XPC DA320: Mit Picasso-Barebone wagt Shuttle die Rückkehr zu AMD

Frank Meyer
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XPC DA320: Mit Picasso-Barebone wagt Shuttle die Rückkehr zu AMD
Bild: Shuttle

Auf die komplette Abkehr von AMD-basierten Barebone-PCs anno 2013 folgt bei Shuttle im Jahr 2021 mit dem XPC DA320 ein neuer Anlauf, um Gewerbetreibenden und der Industrie alternative Lösungen anzubieten. Der aufrüstbare Mini-PC setzt im 1,3-Liter-Gehäuse auf den Sockel AM4. Ryzen-CPUs der 2000/3000er-Serie werden unterstützt.

Proprietäres AM4-Mainboard nimmt AMD-APUs bis 65 Watt auf

Beim XPC DA320 handelt es sich um einen für den Hersteller typischen Kleinst-PC im Barebone-Aufbau, der im 190 × 165 × 43 mm (L × B × H) messenden Gehäuse ein in Eigenentwicklung entstandenes sowie proprietäres AM4-Mainboard mit A320-Chipsatz bietet. Zuletzt hatte Shuttle stets auf Mainboards für Intel CPUs gesetzt, in nahezu allen Produktgenerationen diverser Barebone-Entwicklungen über die letzten Jahre. Der XPC DA320 steht bei Shuttle für die Rückkehr zu AMD nach acht Jahren.

Shuttle XPC DA320

In der Prozessoraufnahme des neuen XPC DA320 können Ryzen- wie Athlon-APUs der älteren 2000er- und 3000er-Produktfamilien (Raven Ridge, Picasso) von AMD Platz nehmen, die Anfang 2018 respektive ein Jahr später Anfang 2019 auf den Markt kamen.

Dazu zählen beispielsweise der Ryzen 3 2200G und Ryzen 5 2400G (Test) sowie dessen direkte Nachfolger Ryzen 3 3200G und Ryzen 5 3400G (Test) mit jeweils vier Kernen und integrierter Vega-GPU, die sich durch den verbesserten Fertigungsprozess von 12 nm anstatt 14 nm samt leichter Optimierungen bei der Architektur (Zen+ anstatt Zen) und einhergehend damit bei den maximalen Taktraten unterscheiden. Im XPC DA320 nicht unterstützt werden hingegen APUs der aktuellen Baureihe Ryzen 4000G aus der Renoir-Familie, die in Form des Ryzen 5 4650G und Ryzen 5 4750G (Test) weiterentwickelte Desktop-APUs auf Basis der im 7-nm-Fertigungsprozess entwickelten Zen-2-Architektur bilden. Anstatt maximal vier Kerne, bieten die Top-Modell als aktueller Stand der Technik bei den APUs für Desktop-PCs aktuell bis zu acht Recheneinheiten.

Heatpipe-Kühler samt zweier 60-mm-Lüfter

Eine Verlustleistung von maximal 65 Watt dürfen sich die Desktop-APUs im XPC DA320 von Shuttle genehmigen. Der limitierende Faktor des Gesamtpaketes ist das integrierte Kühlsystem, bestehend aus Heatpipe-Kühler und zwei im Deckel montierten Lüftern mit einem vergleichsweise kleinem Durchmesser von 60 mm.

Das Mainboard nimmt über zwei Steckplätze SO-DIMM-RAM auf, der je nach Wahl der Ryzen-APU maximal 2.666 MHz oder 2.933 MHz schnell sein darf. Die Gesamtkapazität wird mit 32 GB im Datenblatt benannt, wobei Module mit EEC-Fehlerkorrektur nicht kompatibel sind. Ein gewöhnlicher M.2-Slot mit PCI-Express Anbindung nimmt Laufwerke mit einer Länge von 80 mm (M.2 2280) auf.

Laufwerke im M.2- und 2,5-Zoll-Formfaktor kombinierbar

Dieser ist über vier PCIe-3.0-Datenleitungen an die Ryzen-APU angebunden und beherrscht den Datentransfer über das NVMe- wie SATA-Protokoll. Ein weiterer M.2-Steckplatz lässt sich optional mit einem maximal 30 mm langem WLAN- oder LTE-Modul (M.2 2230) bestücken. Für mehr Massenspeicher in Form einer HDD/SSD besitzt das XPC DA320 eine SATA-Buchse und einen dazu passenden Einbauplatz für Laufwerke im Formfaktor 2,5 Zoll. Arbeits- und Massenspeicher gehören wie der Prozessor bei Barebones üblicherweise nicht zum Lieferumfang.

Shuttle XPC DA320
Shuttle XPC DA320 (Bild: Shuttle)
Shuttle XPC DA320
Shuttle XPC DA320 (Bild: Shuttle)

Hohe Störsicherheit fürs Business-Segment

Vorrangig adressiert Shuttle das XPC Slim DA320 über ein robustes und unspektakuläres Stahlgehäuse, das auch in anderen XPC-Slim-Barebone-Serien von Shuttle genutzt wird, an Geschäftskunden, die eine platzsparende Lösung auch für kritische Umgebungen suchen. Genannt werden unter anderem professionelle Anwendungsbereiche wie Digital Signage, POS, POI, Spielautomaten, Büro, Gesundheitswesen und Industrie. Ein zuverlässiger Betrieb wird bei einer Umgebungstemperatur von bis zu 50 °C und einer hohen relativen Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent garantiert. Dem anvisierten Einsatzgebiet angepasst sind die gebotenen Anschlüsse.

Drei digitale Ausgänge für 4K-Displays

Laut Datenblatt kann die in der APU sitzende Radeon-Vega-GPU über einen HDMI-2.0-Ausgang und zweimal DisplayPort (1.4) in Summe drei Bildschirme parallel mit 4K-Auflösung ansteuern. Optional kann ein VGA/D-Sub-Ausgang genutzt werden. Über zwei RJ45-Ports via Realtek-RTL8111H-Chip lässt sich der AMD-Barebone mit Netzwerken verbinden. Neben insgesamt acht USB-Anschlüssen (6 × USB 3.2 Gen1, 2 × USB 2.0), davon alle über Typ-A-Buchse realisiert, sind am Gehäuse zwei COM-Ports (RS232) vorhanden.

An schwer zugänglichen Standorten kommt der Remote-Power-On-Anschluss zum Zug, mit dem das PC-System aus der Ferne gestartet werden kann. Ein SD-Kartenleser und zwei Klinkenbuchsen für die Audioausgabe über Lautsprecher oder Kopfhörer/Headset runden das Ausstattungspaket des XPC DA320 ab. Die Spannungsversorgung erfolgt über ein externes Netzteil, das eine Nennleistung von 120 Watt liefert. Dieses gehört wie eine VESA-Halterung zum Lieferumfang.

Für knapp 207 Euro im Einzelhandel verfügbar

Für das XPC DA320 nennt Shuttle zum Verkaufsstart eine unverbindliche Preisempfehlung von 236 Euro. Mit rund 207 Euro wird der Barebone-PC im Einzelhandel bereits unterhalb des UVP angeboten.