Ach, jetzt übertreibt doch mal nicht. In der Vergangenheit hat er sich auch nach schwierigen und enttäuschenden Rennen im Interview als guter Verlierer gegeben, der schnell wieder lächeln konnte. Jetzt hat er einmal in die Scheiße gelangt, und sofort soll er ein verwöhnter Bengel sein, dem man den Lolli weg genommen hat? Kommt mal wieder auf den Teppich. Da haben andere vor ihm schon ein ganz anderes Fehlverhalten gezeigt, einige in jüngerer Vergangenheit in schöner Serie. Ein Hamilton ist Vettel noch lange nicht.
Dass er außerdem ist im Cockpit den Finger gezeigt hat, mag auch nicht sportlich gewesen sein, aber dies unterläuft so ziemlich jedem Fahrer alle naselang. Am Sonntag sind sicherlich noch ein Dutzend andere Mittelfinger gezeigt worden. Das nennt man Emotionen im Eifer Gefechts, und das gehört dazu, ebenso wie ein enttäuschter Gesichtsausdruck nach dem Rennen. Vettel ist bei Weitem nicht der Einzige, geschweige den der Erste, dem man die Enttäuschung nach einem schlechten Rennen ansieht. Man sollte Verständnis dafür haben, dass die Fahrer nach einem schlechten Rennen am liebsten ins Lenkrad beißen möchten.
Dass sich Vettel noch Minuten nach dem Rennen zu einer abfälligen Bemerkung über einen anderen Fahrer hat hinreißen lassen, ist natürlich nicht in Ordnung. Dafür verdient er was hinter die Ohren. Aber wie ich schon sagte, ist er bei Leibe nicht der Erste und nicht der Einzige, mit dem mal die Pferde durchgegangen sind, und schon gar nicht ist er damit der Auffälligste. Also lasst bitte mal die Kirche im Dorf. Und der eine oder andere sollte sich vielleicht fragen, ob er sich nicht etwas zu sehr in den Sport und seine Sympathien und Antipathien hinein steigert, wenn er gleich von "Bengel", "verwöhnten Jungen" und "dem hat man wohl den Lolli weg genommen" sprecht.