Noctua NH-L12S im Test: Starke CPU-Kühlung für Mini-ITX-Gehäuse

Thomas Böhm 53 Kommentare
Noctua NH-L12S im Test: Starke CPU-Kühlung für Mini-ITX-Gehäuse

tl;dr: Der flache Top-Blow-Kühler Noctua NH-L12S zeigt sich im Test beeindruckend stark und lässt vergleichbar hohe Prozessorkühler hinter sich. Wer sich das Modell für ein kompaktes Mini-ITX-System anschaffen möchte, muss aber darauf achten, Arbeitsspeicher ohne aufragende Kühlrippen einzusetzen.

Klein, aber mit großem Ventilator

In einem kompakten Mini-ITX-System muss ein flacher Prozessorkühler eingesetzt werden, denn für hohe Tower-Kühler ist schlicht kein Platz. Die Auslegung dieser Kühler fällt bei verschiedenen Herstellern aber sehr unterschiedlich aus. Thermalright bietet dafür den AXP-100RH (Test) an, welcher bei 65 mm Bauhöhe einen Axiallüfter mit 100 mm Rahmenbreite, aber nur 14 mm Bautiefe bietet.

Thermalright AXP-100RH
Thermalright AXP-100RH
AMD Wraith Prism: Top-Blow-Kühler mit über 9 cm Bauhöhe
AMD Wraith Prism: Top-Blow-Kühler mit über 9 cm Bauhöhe

Die Boxed-Kühler für AMD Ryzen fallen für Boxed-Kühllösungen erstaunlich stark aus, weshalb sie eine ernstzunehmende Konkurrenz für Prozessorkühler von Drittanbietern darstellen. Wraith Max (Test) und Wraith Prism (Test) bieten jeweils vier Heatpipes und einen Ventilator mit 9 cm Durchmesser. Sie bauen für kleine Top-Blow-Kühler aber recht hoch: 85 und 93 mm ragen sie über dem Mainboard auf.

Allen drei Kühlern ist gemein, dass sie sich ausschließlich im Bereich des CPU-Sockels befinden: Sie ragen nicht über Speicherbänke oder Erweiterungsslots, sodass Käufer abgesehen von der Bauhöhe der Kühler keine Einschränkungen zu befürchten haben. Andererseits wird dadurch aber auch die mögliche Kühlfläche eingeschränkt, die den Prozessorkühlern zur Verfügung steht.

Noctua NH-L12S im Testsystem: Die erste Speicherbank wird überragt.
Noctua NH-L12S im Testsystem: Die erste Speicherbank wird überragt.

Noctua schickt in diesem Größensegment den NH-L12S in den Vergleich, ein Top-Blow-Kühler mit 70 mm Bauhöhe. Trotz der kompakten Ausmaße soll das Modell auch leistungshungrige CPUs kühlen können. Dafür wird ein Axiallüfter mit einer Rahmenbreite von 120 mm eingesetzt – ein gutes Stück größer als die genannten Konkurrenten. Die Interpretation unterscheidet sich also von den Alternativen: Im Test zeigt der Kühler von Noctua, dass er die zusätzliche Fläche effektiv nutzen kann – dafür muss aber auf hohen Arbeitsspeicher verzichtet werden.

Noctua NH-L12S
Bauform: Top-Blow
Größe (L × B × H): 146 × 128 × 70 mm (ohne Lüfter)
146 × 128 × 70 mm (mit Lüfter)
Gewicht: 390 g (ohne Lüfter)
420 g (mit Lüfter)
Heatpipes: Kupfer (vernickelt), 4 × 6 mm (Ø)
Kupferbasis (vernickelt)
Lamellen: Aluminium (vernickelt), ?
Abstand: ?
Kühler-Montage: Zweistufige Halterung mit Rückplatte
Lüfter (Modell 1): 1 × 120 × 120 × 15,0 mm
Öldruck Lager
450 – 1.850 U/min
94,2 m³/h
23,9 dBA
4-Pin-PWM
Lüfter (Modell 2):
Lüfter-Montage: Befestigung: Drahtbügel
Entkopplung: Lüfterrahmen
Kompatibilität: AMD: Sockel FM2(+)/FM1/AM3(+)/AM2(+)/AM4
Intel: LGA 2066/2011/115x
Preis: ab 50 €

Noctua NH-L12S im Detail

Als Top-Blow-Kühler kommen beim NH-L12S Heatpipes zum Einsatz, die parallel zum Mainboard ausgerichtet sind. Luft wird durch die Aluminiumlamellen des Radiators entweder vom Mainboard weg oder zum Mainboard hin befördert. Noctua lässt dem Anwender die Wahl – der Lüfter kann ober- und unterhalb des Kühlers mit Drahtklammern befestigt werden.

Die Standard-Ausrichtung des NH-L12S sieht den Lüfter unter dem Radiator vor („low profile“). Luft wird vom Mainboard aus durch die Lamellen nach oben gedrückt. Wird der Kühler so eingesetzt, liegt seine Bauhöhe bei genau 70 mm. Alternativ kann er auch mit aufliegendem Lüfter eingesetzt werden: Dadurch wird der Kühler zum „echten“ Top-Blower, denn nun wird Luft von oben durch den Radiator auf das Mainboard gedrückt. Für die zweite Variante muss aber mehr Platz eingeplant werden, denn so kommt das Modell auf eine Höhe von 85 mm.

