Creative SXFI Air C im Test: Raumklang mit Super X-Fi überzeugt je nach Audioquelle

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Michael Schäfer 79 Kommentare

Die Sache mit dem Klang

Die beiden im SXFI Air C verbauten Neodymium-Treiber mit einer Größe von 50 mm beliefern das Headset mit einem gängigen Frequenzumfang von 20 Hz bis 20.000 Hz bei einer Impedanz von 32 Ohm. Im Stereo-Modus verfügt das Air C über eine gute Mitteltonwiedergabe, die Hochtonanteile könnten einigen Nutzern jedoch zu prägnant sein.

Auf der anderen Seite fällt der Bassbereich recht dünn aus und selbst der in der Software integrierte Equalizer kann nur mäßig korrigieren. Dass das Air C auch Bass kann, zeigt das Headset, so viel sei schon einmal vorweggenommen, mit Super X-Fi. Sich selbst überlassen, wirkt das Air C jedoch ein wenig gehemmt.

Dank eines guten Stereo-Spektrums ist bei normaler Verwendung die Räumlichkeit bereits sehr gut. Gleiches gilt für die reine Nutzung per Klinkekabel, bei dem sich, eine gute Soundkarte vorausgesetzt, kein Unterschied zur USB-Verbindung feststellen lässt. Auf die Funktionen der Bedienelemente am Headset muss der Nutzer dann aber gänzlich verzichten, nicht einmal die Lautstärke lässt sich regulieren.

Creative SXFI Air C im Test
Creative SXFI Air C im Test

Holografische Raumtöne

Wird die Super-X-Fi-Funktion hinzugeschaltet, folgt ein abrupter Klangwechsel, bei dem sich Parallelen zum 3D-Kino auftun: Wird die Brille aufgesetzt, erscheint das Gezeigte zunächst unnatürlich, nach kurzer Zeit hat man sich aber daran gewöhnt und kann sich auf das Geschehen auf der Leinwand konzentrieren. Nicht anders verhält es sich mit Super X-Fi. Um bei der Kino-Analogie zu bleiben, muss eines zudem erwähnt werden: Creative verfolgt laut eigenen Aussagen nicht das Ziel, einen ortbaren Raumklang zu generieren, also kein Vorne-hinten-Effekt. Es soll stattdessen der Eindruck entstehen, im Raum umgeben von Lautsprechern zu stehen und das Headset, das den Ton direkt in die Ohren drückt, soll vergessen werden.

Unterschiedliche Quellen liefern unterschiedliche Effekte

Bei geeignetem Audio-Material lässt sich durchaus eine hörbare Räumlichkeit vernehmen, die Qualität und Stärke des Effektes sind jedoch stark vom Ausgangsmaterial abhängig. Für die im Test zum Vergleich herangezogenen Musikstücke lässt sich folgendes Ergebnis ableiten: Elektronische Musik sowie Klassik funktionieren recht gut, Rock kommt sehr schnell ins Schwimmen.

Getestete Musikstücke:

  • Avantasia – Ghost In The Moon
  • Jean-Michel Jarre – Equinoxe Infinity – Flying Totems
  • Mesh – The Fixer
  • Electric Light Orchestra - Twilight
  • Chvrches - Never Ending Circles
  • Mirrors – Into The Heart
  • Marsheaux – Dream Of A Disco
  • Olli Schulz - So muss es beginnen
  • The Animals - The House Of The Rising Sun
  • The Small Faces - Lazy Sunday
  • Antonin Dvorak - Symphonie No. 8 G-dur op. 88 - Allegro con brio
  • Antonin Dvorak - Symphonie No. 9 E-moll op. 95 - „Aus der neuen Welt‟ - Largo
  • Johann Pachelbel - Canon in D

Mit dem Vorleser in einem Raum

Der Effekt geht aber auch mit einigen Einschränkungen einher: So fallen bewusst eingebaute Stereo-Spielereien im Raum hörbar geringer aus, was manche Stücke ihres Charakters beraubt. Auf der anderen Seite werden bei vielen Stücken die tiefen Frequenzen stark angehoben, sodass die Basswiedergabe eher einem Subwoofer gleicht. Auch alte Stücke in Mono oder Stereo-Nutzung der 1960er-Jahre, bei der jedes Instrument einem Kanal zugewiesen wurde, profitieren durch eine größere Räumlichkeit. Gleiches gilt für Hörbücher, bei denen man mit ein wenig Fantasie wirklich das Gefühl bekommen kann, mit dem Vorleser in einem Raum zu sitzen.

Ähnliches Bild bei Filmen

Bei Filmen gibt es Parallelen zu beobachten: Zwar lassen sich gerade bei actionreichen Szenen im Stereo-Modus sich schnell bewegende Objekte einfacher orten, die Räumlichkeit steigt jedoch mit Super X-Fi auch hier merklich an. Ein großer Effekt ist gerade bei alten Mono-Filmen zu beobachten. Dennoch darf, um das an dieser Stelle noch einmal hervorzuheben, das System nicht mit einem Raumklang wie im Kino verwechselt werden. Ein akustisches Bewegen von Objekten von hinten nach vorne ist nicht möglich und von den Entwicklern auch nicht in dieser Form forciert.

