Grid im Test: GPU-, CPU-Benchmarks, Frametimes und der Inhalt

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Wolfgang Andermahr et al. 113 Kommentare

Die nachfolgenden Grafikkarten-Benchmarks sind auf einem Intel Core i9-9900K durchgeführt worden, der mit den Standard-Einstellungen betrieben wird und auf insgesamt 32 Gigabyte Arbeitsspeicher mit einer Geschwindigkeit von DDR4-3200 (16-16-16-38, Dual-Rank) zugreifen kann. „Windows 10 April 2019 Update“ (1903) inklusive aller derzeit verfügbaren Patches ist installiert.

Als Treiber wurden der Adrenalin 19.10.1 beziehungsweise der GeForce 436.48 genutzt. Der AMD-Treiber ist offiziell für Grid optimiert, Nvidia erwähnt das Spiel nicht.

Testsequenz und Einstellungen

Die Testszene zeigt eine 25 Sekunden lange Fahrt auf der Strecke Okutama GP, bei Tageslicht und Regen. Es handelt sich zwar nicht um ein Worst-Case-, aber um ein ziemlich anspruchsvolles Szenario. In den meisten Fällen ist die Framerate höher. Der gewählte Abschnitt in Okutama ist insgesamt die fordernste Stelle im Spiel. Regen senkt die Framerate deutlich gegenüber trockenen Bedingungen. Ein Auto der TC-2-Tourenwagenklasse wird beim Benchmark genutzt, 15 KI-Autos fahren mit um die Strecke.

Für sämtliche Auflösungen bis inklusive 3.840 × 2.160 werden für die Benchmarks die maximalen Grafikdetails genutzt.

Auflösung Grafikdetails
1.920 × 1.080 Ultrahoch-Preset
2.560 × 1.440 Ultrahoch-Preset
3.840 × 2.160 Ultrahoch-Preset

Benchmarks in Full HD, WQHD und Ultra HD

Grid ist bezüglich der Performance ein recht ausgeglichenes Spiel, was AMD- und Nvidia-Grafikkarten angeht. Auch die alten Generationen, Pascal bei Nvidia und Vega sowie Polaris bei AMD, haben in Grid keine Nachteile – das war in letzter Zeit häufig anders. Die GeForce RTX 2070 liefert in Full HD gleich viele FPS wie die Radeon RX 5700 XT und die GeForce GTX 1080 arbeitet sechs Prozent schneller als die Radeon RX Vega 64. Damit schneiden beide Nvidia-Beschleuniger besser als in anderen Spielen ab, groß sind die Unterschiede aber nicht.

Vorne im Feld liegen wenig verwunderlich die schnelleren Turing-Produkte. Die GeForce RTX 2070 Super arbeitet in 2.560 × 1.440 14 Prozent schneller als die Radeon RX 5700 XT, während Nvidias Flaggschiff, die GeForce RTX 2080 Ti, weitere 32 Prozent voraus liegt. In der alten Mittelklasse liefern sich Radeon RX 580, Radeon RX 590 sowie die GeForce GTX 1060 ein enges Duell, das die Radeon RX 590 mit einem knappen Plus von zwei Prozent gewinnt. Die GeForce GTX 1060 ist dabei sechs Prozent schneller als die Radeon RX 580.

Aufgrund der teils unregelmäßigen Frametimes in Grid fallen auch die Messungen in den Balkendiagrammen verhältnismäßig niedrig aus. Merkliche Unterschiede zwischen den Abständen der Framerate und der Frametimes gibt es nicht.

Die Anforderungen sind nicht allzu hoch

Wenn man bedenkt, dass Grid meistens schneller als in der Testsequenz läuft, zeigen sich nur moderate Anforderungen an die Grafikkarte. So kann man die maximale Detailstufe in Full HD auch mal auf einer Radeon RX 580 oder einer GeForce GTX 1060 ausprobieren. Wenn es ab und zu auch mal nicht ganz so flüssig sein darf, ist die alte Garde in dem Spiel durchaus schnell genug für die höchste Detailstufe. Für WQHD gilt dasselbe dann für die GeForce GTX 1070 und die Radeon RX Vega 56, während es für Ultra HD mindestens eine Radeon VII oder eine GeForce RTX 2070 Super sein sollte.

Die Frametimes bereiten Probleme

Grid läuft immer mal wieder nicht richtig rund und stockt ab und zu – einen offensichtlichen Grund dafür gibt es nicht. Auch die Frametimes zeigen, dass es Probleme gibt. Denn unabhängig von der Grafikkarte, der Qualitätseinstellung und des Zeitpunktes in der Testsequenz spielen die Frametimes immer mal wieder verrückt und springen auf und ab.

