Noctua NH-L12S im Test: Starke CPU-Kühlung für Mini-ITX-Gehäuse 2/2

Thomas Böhm 53 Kommentare

Messergebnisse

Der Top-Blow-Kühler wird auf dem AMD Ryzen 7 1700X (Test) des Kühler-Testsystems eingesetzt. Als Vergleichswerte bieten sich insbesondere die ebenfalls als Top-Blow-Modelle ausgeführten AMD-Boxed-Kühler Wraith Max und Wraith Spire (Test) sowie der Thermalright AXP-100RH (Test) an. Sämtliche Details zu dem Testsystem und der Methodik hält der Artikel „So testet ComputerBase CPU-Luftkühler" bereit.

Kühlvermögen

Wie üblich gilt bei Prozessorkühlern, die mit ihrem Lüfterformat vom gängigen Standard abweichen, dass Messwerte, die die Kühler bei gleichen Drehzahlen vergleichen, mit Vorsicht zu genießen sind: Messungen mit fixen Drehzahlen sorgen bei unterschiedlich großen Lüftern für teilweise starke Abweichungen in der Lautstärke und im Kühlvermögen. Der beste Vergleich mit anderen Kühlern kann daher über die Lautstärke und nicht die Drehzahl gezogen werden.

Für einen ersten Überblick werden zunächst die Ergebnisse in den verschiedenen Drehzahlstufen gezeigt und anschließend der relevante Vergleich mit anderen Kühlern durchgeführt.

Messungen im Standardtakt

Zunächst folgen Messungen bei nicht übertakteter CPU. Der AMD Ryzen 7 1700X des Testsystems wird mit seiner Basis-Taktfrequenz von 3,4 GHz und bei einer fixierten Kernspannung von 1,15 Volt betrieben. So werden thermisch bedingte Schwankungen des Taktes verhindert. Zur Belastung der CPU wird Prime95 auf allen 16 logischen Kernen eingesetzt.

Temperaturdifferenz CPU zu Raum
Angaben in Kelvin
  • Noctua NH-L12S (low profile):
    • Maximale Drehzahl
      37,9
    • 1.500 U/min
      39,2
    • 1.000 U/min
      44,2
  • Noctua NH-L12S (high clearance):
    • Maximale Drehzahl
      35,2
    • 1.500 U/min
      36,3
    • 1.000 U/min
      42,3
  • Thermalright AXP-100RH:
    • Maximale Drehzahl
      41,2
    • 2.000 U/min
      43,3
    • 1.500 U/min
      51,3
    • 1.000 U/min
      65,0
  • AMD Wraith Max:
    • Maximale Drehzahl
      38,3
    • 2.000 U/min
      42,7
    • 1.500 U/min
      47,2
    • 1.000 U/min
      62,2
  • AMD Wraith Prism:
    • Maximale Drehzahl
      40,1
    • 2.000 U/min
      43,3
    • 1.500 U/min
      48,6
    • 1.000 U/min
      65,6
  • AMD Wraith Spire:
    • Maximale Drehzahl
      45,9
    • 2.000 U/min
      53,3
    • 1.500 U/min
      65,6
    • 1.000 U/min
      0,0
      Hinweis: nicht möglich

Im Vergleich zu den anderen Top-Blow-Kühlern zeigt der NH-L12S ein sehr stabiles Verhalten: Die CPU-Temperatur geht auch bei verhältnismäßig niedrigen 1.000 U/min noch nicht stark nach oben – hier spielt der 120-mm-Lüfter seine Stärken aus. Kleinere Ventilatoren brechen bei dieser Drehzahl schon ein, doch der 120-mm-Lüfter kann noch ausreichend Luft durch den Radiator befördern. Auch bei hohen Drehzahlen kann der Kühler von seinem größeren Ventilator profitieren. Obwohl der Noctua-Proband als einziger Vertreter mit weniger als 2.000 U/min als maximale Drehzahl aufwarten kann, landet er vor den Konkurrenten.

Ebenfalls erwähnenswert ist, dass das Kühlvermögen des NH-L12S mit oberhalb des Kühlers montiertem Ventilator („high clearance“) ansteigt: Bei gleicher Drehzahl wird die CPU um 2 bis 3 Kelvin kühler gehalten als mit unterhalb befestigtem Lüfter („low profile“). Im Gegenzug steigt die Temperatur der CPU-Spannungswandler minimal an, da nun erwärmte Luft auf die VRMs trifft. In beiden Ausrichtungen bleiben die Spannungswandler aber bei (laut Mainboard-Sensor) unter 70 °C und somit im tiefgrünen Bereich.

