Intel Optane SSD 900P im Test: Der Benchmark-Kaiser ist im Alltag kaum schneller

Michael Günsch 130 Kommentare
Intel Optane SSD 900P im Test: Der Benchmark-Kaiser ist im Alltag kaum schneller

tl;dr: Die erste SSD für Verbraucher mit dem Phasenwechselspeicher 3D XPoint glänzt in Benchmarks. Im Alltag ist von dem großen Potenzial der Optane SSD 900P aber nicht viel zu spüren. Normale Anwendungen können die Leistung schlicht nicht abrufen. Wird die SSD aber entsprechend gefordert, lässt sie der Konkurrenz keine Chance.

Eine neue Generation von High-End-SSDs

Mit dem Wechsel vom Speichertyp NAND-Flash auf 3D XPoint erreicht eine neue Generation von Hochleistungs-SSDs den Markt. 3D XPoint ist NAND-Flash in puncto Latenz deutlich überlegen, kann direkt überschrieben werden, ohne dass Speicherzellen zuvor gelöscht werden müssen, und soll auch weitaus haltbarer sein. Der von Intel und Micron gemeinsam entwickelte 3D-XPoint-Speicher, der sich „3D Crosspoint“ ausspricht, ist allerdings deutlich teurer als NAND-Flash und somit (noch) kein Ersatz für den Massenmarkt.

Das Debüt feierte 3D XPoint mit dem ersten Mitglied aus Intels Produktfamilie Optane: Unter dem Namen Optane Memory (Test) wurden zunächst M.2-SSD-Module mit geringer Speicherkapazität von 16 und 32 GByte angeboten. Im Tandem mit Caching-Software sollen diese vornehmlich kompatible Systeme mit einer HDD als Massenspeicher beschleunigen, indem Daten im Optane Memory zwischengespeichert werden. Der Optane Memory lässt sich aber auch als kleines Systemlaufwerk nutzen, dann entfällt sogar die Beschränkung auf aktuelle Plattformen. Nur der Speicherplatz genügt in vielen Fällen nicht.

Optane 900P: Erste 3D-XPoint-SSD für Verbraucher

Hier schaffen die echten Optane-SSDs Abhilfe, die zunächst in Form der Optane P4800X (Test) als Enterprise-SSDs für Server erschienen und mittlerweile mit bis zu 750 GByte zum stolzen Preis von rund 3.000 US-Dollar angeboten werden.

Intel SSD 900P und P4800X im Vergleich
Intel SSD 900P und P4800X im Vergleich

Mit der Optane-SSD 900P folgt die erste echte 3D-XPoint-SSD für Verbraucher. Technisch nahe mit der P4800X verwandt, wird ein ähnliches Leistungsniveau bei leicht abgespecktem Funktionsumfang und geringerer Schreibgarantie versprochen. Die Preise fallen dafür deutlich geringer aus. Doch sind 370 Euro für 280 GByte Speicherplatz relativ viel Geld, wenn man dafür locker eine herkömmliche SSD mit 1.000 GByte bekommt.

ComputerBase hat die Intel Optane SSD 900P in der 280-GB-Version als PCIe-Steckkarte durch den gewohnten SSD-Testparcours geschickt. Das Testmuster wurde freundlicherweise von Caseking.de* zur Verfügung gestellt. Zur offiziellen Markteinführung Ende Oktober hatte Intel nur US-Medien mit Samples versorgt.

Technik im Überblick

Die Optane SSD 900P ist praktisch der Nachfolger der Intel SSD 750 (Test) und teilt mit dieser nicht nur die Platzierung an der Spitze von Intels Client-SSDs, sondern auch den Formfaktor. Als halbhohe PCIe-Steckkarte (HHHL) stehen 280 GByte und 480 GByte Speicherplatz zur Auswahl. Die Variante im 2,5-Zoll-Gehäuse mit U.2-Anschluss ist dagegen nur mit 280 GByte erhältlich.

In beiden Formaten bildet PCIe 3.0 x4 die physische Schnittstelle. Die logische Schnittstelle respektive das Protokoll lautet NVMe. Im Vorfeld hatten Händler für Verwirrung gesorgt, da diese die Optane 900P mit PCIe 4.0 beworben hatten, was sich später als Irrtum entpuppte.

Die Optane 900P basiert auf dem Enterprise-Modell Optane DC P4800X und ist entsprechend mit gleichem Controller und gleichem Speicher bestückt. Der Controller soll sieben Speicherkanäle besitzen und steuert darüber die 21 Speicherbausteine der 280-GB-Version an. 14 davon sind auf der Vorderseite der Platine neben dem großen Controller-Package verlötet, 7 weitere 3D-XPoint-Packages sitzen auf der Rückseite. Einen DRAM-Cache besitzt und benötigt die Optane-SSD nicht. Nähere technische Details zum Controller hat Intel bisher nicht verraten. Fotos zeigen, dass der Prozessor die Kennung EAU01D76 SLL3D trägt.

Die Speicherchips beinhalten jeweils ein 128-Gigabit-Die des in einem 20-nm-Verfahren hergestellten 3D XPoint. Somit besitzt jeder Speicherbaustein 16 GByte Speicher, was bei 21 Packages insgesamt 336 GByte 3D XPoint ergibt. Die nutzbare Speicherkapazität beträgt allerdings nur 280 GByte. Die restlichen 56 GByte dienen somit als Speicherreserve, die vermutlich vornehmlich für den Ersatz defekter Zellen und zur Fehlerkorrektur (ECC) genutzt wird.