Getestete Filme:

  • Star Wars VIII – Der letzte Jedi
  • The Avengers – Infinity War
  • Solaris
  • Metaluna 4 antwortet nicht
  • Der Marsianer

Spiel ist nicht gleich Spiel

Bei Games sieht es etwas anders aus, hier kommt es sehr auf die Art des Spieles an. Bei Aufbau- oder Strategietiteln, bei denen es um das Erreichen einer bestimmten Atmosphäre geht, kann Super X-Fi einen gewissen Effekt ermöglichen. Gleiches gilt für Ausnahmespiele wie „Dear Esther“. Aber auch bei Raumschlachten oder auf Schlachtfeldern kann die Funktion für den einen oder anderen Spieler interessant werden. Völlig unbrauchbar ist der Effekt hingegen bei Titeln, bei denen eine genaue Ortung von Geräuschen wichtig ist, wie unter anderem bei Shootern. Hier verlieren sich entsprechende für das Spiel wichtige Anhaltspunkte in der Geräuschkulisse.

Getestete Spiele:

  • Star Wars Battlefront II
  • Counter-Strike: Global Offensive
  • No Man's Sky
  • Shadow of the Tomb Raider
  • Anno 1701
  • Dear Esther
  • Der Patrizier IV

In den großen Hallen dieser Welt

Am eindrucksvollsten präsentiert sich der Effekt aber bei Konzerten, besonders wenn das System die zusätzlichen Bassreserven freischaltet. Hat man dann eine Aufnahme, bei der das Publikum gut abgemischt ist, macht Super X-Fi richtig Spaß und sorgte während des Tests für das eine oder andere Beinwippen oder ein jubelndes Aufspringen.

Getestete Konzerte:

  • Electric Light Orchestra – Wembley Or Burst
  • Mylene Farmer – Timeless
  • Duran Duran - A Diamond In The Mind
  • Schiller - Clubwelten

Das Mikrofon

Das SXFI Air C verfügt über ein abnehmbares ClearComms-Mikrofon, das über einen Frequenzgang von 50 Hz bis 15.000 Hz verfügt. Dieses lässt sich mittels des Schwanenhalses gut vor dem Mund positionieren. Über einen Poppschutz verfügt es nicht, was sich hörbar negativ auf die Sprachqualität auswirkt. Per USB angeschlossen, lässt sich das Mikrofon über einen Druckknopf an der linken Ohrmuschel bequem deaktivieren. Eine kleine Leuchtdiode am Mikrofon informiert über dessen Aktionszustand. Per Klinkekabel angeschlossen, ist dieses jedoch dauerhaft aktiviert.

Das Mikrofon des SXFI Air C bietet nur mittelmäßige Qualität
Das Mikrofon des SXFI Air C bietet nur mittelmäßige Qualität

Große Kluft zwischen Werbung und Realität

Laut Creative soll das Mikrofon für ein problemloses „Kommunizieren mit Teamkollegen oder mit Freunden über Skype“ sorgen. Die Realität sieht jedoch, wie so oft, anders aus, denn klangtechnisch darf in der anvisierten Preislage mehr erwartet werden. Creative hätte mehr Entwicklungsenergie in ein besseres Mikrofon investieren sollen.

Wie die Klangbeispiele zeigen, zeichnet sich das Air C durch eine eher dumpfe Sprachaufnahme samt deutlichen Störgeräuschen aus. Ohne diese wäre die Qualität trotz der Ausrichtung im eher tieferen Frequenzbereich noch annehmbar gewesen. So ist das Gesprochene aber unter manchen Umständen nur schwer verständlich. Das Air C verfügt zwar über eine Rauschunterdrückung, jedoch nur, indem bei ruhigen Teilen das Mikrofon deaktiviert wird – während eines Gespräches ist jedoch ein deutliches Grundrauschen vernehmbar. Diese Art des „Noise Cancelling“ birgt zudem die weitere Konsequenz, dass das Mikrofon teilweise recht träge bei einem Gespräch „aufmacht“ und gerade bei schnellen Anweisungen während eines Spieles kleine Teile des Gesprochenen verloren gehen können. Mit direkten Störgeräuschen kann das Air C ebenso nur schwer umgehen, was ebenfalls deutlich hörbar ist. Hier greift die Rauschunterdrückung erst gar nicht.

Noch schlechter zeigt sich das Mikrofon in allen Belangen in analoger Verwendung, wobei dieses noch dumpfer und undifferenzierter klingt. Auch die Störgeräusche besitzen hier einen größeren Einfluss.

Es ist in mancher Hinsicht etwas erschreckend, wie wenig Aufmerksamkeit manche Hersteller der Qualität des Mikrofons widmen, dies konnte schon im Test des Logitechs G935 und G635 beobachtet werden. Wenn in dieser Hinsicht ein Vertreter des unteren Preissegmentes wie das Lioncast LX55 (Test) gestandenen Herstellern wie Logitech oder eben Creative den Rang ablaufen, sollte das diesen doch zu denken geben. So ist die Mikrofonqualität des SXFI Air C dem verlangten Preis alles andere als entsprechend.

