Viper Ultimate im Test: Razer entthront Logitech zum dekadenten Preis

Fabian Vecellio del Monego 124 Kommentare
Viper Ultimate im Test: Razer entthront Logitech zum dekadenten Preis

tl;dr: Logitechs G Pro Wireless stellte rund ein Jahr lang die beste kabellose Shooter-Maus, doch nun erhält sie dank Razer einen würdigen Konkurrenten. Die sehr gelungene Viper Ultimate leistet sich tatsächlich nahezu keine Fehltritte und ist in vielerlei Hinsicht überlegen, schlägt allerdings deutlich teurer zu Buche.

Rund ein Jahr ist vergangen, seit Logitech mit der G Pro Wireless (Test) erstmals eine leichte drahtlose Maus mit erstklassiger Sensorik und guter Akkulaufzeit auf den Markt brachte. Über die letzten Monate hinweg wurde das Gewicht zwar von zahlreichen kabelgebundenen Mitbewerbern unterboten, doch einen würdigen Funk-Konkurrenten gab es bisher nicht. Razer begegnet dem nun mit einer kabellosen Variante der von ComputerBase als gut bewerteten Viper (Test) und ändert im Zuge dessen tatsächlich mehr, als zunächst hätte erwartet werden können.

Denn abseits des mit der Funkvariante einhergehenden Akkus und des abnehmbaren Kabels setzt der Hersteller bei der Viper Ultimate auf einen neuen Sensor, verbaut andere Gleitfüße und erweitert die Kapazität des internen Speichers. Darüber hinaus beansprucht Razer gar eine höhere Akkulaufzeit, als sie Logitechs G Pro Wireless bietet – wenngleich die kabellose Viper lediglich 74 Gramm auf die Waage bringt. Das alles hat jedoch seinen Preis: Unter Ausnahme der in Handarbeit gefertigten M1K (Test) stellt die Viper Ultimate mit einer unverbindllichen Preisempfehlung von 170 Euro für das Bundle mit Ladestation die derzeit teuerste Gaming-Maus dar.

Razer Viper Ultimate
Logitech G Pro Wireless
Ergonomie: Symmetrisch (Beidhändig)
Sensor: PixArt PMW-3399
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,0 – 3,0 mm
Logitech Hero 16K
Optisch
Auflösung: 100 – 20.000 dpi
5 Stufen
100 – 16.000 dpi
5 Stufen
Geschwindigkeit: 16,5 m/s 10,2 m/s
Beschleunigung: 490 m/s² 392 m/s²
USB-Abfragerate: 1.000 Hz
Primärtaster: Razer Optical, 70 mio. Klicks Omron, 50 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 8
Oberseite: 3 Unterseite: 1
Linkseitig: 2 Rechtsseitig: 2
Sondertasten: Mausrad, Profil-Umschalter Mausrad, dpi-Umschalter
Software: 5 Profile
vollständig programmierbar, Sekundärbelegung
Makroaufnahme
Interner Speicher: 5 Profile
Beleuchtung: Farbe: RGB, 1 Zone
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
Reaktiv, Spiele-Integration
Farbe: RGB, 1 Zone
Modi: Atmend, Farbschleife
dpi-Indikator
Gehäuse: 127 × 67 × 38 mm
Hartplastik, Beschichtung
Glanzelemente
125 × 64 × 40 mm
Hartplastik
Gewicht: 74 Gramm (o. Kabel) 80 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A auf Micro-USB-Kabel, 1,80 m, umwickelt
Funk: 2,4 GHz
proprietärer Akku, 70 Stdn. Laufzeit
Laden: Kabel, Ladestation
USB-A auf Micro-USB-Kabel, 1,80 m
Funk: 2,4 GHz
proprietärer Akku, 48 Stdn. Laufzeit
Laden: Kabel, Induktion (proprietär)
Preis: ab 170 € ab 100 €

Eine Variante ohne „Charging Dock“ soll zum Preis von 140 Euro folgen, doch derzeit ist die Viper Ultimate ohnehin noch nirgends lieferbar: Eine erste Charge ist ausverkauft, weitere Mäuse sollen gegen Mitte November verfügbar werden.

Symmetrisches Gehäuse erinnert an PBT-Tastenkappen

Hinsichtlich der Form orientiert sich Razer nahezu exakt an den Abmessungen der kabelgebundenen Viper, bei den Materialien bessert der Hersteller allerdings noch mal nach. Sowohl die Oberfläche der Maustasten und des Mausrückens als auch die gummierten Flanken wurden geringfügig überarbeitet. Erstere beiden boten schon bei der Viper eine raue Textur, die bei der Viper Ultimate nochmals gröber ausfällt und haptisch an PBT-Tastenkappen erinnert. Zu den beiden rau gummierten Seitenteilen ist anzumerken, dass sie nicht bloß aufgeklebt sind, sondern nahezu in das Gehäuse gegossen wurden, was der Haltbarkeit zuträglich ist.

Abseits dessen bietet die Viper Ultimate weiterhin eine vollständig symmetrische Form, sodass die Bedienung für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen gut möglich ist. Da die Maus weder klein noch besonders groß ausfällt, spricht sie folglich eine maximal große Zielgruppe an, die das Eingabegerät aufgrund der zurückhaltenden Kurven im Fingertip-, Claw- als auch Palm-Grip halten können, wobei erstgenannter bei großen und letzterer bei kleinen Händen besser gelingt. In jedem Fall bietet das Eingabegerät genug Halt und rutscht nicht aus der Hand.

