AMD Ryzen 3 2200G & 5 2400G im Test: Desktop-APUs mit starker GPU machen erste Ryzen obsolet 2/4

Volker Rißka 1.248 Kommentare

Die Leistung der integrierten Grafik (Update)

Eine APU von AMD stand bisher in erster Linie für die integrierte Grafikeinheit, dafür wurde sie gekauft. Und ausgerüstet mit dem aktuellen Adrenalin-Treiber 18.2.1 zeigt Raven Ridge eindrucksvoll, dass sich an diesem Urteil nichts geändert hat.

AMDs neue APUs deklassieren die Vorgänger und Intels CPUs (Treiber 15.60.2) auf ganzer Linie. Den Konkurrenten trifft es dabei gleich doppelt hart: Kaveri ist in Spielen selbst heute noch schneller als Coffee Lake. Bristol Ridge zeigt sich hingegen schwach.

Interessant in Bezug auf Raven Ridge ist dabei nicht nur, wie die APU mit Vega-Architektur und neuen CPU-Kernen in Spielen einen Sprung nach vorn gemacht hat, sondern auch, wie gering der Abstand zwischen Vega 8 und Vega 11 am Ende ist. In sehr vielen Benchmarks liegen beide GPUs sehr nahe beieinander, sodass der Rückstand für Vega 8 im Ryzen 3 2200G im Durchschnitt am Ende kaum bemerkbar ist.

AMD hatte das mit eigenen Benchmark-Ergebnissen bereits angedeutet. Im eigenen Test ist es am Ende dennoch überraschend zu sehen, wie eng die beiden Grafiklösungen trotz 28 Prozent weniger Shadern und 12 Prozent geringeren Takts für die kleinere Vega 8 doch zusammen liegen.

Pentium G mit GeForce GT 1030 liegt mal vorn und mal zurück (Update)

Preislich auf Augenhöhe kann aktuell nur ein Intel Pentium G4560 (Test) gepaart mit einer GeForce GT 1030 (Test) Raven Ridge Paroli bieten. 120 Euro, 50 Euro für die CPU und 70 Euro für Grafikkarte, setzen diese Kombination preislich exakt in die Mitte zwischen die beiden neuen APUs.

Bei der Spieleleistung zeigt sich dann, dass es extrem auf den Titel und die Einstellungen ankommt, welche Plattform gewinnt. Den Grafikspeicher in Bezug auf Bandbreite weniger fordernde Titel lassen Vegas Grafikeinheit schnell 15 Prozent in Front liegen, doch wird das Speicherinterface wichtiger, zieht die GT 1030 mindestens gleich oder sogar deutlich vorbei, ein Plus von 30 oder 40 Prozent ist dann messbar. Auch hinsichtlich der Leistungsaufnahme steht die Kombination zudem sehr gut dar.

Doch einen gewaltigen Nachteil hat der Pentium: Zwei Kerne und Hyper-Threading lassen ihn bei der CPU-Leistung auf das Kaveri-Niveau des A10-7890K rutschen, wie ein Cinebench-Ergebnis von 375 Punkten oder die Video-Umwandlung mit Handbrake in 13:32 Minuten zeigt – mindestens 576 Punkte liefert respektive die Arbeit in nur 7:47 Minuten erledigt der 95-Euro-Raven-Ridge; AMD liegt hier 60 Prozent und mehr in Führung.

Die Leistung in Anwendungen

Raven Ridge hat aber nicht nur eine starke Grafikeinheit, die neue APU bricht auch mit den vergangenen Schwächen der CPU-Kerne bzw. -Module. Dank deutlichem Taktvorsprung liegen sie am Ende mit neun respektive gar dreizehn Prozent gegenüber ihrem jeweiligen Vorgänger vom Typ Ryzen deutlich in Führung, zum gleichen oder gar niedrigeren Preis werden die neuen Modelle die älteren ohne Probleme ersetzen. Damit holt der Ryzen 3 2200G sogar den Ryzen 3 1300X und der Ryzen 5 2200G den Ryzen 5 1500X ein – diese sollten aber ab April in aufgewerteter Form und mit mehr Takt dank 12-nm-Fertigung einen schnelleren Nachfolger erhalten. Aktuell sorgen die beiden neuen APUs aber dafür, dass nicht nur zwei, sondern gleich vier alte Ryzen obsolet werden.

Die Leistung mit zusätzlicher diskreter Grafik

Da die integrierte Grafik nicht allen Aufgaben gewachsen ist, werden die Prozessoren auch mit einer diskreten Grafikkarte getestet. Dabei soll exakt ermittelt werden, zu was die CPU imstande ist; ergo muss die schnellste Grafiklösung her, um eine etwaige Limitierung von der Seite her möglichst auszuschließen. Anfang 2018 ist dies nach wie vor eine übertaktete GeForce GTX 1080 Ti.

Dabei zeigt sich, dass die Ryzen mit vier Kernen zwar näher an die Intel-Prozessoren herankommen, diese aber auch heute noch nicht schlagen können. Erhöht sich bei den Intel-CPUs dann die Kernzahl auf sechs, steht die CPU allein auf weiter Flur. Erst wenn die Grafikkarte in der 4K-Auflösung mit maximal möglichen Details langsam ins Limit läuft, nähern sich alle Probanden einander an.

