Apple iPhone 11 (Pro Max) im Test: A13 Bionic ist extrem schnell

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Nicolas La Rocco 483 Kommentare

Die erweiterten Fähigkeiten im Bereich der Kamera sind zum Großteil dem neuen Prozessor zu verdanken. Apples eigens entwickelter A13 Bionic folgt auf den letztjährigen A12 Bionic und wird in 7 nm von TSMC produziert. Der Hersteller selbst spricht bei der Fertigung lediglich von einer zweiten 7-nm-Generation, sodass nicht bekannt ist, ob damit N7P (Performance) oder N7+ mit EUV-Lithografie gemeint ist. Die CPU mit 8,5 Milliarden Transistoren bietet zwei bis 2,66 GHz taktende Lightning-Performance-Kerne, die 20 Prozent schneller und 30 Prozent sparsamer als beim A12 Bionic sind. Vier Thunder-Efficiency-Kerne sind genau wie die GPU mit vier Kernen ebenfalls 20 Prozent schneller und zudem 40 Prozent sparsamer. Zu guter Letzt arbeitet Apples „Neural Engine“ 20 Prozent schneller und geht dabei 15 Prozent sparsamer zu Werke.

In den Benchmarks stehen diese Zahlen für einen größeren Abstand zur Exynos- und Snapdragon-Konkurrenz, als mit dem A12 Bionic ohnehin anzufinden war. Apples Hexa-Core-CPU ist die mit Abstand schnellste am Markt und setzt sich in jedem einzelnen Benchmark mit großem Abstand an die Spitze. Aber auch in Sachen Grafikeinheit hat der Hersteller deutlich nachgelegt, sodass mit der neuen Quad-Core-GPU im anspruchsvollen „GFXBench Aztec Ruins 1440p (High) Offscreen Metal“ erstmals flüssige 34 FPS erreicht werden. Zwischen 18 Prozent und 53 Prozent höher fällt die Leistung im GFXBench aus, im 3DMark sind es zwischen 25 Prozent und 41 Prozent.

Apple will mit dem A13 Bionic aber nicht nur einen sehr schnellen Prozessor abgeliefert haben, sondern auch einen, dessen Leistung über einen längeren Zeitraum abrufbar ist. Die sogenannte „Sustained Performance“ soll beim A13 Bionic besser als beim A12 Bionic ausfallen. Um das zu testen, hat ComputerBase den Chip in Dauerschleife im Geekbench 4 und im „GFXBench Manhattan 3.1 1080p Offscreen“ getestet.

Die Leistung bleibt konstant hoch

Rein auf die CPU-Leistung bezogen war allerdings schon der A12 Bionic selbst unter Dauerbelastung nicht zu bremsen. Aber Apple hat die dauerhaft abrufbare Leistung sowohl in den Single-Core- als auch den Multi-Core-Messungen verbessert. In den Single-Core-Tests waren im schlechtesten Fall 99,3 Prozent der ursprünglichen Leistung abrufbar, jetzt sind es 99,8 Prozent. In den Multi-Core-Tests verbessert sich Apple von 97,6 Prozent auf 98,8 Prozent. Beide Ergebnisse spielen für die Erfahrung im Alltag allerdings kaum eine Rolle. Auch Besitzer eines ein Jahr alten iPhones mit A12 Bionic können sich sicher sein, jederzeit Zugriff auf die volle CPU-Leistung zu haben.

Ein anderes Bild ergibt sich bei GPU-Dauerlast, vor allem zwischen iPhone 11 Pro Max und iPhone 11, die unterschiedlich gut abschneiden, während bei den CPU-Messungen Gleichstand herrscht. Beide Smartphones steigen mit Bestwerten in den Test ein, sacken dann aber im zweiten und dritten Durchlauf ab, woraufhin die Leistung bis zum neunten Durchgang gehalten wird. Das iPhone 11 Pro Max schneidet mit seinem etwas größeren Gehäuse besser ab. Vor allem in den letzten Tests muss das kleinere iPhone 11, das die Wärme anscheinend weniger gut abgeben kann, noch mal zurückfahren, während das iPhone 11 Pro Max die Leistung stabil hält.

In Sachen GPU-Leistung ist Apple zumindest mit dem iPhone 11 Pro Max unter Berücksichtigung des Leistungsrückgangs auf bis zu 81,1 Prozent der Konkurrenz jederzeit überlegen. Rein auf die „Sustained Performance“ bezogen hinterlassen OnePlus 7T und Samsung Galaxy Note 10+ ein besseres Bild, wenngleich mit insgesamt deutlich niedrigerer Leistung. Wie sich mit dem iPhone 11 Pro das kleinste neue iPhone in diesem Test verhält, konnte ComputerBase mangels Testgerät nicht testen.

Schnelleres LTE Advanced Pro von Intel

Die neuen iPhones sind erneut exklusiv mit LTE-Modems von Intel bestückt. Erst für das kommende Jahr mit der Einführung von 5G ist damit zu rechnen, dass Apple von Intel zu Qualcomm wechseln wird. Qualcomms Milliarden-Deal mit Apple wird erst im kommenden Jahr zum Tragen kommen, wenn das „iPhone 12“ erstmals den neuen Mobilfunkstandard 5G beherrschen wird. In iPhone 11, iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max stecken hingegen LTE-Modems von Intel.

