IM Flash ohne I: Micron will Intels Anteil am Joint Venture

Michael Günsch 28 Kommentare
IM Flash ohne I: Micron will Intels Anteil am Joint Venture
Bild: Micron

Das 2006 gegründete Joint Venture IM Flash Technologies steht endgültig vor dem Aus. Micron hat die Absicht geäußert, den Anteil vom Partner Intel für rund 1,5 Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Danach würde IM Flash mitsamt der 3D-XPoint-Speicherfabrik in Lehi, Utah allein Micron gehören.

Micron will IM Flash für sich

Seit der Gründung vor über zwölf Jahren haben Intel und Micron über IM Flash Speichertechnologien wie NAND-Flash und später 3D XPoint gemeinsam hergestellt und produziert. Mit 51 Prozent Anteil gehören die Mehrheitsrechte Micron, das nun die vertraglich vereinbarte Option zur Übernahme des Intel gehörenden Anteils in Anspruch nehmen will. Der Schritt kann ab dem 1. Januar 2019 eingeleitet werden, danach soll es noch sechs bis zwölf Monate dauern, bis die Transaktion abgeschlossen ist. Frühestens wäre IM Flash mitsamt den Mitarbeitern also Mitte 2019 ganz in den Händen von Micron. Mit der Zahlung von 1,5 Milliarden US-Dollar sollen nicht nur Intels Anteil, sondern auch die rund 1 Milliarde US-Dollar Schulden von IM Flash abgegolten sein.

Trennung wurde schon im Vorfeld eingeleitet

Der Schritt kommt nicht überraschend, denn die vormals enge Partnerschaft zeigte zuletzt Brüche. Bereits im Januar hatten die Unternehmen verkündet, nach der dritten Generation 3D-NAND, die weitere Entwicklung getrennt voneinander zu bestreiten. Im Sommer folgte dann die Ankündigung, dass auch beim Phasenwechselspeicher 3D XPoint die Kooperation nach der Vollendung der zweiten Generation im ersten Halbjahr 2019 endet.

Künftige Versorgung mit 3D XPoint für Intel

Das Joint Venture aufzulösen, ist also nur ein logischer Schritt, denn beide Unternehmen wollen künftig die Speichertechnologien in Eigenregie weiterentwickeln. Bis zum Ende von IM Flash soll im Werk in Utah 3D XPoint gemeinsam produziert werden. Bereits zuvor wurde vereinbart, dass Micron danach bis zu ein Jahr lang 3D-XPoint-Wafer an Intel verkauft. Ob dies auch danach geschieht, ist unklar. Intel hatte bereits verkündet, die Arbeiten an 3D XPoint künftig in der eigenen Fab 11X in New Mexico fortzuführen. In China hat Intel mit der Fab 68 zudem ein weiteres Werk, welches erst kürzlich für fast sechs Milliarden US-Dollar aufgerüstet wurde und aktuell primär der Fertigung von Flash-Speicher gewidmet ist. Der Hersteller betonte deshalb auch, Optane in vielen Fabriken bauen zu können.

Intel ist bisher der einzige Abnehmer von 3D XPoint und setzt den Speicher in den Produkten der Optane-Familie ein, zu der High-End-SSDs wie die Optane P4800X (Test) für Server, die Optane 900P (Test) für Enthusiasten und Workstations und der Optane Memory (Test) als Systembeschleuniger zählen. Auch Optane-DIMMs als nicht-flüchtige Ergänzung zum Arbeitsspeicher hatte Intel in Aussicht gestellt.

2019/2020 sollen Micron-Produkte mit 3D XPoint erscheinen

Ab Ende 2019 will wiederum nun Micron die ersten eigenen Produkte mit 3D XPoint vorstellen, wofür man bereits mit Partnern der Ökosysteme kooperiere. Zwar hatte Micron schon 2016 die Leistung der QuantX-SSDs mit 3D XPoint demonstriert, doch bis heute gibt es den schnellen Speicher nur in Intel-Produkten. Micron erwartet, dass die eigenen Produkte ab 2020 für Umsatz sorgen werden.

Da die baldigen Ex-Partner neue Produkte auf Basis ihrer zuvor gemeinsam errungenen Techniken und Patente um 3D-NAND und 3D XPoint künftig getrennt voneinander entwickeln wollen, ist ein entsprechendes Patentabkommen wahrscheinlich. Diesbezüglich liegen aber noch keine offiziellen Informationen vor.

Update 23.10.2018 10:26 Uhr

Mit einer Stellungnahme hat Intel versichert, dass die geplante Übernahme von IMFT durch Micron zumindest mittelfristig keine Auswirkungen auf die eigenen Roadmaps für Produkte mit 3D XPoint haben wird. Betont wird auch an dieser Stelle das Vorhandensein diverser Optionen zur Herstellung des Speichers.

Micron’s statement is a pre-announcement. They can’t officially make the call until January 1, 2019. The operation of the IMFT factory would not change until after the close of the call, which is at Intel’s discretion for up to one year. There is no near-term change to Intel’s plans in the coming quarters—this has been part of our planning for some time now. Intel has a number of manufacturing options available to us within the time window. We’ve been shipping a broad portfolio of Intel Optane technology products for over a year with a continually expanding product line. We will continue to lead the industry with this exciting new technology.

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