Google Pixel 3 XL im Test: Kamera und Software machen wieder den Unterschied

Nicolas La Rocco 202 Kommentare
Google Pixel 3 XL im Test: Kamera und Software machen wieder den Unterschied

tl;dr: Mit dem Pixel 3 XL greift Google das High-End-Segment an und vertraut dabei mit sehr guter Kamera und aktueller Android-Software auf alte Tugenden, die schon im letzten Jahr überzeugt haben. Von diesen Features abgesehen traut sich Google aber nicht genug, das Pixel 3 XL ist ein erstaunlich durchschnittliches Smartphone.

Preise und Verfügbarkeit

Google bietet die dritte Pixel-Generation erneut in zwei Varianten an: ohne Namenszusatz mit 5,5 Zoll sowie als XL-Modell mit 6,3 Zoll. Unterschiede bei Auflösung und Akku sind Folge der aufgrund der Displays unterschiedlichen Abmessungen, ansonsten steckt in beiden Smartphones aber die gleiche High-End-Hardware.

Pixel 3 und Pixel 3 XL lassen sich seit der Ankündigung am 9. Oktober im Google Store vorbestellen und sollen ab dem 2. November in Deutschland verfügbar sein. Zur Auswahl stehen die Farben „Just Black“, „Clearly White“ und „Not Pink“.

Am Preis gemessen will Google mit den neuen Smartphones ganz oben mitspielen. Das kleine Pixel 3 startet mit 64 GB Speicher bei 849 Euro, mit 128 GB sind es 949 Euro. Für das Pixel 3 XL mit 64 GB Speicher ruft Google 949 Euro auf, während es in der Variante mit 128 GB Speicher 1.049 Euro sind. Modelle mit 256 GB oder 512 GB, wie sie zum Beispiel Apple beim iPhone Xs (Max) und iPhone Xr anbietet, gibt es bei Google trotz des Verzichts auf eine Speichererweiterung via microSD-Karte nicht.

Spezifikationen im Überblick

Google Pixel 3 Google Pixel 3 XL Google Pixel 2 Google Pixel 2 XL
Software:
(bei Erscheinen)
Android 9.0 Android 8.0
Display: 5,50 Zoll
1.080 × 2.160, 439 ppi
OLED, HDR, Gorilla Glass 5
6,30 Zoll
1.440 × 2.960, 522 ppi
OLED, HDR, Gorilla Glass 5
5,00 Zoll
1.080 × 1.920, 441 ppi
AMOLED, Gorilla Glass 5
6,00 Zoll
1.440 × 2.880, 537 ppi
POLED, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor
SoC: Qualcomm Snapdragon 845
4 × Kryo 385, 2,80 GHz
4 × Kryo 385, 1,80 GHz
10 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 835
4 × Kryo 280, 2,45 GHz
4 × Kryo 280, 1,90 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 630
710 MHz
Adreno 540
710 MHz
RAM: 4.096 MB
LPDDR4X
Speicher: 64 / 128 GB
Kamera: 12,2 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,8, AF, OIS
Sekundär-Kamera: Nein
Tertiär-Kamera: Nein
Quartär-Kamera: Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/1,8, AF
8,0 MP, 1080p
f/2,4
Sekundär-Frontkamera: 8,0 MP, f/2,2 Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.000 ↑75 Mbit/s
Advanced Pro
↓800 ↑75 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 3.0 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM
Akku: 2.915 mAh (11,20 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.430 mAh (13,20 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
2.700 mAh (10,39 Wh)
fest verbaut
3.520 mAh (13,60 Wh)
fest verbaut
Größe (B×H×T): 68,2 × 145,6 × 7,90 mm 76,7 × 158,0 × 7,90 mm 69,7 × 145,7 × 7,80 mm 76,7 × 157,9 × 7,90 mm
Schutzart: IPX8 IP67
Gewicht: 148 g 184 g 143 g 175 g
Preis: ab 649 € / ab 749 € ab 749 € / ab 849 € 799 € / 909 € 939 € / 1.049 €

Fast perfekte Verarbeitung

Die große Design-Revolution gibt es bei Google mit den Pixel 3 nicht, beide neuen Smartphones sind erneut klar als Teil der Pixel-Familie erkennbar. Im Test befasst sich ComputerBase ausschließlich mit dem Pixel 3 XL, viele Merkmale treffen jedoch auch auf das Pixel 3 zu, zum Beispiel das neue Gehäuse. Auch Google setzt nun auf eine weitestgehend aus Glas gefertigte Konstruktion, die von einem Chassis aus Aluminium getragen wird. Durch eine Mattierung über weite Bereiche der Rückseite sehen die neuen Smartphones den Pixel 2 aber sehr ähnlich, obwohl hier noch Aluminium die Rückseite zierte. Dank der Glasrückseite lassen sich die Geräte kabellos laden.

Die Farbe „Clearly White“ des Testgerätes ist ausgesprochen resistent gegenüber Fingerabdrücken, die auf der schwarzen Variante ebenso wie Fettschlieren quasi sofort sichtbar sind. Zudem soll die schwarze Variante besonders anfällig für Kratzer sein, wie ein Hands-On-Bericht von ArsTechnica zeigt. Demnach soll schon das Ende eines USB-Typ-C-Kabels für Kratzer auf der empfindlichen Rückseite sorgen können.

Mit solchen Problemen hat das weiße Testgerät nicht zu kämpfen. Es punktet zudem mit einer über weite Bereiche sehr guten Verarbeitung und Materialanmutung, die dem Preis des Smartphones gerecht wird. Absolut perfekt ist Google der Zusammenbau jedoch nicht gelungen, wie das minimal hervorstehende SIM-Fach zeigt. Mit bloßem Auge ist dieser kleine Makel zwar nicht erkennbar, mit dem Finger lässt sich aber eine scharfe Kante im ansonsten piekfein verarbeiteten Rahmen erfühlen. Das ist zwar Meckern auf hohem Niveau, bei einem 1.000-Euro-Smartphone sollte das aber erlaubt sein.

