Headsets bis 50 Euro im Test: Klang, Mikrofon und Fazit

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Michael Schäfer 42 Kommentare

Alle vier Modelle verfügen laut Herstellern über einen Frequenzgang von 20 bis 20.000 Hz. Bei den verwendeten Treibern spaltet sich das Testfeld jedoch in zwei Lager auf: Während HyperX und Turtle Beach ihren Vertretern lediglich Treiber in einer Größe von 40 mm gönnen, spendieren Lioncast und Logitech ihren Headsets 50-mm-Treiber.

Lioncast LX 30
Lioncast LX 30

Klangqualität Ohrmuscheln

Das sorgt dafür, dass es beim Klang doch deutliche Unterschiede gibt. So neigt das Cloud Stinger Core zwar zu einem neutralen, aber eher lustlos erscheinenden Klangbild. Beim Recon 70 fehlt dagegen jeglicher Bassbereich, dafür dominieren die Höhen. Anders schaut es beim LX 30 aus, das bei analoger Nutzung zwar ein hörbares Bassfundament bietet, dafür jedoch die Mitten ein wenig vernachlässigt. Etwas ausgewogener wird das Klangbild bei Nutzung per USB. Logitech dagegen überrascht: Während die größeren Brüder bisweilen teilweise eher durch eine sehr ausgeprägte Basswiedergabe auffielen, präsentiert sich das G332 mit einem sehr ausgewogenen Klang.

Logitech G332 im knalligen Rot
Logitech G332 im knalligen Rot

Sollte der Bassbereich dem einen oder anderen Nutzer am Ende zu gering ausfallen, kann mit entsprechender Nachjustierung der Soundkarte noch etwas mehr herausgeholt werden. Alle vier Headsets besitzen genügend Reserven, bevor sie verzerren.

Für Spiele beworben, aber nur bedingt brauchbar

Und hier beginnt die Kontroverse: Alle vier Headsets sind vor allem für Spieler ausgelegt, Logitech spricht mit dem G332 sogar explizit Battle-Royale-Spieler an. Doch dafür bieten die Probanden am Ende zu wenig „Rums“, was gerade bei Shootern kaum Atmosphäre aufkommen lässt.

Im Musikbereich schaut es etwas anders aus, da kann die neutrale Wiedergabe manchen Vertreters wieder zum Vorteil werden.

Turtle Beach Recon 70 (Xbox)
Turtle Beach Recon 70 (Xbox)

Raumklang überzeugt beim LX 30 nur wenig

Dem LX 30 hat Lioncast zudem eine 7.1-Raumklang-Funktion mit auf den Weg gegeben, die jedoch, ähnlich wie bereits beim LX 55 USB, nur bedingt überzeugen kann. Das ist für den Hersteller allerdings kein Alleinstellungsmerkmal, die meisten Lösungen dieser Art vermögen nicht zu überzeugen. Im Gegensatz zum großen Bruder bietet die dazugehörige Software auch weniger Einstellungsmöglichkeiten, was den Effekt noch mal verringert.

Klangqualität Mikrofon

Bei den Mikrofonen verfolgen die Hersteller unterschiedliche Lösungen. So statten HyperX, Turtle Beach sowie Logitech die eigenen Headsets mit hochklappbaren Aufnahme-Einheiten aus, bei denen sich die Mikros beim Herunterziehen selbstständig aktivieren. Auch hier wird der günstige Preis deutlich: So sind die Klappvorrichtungen eher funktional als formschön anzusehen, deutlich wird dies beim G332, bei dem das Mikrofon nicht wie bei den größeren Brüdern G635 (Test) und G935 (Test) in der Ohrmuschel verstaut werden kann. Lioncast greift dagegen auf die bereits von LX 55 (USB) (Test) bekannte Lösung des Steckmikrofons zurück, das somit auch beim LX 30 abnehmbar ist.

Das gute Mikrofon hat das LX 30 von seinem großen Bruder geerbt
Das gute Mikrofon hat das LX 30 von seinem großen Bruder geerbt

Auch bei der Länge und Ausrichtung gibt es große Unterschiede: So stellt das Recon 70 mit gerade mal rund 7,5 cm den kürzesten Mikrofon-Arm dar – womit dieser im ausgeklappten Zustand nur bis zum Wangenknochen reicht, was direkte Auswirkungen auf die Aufnahmequalität hat. Richtig ausrichtbar sind nur die Mikrofone des LX 30 und des Cloud Stinger Core, die gleichzeitig die einzigen Headsets im Testfeld mit einer separaten Stummschaltung sind.

