Breko Breitbandstudie 2018: Deutschland holt beim Glasfaserausbau auf

Andreas Frischholz
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Breko Breitbandstudie 2018: Deutschland holt beim Glasfaserausbau auf

Bis 2018 sollten eigentlich sämtliche Haushalte in Deutschland einen Anschluss mit 50 Mbit/s erhalten – ein Ziel, das verfehlt wurde. Mittlerweile steht aber ohnehin der Wechsel auf Glasfaser im Fokus. Und der Ausbau geht voran, zeigt die aktuelle Breitbandstudie 2018 vom alternativen Provider-Verband Breko.

Die Marktdaten, die der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) heute vorgestellt hat, basieren auf Befragungen der 180 Breko-Mitgliedsunternehmen sowie öffentlich verfügbaren Daten. Präsentiert wurden die Zahlen vom Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Jens Böcker.

Glasfaserausbau: Trotz Fortschritten liegt Deutschland in Europa noch hinten

Der Studie zufolge existierten Ende 2017 in Deutschland insgesamt 3,9 Millionen direkte Glasfaseranschlüsse (FTTH/B) – Ende 2016 waren es noch 2,9 Millionen Anschlüsse. 3,2 Millionen stammten dabei von den Wettbewerbern, während die Deutsche Telekom 0,7 Millionen Anschlüsse stellte. Das bedeutet in der Summe, dass zu diesem Zeitpunkt 9 Prozent der Haushalte über einen direkten Glasfaserzugang verfügten.

Für die kommenden Jahre erwartet der Breko nochmals deutliche Fortschritte. Für 2020 prognostiziert der Verband insgesamt 9 Millionen FTTH/B-Anschlüsse: 7 Millionen von alternativen Netzbetreibern, 2 Millionen von der Telekom.

Glasfaserausbau: Deutschland im EU-Vergleich
Glasfaserausbau: Deutschland im EU-Vergleich (Bild: Breko Breitbandstudie 2018:)

Nur handelt es sich bei diesen Zahlen um die verfügbaren Anschlüsse, die Kunden buchen könnten. Der Anteil derjenigen, die einen Anschluss aber tatsächlich nutzen, ist geringer. Hier liegt die Quote nicht bei 9 Prozent, sondern nur 3 Prozent. Was im Europa-Vergleich heißt: Deutschland holt zwar auf, belegt aber immer noch einen der letzten Plätze in der Rangliste. Derzeit liegt es deutlich unter dem EU-Schnitt von 13,9 Prozent.

Nachfrage nach schnellen Anschlüssen steigt

Dass die Wettbewerber auf den Glasfaserausbau setzen, ist für den Breko mit Blick auf den künftigen Datenbedarf entscheidend. Allein das im Festnetz übertragene Datenvolumen hat sich von 28 Milliarden Gigabyte (GB) im Jahr 2016 auf 33 Milliarden GB im Jahr 2017 erhöht. Pro Anschluss und Monat entspricht das einem Anstieg von 60 GB auf 80 GB. In der Zukunft wird das Wachstum nochmals deutlich zulegen, so die Prognose. Im Jahr 2025 werden es demnach bereits 825 GB sein, die ein einzelner Anschluss pro Monat verbraucht.

Positiv sei daher, dass die Bundesregierung nun auf den Ausbau der Gigabit-Infrastruktur setzt. Das gilt nicht nur für das Ziel bis 2025 flächendeckend auszubauen, sondern auch für aktuelle Weichenstellungen wie den Paradigmenwechsel bei den Förderprogrammen. „Mit den richtigen politisch-regulatorischen Rahmenbedingungen wird sich der Glasfaserausbau in Deutschland noch erheblich beschleunigen“, so Breko-Geschäftsführer Stephan Albers.

