„Leben nach dem iPhone‟: Apple strukturiert Unternehmensteile um

Michael Schäfer 93 Kommentare
„Leben nach dem iPhone‟: Apple strukturiert Unternehmensteile um
Bild: MichaelGaida | CC0 1.0

Auch wenn Apple in der jüngsten Vergangenheit alles andere als schlecht dar stand, machen aktuelle Entwicklungen vor dem Unternehmen nicht halt: iPads verkaufen sich nicht mehr so gut wie zu Anfangszeiten und auch beim Absatz der iPhones gibt es Probleme. Jetzt hat Apple damit begonnen, Unternehmensteile neu zu strukturieren.

Hardware-Umsätze seit längerem rückläufig

So ist in den letzten Jahre der Service für den Konzern zu einem immer wichtigeren Standbein geworden, welcher die verschiedensten Bereiche, angefangen von Apples Streaming-Dienst Music, über Speicher- und Bezahldienste wie iCloud und Apple Pay bis hin zum eigenen App Store umfasst. Dies schlägt sich auch in den Quartalsberichten nieder: Während die iPhone-Sparte ein Minus von fast 15 Prozent verbuchen musste, stiegen hier die Einnahmen um über 19 Prozent. Ausgleichen können diese die Bilanz jedoch nicht, denn der gesamte Umsatz im Unternehmen ist rückläufig.

Neue Bereiche erschließen

Um sich aus der Abhängigkeit der iPhone-Verkäufe zu befreien, hat das Unternehmen nun damit bekommen, seine Strukturen in bestimmten Unternehmensbereichen neu zu überdenken. Zukünftig sollen Dienstleistungen in der Ausrichtung stärker zum Tragen kommen. Dies geht aus einem Bericht des Wall Street Journals unter Berufung auf mit der Thematik vertrauten Personen hervor.

Ein erster Vorgeschmack war dabei die Verkleinerung des Teams rund um „Project Titan‟, Apples Abteilung für autonomes Fahren, von der rund 200 Mitarbeiter betroffen waren. Rund zwei Wochen später wurde bekannt, dass das Unternehmen seine Dienste um ein kuratiertes und kostenpflichtiges Nachrichten-Abo erweitern will und damit seine Bemühungen bei den Dienstleistungen verstärkt. Die Vorbereitungen hierzu sind schon weit fortgeschritten, wenn auch ein Marktstart noch in weiter Ferne liegt. Auf der anderen Seite hat Apple im letzten Jahr rund 14,24 Milliarden US-Dollar für Forschung und Entwicklung aufgewendet, ein Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Fokus unter anderem auf Siri

Zudem loten die Verantwortlichen derzeit weitere Möglichkeiten aus, was beim Personal für große Unsicherheit sorgt – gerade Mitarbeiter mit einer langen Firmenzugehörigkeit sind es gewohnt, dass Strukturen lange Zeit bestehen bleiben und Änderungen nur langsam voranschreiten. Die jetzt getroffenen Veränderungen sollen jedoch zu den ausgeprägtesten seit den ersten Jahren von Tim Cook als CEO zählen. So wurde der bisherige Chef der für Siri zuständigen Abteilung Bill Stasior von seinen Aufgaben entbunden und an eine andere Stelle im Unternehmen versetzt. Seine Aufgaben übernimmt ab sofort der Leiter für künstliche Intelligenz John Giannandrea. Seine primäre Aufgabe für die nahe Zukunft soll unter anderem die Verbesserung der Zuverlässigkeit der digitalen Assistentin von Apple sein. Alleine dieses Personalkarussel kann ein Fingerzeig dafür sein, wohin die Reise bei Apple geht.

Aber auch im Personalbereich gab jüngst Veränderungen: Nach nur fünf Jahren wird Angela Ahrendts ihre Position im Unternehmen als Senior Vice President Retail im April aufgeben. An ihre Stelle rückt mit Deirdre O’Brien eine Apple-Veteranin, welche aber nicht nur den rund 70.000 Mitarbeiter und rund 500 Stores umfassenden Retail-Bereich, sondern das generelle Personalmanagement der insgesamt über 132.000 Mitarbeiter übernehmen wird.

Streaming-Dienste als weitere Chance

Eddy Cue, Senior Vice President bei Apple für die Onlinedienste, setzt einen Großteil seines Ingenieursteam darauf an, die Online-Dienste des Unternehmens weiter auszubauen, darunter auch die Schaffung eines eigenen Video-Streaming-Angebotes mit selbst produzierten Inhalten. Dadurch soll die Gesamtzahl der Abonnenten von Apple-Diensten von aktuell weltweit 360 Millionen bis 2020 auf 500 Millionen ansteigen – ein ambitioniertes Vorhaben, denn bereits die Vergangenheit hatte gezeigt, dass Apple mit der Akzeptanz der Nutzer gegenüber seinen Angeboten nicht selten daneben lag: Nach dem Start von Apple Music wollte man schnell am Platzhirsch Spotify vorbeiziehen, dies ist jedoch bis heute nicht annähernd gelungen, obwohl die Rahmenbedingungen für Music im Vergleich zu Spotify deutlich besser waren.

Strukturen weiter optimieren

Der langjährige Apple-Analyst Gene Munster sieht in Apples Anstrengungen den Versuch, die richtige Formel für das nächste Jahrzehnt zu finden. „Die Technologie entwickelt sich weiter und sie müssen ihre Struktur weiter optimieren, um sicherzustellen, dass sie sich auf der richtigen Bahn befinden‟, so Munster.