Das Mikrofon des Recon 70 fällt klein aus und nimmt die Stimme daher etwas verfälscht auf
Das Mikrofon des Recon 70 fällt klein aus und nimmt die Stimme daher etwas verfälscht auf

HyperX Cloud Stinger Core

HyperX Cloud Stinger Core - Clean
HyperX Cloud Stinger Core - Störgeräusche

Lioncast LX 30

Lioncast LX 30 - USB - Clean
Lioncast LX 30 - USB - Störgeräusche
Lioncast LX 30 - Clean
Lioncast LX 30 - Störgeräusche

Logitech G332

Logitech G332 - Clean
Logitech G332 - Störgeräusche

Turtle Beach Recon 70

Turtle Beach Recon 70 - Clean
Turtle Beach Recon 70 - Störgeräusche
Turtle Beach Recon 70 - Geräusche Mikrofon

Große Unterschiede

Zur klanglichen Qualität der Mikrofone kann generell gesagt werden, dass diese bei allen vier Testkandidaten zur Kommunikation ausreichend ist, auch wenn alle Headsets mit einem deutlichen vernehmbaren Grundrauschen zu kämpfen hatten.

Im direkten Vergleich liegen die qualitativen Möglichkeiten der Aufnahme-Einheiten dann teilweise doch weit auseinander: Während das G332 und das Cloud Stinger Core eine passable Qualität abliefern, klingen die Testaufnahmen des Recon 70 sehr künstlich und mit zu viel Raumhall versehen. Ein Grund dafür könnte der kurze Mikrofonhals sein, der mehr von den Wänden reflektierenden als direkten Schall aufnimmt. Darüber hinaus weist das Headset hörbare Probleme bei „Zischlauten“ auf. Unschön sind auch die wahrnehmbaren Ein- und Ausschaltgeräusche des Mikrofons beim Herunterklappen.

Das Mikrofon des G332 lässt sich nur schwer anpassen
Das Mikrofon des G332 lässt sich nur schwer anpassen

Allen dreien ist gemein, dass sie sich vor allem auf die mittleren und hohen Töne konzentrieren, womit die Übertragung der tiefen Frequenzen auf der Strecke bleibt. Das Resultat ist ein gemeinhin heller Klang, der nur knapp über Telefonqualität liegt.

Der Verdacht, dass sich Lioncast beim LX 30 an der Mikrofontechnik des LX 55 bedient, bestätigt sich beim Klangtest. So hat dieses im Vergleichstest die Nase deutlich vorne und besticht nicht nur durch gute Höhen, sondern auch durch eine gute Aufnahme der tieferen Frequenzen – obwohl das Headset mit 100 bis 10.000 Hz über den geringsten Frequenzumfang im Testfeld verfügt. Dennoch ist auch das Lioncast-Produkt nicht gänzlich ohne Makel, bei Nutzung per USB-Verbindung ist bei diesem im Hintergrund ein deutlicher Fiepton zu vernehmen. Analog genutzt, tritt dieser dagegen nicht auf, zudem wirkt der Klang hier noch mal einen Tick „runder“.

Noch deutlicher werden die Unterschiede der einzelnen Testkandidaten bei der Einwirkung von Störgeräuschen. In diesem Szenario ist die Stimme beim G332 und Cloud Stinger Core nur noch schwer zu verstehen, das Recon 70 kann den Nachteil des kurzen Mikrofons in diesem Fall zu einem Vorteil wandeln – zumindest dann, wenn Störeinflüsse wie Wind vom Gesicht verdeckt werden. So fallen bei diesem die Geräusche geringer aus, womit die Stimme deutlich besser zu verstehen ist als bei den beiden vorangegangenen Headsets. Die Nase vorne hat in dieser Disziplin erneut das LX 30, nicht zuletzt durch seinen Schaumstoffschutz, der Wind- und Poppgeräusche wirkungsvoll in Grenzen hält.

Fazit

Dass Hersteller nicht zaubern können und zu den Preisen für die hier getesteten Headsets einige Abstriche gemacht werden müssen, ist klar. So kommt bei allen Sets hauptsächlich Kunststoff zum Einsatz, lediglich HyperX und Logitech fertigen zumindest den Haltebügel aus Metall. Das macht die Headsets zwar leicht, aber weniger stabil und damit auch potentiell kurzlebiger. Die Verarbeitung ist, gemessen an Preis und Material, dennoch als gut zu bezeichnen. Nichtsdestoweniger muss mit dem einen oder anderen Knarzen gelebt werden.

Unterschiede beim Komfort

Relevante Unterschiede gibt es beim Tragekomfort. Das G332 von Logitech sowie das Recon 70 (Xbox) von Turtle Beach haben mit ihren drehbaren Ohrmuscheln in diesem Aspekt die Nase vorne. Für Nutzer, die mit Kunstleder Probleme haben, dürfte hingegen das HyperX Cloud Stinger Core mit seinem Stoffüberzug die bessere Wahl darstellen.

