GPU-Inventar: Ohne Mining-Boom sitzen Hersteller auf Grafikkarten

Volker Rißka 541 Kommentare
GPU-Inventar: Ohne Mining-Boom sitzen Hersteller auf Grafikkarten
Bild: Twitter

Seit Wochen halten sich die Gerüchte, dass Nvidia auf vollen Lagern an Grafikchips respektive Karten sitzt. Aber allem Anschein nach nicht nur Nvidia, denn dass die Verkäufe von den Produkten massiv zurückgegangen sind, zeigen die ersten Quartalsberichte von Boardpartnern mit massiven Umsatzrückgängen.

Dass die Nachfrage nach Grafikkarten nicht nur im Handel rückläufig ist, zeigt sich in erster Linie an den Preisen. Denn nicht nur ist in den vergangenen 30 Tagen keine einzige Grafikkarte für Spieler teurer geworden, bei drei stets von ComputerBase betrachteten Modellen hat es preislich keine Veränderungen gegeben, acht Grafikkarten sind sogar minimal bis deutlich im Preis gefallen. Nvidia soll zuletzt sogar GPUs zurückgenommen haben.

Der Einbruch wird bei den Finanzen deutlich sichtbar

Gigabyte hat vor wenigen Tagen seine Verkaufsberichte für den Juni 2018 veröffentlicht, die einen massiven Umsatzeinbruch zeigen. Gegenüber dem Vorjahr ging dieser um 31 Prozent zurück, der Juni 2018 markiert demnach den schlechtesten Monat seit Dezember 2016. Rund die Hälfte von Gigabytes Geschäft ist in der Regel stabil und nicht in Bezug auf Grafikkarten aufgestellt, analysiert Seekingalpha, sodass die andere Hälfte des Geschäftszweiges inklusive Grafikkarten so um eventuell gar 50 Prozent oder mehr geschrumpft sein könnte.

In dieser Woche werden noch Zahlen von MSI und Tul mit PowerColor erwartet, Tul hatte bereits im April dieses Jahres einen Umsatzrückgang bei Grafikkarten von 80 Prozent verzeichnen müssen. Da Tul ausschließlich AMD-Grafikkarten verkauft, sind die Zahlen also nicht allein für Nvidia alarmierend. MSI und Gigabyte vertreiben sowohl AMD- als auch Nvidia-GPUs.

Die Analyse von Seekingalpha kommt zu dem Schluss, dass die Grafikkartenhersteller AMD und Nvidia sowie die Boardpartner vermutlich zu optimistisch in das zweite Quartal gegangen sind und die Nachfrage nicht nur durch das abflauende Mining-Geschäft ausblieb. Dort soll der Rückgang je nach Analysen bei über Zweidrittel liegen, während im regulären Handel das zweite Quartal ohnehin traditionell zu den verkaufsschwächsten gehört. AMDs Quartalszahlen werden zum Ende dieses Monats erwartet, Nvidias folgen im August.

Update 11.07.2018 20:00 Uhr

Tuls heute veröffentlichte Quartalszahlen bestätigen den deutlichen Rückgang im AMD-Grafikkartengeschäft. Um 59 Prozent ist der Umsatz von Tul im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal eingebrochen, in den Monaten April, Mai und Juni wurde zusammen nicht ein mal so viel erwirtschaftet wie allein noch im März 2018. Da über 95 Prozent von Tuls Einnahmen aus dem GPU-Geschäft kommen, welches zudem nur aus AMD-Lösungen besteht, sind die Umsatzrückgänge direkt auf die Absatzprobleme bei Grafikkarten ableitbar. Auch zeigt dies, dass AMD deutlich abhängiger vom Mining ist und war, als der offizielle Tenor bisher zugeben wollte, analysiert erneut Seekingalpha.