Die gute Nachricht dabei ist, dass das Verhalten nicht völlig außer Kontrolle gerät, große Spikes gibt es glücklicherweise nicht, sondern nur viele kleine bis mittelgroße. Das hat zur Folge, dass sich das Verhalten gar nicht spüren lässt, wenn die Framerate recht hoch ist. In niedrigen FPS-Bereichen fühlt sich Grid dagegen unrund an, diese sollten gemieden werden. Unabhängig davon muss allerdings Codemasters nachbessern. Der AMD- und der Nvidia-Treiber sind diesbezüglich unschuldig.

Die CPU-Benchmarks zeigen kleine Unterschiede

Anders als die Grafikkarte hat der Prozessor nur geringe Auswirkung auf die Performance in Grid. In 1.920 × 1.080 ist auch noch der Core i3-8100 schnell genug, um auf einer GeForce RTX 2080 Ti FE ein flüssiges Spielen bei maximalen Grafikdetails zu ermöglichen – in letzter Zeit war das nur noch selten der Fall. Dennoch liefern bessere CPUs eine bessere Leistung ab.

AMDs Zen-2-Ableger scheint das Rennspiel gut zu liegen. Der Ryzen 9 3900X liefert jeweils zwei Prozent mehr FPS und bessere Frametimes als der Core i9-9900K, der auf den zweiten Platz kommt. Der Ryzen 5 3600 muss sich um knappe drei beziehungsweise sechs Prozent dem größeren Bruder geschlagen geben. Der Core i7-7700K liegt derweil um zwei und elf Prozent hinter Intels aktuellem Consumer-Flaggschiff zurück und platziert sich damit knapp vor der ersten und der zweiten Ryzen-Generation. Bei den Frametimes liegt der aktuelle Ryzen 5 3600 zwölf Prozent vor dem Ryzen 5 2600X und 17 Prozent vor dem Ryzen 5 1600X. Alle drei CPUs haben sechs Kerne mit aktiviertem SMT.

Mehr als vier CPU-Kerne bringen in Grid damit keinen spürbaren Leistungsschub. Und auch bei vier Kerne muss man nur mit kleinen Nachteilen leben. Das zeigt, dass eine Low-Level-API wie DirectX 12 nicht automatisch eine gute Mehrkernskalierung mit sich bringt. Diese muss immer noch vom Entwickler eingebaut werden.

Bei den durchgeführten CPU-Benchmarks geht es nicht darum zu zeigen, welcher Prozessor theoretisch eine bessere Performance in Grid zeigt. Das Ziel der Tests ist es, herauszufinden, ob der Prozessor in realitätsnahen Einstellungen Auswirkungen auf das Spielgeschehen hat. Entsprechend gibt es keine Benchmarks in sehr niedrigen Auflösungen, die die Grafikkarte so wenig wie möglich belasten. Stattdessen ist Full HD bei vollen Grafikdetails das häufigste Szenario für die CPUs, das im Spielalltag genutzt wird.

Wie gut ist Grid?

Als Reboot soll Grid den Kern der mittlerweile alten Rennspiel-Marke für heutige Geschmäcker adaptieren. Zumindest im Kern ist das gelungen, das Drumherum bleibt aber hinter den Erwartungen zurück.

Grid aus dem Jahr 2008 war ein spaßiger und abwechslungsreicher Arcade-Racer mit hervorragenden Drift-Abschnitten, damals frischer Rückspul-Mechanik und Team-Elementen – vielseitig, modern und innovativ. An diesen Meilenstein-Status kann das neue Grid nicht anknüpfen. In Testberichten und von Nutzern wird einhellig das Fahren selbst nebst der Klangkulisse gelobt, das gut unterhält. Dessen Belastbarkeit als durchgängiger Spaßfaktor wird hingegen gänzlich unterschiedlich beurteilt.

Eurogamer lobt das Spiel dafür in höchsten Tönen, GameStar findet das Konzept für Zwischendurch ansprechend und DualShockers wiederum unglaublich eintönig. Diese Bandbreite an Einschätzungen ergibt sich aus der Verpackung des Fahrens. In Grid gibt es nur 13 Strecken und zwei Typen von Veranstaltungen, Zeitfahren und Rennen, und ein Regensetting, das laut DualShockers aber kaum Auswirkungen auf das Handling habe.