Das zweite Mal in Folge verbaut Apple damit ausschließlich Modems von Intel in den neuen iPhones. Apple setzt auf das XMM 7660, das Intel Ende 2017 gemeinsam mit dem 5G-Modem XMM 8060 vorgestellte hatte, das ein Jahr später vor dem Start eingestellt und durch das XMM 8160 ersetzt wurde, das wiederum nach Intels Aufgabe der 5G-Sparte für Smartphones niemals Marktreife erlangte.

XMM 7660 ermöglicht 1,6 Gbit/s im Downlink
XMM 7660 ermöglicht 1,6 Gbit/s im Downlink (Bild: Intel)

Das XMM 7660 als Nachfolger des im iPhone XS und iPhone XR verbauten XMM 7560 beherrscht schnelleres LTE Advanced Pro nach Cat. 19 mit bis zu 1,6 Gbit/s im Downlink und ein breiteres Spektrum an Bändern sowie erweiterte Fähigkeiten für MIMO und „Carrier Aggregation“. Apple spezifiziert das iPhone 11 Pro wie das iPhone XS mit „Gigabit-fähigem LTE mit 4x4 MIMO und LAA“. Gegenüber ComputerBase hat der Konzern aber bestätigt, dass die LTE-Geschwindigkeit im Downlink jetzt bei 1,6 Gbit/s liegt. Beim iPhone 11 gibt es „Gigabit-fähiges LTE mit 2x2 MIMO und LAA“.

Das XMM 7660 unterstützt mehr LTE-Bänder und kann diese via „Carrier Aggregation“ auf mehrre der 4×4-MIMO-Antennen zusammenlegen. Beim für Deutschland bestimmten iPhone 11 Pro mit der Modellnummer A2215 sind es insgesamt 30 Bänder, beim iPhone XS (A2097) waren es 27. Dasselbe gilt für iPhone 11 (A2221) und iPhone XR (A2105). Für die USA und China gibt es erneut eigene Varianten.

eSIM ist praktisch außerhalb der EU

Beide Apple-Smartphones sind Dual-SIM-Geräte, die mit einer physischen SIM und einer eSIM betrieben werden. Das ist vor allem für den Einsatz außerhalb der EU praktisch, wenn das hiesige Roaming nicht mehr verwendet werden kann. In den USA lässt sich zum Beispiel von T-Mobile eine eSIM per App auf das Smartphone laden, um einen lokalen Tarif für Touristen zu buchen. Für den Kauf des eSIM-Profils muss nur kurz über ein offenes WLAN, das in praktisch jedem Flughafen kostenlos angeboten wird, eine Verbindung über die App des Mobilfunkanbieters aufgebaut werden. So lässt sich der Kauf einer physischen SIM-Karte vermeiden, was Zeit und Geld sparen kann.

Wi-Fi 6 aka WLAN-ax

Für WLAN-Verbindungen steht erstmals der neue WLAN-ax-Standard Wi-Fi 6 zur Verfügung. Dieser bietet in denselben 5 GHz wie bisher eine effektivere Kanalteilung zur Steigerung der Netzwerkeffizienz und für geringere Latenzzeiten im Uplink- und Downlink-Verkehr in stark frequentierten Umgebungen. „Multi-User Multiple Input Multiple Output“ (MU-MIMO) ermöglicht die gleichzeitige Übertragung von mehr Downlink-Daten und erlaubt es einem Accesspoint, Daten an eine größere Anzahl von Geräten gleichzeitig zu übertragen. Kanäle mit 160 MHz Bandbreite sollen mehr Leistung bei geringer Latenzzeit liefern. 1024-QAM wiederum soll den Durchsatz in Wi-Fi-Geräten durch Kodierung von mehr Daten in der gleichen Spektralmenge erhöhen. Außerdem wird „Transmit Beamforming“ eingeführt, das eine höhere Datenrate bei einer bestimmten Reichweite ermöglicht, was zu einer größeren Netzwerkkapazität führen soll.

Apples eigener U1-Chip

Die Liste der von Apple eigens entwickelten Chips wird mit dem U1 im iPhone 11 (Pro) länger. Bei dem Apple U1 handelt es sich um einen vom Unternehmen selbst entwickelten Chip mit Ultrabreitband-Technologie, um andere Apple-Geräte mit U1-Chip genauer lokalisieren zu können. Mit U1-Chip sind erst mal nur die neuen Smartphones ausgestattet. Und genau hier spielt der U1 bei der Nutzung von AirDrop eine Rolle. In der Kombination aus neuem iPhone, U1 und iOS 13 soll durch das Richten auf ein anderes Gerät priorisiert werden können, an wen Dateien verschickt werden. Personen in direkter Nähe des neuen iPhones erscheinen weiter oben in der Liste von Vorschlägen, als weiter entfernte Personen. Apple sagt, der U1 funktioniere „ähnlich wie GPS, nur auf Zimmergröße“ und will ihn in Zukunft in mehr Geräten verbauen.

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