Eine weitere Veränderung am Gehäuse ist die neue IP-Zertifizierung. Statt IP67 wie noch beim Pixel 2 gibt es jetzt IPX8. Google sagt auf der deutschen Webseite in den technischen Daten des neuen Smartphones zwar, das Gerät sei staub- und wasserfest nach IPX8, im Kleingedruckten heißt es aber nur noch, das Pixel 3 sei nach IEC-Norm 60529 gegen Wasser geschützt. Da die erste Kennziffer nicht angegeben wird, ist das Pixel 3 genau genommen nicht mehr staubdicht, im Gegenzug aber gegen dauerndes statt zuvor nur zeitweiliges Untertauchen geschützt.

Die wohl größte Notch

Während sich Pixel 3 und Pixel 3 XL von hinten betrachtet abgesehen von der Größe noch zum Verwechseln ähnlich sehen, gibt es auf der Vorderseite mit der überdimensionalen Notch des Pixel 3 XL den im wahrsten Sinne des Wortes größten Unterschied zwischen beiden Geräten. Dort bringt Google zwei Frontkameras, einen Lautsprecher und Sensoren unter. Googles Notch ist nicht so breit wie die des iPhone Xs Max (Test), jedoch deutlich höher, sodass sie zwei Android-Statusleisten aufnehmen könnte. Ganz so riesig wie auf vielen Produktfotos wirkt die Notch in der Praxis dann allerdings doch nicht, sie ist aber in jedem Fall ein Magnet für teils kuriose Blicke.

Abseits der Notch zieht Google das OLED-Display des Pixel 3 XL so weit an den Rand wie es auch Apple beim iPhone Xs macht. Das gilt allerdings nur für den oberen Bereich sowie linken und rechten Rand. Denn unten ist das „Kinn“ des Smartphones nicht kleiner als noch beim Pixel 2 XL. Das hat zwei Gründe, wobei einer davon derzeit noch eine Vermutung ist. Zum einen wollte Google wieder große Stereo-Lautsprecher auf der Vorderseite anbieten, entsprechend groß fällt der Bereich unterhalb des Displays aus. Vermutlich sind die Anschlüsse des Displays anders als seit dem iPhone X bei Apple auch nicht nach innen gebogen, um das Display bis an den Rand ziehen zu können.

Wie eingangs erwähnt kommt das Pixel 3 XL auf 6,3 Zoll und somit 0,3 Zoll mehr Diagonale das Pixel 2 XL. Die Abmessungen des Smartphones sind mit 76,7 × 158,0 × 7,90 mm zu 76,7 × 157,9 × 7,90 mm aber annähernd die gleichen, das gilt übrigens auch für das Pixel 3, dessen Display 0,5 Zoll größer ausfällt.

Wer Google die neuen OLED-Displays liefert, ist nicht bekannt, im Pixel 2 XL war es noch LG mit einem vergleichsweise schlechten POLED-Panel, während das Pixel 2 mit besserem AMOLED-Panel von Samsung kam. Zumindest das Display des Pixel 3 XL weist keine fleckige Darstellung und ausgewaschene Farben mehr auf, die Qualität liegt durchweg auf hohem OLED-Niveau, was auch durch die hohe Auflösung von 1.440 × 2.960 Bildpunkten untermalt wird. Beide Smartphones besitzen wie Apples oder Samsungs Smartphones eine adaptive Darstellung, die sich dem Umgebungslicht anpasst. Wer das nicht möchte, kann zu den beiden festen Einstellungen „Natürlich“ und „Intensiv“ wechseln.

Display patzt bei der Helligkeit

Dass Google aber nach wie vor nicht die höchste Güteklasse OLED-Panel von LG oder Samsung erhält, zeigt die Messung der maximalen Helligkeit. Diese ließ sich im Test weder über die manuelle noch die automatische Regulierung auf einen höheren Wert als 400 cd/m² bringen. Das ist ein klarer Rückschritt gegenüber den schon nicht besonders guten 476 cd/m² des Pixel 2 XL und selbst dem ersten Pixel XL mit 418 cd/m² unterlegen. Die Konkurrenz von Apple und Samsung leuchtet bis zu 61 Prozent heller.

Problematisch ist zudem die erste feine und dann schlagartig grobe Skalierbarkeit der Helligkeit. Zwischen 0 und 87 Prozent lässt sich die Helligkeit von 2 cd/m² bis knapp 200 cd/m² einstellen, bevor auf den letzten 13 Prozent weitere 200 cd/m² liegen. Wer die automatische Helligkeit verwendet, nutzt automatisch auch die mit Android 9 Pie eingeführte adaptive Helligkeit. Diese merkt sich, wann bei automatischer Regulierung manuell nachgeholfen wurde und übernimmt diesen Schritt später automatisch.

Lob gibt es hingegen für die sehr gleichmäßige Ausleuchtung selbst auf der höchsten Helligkeitsstufe, die überall 400 cd/m² beträgt. Denn das ist auch bei OLED-Bildschirmen ohne LED-Hintergrundbeleuchtung nicht immer selbstverständlich. Einen Pluspunkt gibt es zudem für den in den Profilen „Natürlich“ und „Intensiv“ mit 7.000 Kelvin relativ neutralen Weißpunkt. Google sieht beim Pixel 3 XL glücklicherweise von der ansonsten häufig bläulichen Darstellung ab, die sehr viele OLED-Displays aufweisen.

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