QNAP TS-253D im Test: Das Multi-Gigabit-NAS hängt Synology ab

Frank Hüber 131 Kommentare
QNAP TS-253D im Test: Das Multi-Gigabit-NAS hängt Synology ab

tl;dr: Die QNAP TS-253D mit Intel Celeron J4125, zwei 2,5-Gigabit-LAN-Anschlüssen samt Link Aggregation, einem PCIe-x4-Slot und einem HDMI-Ausgang überzeugt im Test. Mit einer 10-GbE-Erweiterungskarte kommen selbst SSDs als Hauptspeicher an ihre Grenzen. Nur M.2-Steckplätze für einen NVMe-SSD-Cache fehlen dem Modell.

QNAP setzt auf mehr als Standard-Gigabit-LAN

Kurz nach Synology mit der DS720+ (Test) bringt QNAP mit der TS-253D einen direkten Konkurrenten auf den Markt. Auch die TS-253D setzt auf den Quad-Core-Prozessor Intel Celeron J4125 mit 2,0 GHz Basis- und bis zu 2,7 GHz Turbotakt. Während Synology jedoch bei zwei 1-Gigabit-LAN-Anschlüssen verweilt, bietet QNAP bei der TS-253D zwei 2,5-GbE-Schnittstellen über je einen RJ-45-Port. So möchte der Hersteller die Datenübertragung in Zeiten, in denen immer häufiger der LAN-Anschluss der limitierende Faktor ist, beschleunigen. Darüber hinaus setzt QNAP die eigene Linie zu umfangreichen Schnittstellen fort und stattet die TS-253D mit einem PCIe-2.0-x4-Steckplatz für Erweiterungskarten und gleich fünf USB-Steckplätzen aus (2 × USB 2.0, 3 × USB 3.0). Über den PCIe-Slot kann wahlweise eine 10-GbE-Steckkarte oder eine M.2-Karte für einen SSD-Cache installiert werden. Für Letzteres verbaut Synology bei der DS720+ direkt zwei M.2-Steckplätze an der Unterseite.

Während die Synology DS720+ eine unverbindliche Preisempfehlung von rund 460 Euro aufweist, kostet die QNAP TS-253D im Handel derzeit rund 500 Euro.

Neben der Frage, ob QNAP oder Synology das bessere 2-Bay-NAS mit Intel Celeron J4125 baut, steht in diesem Test erstmals auch die Netzwerkschnittstelle mit bis zu 10 GbE im Fokus. Denn abgesehen von den beiden 2,5-Gigabit-LAN-Anschlüssen der TS-253D, die auch mit Link Aggregation getestet werden, stattet ComputerBase das NAS mit der 10GBase-T-Erweiterungskarte QNAP QXG-10G1T inklusive Aquantia-AQtion-AQC107-Controller aus, um die maximal mögliche Bandbreite zu testen.

Technische Details der TS-253D

Neuer Prozessor und HDMI

Während die QNAP TS-251D (Test) mit Intel Celeron J4005 (2 Kerne, 2 Threads) bei 2,0 GHz in Konkurrenz zur Synology DS218+ (Test) steht, setzt die TS-253D auf den Intel Celeron J4125 mit 4 Kernen, 4 Threads und 2 GHz Basistakt. Der Prozessor stammt aus der Familie der Gemini Lake Refresh und ist erst seit dem letzten Quartal 2019 auf dem Markt. Mit einer Fertigungsstruktur von 14 nm und einer TDP von 10 Watt bietet er 4 MB L2-Cache und bis zu 2,7 GHz im Turbo. Dass es der CPU für ein NAS nicht an Leistung mangelt, hat sie bereits in der DS720+ von Synology bewiesen. Dank AES-NI wird auch die Datenverschlüsselung beschleunigt.

4 GB RAM, Upgrade auf 8 GB möglich

Die TS-253D ist ab Werk immer mit 4 Gigabyte DDR4-SODIMM ausgestattet, das sich auf ein Modul beschränkt. Über einen zweiten SODIMM-Steckplatz kann der Käufer das NAS somit problemlos auf die vom Celeron maximal unterstützten 8 Gigabyte Arbeitsspeicher aufrüsten. Mit etwas Geschick ist dies möglich, ohne die TS-253D zu öffnen, indem nur die Festplatteneinbaurahmen herausgenommen werden. Synology geht mit lediglich 2 Gigabyte RAM in der DS720+ hier deutlich zaghafter zu Werke.

