Canon EOS R: DSLM mit 5.655 Fokuspunkten, aber ohne Stabilisierung

Jan Lehmann 163 Kommentare
Canon EOS R: DSLM mit 5.655 Fokuspunkten, aber ohne Stabilisierung
Bild: Canon

Die Gerüchteküche hatte abermals Recht. Mit der EOS R stellt nun auch Canon eine spiegellose Vollformatkamera vor. Gegenüber den direkten Kontrahenten um Sony Alpha 7 III und Nikon Z6 und Z7 wartet sie insbesondere mit 5.655 Fokuspunkten auf, verzichtet aber auf die interne Bildstabilisierung. Der Preis: 2.500 Euro.

Autofokus mit 5.655 Messfeldern

Die im Vorfeld durchgesickerten Daten zur neuen EOS R stimmen exakt. Canons Profi-DSLM lehnt sich mit einer Auflösung von 30,3 Megapixeln an den DSLR-Bruder 5D Mark IV an. Die ISO-Empfindlichkeit wurde im herkömmlichen Modus auf maximal 40.000 leicht erhöht. Gegenüber den Kontrahenten Sony und Nikon setzt Canon auf die Dual-Pixel-Technik, sodass kein hybrider (Kontrast- und Phasen-AF) Autofokus, sondern lediglich ein phasenbasierter Autofokus zum Einsatz kommt. Doch eben jener wartet bei der EOS R mit 5.655 Messfeldern mit einem Vielfachen dessen auf, was die Konkurrenz zu bieten hat. Die Fokusgeschwindigkeit wird seitens Canon mit nur 0,05 Sekunden angegeben.

Zur Bildverarbeitung setzt die DSLM auf den Verarbeitungsprozessor Digic 8. Die Serienbildgeschwindigkeit liegt mit 8 Bildern pro Sekunde leicht unterhalb von Sony und Nikon, wobei anzumerken ist, dass Canon sich hier auf die Single-Fokus-Geschwindigkeit (AF-S) bezieht. Sofern die Fokusverfolgung (AF-C) aktiviert ist, sinkt die Seriengeschwindigkeit auf 5 Bilder pro Sekunde.

Bei der Videofunktion zeigt sich die gängige Praxis. Hier können maximal UHD-Sequenzen mit maximal 30 FPS aufgenommen werden. Eine gesteigerte Bildrate von 60 FPS bietet die Canon EOS R erst ab Full-HD-Auflösung. Bei HD-Auflösung sind maximal auch 120 FSP möglich. Über den HDMI-Ausgang werden Videosignale mit 10 Bit ausgegeben.

Auch hinsichtlich der im DSLM-Sektor üblichen internen Bildstabilisierung (IBIS) bewahrheiten sich die Gerüchte. Canon verzichtet bei der EOS R auf eben jenen und greift stattdessen weiterhin zu stabilisierten Objektiven. Ein Punkt, der vielen Nutzern aufstoßen dürfte, da die Objektivstabilisierung gerade bei sehr lichtstarken Linsen oftmals nur schwer möglich ist.

Display lässt sich drehen und neigen

Dessen ungeachtet bietet Canons EOS R beim Display etwas, das die Konkurrenz nicht bietet: Dank Doppelscharnier ist der Touch-Bildschirm dreh- und neigbar. Die Auflösung beträgt 2,1 Millionen Pixel. Der elektronische OLED-Sucher misst 0,5 Zoll, löst mit 3,69 Mio. Punkten auf und hat einen Vergrößerungsfaktor von 0,71. Auf der Oberseite des Gehäuses sitzt zudem eine kleine Informationsanzeige, die die aktuellen Aufnahmeparameter ausgibt.

Als Novum setzt die Canon EOS R auf ein neuartiges Bedienfeld oberhalb des Displays. Ähnlich wie bei der Touch-Bar von Apples aktuellen MacBook Pro kann der Nutzer hier verschiedene Funktionen ablegen und via Wischgeste steuern.

Neues Bajonett und neue Objektive

Wie bereits gemunkelt, bedient sich neben Nikon auch Canon beim neuen System eines neuen Bajonetts. Durch den Wegfall des Spiegels kann der Mount größer dimensioniert werden. Hierdurch wird insbesondere die Entwicklung von lichtstarken Objektiven begünstigt. Der neue R-Mount misst 54 Millimeter in der Breite (55 mm bei Nikon Z7, Z6). Die Einbautiefe des Sensors liegt bei 20 mm (bei Nikon nur 16 mm). Zu Übertragung von Objektivdaten sind 12 Pinkontakte verbaut.

Ein neues Bajonett bedeutet zugleich eine Objektivserie. Zur Präsentation der EOS R stellt Canon hierzu die ersten vier Ableger der neuen RF-Serie vor: die Festbrennweiten Canon RF 50 mm F1.2L USM, Canon RF 35 mm F1.8 IS STM und die Standardzoomobjektive Canon RF 28-70 mm F2L USM und Canon RF 24-105mm F4L IS USM.

Canon EOS R: Bajonettadapter
Canon EOS R: Bajonettadapter (Bild: Canon)
Canon EOS R
Canon EOS R (Bild: Canon)
Canon EOS R
Canon EOS R (Bild: Canon)

Für die bisherigen EF- und EF-S-Objektive bietet Canon zudem drei verschiedene Bajonettadapter. Der herkömmliche Adapter bietet die Adaptierung vom EF- zum RF-Mount. Ein zweiter Adapter bietet zusätzlich einen „Controll Ring“. Der größte Adapter bietet zudem einen Filtereinschub.