Messungen mit Übertaktung

Noctua warnt auf der Produktseite des NH-L12S davor, den Kühler auf Prozessoren mit einer TDP von mehr als 95 Watt einzusetzen, da er nicht für hohe Übertaktungen ausgelegt ist. Einem Test mit übertakteter CPU muss er sich dennoch stellen. Als Übertaktungsprofil wird hierbei eine Taktfrequenz von 3,8 GHz mit einer Kernspannung von 1,35 Volt für den Ryzen 7 1700X angelegt. So steigt die Leistungsaufnahme des Prozessors auf deutlich über 100 Watt.

Temperaturdifferenz CPU zu Raum (OC)
Angaben in Kelvin
  • Noctua NH-L12S (low profile):
    • Maximale Drehzahl
      65,9
  • Noctua NH-L12S (high clearance):
    • Maximale Drehzahl
      62,6
    • 1.500 U/min
      64,5
  • AMD Wraith Max:
    • Maximale Drehzahl
      65,8
  • AMD Wraith Prism:
    • Maximale Drehzahl
      65,2

Der NH-L12S kann die CPU übertaktet gerade noch ausreichend kühlen, ist damit aber definitiv am Ende seiner Leistungsfähigkeit angelangt. Für starkes Übertakten sind kleine Kühler nicht gemacht – im Falle des Testsystems landet der Prozessor unter andauernder Volllast bei einer Raumtemperatur von 22 °C bereits bei fast 90°C, selbst wenn der Ventilator mit maximaler Drehzahl arbeitet.

Schalldruckpegel

Schalldruckpegel
Angaben in dB(A)
  • Noctua NH-L12S (low profile):
    • Maximale Drehzahl
      40,1
    • 1.500 U/min
      36,3
    • 1.000 U/min
      33,2
  • Noctua NH-L12S (high clearance):
    • Maximale Drehzahl
      36,8
    • 1.500 U/min
      35,1
    • 1.000 U/min
      33,2
  • Thermalright AXP-100RH:
    • Maximale Drehzahl
      38,7
    • 2.000 U/min
      37,4
    • 1.500 U/min
      34,3
    • 1.000 U/min
      33,3
  • AMD Wraith Max:
    • Maximale Drehzahl
      43,4
    • 2.000 U/min
      37,8
    • 1.500 U/min
      34,4
    • 1.000 U/min
      33,2
  • AMD Wraith Prism:
    • Maximale Drehzahl
      44,3
    • 2.000 U/min
      37,6
    • 1.500 U/min
      34,3
    • 1.000 U/min
      33,2
  • AMD Wraith Spire:
    • Maximale Drehzahl
      41,0
    • 2.000 U/min
      35,5
    • 1.500 U/min
      33,6
    • 1.000 U/min
      33,2

Bei den Messungen des Schalldruckpegels hat der NH-L12S den Nachteil, der ihm bei den Kühlleistungstests zum Vorteil gereicht hat: Bei gleicher Drehzahl befördert er mehr Luft, wodurch er in der Theorie auch lauter wird. Tatsächlich macht sich das aber zumindest bei 1.000 U/min noch nicht bemerkbar. Der nebengeräuschfreie Betrieb des Ventilators wirkt sich hier positiv aus, sodass der Kühler gleichauf mit den Konkurrenten ist, welche durch Laufgeräusche für einen etwas höheren Schallpegel sorgen.

Bei 1.500 U/min führen dann die Kühler mit kleineren Ventilatoren. Die Messungen mit maximaler Drehzahl kann das Noctua-Produkt wieder für sich entscheiden, weil der Ventilator deutlich langsamer als die Konkurrenz dreht.

Kühlvermögen über Schalldruckpegel

Der interessanteste Vergleich des NH-L12S mit anderen Kühlern ist in der direkten Gegenüberstellung zwischen Kühlvermögen und Schalldruckpegel zu finden. In dieser Darstellung wird die vom Kühler erreichte Temperaturdifferenz zwischen CPU-Temperatur und Raumtemperatur auf der Y-Achse gezeigt. Auf der X-Achse wird der Schalldruckpegel zu den jeweiligen Messpunkten aufgetragen. Um das Diagramm übersichtlicher zu gestalten, werden alle Messpunkte eines Kühlers linear miteinander verbunden. Dabei gilt: Je weiter unten und je weiter links sich die Kurve eines Kühlers befindet, desto kühler hält er die CPU und desto leiser ist er dabei.

