Sony Xperia 5 II im Test: Das Letzte seiner Art

Nicolas La Rocco 220 Kommentare
Sony Xperia 5 II im Test: Das Letzte seiner Art

tl;dr: Relativ kompakt samt High-End-Ausstattung bietet im Android-Umfeld nur noch Sony mit dem Xperia 5 II. Andere Hersteller liefern die gleiche Leistung nur in groß oder müssen diese für geringere Abmessungen reduzieren. Sonys Gesamtpaket ist nicht perfekt, aber in vielen Bereichen sehr gut. Teuer ist es allerdings ebenfalls.

Sony ist einer der letzten Smartphone-Hersteller im Android-Umfeld, der noch eine High-End-Ausstattung in Kombination mit vergleichsweise kompakten Abmessungen anbieten. Android und kompakt? Haben da nicht letztens das Pixel 4a (Test) und das Pixel 5 (Test) Empfehlungen der Redaktion abgeräumt? Stimmt, aber so gut Googles neue Smartphones auch sind, es sind genau genommen eben keine High-End-Geräte.

Für das Xperia 5 II übernimmt Sony zum Großteil die Komponenten des Xperia 1 II (Test) und verzichtet nur auf diejenigen Bauteile, die aufgrund der reduzierten Abmessungen nicht integriert werden konnten. Dadurch ist das Xperia 5 II das letzte relativ kompakte Android-Smartphone mit aktueller High-End-Ausstattung.

Preis und Verfügbarkeit

Sony bietet das Xperia 5 II seit Anfang Oktober zur Vorbestellung in den Farben Schwarz (Testgerät), Blau und Grau an, der reguläre Verkaufsstart folgte am 19. Oktober. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 899 Euro und damit immerhin 300 Euro unter der des Xperia 1 II. Bei größeren Händlern hat sich der Preis seit Juli kaum verändert.

Technische Daten im Überblick

Sony Xperia 5 II
Sony Xperia 1 II
Software:
(bei Erscheinen)
Android 10.0
Display: 6,10 Zoll
1.080 × 2.520, 449 ppi
POLED, HDR, Gorilla Glass 6
6,50 Zoll
1.644 × 3.840, 643 ppi
POLED, HDR, Gorilla Glass 6
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Status-LED
SoC: Qualcomm Snapdragon 865
1 × Kryo 585 Gold, 2,84 GHz
3 × Kryo 585 Gold, 2,42 GHz
4 × Kryo 585 Silver, 1,80 GHz
7 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 650
587 MHz
RAM: 8.192 MB
LPDDR5
Speicher: 128 GB (erweiterbar) 256 GB (erweiterbar)
1. Kamera: 12,0 MP, 2160p
LED, f/1,7, AF, OIS
2. Kamera: 12,0 MP, f/2,4, AF, OIS
3. Kamera: 12,0 MP, f/2,2, AF
4. Kamera: Nein
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 8,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
2. Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
5G: NSA/SA
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac/ax
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.1
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo, QZSS
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM Nano-SIM
Akku: 4.000 mAh
fest verbaut
4.000 mAh
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 68,0 × 158,0 × 8,00 mm 72,0 × 166,0 × 7,90 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 163 g 181 g
Preis: ab 796 € ab 899 €

9 Prozent kleiner und wieder rund

Kleiner bedeutet beim Xperia 5 II, dass Sony das Gehäusevolumen von 94,42 cm³ um rund 9 Prozent auf 85,95 cm³ reduziert hat. Zum Vergleich: Das Pixel 5 bringt es auf 81,5 cm³, das ältere Galaxy S10e sogar nur auf 78,52 cm³ und das jüngst vorgestellte, aber erst ab 13. November verfügbare iPhone 12 mini auf deutlich kleinere 62,47 cm³.

Welches Volumen ein Smartphone einnimmt, sagt aber nicht zwangsweise etwas über die gefühlte Größe in der Hand aus. Das Xperia 5 II ist wieder ein in die Länge gezogenes Gerät mit 21:9-Display, bei dem viel vom Volumen der Länge von 158 mm zuzuschreiben ist. Mit 68 mm in der Breite ist das Gerät aber angenehm schmal und lässt sich gut mit nur einer Hand umgreifen. In diesem Punkt ist es sogar etwas kompakter als das zuvor genannte Pixel 5 oder Galaxy S10e.

Obwohl das Xperia 5 II ein Abkömmling des Xperia 1 II ist, hat Sony nicht dessen kantiges Design übernommen. Die kleinere Variante setzt wieder auf ein abgerundetes Gehäuse, dessen Metallrahmen mit gleichmäßigem Radius das gesamte Smartphone umschließt. Greift man nach dem Gerät, kommt es nie zum Kontakt mit scharfkantigen oder anderweitig hervorstehenden Bauteilen. Das Xperia 5 II ist ein Handschmeichler, liefert so aber auch kaum Grip für einen sicheren Halt. Die Rückseite aus Glas führt in Kombination mit der leicht hervorstehenden Kamera dazu, dass sich das Smartphone bei Unebenheiten in Richtung Gefälle auf dem Tisch dreht, aber auch nicht weiter.