Speicherskalierung

Schneller Speicher ist wichtig, insbesondere bei Prozessoren, die auf eine integrierte Grafik vertrauen. AMDs APUs wussten bereits in der Vergangenheit davon Gebrauch zu machen, Intels CPUs hingegen profitieren kaum. Dieser Test bestätigt das.

AMD Raven Ridge
AMD Raven Ridge

Raven Ridge erwies sich im Test dabei als zum Start bereits deutlich ausgereifter als Ryzen im März 2017, so hohe Taktraten wie Intel erreicht auch diese Architektur aber noch nicht. Mit Raven Ridge auf dem Asus-Mainboard war der Takt von DDR4-4000 aktuell noch nicht zu erreichen, auf der Intel-Plattform macht das Kit von G.Skill mit Spezifizierung auf DDR4-4133 diesen Takt hingegen mit. Bei AMD lief „nur“ DDR4-3600 letztlich stabil im Test. Der Sprung per Overclocking bleibt damit deutlich geringer als bei der Intel-Plattform, denn Raven Ridge startet ja bereits bei DDR4-2933.

Speicherskalierung: Von Default zu DDR4-4000
  • Cinebench x-CPU:
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-2933 CL15)
      826
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3600 CL19)
      822
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3200 CL14)
      818
    • Core i3-8100 (DDR4-2400 CL15)
      598
    • Core i3-8100 (DDR4-4000 CL19)
      590
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-2933 CL15)
      576
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-3600 CL19)
      551
    Angaben in Punkten
  • Blender:
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-2933 CL15)
      3:28
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3200 CL14)
      3:29
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3600 CL19)
      3:29
    • Core i3-8100 (DDR4-2400 CL15)
      4:15
    • Core i3-8100 (DDR4-4000 CL19)
      4:22
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-2933 CL15)
      4:49
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-3600 CL19)
      5:03
    Angaben in Minuten, Sekunden
  • Handbrake:
    • Core i3-8100 (DDR4-2400 CL15)
      6:20
    • Core i3-8100 (DDR4-4000 CL19)
      6:21
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3200 CL14)
      6:23
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-2933 CL15)
      6:25
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3600 CL19)
      6:25
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-2933 CL15)
      7:47
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-3600 CL19)
      7:58
    Angaben in Minuten, Sekunden
  • 7-Zip:
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3600 CL19)
      21.889
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3200 CL14)
      21.855
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-2933 CL15)
      21.664
    • Core i3-8100 (DDR4-2400 CL15)
      16.591
    • Core i3-8100 (DDR4-4000 CL19)
      16.425
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-2933 CL15)
      15.665
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-3600 CL19)
      14.424
    Angaben in MIPS
  • Destiny 2 – 1.920 × 1.080, niedrige Details, 50% Auflösung:
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3600 CL19)
      79,47
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3200 CL14)
      77,84
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-2933 CL15)
      76,05
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-3600 CL19)
      73,65
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-2933 CL15)
      72,77
    • Core i3-8100 (DDR4-2400 CL15)
      32,15
    • Core i3-8100 (DDR4-4000 CL19)
      30,67
  • Overwatch – 1.920 × 1.080, niedrigste Details, 75% Auflösung:
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3200 CL14)
      92,48
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3600 CL19)
      90,84
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-2933 CL15)
      87,40
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-3600 CL19)
      84,76
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-2933 CL15)
      80,19
    • Core i3-8100 (DDR4-2400 CL15)
      38,97
    • Core i3-8100 (DDR4-4000 CL19)
      37,03
  • Star Wars Battlefront 2 – 1.920 × 1.080, niedrigste Details, 50% Auflösung:
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3200 CL14)
      113,70
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-3600 CL19)
      107,26
    • Ryzen 5 2400G (DDR4-2933 CL15)
      107,06
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-3600 CL19)
      98,61
    • Ryzen 3 2200G (DDR4-2933 CL15)
      94,78
    • Core i3-8100 (DDR4-2400 CL15)
      32,61
    • Core i3-8100 (DDR4-4000 CL19)
      31,03

Doch während sich Anwendungen wie so oft relativ unbeeindruckt vom Speichertakt zeigen oder aufgrund schlechterer Timings sogar leicht schlechter abschneiden, sind es einmal mehr die Spiele, die bei AMDs APUs auf schnelleren Speicher reagieren können. Im schlimmsten Fall passiert gar nichts, im besten Fall legen sie aber zu. Dabei zeigt sich anhand des Ryzen 7 2400G auch, das die Mischung aus Timings und Takt wichtig ist: DDR4-3200 mit CL14 ist im Durchschnitt so flott wie DDR4-3600 mit CL19. Angesichts der anhaltend sehr hohen Speicherpreise sollte dieser Punkt im Kopf behalten werden. Dann ist beim Verhältnis von Preis zu Leistung aktuell in der Regel DDR4-3000 oder DDR4-3200 mit guten Timings eine gute Wahl.

Auf der nächsten Seite: Leistungsaufnahme und Temperaturen