Wenn der Ventilator unter dem Radiator befestigt wird, sind die Heatpipes des NH-L12S gut sichtbar: Noctua setzt auf vier Wärmerohre, die ebenso wie die kupferne Bodenplatte vernickelt sind. Noctua-üblich gibt es neben der Vernickelung keinerlei Verzierungen oder Blenden für den Kühler. Dafür kann er mit seiner Verarbeitungsqualität überzeugen: Die Bodenplatte ist ebenso makellos verarbeitet wie die Aluminiumlamellen des Radiators.

Noctua NH-L12S: Umfangreicher Lieferumfang
Noctua NH-L12S: Umfangreicher Lieferumfang

Beim Lieferumfang ist Noctua gewohnt großzügig: Der NH-L12S nutzt das bekannte SecuFirm-2-Montagesystem des Herstellers, welches für sämtliche Sockel von AMD und Intel kompatibel ist – mit der üblichen Ausnahme von AMDs TR4. Als Zubehör ist sogar bei dem kleinen Top-Blow-Kühler ein Schraubendreher für die Montage dabei. Die Anleitung wird für die verschiedenen Sockeltypen separat ausgeführt. Wärmeleitpaste gibt es in einer verschließbaren Spritze und ein Adapter zur Begrenzung der Lüfterdrehzahl wird dem Käufer ebenfalls geboten.

Serienlüfter

Die Belüftung des Top-Blow-Kühlers übernimmt ein NF-A12x15. Der Ventilator bietet das Standard-Rahmenmaß von 120 mm, ist aber nur 15 mm tief. Der PWM-fähige Lüfter wird mit einem Drehzahlspektrum von 450 bis 1.850 U/min angegeben. Unter Einsatz des Low-Noise-Adapters sinkt die maximale Drehzahl auf 1.400 U/min.

Im Testsystem hängt die maximale Umdrehungsgeschwindigkeit von der Einbauposition ab: Unterhalb des Prozessorkühlers befestigt, erreicht der Ventilator die versprochenen 1.850 U/min; auf dem Kühler werden jedoch nur 1.700 U/min erreicht. Die gemessene Minimaldrehzahl liegt bei 250 U/min. Dabei geht der Lüfter ohne wahrnehmbare Nebengeräusche zu Werke. Durch den NF-A12x15 ist der Kühler für Silent-PCs empfehlenswert. Erst bei höheren Drehzahlen werden Luftgeräusche hörbar, wobei die Lautstärke schneller steigt, wenn der Lüfter unterhalb des Radiators fixiert wird.

Montage im Testsystem

Das Montagesystem des NH-L12S verwendet eine Backplate, die beim Sockel AM4 bereits zum Zubehör des Mainboards gehört. Sie wird über Abstandshalter mit zwei Metallbügeln verschraubt, welche dann als Halteplattform für den Prozessorkühler dienen. Auch auf AMD-Sockeln kann die Ausrichtung des Kühlers in 90°-Schritten versetzt frei nach Anwenderwunsch erfolgen. Zwar ist diese Wahlmöglichkeit bei einem Top-Blow-Kühler nicht unbedingt notwendig, doch mehr Möglichkeiten schaden in keinem Fall.

Der Haltesteg des Kühlers ist ebenso wie die Schrauben zur finalen Fixierung bereits vorinstalliert, sodass die Befestigung des NH-L12S angenehm und unkompliziert abläuft. Zum Erreichen der Schrauben sind entsprechende Aussparungen in den Aluminiumlamellen vorhanden. Der Kühler kann mit bereits montiertem Lüfter fixiert werden, da die Schrauben einfach zwischen den Lüfterschaufeln erreicht werden können.

Kein Platz für Heatspreader

Zwar hält der Kühler mehr als ausreichend Abstand zum ersten Erweiterungsslot, um auf Mini-ITX-Platinen Grafikkarten ohne Einschränkungen nutzen zu können, doch beim Arbeitsspeicher müssen Abstriche gemacht werden. Der großflächige Radiator fordert seinen Tribut: Wird der NH-L12S im Low-Profile-Modus eingesetzt, so passt in den ersten RAM-Slot nur Arbeitsspeicher mit einer Höhe von maximal 35 mm. RAM mit Kühlrippen würde folglich ausscheiden. Dafür müsste der Ventilator auf dem Kühler angebracht werden – so würde Platz für bis zu 48 mm hohe Speicherriegel geschaffen.

Noctua NH-L12S im Testsystem: Nur niedriger RAM passt in den ersten Slot
Noctua NH-L12S im Testsystem: Nur niedriger RAM passt in den ersten Slot
Noctua NH-L12S im Testsystem: Hoher RAM passt mit aufgesetztem Lüfter
Noctua NH-L12S im Testsystem: Hoher RAM passt mit aufgesetztem Lüfter

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