier angebotenen Ausstattungsmerkmale unbedingt gewünscht werden.

Den preislichen Höhepunkt erreicht Mad Catz mit der modularen Strike 7 für 270 Euro, die allerdings wie viele ihrer Brüder auf ein Key-Rollover von 2 limitiert bleibt. Displays jeder Art kranken zudem an proprietärer Hersteller-Software. Da keine übergreifende API existiert, bleibt die Unterstützung durch Entwickler lückenhaft. In diesem Bereich eine Kaufempfehlung auszusprechen, ist insofern rational nicht zu begründen.

Empfehlenswerte mechanische Tastaturen

Bei mechanischen Tastaturen beginnt der empfehlenswerte Einstieg mit der Cherry MX Board 3.0 für rund 55 Euro mit Zusatztastern und atypisch flachen Tastenkappen, aber ohne Beleuchtung und lediglich separat erhältlicher Handballenauflage. Schreibgefühl und Verarbeitung der Taster unterscheiden sich indes nicht von weit teureren Tastaturen, die in der Regel nur mit einem Mehr an Ausstattung aufwarten

Cherry MX Red und Cherry-Stabilisatoren
Cherry MX Red und Cherry-Stabilisatoren

Bei knappem Budget kann, wenn es unbedingt eine beleuchtete Tastatur sein muss, auch ein Griff zur rund 55 Euro teuren Sharkoon Skiller Mech lohnen. Anwender müssen zu diesem Kurs allerdings mit Kailh-Tastentechnik und leichten Geräuschen der Hintergrundbeleuchtung leben. Ansonsten ist erst die Func KB-460, die mittlerweile als Fnatic Rush G1 angeboten wird, eine gute Wahl und wie die MX Board 3.0 mit den drei populärsten MX-Tastertypen erhältlich.

Empfehlungen in der Oberklasse

In der gehobenen Preisklasse wartet weitere Ausstattung auf ihren Einsatz, die in Form von zusätzlichen Tasten realisiert wird. Nur im Falle von dedizierten Makrotasten lässt sich jedoch deren mechanische Ausführung erwarten, ansonsten werden die flexibleren Gummiglocken verwendet. Die Corsair Vengeance K70 wartet mit Medientasten und Wahlrad zur Steuerung der Lautstärke auf, die G710+ mit Makrotasten und Dämpfungsringen unter den Tastenkappen. Beide sind wie die Razer Black Widow Ultimate 2014 mit Makro- aber ohne Medientasten, abhängig von den eigenen Anforderungen, empfehlenswert. Das gleiche Urteil trifft für nur noch knapp 130 Euro teure Logitech G910 und ihre schlichte Schwester zu, die G810, die mit massiver Ausstattung inklusive RGB-Beleuchtung aufwarten können. Ähnlich schlicht mit RGB-Beleuchtung, aber MX-Tastentechnik wird es bei Cooler Masters MasterKey-Reihe. Geht es hingegen weniger um Ausstattung als um gediegene Verarbeitung mit nochmals verfeinertem Schreibgefühl, kann zu Duckys Shine-Serie gegriffen werden.

Empfehlungen in der Luxusklasse

Ab etwa 160 Euro beginnt bei mechanischen Tastaturen die Luxusklasse. Das Keyboard 4, Ducky Legend sowie die Cherry MX Board 6.0 zeichnen sich durch Verarbeitung höchster Güteklasse und dezentes Auftreten aus. Alternativ offerieren Corsair und Razer zu diesem Kurs RGB-Versionen ihrer mechanischen Tastaturen.

Empfehlungen im Kompaktformat

Tastaturen ohne Nummernblock werden aus ergonomischen Gründen vor allem von Spielern geschätzt: Das schmalere Chassis erlaubt es, Tastatur und Maus dichter zusammenzurücken. Dennoch fällt das Angebot entsprechender Produkte schmal aus.

Teuer muss der Einstieg in diesen Formfaktor deshalb aber nicht ausfallen: Zum ausprobieren mechanischer Taster und des Kompaktformats bietet sich die die VicTsing I-500 für rund 30 Euro an – eine grundsolide Tastatur, bei der Käufer lediglich mit potentiell nicht unbgerenzt haltbarer Beschriftung und bei manchen Modellen erhöhter Lautstärke leben müssen. Zum kleinen Preis kann das verschmerzbar sein.

Für rund 80 Euro sind einfache, aber beleuchtete Basismodelle verschiedener Hersteller erhältlich. Hervorzuheben ist neben der 80 Euro teuren Ozone Strike Battle, die das Kompaktformat besonders konsequent interpretiert. Bei Cooler Master kündigt sich mit der MasterKeys S zudem eine interessante Alternative ohne LEDs und mit höherwertigen Tastenkappen an.

Ozone Strike Battle
Ozone Strike Battle

Ist in der Kompaktklasse eine RGB-Hintergrundbeleuchtung gefragt, findet sich mit der K65 RGB Compact von Corsair ein vernünftiges Modell, das besondere Stärken im Bereich der Software ausspielen kann.

Empfehlenswerte Sofa-Tastaturen

Ein Spezialfall sind Eingabegeräte, die uneingeschränktes Spielen mit Maus und Tastatur vom Sofa aus ermöglichen sollen. Völlige Freiheit mit fast typischer Schreibtisch-Umgebung aber hohem Platzbedarf gewährt der Couchmaster Cycon, zu dessen Kaufpreis von rund 150 Euro aber noch weitere Kosten für Maus und Tastatur zu addieren sind. Die beste rundum-sorglos-Lösung ist aktuell aber Roccats Lapboard Sova in seiner leichteren und damit besseren Rubberdome-Variante, die zum gleichen Kurs bereits eine Tastatur enthält.

nerdytec Couchmaster Cycon
nerdytec Couchmaster Cycon

Alle Tests von Tastaturen finden sich im Testarchiv von ComputerBase. Dieser Artikel wird kontinuierlich aktualisiert und ist jederzeit über die Themenseite Tastaturen erreichbar.

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