Die TS-253D bietet zwei RJ-45-Netzwerkanschlüsse mit 2,5 Gbit/s (IEEE802.3bz, 2.5GBase-T). Dank 2.5GBase-T können nicht nur vorhandene Cat5e-Kabel weitergenutzt werden, sondern die Anschlüsse lassen sich auch in langsameren Netzwerkwerken problemlos mit einem Gigabit ansprechen. Die niedrigeren Frequenzen von 2.5GBase-T ermöglichen es, geringerwertigere Kabel als das für 10GBase-T notwendige Cat6A zu verwenden. Während für 2.5GbE Cat5e genutzt werden muss, sind für 5GbE Cat6-Kabel erforderlich. Über Link Aggregation können die beiden Ports der TS-253D gebündelt werden, um beim Zugriff mehrerer Clients theoretisch bis zu 5 Gbit/s bereitzustellen. Für die Netzwerkanschlüsse nutzt QNAP die Realtek-RTL8125-Controller.

PCIe-Slot, aber kein SSD-Caching ab Werk

Anders als die DS720+ verfügt die TS-253D nicht über integrierte M.2-Steckplätze, die NVMe-SSDs für einen SSD-Cache aufnehmen können. Soll ein SSD-Cache installiert werden, muss eine entsprechende Erweiterungskarte in den PCIe-2.0-x4-Slot eingesetzt werden, die M.2-Steckplätze liefert. Alternativ kann eine 10-GbE-Netzwerkkarte eingesetzt werden oder eine Kombination aus beidem, wobei dann auf die Aufteilung der Lanes auf M.2 und 10GbE zu achten ist, da es zu Limitierungen kommen kann.

QNAP TS-253D Synology DS720+ QNAP TS-251D QNAP TS-253B
SoC: Intel Celeron J4125
x86
2,00 GHz, 4 Kern(e), 4 Thread(s)
Intel Celeron J4005
x86
2,00 GHz, 2 Kern(e), 2 Thread(s)
Intel Celeron J3455
x86
1,50 GHz, 4 Kern(e), 4 Thread(s)
RAM: 4.096 MB 2.048 MB
4.096 MB
Variante
8.192 MB
Festplatteneinschübe: 2
S-ATA-Standard: I/II/III
HDD-Format: 2,5" & 3,5"
RAID-Level: Einzellaufwerk, JBOD, RAID 0, RAID 1
M.2-Ports für SSD-Cache: 2
I/O-Ports: 2 × LAN
2 × USB 2.0, 3 × USB 3.0
HDMI, Infrarot, PCIe-Slot
2 × LAN
2 × USB 3.0, 1 × eSATA
1 × LAN
3 × USB 2.0, 2 × USB 3.0
HDMI, Infrarot, PCIe-Slot
2 × LAN
5 × USB 3.0, 1 × USB 3.0 Typ C
HDMI, SD-Card-Reader, Infrarot, Audio-Ausgang, PCIe-Slot
Wake on LAN: Ja
Verschlüsselung: AES-256 (ordner- und laufwerksbasiert)
Lüfter: 1 × 70 × 70 × 25 mm
(nicht entkoppelt)
1 × 92 × 92 × 25 mm
(nicht entkoppelt)
1 × 70 × 70 × 25 mm
(nicht entkoppelt)
Netzteil: 65 Watt (extern)
Maße (H×B×T): 168,0 × 105,0 × 226,0 mm 166,0 × 106,0 × 223,0 mm 168,0 × 105,0 × 226,0 mm
Leergewicht: 1,48 kg 1,51 kg 1,48 kg 1,66 kg
Preis: ab 487 € 458,20 € ab 341 € ab 493 € / ab 501 €

Fünfmal USB, kein eSATA, aber Infrarot

Auch bei der TS-253D setzt QNAP auf USB für Peripherie und externe Speicher. eSATA, das bei Synology noch vereinzelt eingesetzt wird, kommt nicht zum Zuge. Neben zwei USB-2.0-Anschlüssen, die sich vor allem für eine Tastatur und Maus bei Nutzung der Virtualisierungsfunktionen eignen, stehen drei USB-3.0-Anschlüsse nach Typ A zur Verfügung. Auf USB-C muss der Käufer auch bei der TS-253D noch verzichten. Vier der fünf USB-Anschlüsse sind an der Rückseite platziert, einer an der Vorderseite, dem QNAP zudem wieder die bekannte Kopiertaste zur Seite stellt, um vordefinierte Kopiervorgänge zwischen dem externen Speicher und der TS-253D auszulösen, wenn er gedrückt wird.

HDMI mit Intel UHD Graphics 600

Auch bei der TS-253D setzt QNAP die integrierte Intel UHD Graphics 600 ein, um einen HDMI-Ausgang bereitzustellen. Letzterer unterstützt maximal 4.096 × 2.160 Bildpunkte mit bis zu 60 Hz. Darüber hinaus beherrscht die TS-253D 4K-Videotranskodierung zur Konvertierung von Videos in universelle Dateiformate sowie Videostreaming über DLNA, Plex und Chromecast.

Für die Kühlung des Systems setzt QNAP auf einen einzelnen 70-mm-Lüfter an der Rückseite, der Luft durch das System zieht und nach hinten ausbläst. An der Vorderseite dienen die bekannten Status-LEDs für das System, die Festplatten und das Netzwerk als Indikatoren für den Systemzustand.