Intel Optane SSD 900P
Seq. Lesen (max.) 2.500 MB/s
Seq. Schreiben (max.) 2.000 MB/s
Typ. Latenz Lesen/Schreiben < 10 µs
4KB Random Read/Write max. 550.000/500.000 IOPS

Intel verspricht sequenzielle Transferraten von 2.500 MB/s beim Lesen und 2.000 MB/s beim Schreiben. Damit ist die 900P beim sequenziellen Lesen deutlich langsamer als NAND-Flash-basierte PCIe-SSDs wie die Samsung 960 Pro (Test) mit bis zu 3.500 MB/s, die zudem mit bis zu 2.100 MB/s schreibt.

Stärken und Einsatzgebiete

König der Latenzen

Doch die eigentliche Stärke der Optane SSD 900P sind die durch den 3D-XPoint-Speicher erheblich reduzierten Latenzen beim Zugriff. Schon die kleinen Cache-SSDs der Serie Optane Memory (Test) deuteten das Potenzial der neuen Technik an. Weniger als 10 Mikrosekunden sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben stehen den oft mehr als 50 Mikrosekunden von Flash-basierten PCIe-SSDs gegenüber. Hinzu kommt der Vorteil, dass die Optane-Technik schon bei niedriger Befehlswarteschlange („Queue Depth“) auf Touren kommt. Werden Daten parallel gelesen und geschrieben, bricht die Leistung zudem kaum ein. Und auch mit zunehmendem Füllstand soll die Performance auf konstant hohem Niveau verbleiben.

Wo ist die Leistung abrufbar?

Auf der Hausmesse eines kommenden Videospiel-Blockbusters vorgestellt, ist die Intel Optane 900P trotzdem noch kein Muss für Spieler. Zwar sollen Spiele künftig von dem schnellen Massenspeicher profitieren, doch bedarf dies einer entsprechenden Abstimmung der Software. Star Citizen soll einer der ersten Titel sein, der durch Intel Optane spürbar beschleunigt wird. Intel hat eine Reduzierung der Ladezeiten um bis zu 25 Prozent in Aussicht gestellt.

Beispiele, dass Intel Optane bei Spielen Vorteile gegenüber herkömmlichen SSDs bietet, bleibt der Hersteller bis dato schuldig. Intel hat bei der Vorstellung auch keine Benchmarks vorgelegt. Stattdessen wurde vorerst auf die Entwickler von Spielen verwiesen, die bei ihrer Arbeit den Grundstein dafür legen sollen, dass die Spiele später von der schnellen Speichertechnik profitieren.

Workstations als Haupteinsatzgebiet für Intel Optane 900P
Workstations als Haupteinsatzgebiet für Intel Optane 900P (Bild: Intel)

Somit hat Intel zunächst den Workstation-Bereich mit Ingenieuren und Entwicklern als Haupteinsatzgebiet der Optane SSD 900P auserkoren. Der Bereich Gaming an sich ist noch Zukunftsmusik. Entsprechend bedienen die von Intel bereitgestellten Benchmarks auch ausschließlich das Workstation-Segment: SPECwpc und Houdini spielen für Normalanwender keine Rolle. Beim Workstation-Benchmark verspricht Intel eine bis zu viermal höhere Leistung gegenüber einer PCIe-SSD mit NAND-Flash (Samsung 960 Pro). Beim Video-Rendering mit Houdini soll die benötigte Zeit mehr als halbiert werden.

Garantie, Lieferumfang und TBW

Der Lieferumfang besteht aus der SSD, einer zusätzlichen Low-Profile-Slotblende sowie Hinweisen zu Garantie und Installation. Das Ganze ist relativ aufwendig verpackt. In der getesteten Variante liegt ein Code für ein exklusives Star-Citizen-Raumschiff („Sabre Raven“) bei.

Intel gibt fünf Jahre Garantie und garantiert für diesen Zeitraum, dass sich die Optane SSD 900P zehn Mal pro Tag vollständig beschreiben lässt. Diese „10 Drive Writes Per Day“ (DWPD) lassen sich beim Testmuster mit 280 GByte Speicherplatz in 5.110 Terabytes Written oder 5,11 Petabytes Written umrechnen. Die 480-GB-Variante kommt entsprechend auf 8.760 TByte oder 8,76 PByte bei den Total Bytes Written (TBW). Wie immer handelt es sich um Angaben zur Mindesthaltbarkeit zur Absicherung des Herstellers.

TBW und Garantie
280 GB 480 GB
TBW 5.110 TB 8.760 TB
Garantie 5 Jahre

Für eine Client-SSD sind die TBW-Werte sehr hoch. Samsung sieht dagegen für die 960 Pro „nur“ 400 bis 1.200 TByte TBW vor. Die 960 Pro mit 2 TByte Speicherplatz ist mit umgerechnet rund 0,3 DWPD spezifiziert, lässt sich also im Rahmen der Garantie täglich nur mit knapp einem Drittel der Nutzkapazität beschreiben. Die Optane SSD 900P darf dagegen zehn Mal pro Tag vollständig beschrieben werden.

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