Beim Vergleich mit der G Pro Wireless offenbart sich deren potentiell bessere Eignung für große Hände: Nicht nur, dass Logitechs Maus generell geringfügig größer ist, die Seiten fallen auch weniger konkav aus. Kleinen oder mittelgroßen Händen bietet sie dadurch aber definitiv weniger Halt als Razers Viper Ultimate, was auch ihrer durchgehend glatten Oberfläche geschuldet ist.

Niedriges Gewicht und hervorragende Gleitfüße

Schon die kabelgebundene Viper wartete dank des niedrigen Gewichts, guter Gleitfüße und eines flexiblen Kabels mit angenehmer Gleitfähigkeit auf, doch die Viper Ultimate überbietet das mit Leichtigkeit – obwohl sie ein wenig schwerer ist. Der Grund dafür findet sich jedoch nicht nur in der Abwesenheit des Kabels, sondern vor allem bei den fünf weißen Gleitfüßen: Jene sind bei der kabellosen Viper aus reinem PTFE und nicht mehr lackiert, wodurch die drahtlose Version auch mit angeschlossenem Kabel merklich besser als die normale Viper gleitet.

Folglich sind die Gleiteigenschaften der Viper Ultimate auch denen einer G Pro Wireless spürbar überlegen; ein Vergleich ist vielmehr mit deutlich leichteren Mäusen, beispielsweise der Model O- (Test) oder einer MM710 (Test), angebracht.

Dezente Beleuchtung auf dem Rücken

Nach wie vor dezent umgesetzt erscheint die RGB-Beleuchtung der Viper Ultimate, die sich lediglich auf das Razer-Logo auf dem Mausrücken beschränkt. Bei jenem ist die Ausleuchtung jedoch ausreichend hell sowie gleichmäßig und Farben werden recht treu wiedergegeben. Hinzu kommt eine auf der Unterseite der Maus versteckte Leuchtdiode zur Indikation der gerade gewählten Sensorauflösung. Auch die G Pro Wireless verfügt über eine Beleuchtung des Logos, informiert aber mithilfe dreier kleiner LEDs auf dem Mausrücken über die Sensorauflösung.

Gespiegelte Zusatz- und optomechanische Primärtasten

Die Tastenbestückung übernimmt Razer von der kabelgebundenen Viper: Zwei optomechanische Schalter stellen die Primärtasten und beidseitig finden sich zwei Zusatztasten. Damit bieten Viper Ultimate und G Pro Wireless das exakt gleiche Layout, Razers Maus hat aber einen Vorteil: Bei beiden Eingabegeräten ist über die zugehörige Software eine Sekundärbelegung der Tasten möglich, die Viper Ultimate erlaubt aber zudem eine zweite Zuweisung des Mausrad-Scrollens, sodass bei Verwendung der Funktion effektiv zwei weitere Tasten zur Verfügung stehen.

Praktisch stehen dem Nutzer somit unter Abzug des linken sowie rechten Mausklicks und der normalen Mausrad-Belegung sechs Zusatztasten zur Verfügung, während es bei der G Pro Wireless nur vier sind. Das rechtsseitige Tastenpaar beider Mäuse lässt sich als Rechtshänder nur eingeschränkt nutzen, da dafür meist umgegriffen werden muss. Sollte das kein Hindernis sein, so bieten Viper Ultimate und G Pro Wireless gar potentiell acht respektive sechs frei belegbare Zusatztasten. Anzumerken ist zudem, dass die seitlichen Tasten der Logitech-Maus abnehmbar und durch plane Platzhalter ersetzbar sind, falls sie nicht genutzt werden.

Optomechanik klickt sich anders

In den vergangenen Jahren setzten sich bei Gaming-Mäusen Omron-Taster durch; im Falle der G Pro Wireless handelt es sich um die mit einer Lebenszeit von 50 Millionen Klicks spezifizierte Variante. Diese maximale Zahl an Anschlägen existiert jedoch vornehmlich auf dem Papier, da die Schalter nach einiger Zeit je nach Umgebungsbedingungen und Aufbau der Maus mechanisch überstrapaziert sind oder an Korrosion zu leiden beginnen – Fehlfunktionen oder ungewollte Doppelklicks sind die Folge, da die konfigurierte Entprellzeit das Abfedern des Kontakts nicht mehr ausreichend überbrücken kann.

In der Viper Ultimate erzeugen hingegen Lichtschranken statt Metallkontakten die Eingabesignale. Das ist an sich kein vollständig neuer Ansatz, fand bei Mäusen bislang jedoch nur selten Anwendung. Abseits einer durch geringere mechanische Abnutzung erreichten höheren Lebenszeit von in diesem Fall laut Razer bis zu 70 Millionen Klicks bewirbt der Hersteller die optomechanischen Taster vor allem mit einer „dreimal schnelleren“ Reaktionszeit von lediglich 0,2 ms – eine Entprellzeit entfällt.

Razer Viper Ultimate
Logitech G Pro Wireless

Die Folge ist aber auch, dass sich die beiden Primärtasten der Viper Ultimate zunächst ungewohnt anfühlen und anhören. Zwar sind sie recht direkt – es besteht nur ein geringer vertikaler Spielraum –, doch fällt die haptische und akustische Rückmeldung geringer aus. Während bei der G Pro Wireless ein klares Klicken zu spüren ist, fühlen und hören sich die primären Schalter der Viper Ultimate ein wenig dumpfer an. Ein Geschwindigkeitsvorteil ist derweil zwar im einstelligen Millisekundenbereich messbar, nicht aber im Rahmen menschlicher Wahrnehmung spürbar.

Das Mausrad weiß hingegen auf ganzer Linie zu gefallen: Es ist deutlich taktil gerastert und bleibt dennoch klar leiser als das weniger Widerstand bietende Rad der konkurrierenden Logitech-Maus. Die gummierte Textur bietet zudem mehr Halt.

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