Politische Forderungen: Clever fördern und Wettbewerb bei 5G bewahren

Was der Breko als entscheidend einstuft, sind die Rahmenbedingungen bei den Förderprogrammen. So müsse der Bund dafür sorgen, dass die Gelder über einen längeren Zeitraum und kontinuierlich fließen. Zu viele Fördermittel auf einmal können sogar kontraproduktiv sein. Denn wenn zu viele Projekte parallel laufen, kann das zu Engpässen beim Tiefbau führen – ein Problem, das den Breitbandausbau ohnehin schon ausbremst. Bis dato würden noch viel zu wenig Fördergelder abgerufen, weswegen die Bundesregierung schon angekündigt hat, die Vorgaben für Anträge zu vereinfachen.

Was der Breko ins Gespräch bringt, sind zudem neue Fördermethoden. Denkbar wäre etwa eine Prämie für Hausbesitzer, die auf FTTH/B umsteigen. Das wäre eine Maßnahme, die dort ansetze, wo es nötig sei, so Böcker.

Ebenfalls überarbeitet werden müsse das sogenannte DigiNetz-Gesetz. Dass Glasfaserkabel bei ohnehin geöffneten Gräben mitverlegt werden, sei richtig, wenn es bei den Bauarbeiten um Gas- oder Wasserleitungen gehe. Problematisch ist es allerdings, wenn ein Netzbetreiber die Gräben für den Glasfaserausbau aushebt. Denn selbst wenn sich eine Firma bei den Tiefbaukosten beteiligt, kann die Konkurrenz in einem bestimmten Gebiet dafür sorgen, dass sich der Ausbau am Ende nicht mehr rentiert. Hier sei eine Klarstellung im Gesetz erforderlich, die die Bundesregierung allerdings schon angekündigt hat.

Beim 5G-Ausbau fordert der Breko derweil eine Dienstanbieter-Verpflichtung. Das Thema spielt eine Rolle bei den Auflagen für die Vergabe der 5G-Frequenzen, die Anfang 2019 versteigert werden. Eine der Kernfragen ist: Wie weit müssen sich die drei Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland (O2) für den Wettbewerb öffnen? Nach Ansicht des Verbandes sollten die Kunden auch künftig nicht nur Wahlfreiheit zwischen den Netzen, sondern auch zwischen den Anbietern haben.

Nachwehen des Vectoring-II-Beschlusses

Wie sich politische Regulierungen auf den Breitbandausbau auswirken, lässt sich nun anhand des Vectoring-II-Beschlusses erkennen. So erklärt Breko-Präsident Norbert Westfal: „Was wir gesehen haben, ist natürlich, dass die Vectoring-Entscheidung für Unruhe und eine Investitionszurückhaltung geführt hat.“ Belegen lässt sich das mit den Marktdaten.

Breitbandausbau: Investitionen von Telekom und Wettbewerbern
Breitbandausbau: Investitionen von Telekom und Wettbewerbern (Bild: Breko Breitbandstudie 2018:)

Bis 2015 haben die Wettbewerber in der Regel etwas mehr investiert als die Telekom. 2016 folgte ein Wandel. Infolge der Vectoring-Entscheidung investierte der Bonner Konzern mehr. Es handele sich dabei um die „Vectoring-Delle, die zeigt, dass politische Entscheidungen die Investitionen von Unternehmen beeinflussen können“, so Prof. Böcker. 2017 sind Telekom und die Wettbewerber fast wieder gleichauf.

Ein weiterer Effekt ist der Doppelausbau, der zunimmt. So hat sich die Verfügbarkeit von Anschlüssen mit 50 MBit/s oder mehr von 2014 bis 2017 um knapp 6,3 Millionen Haushalte erhöht (heute: 32,7 Millionen Haushalte). Die Zahl an Haushalten, die zwischen zwei (oder mehr) Anschlusstechnologien mit mindestens 50 MBit/s wählen können, stieg in der gleichen Zeit jedoch um fast 13,5 Millionen (heute: 21,25 Millionen Haushalte).

Zusammengefasst bedeutet das: Während viele Haushalte – vor allem in ländlichen Regionen – immer noch auf eine schnelle Internetanbindung warten, können andere bereits zwischen mehreren Anbietern wählen. Insbesondere mit Blick auf den flächendeckenden Ausbau sei das nicht zielführend, so Böcker.