Canon EOS R im Größenvergleich zur EOS 5D Mark IV
Canon EOS R im Größenvergleich zur EOS 5D Mark IV (Bild: Canon)

Kompakte Abmessungen mit nur einem Karten-Slot

Mit einer Größe von 135,8 × 98,3 × 84,4 Millimetern fällt die EOS R zwar kompakt aus, ist jedoch zugleich der größte Ableger im Vergleich zu Nikon zu Sony. Beim Gewicht von 660 Gramm reiht sie sich indes auf dem Niveau der Konkurrenten ein. Wie für das Profisegment typisch, ist auch das Gehäuse der EOS R aus Magnesium gefertigt und gegen Staub sowie Spritzwasser abgedichtet. Bei der Ergonomie soll sich die EOS R, zumindest beim Handgriff, der EOS 5D Mark IV ähneln. Neben der fehlenden IBIS dürfe vor allem auch die Datenspeicherung für Diskussionen sorgen. Schon bei der Nikon Z6 und Z7 wurde der nur eine vorhandene Speicherkartenschacht im Hinblick auf Datenredundanz vielfach kritisiert. Canon bietet bei der EOS R ebenfalls nur einen Speicherschacht vom Typ SDXC (UHS II).

Preise für Kamera und Objektive

Die Canon EOS R soll ab Anfang Oktober erhältlich sein. Für die Kameraeinheit wird eine Preisempfehlung von 2.500 Euro ausgerufen, das liegt auf dem Niveau der Nikon Z6, die mitsamt Adapter 2.450 Euro kosten soll. Zusammen mit dem RF 24-105 mm sollen 3.500 Euro fällig werden.

Auch für die Objektive nennt Canon bereits Preise. Das 35-mm-Objektiv soll 550 Euro (ab Dezember), das lichtstarke RF 50 mm 2.500 Euro (ab Ende Oktober), das ebenfalls lichtstarke Zoomobjektiv RF 28-70 mm 3.250 Euro (ab Dezember) und das RF 24-105 mm 1.200 Euro kosten.

Der kleinste Bajonettadapter schlägt indes mit 110 Euro zu Buche. Mit Einstellring werden ab Februar 2019 220 Euro und mit Filtereinschub 450 Euro fällig.

Technische Daten im Überblick

Modell Canon EOS R Canon EOS 5D IV Nikon Z7 Nikon Z6 Sony Alpha 7R III Alpha 7 III
Sensor Sensor CMOS, Vollformat
Auflösung in MP 30,3 30,4 45,7 24,5 42,4 24,2
Tiefpassfilter ja nein
Infrarot-Sperrfilter Standard
Empfindlichkeit (ISO) 100 – 40.000
(50 – 102.400)
100 – 32.000
(50 – 102.400)
64 – 25.600
(32 – 102.400)
100 – 51.200
(50 – 204.800)
100 – 32.000
(50 – 102.400)
100 – 51.200
(50 – 204.800)
Bildprozessor Digic 8 Digic 6+ Expeed 6 BIONZ X
Farbtiefe 14 Bit
Bildstabilisierung nein ja, 5 Achsen
5 EV
Autofokus Typ Phasen hybrid
Phasen, Kontrast
hybrid
Phasen, Kontrast
AF-Felder 5.655 61 493 (Phasen)
? (Kontrast)
273 (Phasen)
? (Kontrast)
399 (Phasen)
425 (Kontrast)
693 (Phasen)
425 (Kontrast)
Serienbilder Bilder / Sek. 8 fps (AF-S),
5 fps (AF-C)
7 fps 9 fps (AF-C) 12 fps (AF-C) 10 fps (AF-C)
Puffer RAW ? 76 177
Puffer JPEG ? 76 89
Verschlusszeit 1/8.000 bis 30 Sekunden / BULB
Display Größe 3,15 Zoll 3,2 Zoll 3 Zoll
Auflösung 2,1 Mio. Pixel 1,6 Mio. Pixel 2,1 Mio. Pixel 921.600 Sub-Pixel
Schwenkbar ja nein
Neigbar ja nein ja
Touch ja
Sucher elektrisch, OLED 0,5 Zoll
3,7 Mio. Pixel
Faktor 0,71
optisch
Faktor 0,71
elektrisch, OLED 0,5 Zoll
3,7 Mio. Pixel
Faktor 0,80
elektrisch, OLED 0,5 Zoll
2,4 Mio. Pixel
Faktor 0,78
Video H.264/MPEG 4
UHD, 30p, 10 bit
MOV/MPEG 4
4K, 30p, 8 bit
H.264/MPEG 4
UHD, 30p, 10 bit
XAVC S
UHD, 30p, 100 Mbit/s
Speicher 1 × SDXC (UHS II) 1 × CF
1 × SDXC (UHS I)
1 × XQD 1 × SDXC / Memory Stick Duo (UHS I, II)
1 × SDXC (UHS I)
Gehäuse Abmessung ca. mm 135,8 × 98,3 × 84,4 150,7 × 116,4 × 75,9 134 × 100,5 × 67,5 126,9 × 95,6 × 73,7
Material Magnesium
Gewicht ca.* 660 g 800 g 675 g 657 g 650 g
Konnektivität 2,4 GHz WLAN, Bluetooth 4.1 GPS, GLONASS, QZSS
NFC, WLAN 2,4 GHz
2,4 u. 5 GHz WLAN, Bluetooth Bluetooth, 2,4 GHz WLAN, NFC
Vorstellung Sept. 2018 Aug. 2016 Aug. 2018 Okt. 2017 Feb. 2018
UVP zur Einführung 2.499 € 4.065 € 3.850 €** 2.450 €** 3.500 € 2.300 €
* Gewicht bei eingelegtem Akku und Speicherkarte
** Preis inklusive Objektivadapter