Dazu kommt eine banale Kampagne ohne jedwede Präsentation, bei der lediglich nacheinander Rennen abgeklappert werden, sowie eine belanglose Team-Komponente – man könne nur einen Kollegen auswählen, dem aber jede Persönlichkeit abgehe, nicht einmal ein Team-Design dürfe man entwerfen, bemängelt GameStar. Steam-Rezensionen schlagen in die gleiche Kerbe. Es fehle an Vielfalt, lautet dort der Tenor, das Spiel wirke unfertig.

Wertungsüberblick für Grid (2019)
Publikation Wertung
4Players 75/100
Dual Shockers 5.5/10
GameStar 75/100
Eurogamer Empfehlung
IGN 8/10
PC Games 8/10
The Sixth Axis 7/10
Metacritic (PC) Presse: 81/100
Nutzer: 4.6/10 (33 Wertungen)

Dieses Teamelement sowie ein Nemesis-System, mit dem man sich im Feld einen auf (rammende) Rache sinnenden Intimfeind schaffen kann, werden auf konzeptioneller Ebene aber positiv beurteilt. Praktisch, urteilt aber etwa SixthAxis, hätten sie, obgleich einziges Alleinstellungsmerkmal, keine Auswirkungen auf das Geschehen und würden das Spiel nicht aus der Masse hervorheben. Eine Nemesis wird zudem nach jedem Rennen zurückgesetzt, sodass keine Rennfahrergeschichten, sondern höchstens Renngeschichten erzählt werden, was aber ein wenig hinter den Versprechungen im Vorfeld zurückbleibt. IGN lobt allerdings die KI im Allgemeinen, sie fahre aggressiv und zügig. Geteilt wird diese Einschätzung nicht von jeder Publikation, 4Players etwa hält die Mitfahrer für zu aggressiv auf höheren Schwierigkeitsstufen, wo das Fahrverhalten ein wenig mehr die Realität nachahmen möchte.

Die Seite ist außerdem unzufrieden mit den Belohnungen für absolvierte Rennen. Designelemente für das Fahrzeug, also Skins und Co, erfreuen die Tester nicht. In einem Rennspiel werden besondere Boliden, nicht Farbmuster als Erfolgsbonus erwartet. Konzeptionell bewegt sich Codemasters in Richtung Live-Service, was auch das Konzept von „Saisons“ für die Erweiterung sowie der unfertige Eindruck, der auf Steam entsteht, nahe legen. Mikrotransaktionen gibt es, abseits von Autos in der Ultimate-Edition, die mehr Credit-Einkommen zum schnelleren Freikauf neuer Fahrzeuge versprechen, nicht, der Einfluss auf das Spielgeschehen bleibt laut 4Players minimal.

Die Neuinterpretation von Grid ist also gemessen an den Berichten ein Spiel, in dem es sich gut fahren lässt, aber nicht mehr als das. Damit unterscheidet es sich negativ von seinem Urahn, der noch viel mehr konnte als das, aber auch von aktuellen Größen im Genre, die mehr können als das – weniger ist im Arcade-Bereich nicht unbedingt zeitgemäß und vor allem weniger, als versprochen wurde. The Sixth Axis bezeichnet Grid deshalb als aufgewärmte Mahlzeit. Eine solche ist ab und an okay, schließlich erfüllt sie wichtige Bedürfnisse ausreichend kompetent, aber sicherlich kein Highlight des Speiseplans. Grid erweckt so den Eindruck, in Live-Service-Tradition vielleicht gut genug für eine Veröffentlichung, aber noch nicht fertig zu sein. Diese Fertigstellung empfiehlt sich abzuwarten.

Fazit

Bezogen auf die Technik und Grafik macht die PC-Version von Grid im Prinzip einen guten Eindruck, allerdings gibt es noch ein störendes Problem. Die Grafikqualität an sich ist durchaus ordentlich, kann trotz derselben Engine allerdings nicht mit F1 2019 mithalten, das eine ganze Liga höher spielt. Dafür fallen die Anforderungen an die Grafikkarte aber auch nicht sonderlich hoch aus. Für die maximalen Grafikdetails benötigt es kein High-End-Produkt.

Grid im Technik-Test

Allerdings hat Grid Probleme mit den Frametimes. Denn unabhängig von der eingesetzten Grafikkarte, gleichgültig ob Radeon oder GeForce, ob alte oder neue Architektur, die Abstände der einzelnen Frames schwanken in unregelmäßigen Abständen, was vor allem in niedrigen FPS-Bereichen spürbar und damit störend ist. Das ist etwas, was Codemasters schnellstmöglichst beheben sollte. Denn genau davon abgesehen ist die PC-Version von Grid zwar kein technisches Highlight – dafür fehlt es von allem überall etwas – aber durchaus eine ordentliche Umsetzung ohne größere Schwächen.

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