MX Ultra Low Profile im Test: Flache mechanische Taster für Notebooks sind eine Option

Max Doll
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MX Ultra Low Profile im Test: Flache mechanische Taster für Notebooks sind eine Option

Mechanische Taster konnten flach, aber nie Notebook-flach. In diese Lücke stoßen Alienware und Cherry mit den MX Ultra Low Profile: Sie sind extrem flach und mechanisch. Ihre Premiere ausgerechnet in einem „Gaming-Laptop“ erstaunt, sind sie doch gerade dort vor allem eine Option, aber kein Pflichtkauf. Die Stärke liegt woanders.

Cherrys MX Ultra Low Profile im Detail

Besonders flache Taster in Notebook-Höhe gibt es schon länger. Die unter anderem von Schenker und Razer eingesetzten Modelle nutzen einen Infrarotsensor und eine Lichtschranke zur Signalerfassung. Cherry beruft sich deshalb auf die Art der Umsetzung: Die neuen MX-Modelle sind die ersten mechanischen Taster für Notebooks, die Signale über das Verbinden von Kontaktpunkten aus Metall erzeugen. Sie sollen sich darüber hinaus trotz der stark verkleinerten Größe unverändert wie mechanische Taster anfühlen, verspricht der Hersteller.

Der Aufwand der Ingenieursleistung zeigt sich besonders deutlich im Vergleich mit dem Desktop-Mainstream. 3,5 mm benötigen die Taster vom tiefsten bis zum höchsten Punkt – nur ein Drittel der Höhe eines flachen MX Low Profile oder gar nur ein Fünftel der Höhe, die ein normaler MX-Taster beziehungsweise Derivate von TTC und Co in Beschlag nehmen. Trotz des winzigen Platzbedarfs beträgt der Hub noch gut spürbare und Notebook-typische 1,8 mm.

Möglich macht dies ein geänderter Aufbau. Die beiden Goldkontakte liegen nun parallel zum PCB. Der darüber liegende Halter für die Tastenkappe erinnert an Scissor-Switches, deren Aufbau grundsätzlich emuliert wird. Scherentaster besitzen allerdings eine Gummiglocke, die Leiterfolien zusammendrückt. Diese Funktion übernimmt hier ein flaches Kunststoff-Quadrat, das Metallkontakte zusammenpresst. Kompensiert werden muss auch an einer weiteren Stelle, denn die Gummiglocke hebt die Tastenkappe gleichzeitig in ihre Ausgangsposition. Für das Hochdrücken setzt Cherry bei den MX ULP deshalb eine Feder zwischen die beiden „Scherenflügel“.

Dass Notebook-Taster mit dem MX ULP mechanisiert werden sollen, legt durch die zahlreichen Parallelen im Design der Taster schon ihr Aufbau nahe. Konkurrenz für Rubberdome-Modelle versprechen zudem Aspekte, die für Endverbraucher nur indirekt relevant sind: Durch SMD-Montage von LED und Taster von der Vorderseite des PCBs vereinfacht sich die Produktion gegenüber anderen MX-Tastern, woraus sich auch eine Kostenreduzierung ergibt. In diese Konkurrenzsituation ist ebenso die Haltbarkeit einzuordnen. 15 Millionen Anschläge sollen MX ULP überstehen, was auf dem Niveau der Scherentaster aus Notebooks, aber weit unterhalb der größeren MX-Serien liegt.

Der MX Ultra Low Profile ist in jeder Hinsicht anders aufgebaut als größere MX-Taster (Bild: Cherry)

Vorerst nur in Notebooks von Alienware

Die neuen Taster von Cherry sind aktuell ausschließlich für Alienware-Laptops der Serien m15 R4 und m17 R4, m15 R6, Alienware X17 sowie m15 Ryzen Edition R5 erhältlich, das Unternehmen wird als Entwicklungspartner bezeichnet. Einzelne Eingabegeräte mit den neuen Tastern gibt es deshalb zum derzeitigen Zeitpunkt nicht, wenngleich es sich nicht um einen Dauerzustand handeln wird. Dass Tastaturen mit MX Ultra Low Profile für Endkunden angeboten werden, wurde schon bei der Ankündigung der Taster angedeutet. Ausschließlich bei Alienware werden die Taster nur für eine begrenzte Zeit zu finden sein. So war es schon mit Corsair: Die Kooperation mit Cherry führte zum MX Silent (Test), den das Unternehmen rund ein Jahr lang exklusiv verbauen durfte.

Cherry MX Ultra Low Profile Click Cherry MX Low Profile Red Cherry MX Blue
Charakteristik: taktil („clicky“) linear taktil („clicky“)
Hubweg: 1,8 mm 3,2 mm 4,0 mm
Position des Signalpunktes: 0,8 mm 1,2 mm 2,2 mm
Widerstand am Signalpunkt: 45 g 50 g
Widerstand am Druckpunkt: 65 g 60 g
Lebensdauer (Anschläge): 50 Mio.