BlackBerry Key2 im Test: Für Fans genau das richtige Update 3/4

Mahir Kulalic 83 Kommentare

Die erste Dual-Kamera kämpft mit Unschärfe am Rand

Das Key2 markiert mit der Dual-Kamera eine Premiere für BlackBerry-Smartphones. Der Hersteller verbaut zwei Kameras, von denen eine primär für Aufnahmen genutzt und die andere für zusätzliche Informationen, ein künstliches Bokeh oder einen Zoom herangezogen wird. Die verlustfreie Vergrößerung ist laut BlackBerry zweifach möglich. Viele Hersteller wie Apple, Samsung oder Nokia nutzen eine zweite Kamera für einen Zoom. Beide Key2-Kameras lösen mit 12 Megapixel auf, die Hauptkamera verfügt über eine Offenblende von f/1.8, eine Pixelgröße (Kantenlänge) von 1,28 µm sowie einen Autofokus mit zweifacher Phasenerkennung. Die zweite Kamera bietet die doppelte Brennweite, um den Zoom zu ermöglichen. Die Offenblende ist hier mit f/2.6 weniger lichtstark, die Pixelgröße mit 1,0 µm ebenfalls kleiner.

Die Dual-Kamera des Key2 für Porträtfotos und Zoom
Die Dual-Kamera des Key2 für Porträtfotos und Zoom

Durch Software-seitige Verbesserungen von Aspekten wie Weißabgleich, Geschwindigkeit des Autofokus und Bildstabilisierung sollen insgesamt bessere Ergebnisse entstehen. Wie beispielsweise das LG G7 ThinQ (Test) hat auch das Key2 Google Lens integriert.

Kamera-Software braucht noch Feinschliff

Im Alltag zeigt sich die Kamera(-Software) noch mit Optimierungsbedarf. Der Zoom ist nicht immer flüssig, sondern gelegentlich ein sichtbarer, leicht hakeliger Prozess. Der Wechsel erfolgt nicht so schnell und stufenlos wie beim Samsung Galaxy S9+ (Test) oder Huawei P20 Pro (Test). Zudem kann die Kamera-App nicht per Knopfdruck zwischen manuellem und automatischem Modus wechseln. Die Option für den gewählten Modus liegt in den Einstellungen. Eine Empfehlung kann sein, den Modus auf „Manuell“ zu stellen und die Leiste für Parameter hingegen auf „Automatisch“ zu belassen. Vereinzelt fror die Kamera-App auch nach der Aufnahme mehrerer Fotos hintereinander ein, erst ein Verlassen und erneutes Aufrufen der App halfen.

Das KeyOne setzt bei der Kamera auf den Sensor der ersten Generation Google Pixel, die zusammen mit Googles Software sehr gute Bilder aufnimmt. An die Qualität kann der Vorgänger nicht anschließen, für ein BlackBerry bleibt die Kamera aber ein Achtungserfolg. Die aufgebohrte Dual-Kamera des Key2 soll daran anknüpfen, schafft es aber kaum, mehr als guter Durchschnitt zu sein.

Kontraststark und farbenfroh, aber mit häufiger Unschärfe

Die Fotos für sich genommen sind kontraststark, die Farbwiedergabe ist weitgehend natürlich. Zudem wirken die Bilder in der Totalen und auch in der 100-Prozent-Ansicht lebendig und dynamisch. Der Dynamikumfang kann aber selbst mit zugeschaltetem HDR nicht mit anderen gleich teuren Smartphones mithalten. Teilweise wirken die Bilder überschärft, was sich vor allem in feinen Strukturen zeigt. Zudem neigt das KeyOne bereits bei bewölktem Himmel zu Bewegungsunschärfe, die in der 100-Prozent-Ansicht auffällig ist.

Das größte Manko des Testgerätes zeigt sich aber in der fast schon konsequenten Verschwommenheit am linken Rand bei Landschaftsaufnahmen im Querformat, die sich vor allem in der 100-Prozent-Ansicht zu erkennen gibt. In der Totalen ist diese je nach Motiv nicht immer sofort ersichtlich. Beispielsweise Nahaufnahmen von Personen oder Szenen/Objekten mit wenig weitläufigem Inhalt zeigen dies kaum bis gar nicht. Die rechte Seite und die Bildmitte sind gleichmäßig scharf, die linke Seite ist in fast jedem Fall aber unscharf und verschwommen. Der Übergang lässt sich deutlich in der Vergrößerung des Bildes beobachten. Nach Betrachtung der Fotos anderer Rezensionen kann es sich bei dem Problem jedoch um einen möglichen Fehler des Testgerätes zu handeln. Subjekiv besonders auffällig ist dies im vorliegenden Fall insbesondere, wenn Bäume oder Büsche am Rand zu sehen sind.