Um das Diagramm nicht ausufern zu lassen, werden nicht alle bereits auf dieser Plattform getesteten Kühler gezeigt. Im Bereich des Scythe Kotetsu Mark II sowie des Cryorig H7 liegen kleinere Tower-Kühler mit einem 120-mm-Lüfter (Test). Eine Leistungsklasse höher angesiedelt sind Modelle wie der Scythe Mugen 5 (Test) und der Thermalright HR-02 Macho Rev. B (Test), mit denen bereits ernsthaftere Übertaktungsversuche möglich sind. Die untersten Linien gehören zu Kompaktwasserkühlungen mit mindestens einem 240-mm-Radiator und Doppelturm-Luftkühlern, die die CPU spielend leicht kühlen können.

In dieser Gegenüberstellung zeigt der Noctua NH-L12S einen merklichen Abstand zu den anderen Top-Blow-Vertretern. Bereits im Low-Profile-Modus mit unter dem Kühlkörper montiertem Lüfter sorgt er für eine kühlere CPU bei geringerem Lärmpegel. Wird der Ventilator auf dem Kühlkörper befestigt, so kommt er sogar dem Tower-Kühler Cryorig H7 nahe.

Ein Aufschließen zu noch größeren Luft- oder gar Wasserkühlern kann von dem kleinen Kühler schlicht nicht erwartet werden. Die Physik lässt sich nicht austricksen: Hohe Kühlleistung bei vertretbarem Lärmpegel kann nur durch eine große Fläche erreicht werden. Zusammenfassend lässt sich für den NH-L12S sagen, dass er für seine Größenkategorie beeindruckend stark agiert.

Fazit

Noctua hat mit dem NH-L12S einen potenten Prozessorkühler für Mini-ITX-Systeme im Angebot. Er überzeugt mit makelloser Verarbeitung, einem sehr laufruhigen Ventilator und einer – gemessen an der Bauhöhe – sehr guten Kühlleistung. Die Ausstattung sowie das Montagesystem überzeugen ebenfalls.

Noctua NH-L12S im Testsystem: Nur niedriger RAM passt in den ersten Slot
Noctua NH-L12S im Testsystem: Nur niedriger RAM passt in den ersten Slot

Wie für Noctua üblich werden Verzierungen am NH-L12S vergeblich gesucht. Als einziges optisches Upgrade hat der Kühler vernickelte Heatpipes erhalten. Die polarisierenden Farben des Ventilators, für die der Hersteller wahlweise berühmt oder berüchtigt ist, können selbst bei unter dem Radiator befestigtem Lüfter noch gesehen werden. Daran scheiden sich die Geister; der Qualität des Kühlers tut dies aber keinen Abbruch.

Kleiner Kühler zum großen Preis

Für den NH-L12S ruft der Hersteller 50 Euro auf. Gemessen an der absoluten Kühlleistung, die noch unterhalb des 30-Euro-Kühlers Scythe Kotetsu Mark II (Test) liegt, erscheint dieser Preis hoch. Werden jedoch Top-Blow-Konkurrenten wie der AMD Wraith Max (Test) oder der Thermalright AXP-100RH (Test) berücksichtigt, die für 45 Euro und 47 Euro gehandelt werden, so ist der Preis des Noctua-Kühlers gerechtfertigt. Zusätzlich relativieren sich die Anschaffungskosten durch Zukunftssicherheit. Noctua bietet Käufern von CPU-Kühlern auch noch nach mehreren Jahren gegen Vorlage des Kaufbelegs kostenloses Montagematerial für neue CPU-Sockel an. Mit sechs Jahren Herstellergarantie ist ein Käufer außerdem im Falle eines Defekts ebenfalls auf der sicheren Seite.

In der Summe ist der NH-L12S damit ein empfehlenswerter CPU-Kühler für den Einsatz in kleinen PC-Gehäusen. Wer nicht genug Platz für einen großen Tower-Kühler hat und eine leistungsstarke CPU nutzt, ist beim NH-L12S gut aufgehoben. Wenn nur 70 mm für den Prozessorkühler zur Verfügung stehen, muss beim Kauf des Arbeitsspeichers aber auf RAM-Module mit einer Höhe von maximal 35 mm geachtet werden. Arbeitsspeicher mit Kühlrippen vertragen sich nämlich nur mit dem Mini-ITX-Kühler, wenn der Lüfter auf statt unter dem Kühlkörper befestigt wird, wodurch die Bauhöhe auf 85 mm ansteigt.

Noctua NH-L12S
Produktgruppe Prozessorkühler, 22.05.2018
  • Kühlleistung
    +
  • Qualität Kühlkörper
    ++
  • Qualität Lüfter
    ++
  • Montage
    ++
  • Ausstattung
    ++
  • Hohe Kühlleistung für einen niedrigen Kühler
  • Sehr leiser Serienlüfter
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Eingeschränkte RAM-Kompatibilität im Low-Profile-Aufbau
ComputerBase-Empfehlung für Noctua NH-L12S

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