Dual-SIM, Kopfhöreranschluss und Symmetrie

Sony hält an alten Tugenden fest und stattet auch das Xperia 5 II mit einer 3,5-mm-Klinkenbuchse am Kopfende aus. Außerdem lässt sich das SIM-Fach wieder werkzeuglos aus dem Gehäuse ziehen und nimmt diesmal zwei Nano-SIM-Karten auf, nachdem die Dual-SIM-Funktionalität dem Xperia 1 II verwehrt blieb. Gummidichtungen im Steckfach signalisieren, dass Sony den IP68-Schutz beibehalten hat. Mit dabei sind auch wieder die beiden nach vorne gerichteten Stereo-Lautsprecher, die – im Rahmen der Möglichkeiten eines Smartphones – für eine sehr gute Klangkulisse sorgen.

Die Gehäusefront ist symmetrisch aufgebaut, ganz so, wie es beim Xperia 1 II der Fall ist. Auf eine Notch oder Aussparung im Display verzichtet Sony, stattdessen wird der Bildschirm oben und unten von jeweils rund 5 mm „Stirn“ und „Kinn“ flankiert, die die Lautsprecher und oben die Frontkamera aufnehmen. Auf Features wie ein gekrümmtes Display verzichtet Sony ebenfalls. Die Rundung zum seitlichen Rahmen erleichtert Gesten unter Android dennoch, jedoch ohne dass es zu störenden Reflexionen oder Farbverfälschungen am Rand kommt.

Altmodisch wirkt der Aufbau in einem Meer gleich gestalteter Smartphones dennoch nicht. Sony bietet ein gut bedienbares Gerät an, dessen Bildschirm einzig der Wiedergabe des Inhaltes dient. Das jeweils kleine Plus an Rahmen oben und unten stört nicht, da gute Stereo-Lautsprecher dies mehr als ausgleichen. Außerdem packt Sony erneut eine Status-LED in die Front.

OLED-Display mit erstmals 120 Hz

Das 6,1 Zoll große OLED-Display kommt im Vergleich zum Xperia 1 II mit einer Auflösung von 1.080 × 2.520 statt 1.644 × 3.840 Pixeln. Die Darstellungsqualität leidet darunter im Alltag aber nicht, wenn man nicht gerade mit der Lupe auf Pixelsuche geht. Die geringere Auflösung macht es Sony allerdings das erste Mal möglich, mehr als 60 Hz in einem Smartphone anzubieten – optional. Denn obwohl das Xperia 5 II 120 Hz bietet, ist das Panel ab Werk mit 60 Hz eingestellt. Der schnellere und für ein flottes Bediengefühl sorgende Modus muss manuell in den Einstellungen aktiviert werden.

Creator-Modus liefert mehr Helligkeit

Ebenfalls ab Werk nicht aktiv ist der Creator-Modus des Bildschirms. So nennt Sony den Modus für eine „originalgetreue Reproduktion der vom Filmemacher beabsichtigten Vision mithilfe eines HD-Displays und einer speziell entwickelten Bildverarbeitung, die mit der BT.2020-Farbskala und der 10-Bit-Farbe der HDR-Spezifikation“ kompatibel ist. Vereinfacht ausgedrückt liefert der Creator-Modus eine viel natürlichere, weniger übersättigte, beim Weißpunkt nicht verfälschte und am DCI-P3-Farbraum orientierte Darstellung. Es ist absolut unverständlich, warum Sony diesen Modus nicht standardmäßig aktiviert oder überhaupt schlechtere Alternativen dazu anbietet. Der Creator-Modus sollte nach der Ersteinrichtung direkt im nächsten Schritt aktiviert werden.

Der Creator-Modus hat darüber hinaus den Vorteil, dass der Bildschirm nur damit die maximale Helligkeit zur Verfügung stellt. Regulär erreicht das Xperia 5 II mit 536 cd/m² ein unterdurchschnittliches Niveau, das aber eins zu eins dem Xperia 1 II entspricht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Helligkeit manuell oder über den Lichtsensor automatisch reguliert wird. Sony verzichtet auch wieder auf eine APL-Steuerung („Average Picture Level“), steigert die Helligkeit also nicht, wenn ein geringerer Weißanteil im Panel dargestellt wird. Selbst im Creator-Modus ist das so.

Wechselt man hingegen zum Creator-Modus, sind bis zu 612 cd/m² bei 100 Prozent APL möglich. Auch das ist im Vergleich zwar kein hervorragender Messwert, aber immerhin 15 Prozent heller als ohne diesen Modus. Das Xperia 1 II schlägt Sony mit diesem Ergebnis sogar, da der große Bruder unter gleichen Bedingungen lediglich auf 589 cd/m² im Test kam. Dennoch wäre es erfreulich gewesen, wenn Sony, vor allem in der 900-Euro-Preisklasse, ebenfalls auf Werte oberhalb von 700 cd/m² gekommen wäre, um die Ablesbarkeit im Freien auch bei heller Sonnenstrahlung zu gewährleisten.

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