Schnelle, werkzeuglose Inbetriebnahme

Die Festplattenrahmen der TS-253D ermöglichen eine werkzeug- und schraubenlose Montage von 3,5-Zoll-Festplatten. Lediglich 2,5-Zoll-SSDs müssen auf den Trägern mit drei Schrauben verschraubt werden. Die Inbetriebnahme des NAS ist unkompliziert und auch für weniger versierte Nutzer problemlos möglich. Sie erfolgt, wie bei NAS-Systemen üblich, über die Web-Oberfläche des Systems.

Intern wird nur ext4 geboten

Während Synology dem Nutzer beim Dateiformat der internen Festplatten die Wahl zwischen ext4 und btrfs lässt, kann bei QNAP nur ext4 eingesetzt werden. Ein Prüfsummen-basiertes Dateisystem mit Schutz vor Datenübertragungsfehlern wie btrfs oder ZFS unterstützt der Hersteller nicht.

Snapshots je nach Speicherkonfiguration

Snapshots unterstützt QNAP mit dem NAS-Betriebssystem QTS hingegen erneut. So können Dateien in einen zuvor aufgezeichneten Zustand zurückgesetzt werden, wenn diese versehentlich gelöscht oder geändert wurden. QNAP-Snapshots sind blockbasiert und zeichnen nur geänderte Daten auf, was dem Speicherplatzbedarf zugutekommt und die Zeit zum Sichern und Wiederherstellen der Daten reduziert.

QNAP TS-253D mit bekanntem Design und Software

Optisch geht QNAP mit der TS-253D keine neuen Wege, sondern setzt auf das bekannte und bewährte Design der letzten Jahre. Eine Abdeckung, die zur Seite weggeschoben und über einen kleinen Schalter festgestellt werden kann, verdeckt die beiden Laufwerkseinschübe, die über Kunststoffhalter fixiert werden. Die Abdeckung ist dabei erneut in Hochglanz ausgelegt und verkratzt schnell.

Ein vollständiges Öffnen des Gehäuses ist somit nur für das Einsetzen einer PCIe-Erweiterungskarte notwendig. Hierfür werden zwei Schrauben an der Rückseite gelöst und das Gehäuse auseinandergeschoben. Nun lässt sich die eine Hälfte abheben und gibt den Zugriff auf die Platine frei. Auf Wunsch oder bei einem Defekt lässt sich auch der 70-mm-Lüfter problemlos austauschen, da er über einen normalen 3-Pin-Stecker angeschlossen und nicht fest verlötet ist.

Das Netzteil ist nicht Teil des Innenlebens, sondern extern umgesetzt. Es stellt bis zu 65 Watt bereit.

Im Test kommt QNAPs NAS-Betriebssystem QTS in Version 4.4.2.1320 zum Einsatz. Der Funktionsumfang ist gewohnt umfangreich. Nur die wenigsten Nutzer werden alle Funktionen des NAS nutzen, zumal über einen App-Store zahlreiche Ergänzungen verfügbar sind – schon die QTS-Grundlagen umfassen inzwischen 44 Apps. Dank der x86-Architektur unterliegt der Anwender bei der TS-253D auch keinen Einschränkungen. Im Laufe der Jahre hat die Übersichtlichkeit der Benutzeroberfläche durch diese Vielzahl an Funktionen jedoch etwas gelitten.

Viel Multimedia und Kompakt-PC mit Linux

Dank des HDMI-Ausgangs und QNAPs HD Station (HybridDesk Station) in Version 4.0.9 können Videos und Fotos am Fernseher oder Monitor betrachtet werden. Darüber hinaus ist es möglich, zahlreiche Anwendungen für die HD Station zu installieren, unter anderem LibreOffice, Chrome, Firefox, Facebook, Spotify, TuneIn und Skype, so dass diese direkt über das NAS genutzt werden können. Hierfür können auch eine Maus und Tastatur mit dem NAS verbunden werden, um die Eingaben etwa im Browser zu tätigen.

Die Linux Station der TS-253D macht das NAS hingegen zu einem Kompakt-PC – dank der 4 GB RAM ohne Einschränkungen, wie sie noch bei der TS-251D mit 2 GB RAM auftreten. Über die App lässt sich Linux direkt auf dem NAS installieren und ausführen. Dank HDMI-Ausgang und Maus- und Tastatur-Unterstützung kann man das System tatsächlich sinnvoll nutzen. Unterstützt werden Ubuntu 16.04, Ubuntu Kylin 16.04 und Ubuntu 18.04.

Auch bei der TS-253D gilt die Einschränkung, dass Linux Station und HD Station nicht gleichzeitig genutzt werden können, da nur ein System den HDMI-Ausgang verwenden kann.

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