14/15 Nintendo Wii im Test : „Big N“ bringt Bewegung ins Spiel

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Stromverbrauch

Anders als bei der Xbox 360 von Microsoft oder der PlayStation 3 von Sony soll bei Nintendos Wii laut offiziellen Aussagen auch der erforderliche Stromverbrauch im Betrieb im Mittelpunkt der Entwicklung gestanden haben. Das Ergebnis soll eine möglichst geringe Leistungsaufnahme sein, welche auch bitter nötig ist, da die Konsole nie vollständig abgeschaltet ist, sofern man sie nicht gänzlich vom Stromnetz trennt. Wie bereits im Test zur Xbox 360 testen wir die verschiedenen Möglichkeiten der Konsole. Im Zentrum des Interesses stehen dabei der Stand-By-Betrieb, der Leerlaufbetrieb im Menü, die verschiedenen Wii-Kanäle, sowie der Einsatz von GameCube und Wii-Spielen. Sofern möglich, wollen wir dabei die entsprechende Funktion auch beim GameCube auf ihren Strombedarf testen.

Stromverbrauch
Angaben in Watt (W)
    • Nintendo Wii - Ausgeschaltet
      1
    • GameCube - Ausgeschaltet
      1
    • Nintendo Wii - Stand By
      10
    • Nintendo Wii - Leerlauf (Menü)
      16
    • Nintendo Wii - Kanäle
      16
    • Nintendo Wii - GameCube-Spiele
      16
    • Nintendo Wii - Leerlauf mit eingelegtem Wii-Spiel
      19
    • Nintendo Wii - Wii-Spiele
      19
    • GameCube - Menü (Leerlauf)
      23
    • GameCube - Spielbetrieb
      25

Die Werte sprechen für sich – oder besser: für Wii. Während der Strombedarf im WiiConnect-24-Stand-By-Betrieb mit 10 Watt angesichts immer weiter steigender Strompreise vielleicht etwas hoch ist, um die Konsole konstant in diesem Zustand zu betreiben, lässt sich das Gerät auch in eine Art Stromsparmodus schalten, wenn die Power-Taste wie beim PC für einige Sekunden gedrückt gehalten wird. Dann verbraucht die Konsole nur noch einen Watt, ähnlich wie der GameCube im vermeintlich ausgeschalteten Zustand, nimmt allerdings für diesen Zeitraum auch keine E-Mails, Wetterdaten oder sonstige Updates entgegen.

Wirklich überzeugend hingegen ist die Konsole im Einsatz. Ist der Nutzer in den Wii-Kanälen unterwegs, nimmt die Konsole etwa 16 Watt, wobei es egal ist, ob der Spieler sich Fotos ansieht, Mii-Figuren erstellt oder sich Spieleklassiker im Shopping-Kanal kauft. Selbst GameCube-Spiele treiben diesen Wert nicht in die Höhe, egal wie „heiß“ es auf dem Bildschirm hergeht. Bei eingelegtem Wii-Spiel hingegen dreht das Laufwerk auf. Sowohl im Leerlauf in der Kanal-Oberfläche als auch beim Spielebetrieb nimmt die Konsole dann etwa 3 Watt mehr, bleibt insgesamt aber immer noch unter 20 Watt Gesamtaufnahme. Somit unterbietet Wii selbst den recht sparsamen GameCube, welcher seinerseits 23 Watt im Menü um bis zu 25 Watt bei Spielen benötigt. Zumindest um die Stromrechnung muss man sich bei Wii also keine Sorgen machen.

Lautstärke

Ein Zubehör für das Wohnzimmer sollte nach Möglichkeit nicht gerade durch einen erhöhten Lärmpegel auf sich aufmerksam machen. Konnte der GameCube bei seinem Erscheinen noch als leiseste der drei damals neuen Spielkonsolen bezeichnet werden, so entspricht er heute nicht mehr unbedingt der Bezeichnung „leise“, sind doch die Anforderungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Schallpegel-Messgerät SL-100
Schallpegel-Messgerät SL-100

Nun ist es am Nachfolger, sich dem Schallpegel-Test zu stellen. Dazu wird im Testraum jede weitere Geräuschquelle getilgt und der Test spät abends durchgeführt, wenn auch der Straßenlärm sich gelegt hat. Das verwendete Schallpegel-Messgerät, ein SL-100 von Voltcraft, wird dazu in einem Abstand von genau einem Meter zur Konsolefront aufgestellt. Anschließend wird neben dem Grundpegel die Lautstärke für drei verschiedene Szenarien ermittelt. Zuerst wird die Konsole gestartet und im Leerlauf, ohne eingelegtes Spiel, betrieben. Anschließend wird ein GameCube-Spiel eingelegt und die Pegel notiert und schließlich kommt noch ein Wii-spiel zum Einsatz. Bei allen Szenarien werden die drei möglichen Aufstellungsformen der Wii, das heißt liegend, stehend und stehend mit Ständer überprüft.