Mdas Mikrofon des Creative SXFI Air C zeigt an wenn es deaktiviert ist
Mdas Mikrofon des Creative SXFI Air C zeigt an wenn es deaktiviert ist

Creative SXFI Air C

Creative SXFI Air C Clean
Creative SXFI Air C Störgeräusche
Creative SXFI Air C Klinke Clean
Creative SXFI Air C Klinke Störgeräusche

Lioncast LX55 USB

Lioncast LX55 USB Clean
Lioncast LX55 USB Störgeräusche
Lioncast LX55 USB Analog Clean
Lioncast LX55 USB Analog Störgeräusche

Lioncast LX55

Lioncast LX55 Clean
Lioncast LX55 Störgeräusche

beyerdynamic Custom Game

beyerdynamic Custom Game – Clean
beyerdynamic Custom Game – Clean, Popp-Schutz
beyerdynamic Custom Game – Störgeräusche
beyerdynamic Custom Game – Störgeräusche, Popp-Schutz

Fazit

Super X-Fi hinterlässt im Test einen gemischten Eindruck. Für manche dürfte sich die Frage stellen, warum man einen Kopfhörer aufsetzen soll, um die Musik wie aus Lautsprechern zu hören – wenn man sich zwischen diese setzen könnte. Der Einwand ist durchaus berechtigt, doch zum einen haben nicht alle ein Surround-Sound-System aufgebaut, zum anderen muss manchmal auch Rücksicht auf andere Personen genommen werden – gerade dann soll Super X-Fi einsetzen und beim SXFI Air zudem auch die mobile Raumklang-Wiedergabe ermöglichen.

Super X-Fi für Musikliebhaber nur bedingt geeignet

Doch auch wenn der Effekt an manchen Stellen zu einem „Aha-Erlebnis“ führt: Gerade eingefleischte Musikliebhaber und -puristen dürfte die neue Technik wenig überzeugen und diese für die Nutzergruppe eher als Gimmick erscheinen lassen. Ein Kritikpunkt ist, dass der Raumklang je nach Musikart zu viele Frequenzen verschluckt, was das Ergebnis schwammig werden lässt – zudem gehen Stereo-Spielereien verloren. Bei manchen Inhalten kann aber eine Verbesserung erreicht werden, so bei diesen, die kein oder kein gutes Stereo-Bild beinhalten, etwa Musik vor der Stereo-Ära oder Hörbücher.

Gleiches gilt für Filme, bei denen mancher Nutzer die Ortung von umherfliegenden Objekten vermissen wird. Dafür sorgt hierbei der tiefe und kräftige Bass für einen anderen Effekt. Bei alten Mono-Filmen kann Super X-Fi ebenfalls für eine deutliche Steigerung der Räumlichkeit sorgen.

Creative SXFI Air C im Test

Bei Spielen kommt es wiederum auf das Genre an. Für Shooter eignet sich Super X-Fi überhaupt nicht. Bei Titeln, bei denen eine gewisse Atmosphäre geschaffen werden soll, sollte dem Effekt jedoch eine Chance gegeben werden.

Ihr volles Potenzial kann die Technik von Creative am Ende aber bei Konzerten ausspielen. Eine gute Abmischung vorausgesetzt, macht sich hierbei wirklich ein gewisses „Mittendringefühl“ breit.

Rest eher Durchschnitt

Ohne Raumklang-Funktion kann das SXFI Air C dagegen nur wenig überzeugen, zu höhenlastig präsentiert sich das Headset in diesem Fall und lässt gleichzeitig die tiefen Frequenzen vermissen. Dass es aber zu einem guten Bassfundament fähig ist, zeigt das Headset unter der Verwendung von Super X-Fi. Nicht überzeugen kann die Qualität des Mikrofons, hier wird das Air C vom nicht einmal halb so teuren Lioncast LX55 gnadenlos an die Wand gespielt.

Verarbeitung nicht zu beanstanden

Bei der Verarbeitung gibt sich Creative dagegen keine Blöße, das Headset ist stabil und bequem. Das Air C könnte jedoch etwas weniger straff sein, nach einer gewissen Zeit kann es manchem Nutzer schon zu stark auf den Ohren drücken. Manch einer dürfte zudem unter dem Headset schnell ins Schwitzen kommen.

Die Lohnfrage

Auch beim SXFI Air C stellt sich am Ende wie so oft die Frage, für wen sich das neue Headset von Creative lohnt. Wer eine gute Raumklang-Simulation sucht, für den wäre ein Blick auf das Air C mit Sicherheit keine schlechte Empfehlung. Für die Anwender, die einfach nur ein solides und gut klingendes Headsets suchen, gibt es definitiv bessere Alternativen, die sowohl klanglich als auch in Sachen Mikrofon mehr überzeugen können.

ComputerBase wurden das SXFI Air C und Air für den Test von Creative zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme seitens des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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