Der Bedienungskomfort fällt bei allen Vertretern gering aus, lediglich die Lautstärke lässt sich direkt am Gerät einstellen – beim G332 sowie Recon 70 an der Ohrmuschel, beim LX 30 und Cloud Stinger Core an der Kabelfernbedienung, die gleichzeitig mit einer Stummschaltung für das Mikrofon aufwartet.

Headsets unter 50 Euro im Test

Verschiedene klangliche Ansätze

Auch beim Klang gibt es Unterschiede. So überrascht das G332 mit einem ausgewogenen und im Vergleich zum restlichen Feld kräftigen Klang. Das LX 30 lässt die Mitteltöne ein wenig vermissen, das Recon 70 konzentriert sich mehr auf die Höhen und das HyperX hat so gar keine Lust. Am Ende kommt aber bei allen vier Kandidaten vor allem bei Shootern kaum Atmosphäre auf, hier macht sich der geringe Preis sehr deutlich bemerkbar.

Klarer Sieger beim Mikrofon

Überzeugen kann in Sachen Mikrofon erneut Lioncast, wenn auch der bei Stille im Hintergrund deutlich zu vernehmende hohe Fiepton bei USB-Verwendung stören kann. Bei rein analoger Nutzung tritt dieser jedoch nicht auf. Dafür erhält der Nutzer eine gute Stimmwiedergabe, die trotz des geringsten Frequenzumfanges im Test das beste Klangbild abliefert – auch weil die tiefen Bereiche gut abgebildet werden. Darüber hinaus schützt der Schaumstoffaufsatz wirkungsvoll vor Störgeräuschen.

Dass Herstellerangaben nicht immer etwas zu bedeuten haben, wird bei den Vertretern von Logitech und HyperX deutlich, die – zumindest auf dem Papier – über den umfangreichsten Frequenzgang verfügen, dafür jedoch mit einer recht höhenlastigen Wiedergabe der Stimme aufwarten. Darüber hinaus sind beide anfällig für Störgeräusche. Das Schlusslicht bildet das Recon 70, das die Stimme etwas undeutlicher abbildet, was vor allem dem kurzen Mikrofon zuzurechnen sein dürfte.

Kein eindeutiger Sieger

Einen Sieger in diesem Test zu kühren, fällt am Ende damit schwer. Ein gutes Gesamtpaket schnürt keiner der angegebenen Hersteller. Klanglich kann das G332 empfohlen werden, aber nur dann, wenn die Mikrofonqualität eine untergeordnete Rolle spielt. Ist diese wiederum wichtig, lohnt sich ein Blick auf das LX 30 – mit gleichzeitigen Abstrichen beim Klang der Ohrmuscheln.

Wer beides möchte, sollte sich die größeren Brüder LX 55 oder LX 55 USB (Test) anschauen. Diese warten mit identischer Mikrofonqualität, aber besserem Klang auf und bieten für rund 20 Euro mehr auch eine bessere Materialwahl sowie Verarbeitung.

Am Ende bleibt vor allem eine Erkenntnis: Auch wenn Hersteller immer wieder einen satten Klang und beste Mikrofonqualität bei hoher Fertigungsqualität versprechen, Headsets im unteren Preissegment bleiben in den meisten Fällen Gelegenheitslösungen, bei denen deutliche Kompromisse eingegangen werden müssen.

HyperX Cloud Stinger Core
Produktgruppe Headsets, 23.05.2019
  • Verarbeitung
    O
  • Klangqualität
    O
  • Mikrofonqualität
    O
  • Stoffbezüge
  • guter Sitz
  • Kabelbedienung
  • verstellbares Mikrofon
  • kurzes Kabel
Lioncast LX 30
Produktgruppe Headsets, 23.05.2019
  • Verarbeitung
    O
  • Klangqualität
    O
  • Mikrofonqualität
    +
  • gutes Mikrofon
  • Mikrofon gut ausrichtbar
  • guter Schutz vor Störgeräuschen
  • dickes und stabiles Kabel
  • langes USB-Kabel
  • Ohrmuscheln mit Kunstleder überzogen
  • Nur Kunststoff als Material
  • kurzes Klinkekabel
Logitech G332
Produktgruppe Headsets, 23.05.2019
  • Verarbeitung
    O
  • Klangqualität
    O
  • Mikrofonqualität
    O
  • Lautstärkeregelung direkt am Headset
  • Ohrmuscheln weit drehbar
  • kurzes Kabel
Turtle Beach Recon 70 (Xbox)
Produktgruppe Headsets, 23.05.2019
  • Verarbeitung
    O
  • Klangqualität
    O
  • Mikrofonqualität
    O
  • leichtes Headset
  • kurzes Mikrofon
  • kurzes Kabel
  • Mikrofon mit ausgeprägtem Raumhall
  • nur Kunststoff als Material

ComputerBase hat die Testmuster von den jeweiligen Herstellern zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme derHersteller auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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