Lautstärke
Angaben in dB(A)
    • Messung bei Ruhe
      25,7
    • Leerlauf, liegend
      27,2
    • Leerlauf, stehend (mit Ständer)
      27,2
    • Leerlauf, stehend
      27,6
    • GameCube-Spiel, liegend
      28,3
    • GameCube-Spiel, stehend (mit Ständer)
      28,3
    • GameCube-Spiel, stehend
      28,7
    • Wii-Spiel, stehend (mit Ständer)
      35,2
    • Wii-Spiel, liegend
      35,3
    • Wii-Spiel, stehend
      35,6

Die gesamte Konsole wird ausschließlich über einen einzigen 40-Millimeter-Lüfter gekühlt. Da schon der Stromverbrauch nicht sonderlich hoch ist, müsste der Lüfter eigentlich nicht allzuviel umgesetzte Energie abführen müssen und die Lärmkulisse entsprechend gering ausfallen. Und tatsächlich: Im Leerlauf, in den diversen Kanälen und beim Spielen von GameCube-Spielen erweist Wii sich als echter Leisetreter. Man muss mit dem Ohr schon ziemlich nahe an die Konsole herangehen, um das Lüftergeräusch zu wahrzunehmen. Etwas anders sieht es beim Betrieb von Wii-Spielen aus, allerdings ist es nicht der Lüfter, der hier auf sich aufmerksam macht. Wie schon bei der Xbox 360 ist es das DVD-Laufwerk, das die Umdrehungsgeschwindigkeit des Datenträgers und sämtliche Bewegungen des Lasers hörbar werden lässt. Die Bewegungen des Lasers sind auch bei GameCube-Spielen hörbar, während man durch die niedrige Umdrehungsgeschwindigkeit der GCN-Scheiben sonst nur unterschwellig etwas wahrnimmt. Dabei hat es, wie das Diagramm schon richtig zeigt, kaum Auswirkungen, wie man die Konsole aufgestellt hat. Allerdings können wir aus unserer subjektiven Empfindung heraus nur anraten, den Ständer zu nutzen, wenn die Konsole senkrecht hingestellt werden soll. Die Gummifüße des Ständers absorbieren die Schwingungen der Konsole, so dass das Betriebsgeräusch nicht durch minimale Eigenbewegungen lauter wird und der Pegel mit dem einer liegenden Konsole vergleichbar ist.

Allerdings muss man diese Aussagen einschränken. Alle diese Beobachtungen gelten für einen ansonsten fast lautlosen Raum. Im Wohnzimmerbetrieb geht Wiis Geräuschkulisse mehr oder weniger unter, ist die Konsole doch selbst bei eingelegtem Wii-Spiel leiser als ihr Vorgänger. Wer also mit dem Betriebsgeräusch des GameCubes keinerlei Probleme hatte, sollte auch mit Wii glücklich werden können.

Wiis größtes Problem: Geschwindigkeit

Zugegeben, Nintendos neue Konsole stellt einen Schritt in bisher unbekannte Gewässer für das japanische Traditionsunternehmen dar. Dennoch scheint besonders die Online-Funktionalität, von Nintendo mit dem klangvollen Namen „WiiConnect 24“ versehen, bisher etwas übereilt. So wurde die Konsole seit der Vorstellung auf der E3 2006 mit dem Feature beworben, immer mit dem Internet verbunden zu sein und Nachrichten und Updates zu erhalten, solange das Gerät mit Strom versorgt wird. Dies ist auch Stand-By-Betrieb möglich.

Dennoch wird man als Nutzer das Gefühl nicht los, doch nicht so ganz „connected“ zu sein. So muss man sich zum Beispiel beim Aufrufen des Wii-Shopping-Kanals erst einmal mit dem Shop verbinden. Warum, wenn die Konsole sowieso immer verbunden ist? Zusätzlich mag es an der angeblich unerwartet hohen Benutzerzahl liegen, aber das Verbinden dauert für eine Breitbandverbindung ungewöhnlich lange. Bis zu 50 Sekunden benötigt die Konsole für das Einloggen in Nintendos Netzwerk. Allgemein ist der gesamte Prozess des Navigierens durch Nintendos Online-Shop ein langsamer Vorgang mit Ladezeiten bei jedem Seitenwechsel. Warum die mit nur wenig Inhalt gefüllten Seiten nicht für einen schnelleren Aufruf auf dem Wii-internen Speicher zwischengelagert werden, entzieht sich unserer Kenntnis. Auch wirkt die optische Aufmachung sehr eilig zusammengeworfen und steril.

An Geschwindigkeit mangelt es aber auch an anderen Stellen der Konsole. Über die bis zu 15 Minuten, die das Gerät zum Übertragen eines Spiels aus der virtuellen Konsole auf eine SD-Karte benötigt, haben wir schon geschrieben. Auch vermeintlich kleine Speicherstände, wie der gerade einmal 2 Block große Wii-Sports-Spielstand werden nicht im Nu auf die Speicherkarte transferiert, sondern benötigen in diesem speziellen Fall bis zu 10 Sekunden, abhängig von der Geschwindigkeit des SD-Mediums. Hinzu kommen störende Ladezeiten beim Aufruf der einzelnen Kanäle und in den Kanälen. Auch hier darf der Benutzer einige Sekunden warten, bis die einzelnen Funktionen zur Nutzung bereitstehen. Verlässt der Nutzer einen Kanal, führt die Konsole einen Softreset durch, was abermals mit einer kurzen Wartezeit quittiert wird.

Und auch die Verbindung zu anderen Spielern rund um den Globus ist noch nicht auf einem Niveau, das man als schnell bezeichnen kann. So dauert das Eingeben und Autorisieren von Wii-Konsolencodes, welches zum Austauschen von Nachrichten zwischen Spielern auf beiden Seiten durchgeführt werden muss, gerne auch mal mehrere Stunden. Die 5 Minuten, die die Nachrichten anschließend für den Weg braucht, sind eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Dass Nintendo dabei aber den Umfang dieser Nachrichten stark begrenzt, erschwert das Verständnis ein wenig.

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