Kaufmannsladen schrieb:
Im Mittelalter waren die Menschen durchaus mobil und haben sich gerne durchmischt. Wanderarbeiter, Kaufleute, Pilger, Wanderprediger, Landsknechte, fahrendes Volk. Selbst Bauern sind auf Märkte gefahren oder auf eine Pilgerschaft gegangen. Und die Landesgrenzen wurden durch Kriege und Heiratspolitik ständig verschoben. Zusätzlich Einfälle von fremden Völkern (Wikinger, Mongolen etc.), die gerne ihre Gene zurück ließen.
Die Cousine heiraten war eher was bei Adligen und dann aus politischen Gründen und weil kleinerer Genpool.
Das ist eine moderne Erzählung, die keiner geschichtlichen Realität standhält:
Märke waren in der Nähe (und immer noch Stunden an Fußweg), die ein Bruchteil der Leute im Auftrag der Gruppe/Familie besucht hat. Pigerfahrten wurden von einem Bruchteil der Menschen 1x im Leben unternommen und dann Teils auch nur zum nächstgelegenen Wallfahrtsort, was auch schon eine Reise Tage und Wochen zu Fuß gewesen sein kann.
Wanderarbeiter gab es in dem Sinne von Saisonabeiter nicht, weil große Baustellen Jahrzehnte Arbeit gaben.
Es gab gesuchte Spezialisten, die geworden wurden, Frohnarbeit in Wohnortnähe, Bauern haben genug Arbeitskräfte gehabt um alle ihre Felder, Plantagen, Güter zu bearbeiten.
Es gab die Walz in einien Berufen, wo wenige, meist Erbnachrangige junge Männer in die Welt geschickt wurden, wo sie überlebten oder starben - im Grunde ein Ausweg überzählige Münder loszuwerden und gleichzeitig das eigene Gewissen nicht zu belasten.
Ist jemand ausgewandert, z.B. von Deutschland nach Polen, selbst vom Lande in die Stadt, hat man den im Leben nicht wiedergesehn und Post gab es damals nicht nicht - das war ein Herrscherprivileg, zuverlässig Nachrichten senden und empfangen zu können.
Fernhändler gab es, die waren jetzt in der Anzahl nicht Bevölkerungsrelevant.
Soldaten wurden zum Sterben durch Europa und die Welt geschickt, nicht zum Sightseeing - wenige, meist Offiziere oder Stabsmitarbeiter haben überlebt, wenn sie weder Feind, Krankheit, Hunger getötet hat.
Die Landesgrenzen haben sich garnicht verschoben - es gab in dem Sinne keine Landesgrenzen, sondern Herrschaftsgebiete, deren Adel entweder ersetzt wurde, oder neue Loyalitäten geschworen hat.
Die Bevölkerung hat davon in der Regel nichts gemerkt, die Herrscher haben eh Latein, oder Französisch gesprpchen, selten die örtliche Mundart.
Geheiratet wurde vor Ort, nach Stand, Liebesheiraten sind nur innerhalb dieser Parameter möglich.
Aufgedrängte Zwangsschwangerschaften sind kein Zeichen freiwilliger Mobilität und es gab auch damals schon Möglichkeiten solche zu verhindern, vom Beenden des eigenen Leben, des ungeborenen Leben, irgendwelchen Käutern von Käuterfrauen, unempfänglich sein, oder schon geschwängert zu sein.
Sklaverei ist auch keine freiwillige Mobilität.
Selbst in den 1970er Jahren lebten die allermeisten Menschen, abseits einer beginnenden Reisindustrie, ihre Leben vordringlich lokal, oder regional - ich bin Zeitzeuge.
Meinen schwedischen Onkel hab ich 1x im Leben als kleines Kind gesehn, als der in den 1970ern im fortgeschrittenen Alter nach Jahrzehnten nochmal eine letze Runde Verwandschaftsbesuche gemacht hat.
Onkel Einauge, weil der ein Glasauge hatte, mit dem er mich erschreckte.
Leben in der Verganenheit war lokal, bestenfalls regional - alles andere war teuer, gefährlich, erzwungen, Standes-/Herrscherprivileg.