Google Pixel 4a im Test: Die Kamera des Pixel 4

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Nicolas La Rocco
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Nachdem im Pixel 4 erstmals eine Dualkamera in einem Google-Smartphone verbaut war, geht Google mit dem Pixel 4a wieder zurück zu den Basics – den sehr guten Basics. Denn die eine Kamera, die auf der Rückseite zu finden ist, entspricht der Hauptkamera des Pixel 4. Sie arbeitet mit 12,2 Megapixeln, hat eine Blende von f/1.7 und laut EXIF-Daten eine Brennweite von 27 mm Kleinbild-Äquivalent. Die Kamera führt den Autofokus per Phasenerkennung über die Dual-Pixel-Technologie des Sensors durch. Mit an Bord ist auch eine in dieser Preisklasse nicht selbstverständliche optische und elektronische Bildstabilisierung für Fotos und Videos.

Single-Kamera, die der Hauptkamera des Pixel 4 entspricht
Single-Kamera, die der Hauptkamera des Pixel 4 entspricht

Mit in das Pixel 4a hat es auch die erweiterte HDR+-Automatik („Live HDR+ mit dualer Belichtung“) geschafft, die Anwendern zwei Regler für unabhängige Veränderungen an Highlights und Schatten zur Hand gibt. Ein Antippen des Suchers setzt zunächst an gewünschter Stelle einen Referenzpunkt, anschließend können über zwei Schieberegler unabhängig voneinander Highlights und Schatten beeinflusst werden. So lassen sich zum Beispiel mehr Details aus Schatten holen, ohne das gesamte Bild aufzuhellen.

Obwohl nur auf die Kamera bezogen die gleiche Hardware bei Pixel 4a und Pixel 4 zum Einsatz kommt, bedeutet das nicht automatisch, dass die exakt gleichen Aufnahmen entstehen. Denn im Pixel 4 durchlaufen die Rohdaten mit dem „Pixel Neural Core“ und einem anderen „Image Signal Processor“ (ISP) des Snapdragon 855 eine völlig andere Pipeline als im Pixel 4a.

Die gleichen sehr guten Fotos

Dennoch ist es Google gelungen, aus dem Pixel 4a die gleiche fantastische Bildqualität des Flaggschiffs zu holen. Googles HDR-Automatik arbeitet tadellos und erzielt einen hohen Dynamikumfang, ohne dabei Schatten künstlich auf ein so nicht vor Ort angetroffenes Niveau aufzuhellen. Weißabgleich, Farben, Schärfe und Kontrast fallen sehr gut aus und sorgen vor allen anderen Punkten vor allem für realistische Aufnahmen, denen keine große Nachbearbeitung unterstellt werden kann, wenngleich Googles Pipeline natürlich alles andere als trivial ist. Davon bekommen Anwender allerdings überhaupt nichts mit, denn Bilder landen stets verzögerungsfrei in sehr guter Qualität auf dem Speicher.

Google Pixel 4a im Test – Kamera im Vergleich

Astrofotografie: Ein Wunderwerk der Technik

Was Google mit „Computational Photography“ alles erreicht, zeigen der Nachtmodus und der dort eingebettete Modus für Astrofotografie. Ist es dunkel, empfiehlt Googles Kamera-App den Wechsel zum Nachtmodus („Nachtsicht“). Bei extremer Dunkelheit und Nutzung eines Stativs oder wenn das Smartphone etwa an eine Mauer gelehnt und nicht mehr bewegt wird, kommt automatisch der Modus für Astrofotografie hinzu.

Bei der Astrofotografie fügt Google maximal 15 Aufnahmen mit einer Belichtungszeit von jeweils bis zu 16 Sekunden zu einem Foto zusammen. Die insgesamt 4 Minuten Belichtungszeit erbt das Pixel 4a unverändert vom Pixel 4, obwohl kein „Pixel Neural Core“ als separate Recheneinheit für solche Aufgaben verbaut ist. Deshalb war dieser Modus im Pixel 3 (Test) und Pixel 3a (Test) auf insgesamt 1 Minute beschränkt. Möglich mache die Freigabe für mehr beim Pixel 4a „intelligente Software“, so der Konzern. Es ist immer wieder faszinierend, was Googles Software-Entwickler im Bereich Fotografie aus der Hardware quetschen können. Im Astrofotografie-Modus kann der Proband zum Beispiel fehlerfrei sich aufgrund der Erdrotation bewegende Sterne und Hotpixel aus der Aufnahme retuschieren, ohne dabei Sterne und andere kleine Lichter, die im Sucher wie Hotpixel aussehen können, zu verlieren.

Google Pixel 4a im Test – Astrofotografie und Nachtmodus

Die erste Aufnahme der Windkraftanlagen bei Birkholz ist mitten in der Nacht bei vollständiger Dunkelheit entstanden und bringt beeindruckende Details zum Vorschein, die vor Ort bei wenigen Metern Sichtweite nicht wahrnehmbar waren. In Berlin hat es eine ausfahrende S-Bahn am Bahnhof Schönhauser Allee in die zweite Aufnahme geschafft. Diese Lichtspuren einzufangen, ist gar nicht so einfach, da das Pixel 4a mit bis zu 15 Aufnahmen arbeitet und eine zweite S-Bahn auf dem rechten Gleis, die ebenfalls eingefangen werden sollte, als Anomalie erkannte und die Lichtspur mit den späteren Frames wieder entfernte. Auf der nördlichen Monbijoubrücke neben dem Bode-Museum gelang es zudem nicht auf Anhieb, den Modus für Astrofotografie zu triggern, da es dafür eine Nuance zu hell war. Mal stand der Modus zur Verfügung, mal nicht.

Normaler Nachtmodus bleibt sehr gut

Definitiv zu hell für die Astrofotografie war es dem Pixel 4a vor dem Alten Museum und dem Berliner Dom. In beiden Situationen konnte maximal der Nachtmodus mit mehreren Sekunden Belichtung genutzt werden. Tolle atmosphärische Fotos waren aber auch im normalen Nachtmodus möglich.

Videomodus in 4K30 im Vergleich

Auch im Videomodus stimmen Pixel 4a und Pixel 4 hinsichtlich maximaler Qualität überein. Beide Smartphones beherrschen bis zu 4K-Auflösung mit 30 FPS in SDR. Googles Videostabilisierung steht in allen Modi zur Verfügung und sorgt für ruhige Aufnahmen. Etwas anfällig zeigen sich beide Smartphones für Windgeräusche bei eigentlich nur leichter Brise. Die Bildqualität fällt nach den Fotos auch hier identisch gut aus.

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