BlackBerry Key2 im Test – Kamera

Bei Gebäuden fällt respektive tritt es weniger (deutlich) auf, ist aber je nach Aufnahme immer noch sichtbar. Bei Aufnahmen im Hochformat sowie bei näheren Objekten trifft der Fehler nicht oder nur sehr gering auf. Wird in den Einstellungen die Option „Vor der Aufnahme fokussieren“ aktiviert, die etwas irreführend so klingt, als würde sonst nicht fokussiert werden, scheint es sich etwas zu bessern, wenngleich die Unschärfe sich damit nicht grundsätzlich umgehen lässt. Ein Fehler mit dem Autofokus lässt nicht gänzlich ausschließen, aber auch nicht eindeutig identifizieren. Bei manuellem Fokus auf den linken Bildrand reagiert das Smartphone entsprechend und verstellt gewisse Parameter, wodurch sich zumindest bei einigen Beispielbildern eine gleichmäßigere Schärfeverteilung im Querformat einfangen lässt. Die genaue Fehlerursache ist unklar. Denkbar ist, dass der Autofokus nicht ganz sauber arbeitet. Wieso dies nur zum linken Rand hin passiert, ist nicht abschließend zu beurteilen. Zudem ist dieser Eindruck ähnlich zum Hochformat oder zu näheren Objekten auch nicht beim Zoom zu finden.

Optischer Zoom neigt zu Weichzeichnung

Beim optischen Zoom setzt BlackBerry auf die zweite Kamera. Dieser ist nicht ganz so scharf wie die Hauptkamera, die Fotos sind insgesamt weichgezeichneter. Bei sehr guten Lichtverhältnissen schafft es der Zoom allerdings, ein Plus an Details bei Gebäuden rauszuholen, Bereiche wie Bäume sind hingegen zu weichgezeichnet und verlieren dadurch an Details. Hinzu kommt chromatische Aberration, sichtbar an den weißen Sonnenschirmen (Bild 24).

Am deutlichsten wird die durchwachsene Leistung bei schlechten Lichtverhältnissen. Bei Nacht nimmt die Weichzeichnung der Bilder weiter zu, die Nachbearbeitung kämpft anscheinend stark gegen das Rauschen an. Dies gelingt in vielen Fällen auch, die Bilder wirken dadurch aber unnatürlicher. Gegenlicht bereitet dem Key2 leichte Probleme. Gleichmäßige Strukturen werden etwas überschärft und verlieren an Details, beispielsweise der Bordstein. Gebäude bleiben hingegen relativ detailreich.

Alle Anschlüsse treffen auf großen Akku

Bei der Anschlussausstattung zeigt sich BlackBerry Mobile mit dem Key2 auf Höhe der Zeit. Neben Standards wie WLAN-ac, A-GPS oder NFC gibt es dank des Snapdragon 660 zudem Bluetooth 5.0 LE. Der USB-Typ-C-Anschluss ist nach 3.0-Standard und überträgt Daten mit bis zu 5 Gbit/s. Per „Alternate Mode“ gibt es zudem einen DisplayPort-Ausgang. Optional wird, anders als im KeyOne, eine Dual-SIM-Variante für den deutschen Markt geboten. Der Speicher ist per microSD-Karte erweiterbar. Auf der Oberseite ist des Weiteren ein Klinkenanschluss zu finden.

Für Strom und Daten gibt es USB Typ C 3.0
Für Strom und Daten gibt es USB Typ C 3.0
Der Klinkenanschluss ist noch da
Der Klinkenanschluss ist noch da

Akku

Der Akku des Key2 ist fast identisch mit dem des Vorgängers, die Kapazität von 3.500 mAh beträgt lediglich 5 mAh weniger. Das KeyOne überzeugt mit hervorragenden Akkulaufzeiten und auch das Key2 soll laut Hersteller wieder bis zu zwei Tage halten. Im Alltag schafft es das Smartphone erneut, zufriedenstellende Laufzeiten zu liefern, ein Tag ist selbst bei intensiverer Nutzung problemlos möglich. EIn zweiter Tag kann ebenfalls erreicht werden, sofern die genutzten Anwendungen nicht zu stromhungrig sind, also etwa auf Spiele verzichtet wird. Zum Testalltag gehörten der Abgleich von mehreren E-Mail-Konten, diverse Messenger, Musik über Bluetooth sowie einige kurze Telefonate und Internetnutzung.

Auffällig waren gerade zu Beginn vereinzelte Empfangsprobleme, in der insbesondere die erneute Einwahl nach verlorener Verbindung sehr lange dauerte. Besonders in Zugfahrten oder Kaufhäusern zeigte sich eine lange Wartezeit deutlich. Mit fortlaufender Testdauer legte sich das Problem subjektiv. Getestet wurde im Netz von o2 im Ruhrgebiet und im Rheinland.

Der PCMark brach beim Key2 ohne erkennbaren Grund wiederholt ab, sodass für diese Laufzeitmessung kein Ergebnis ermittelbar ist. Im YouTube-Dauertest bestätigt das Key2 seine guten Alltagswerte allerdings wie schon der Vorgänger. Diesen überholt es mit einem Wert von 13:21 Stunden sogar um fast eine Stunde.

Auf der nächsten Seite: Fazit