2/3 Microsoft Surface Pro 3 im Test : Dieses Tablet ist auch Notebook

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Volltreffer

Arbeit erledigt man auf dem Surface Pro 3 nur zu gerne. Denn im produktiven Bereich landet Microsoft mit dem Tablet einen Volltreffer. Auf den Tisch gestellt und per Mini-DisplayPort mit einem externen Monitor verbunden entstehen keine Nachteile gegenüber der klassischen Desktop-Lösung mit zwei Monitoren. Da Windows 8.1 die Desktop-Oberfläche nicht nur nach links und rechts, sondern auch nach oben erweitern kann, können Fenster einfach vom Surface auf den dahinter und höher stehenden Monitor geschoben werden. Die Umstellung der Monitoranordnung von links und rechts auf unten und oben benötigt eine kurze Eingewöhnungsphase und ist anschließend ein natürlicher Vorgang. Auf dem Surface Pro 3 arbeitet man aber auch gerne ohne zweiten Monitor.

Windows 8.1 auf zwei Monitoren
Windows 8.1 auf zwei Monitoren

Das 1,4 Zoll größere Display im 15:10- statt 16:9-Format mit höherer Auflösung und Pixeldichte ist eine Augenweide und stellt nicht mehr so kühl wie noch beim Vorgänger dar. Farben wirken kräftig aber natürlich, eine Blickwinkelabhängigkeit ist im Alltag nicht zu erkennen. Bei Helligkeit und Kontrast schneidet das Tablet hingegen nicht außerordentlich gut ab: Das Surface Pro 2 leuchtet sogar 17 Prozent heller als das aktuelle Modell. Der Kontrast ist mit 840:1 erneut nur unteres Mittelmaß. Vor allem in puncto Helligkeit hätte das Surface Pro 3 gerne zulegen dürfen. Denn so hätte Microsoft das starke Spiegeln des Display etwas ausgleichen können. Die Touch-Reaktionsfähigkeit fällt hingegen erneut sehr gut aus.

Schnell reagiert auch das gesamte System. Die Kombination aus Intel Core i5-4300U, vier Gigabyte Arbeitsspeicher und 128-GB-SSD sorgt für unterbrechungsfreies Arbeiten, das dem Desktop-System in Nichts nachsteht. Das ist bei einem Anwender, der die meiste Zeit im Browser, E-Mail-Programm oder einfachen Bild-Editor verbringt natürlich einfacher gesagt, als bei jemandem, der versucht, das Rendering-System oder seinen Gaming-Rechner mit einem Surface Pro 3 zu ersetzen. In dieser Situation würde selbst das Surface mit Core-i7-Prozessor und HD Graphics 5000 nicht als Ersatz dienen können.

Lüftungsschlitze
Lüftungsschlitze
microSD-Steckplatz
microSD-Steckplatz
Cover-Verbindung
Cover-Verbindung

Für fast alle anderen Lebenslagen ist der verbaute Prozessor ein mehr als adäquater Antrieb. Selbst mit Spielen kommt das Tablet zurecht, wenn sich dabei auf die weniger anspruchsvollen Titel im Windows Store beschränkt wird. Titel wie „Asphalt 8“ oder „GT Racing 2“ meistert das Surface Pro 3 ohne Ruckler. Doch es ist vor allem der produktive Einsatz, der das Tablet zu einem attraktiven Begleiter macht. Wem die Kapazität der 128-GB-SSD, von der im Auslieferungszustand 96 GByte frei bleiben, nicht ausreicht, kann das i5-Modell für 30 Prozent Aufpreis auch mit 256 GByte und doppelt so viel Arbeitsspeicher ordern. 512 GByte sind dem i7-Topmodell für satte 1.950 Euro vorbehalten. Deutlich preiswerter ist das Aufrüsten über den microSD-Schacht, der Speicherkarten mit bis zu 128 GByte entgegennimmt.

Laufzeit

Bleibt die Frage, für wie viele Stunden das Surface Pro 3 den Desktop-PC ersetzen kann. Die Kurzantwort lautet: fünf Stunden. Dabei wurde das Gerät mit einer fest eingestellten Display-Helligkeit von 200 cd/m² ohne Unterbrechung für das Erstellen und Editieren von Texten sowie Zuschneiden und Freistellen von Fotos und die Abarbeitung von E-Mails verwendet. Als Arbeitsmaschine für einen vollständigen Tag in der Redaktion oder auf einer Messe ist das Surface Pro 3 somit nur geeignet, wenn zwischendurch der Akku geladen werden kann.

Apple verspricht für das MacBook Air in 13 Zoll „bis zu 12 Stunden drahtloses Surfen“, für das 11-Zoll-Modell sind es immerhin noch 9 Stunden. Apple nutzt für diesen Test Stufe 12 oder 75 Prozent der Display-Helligkeit und surft „25 gängige Websites“ an. ComputerBase nutzt für den Browser-Dauertest des Surface Pro 3 den zugegebenermaßen anspruchsvolleren Peacekeeper-Benchmark von Futuremark und kommt auf eine Surfzeit von rund viereinhalb Stunden. Das ist im Vergleich zum Samsung Galaxy Tab S 10.5 oder Sony Xperia Z2 Tablet ein enttäuschender Wert, zeigt aber, dass Microsoft um 17 Prozent gegenüber dem Surface Pro 2 zulegen kann.

Magnetische Ladebuchse
Magnetische Ladebuchse

Anders sieht es beim Streaming von YouTube-Videos in 720p-Auflösung aus. Auf dem Surface Pro 3 gehen nach rund sechs Stunden und somit zehn Prozent vor dem Surface Pro 2 die Lichter aus. Anders ausgedrückt: Auf dem letzten Surface Pro lässt sich die komplette erste Star-Wars-Trilogie streamen, während auf dem Surface Pro 3 mitten in der Schlacht von Endor und kurz vor dem finalen Duell Schluss mit dem Vergnügen ist. Ein Langläufer ist somit auch das aktuelle Surface Pro 3 nicht. Es ist aber ein leichter Positivtrend zu erkennen, der mit Intels anstehender 14-nm-Produktion deutlicher ausschlagen könnte. Mit neuen CPUs für das Surface Pro ist aber erst mit der nächsten Generation des Tablets zu rechnen. Für einen ganzen Tag empfiehlt sich deshalb die Mitnahme des Netzteils.

Pfeilschnelles Tablet

Wer im Surface Pro 3 eine Alternative zu den etablierten iOS- und Android-Tablets sieht, muss in drei Punkten Kompromisse eingehen: Gewicht, Größe, Apps. Tablets wie das Apple iPad Air oder das Sony Xperia Z2 Tablet sind im Schnitt 450 Gramm leicht, das Surface Pro 3 wiegt hingegen gut 80 Prozent mehr. Und obwohl sich das Surface im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern deutlich schlanker anfühlt, liegt auch das Gehäusevolumen 80 Prozent über der Konkurrenz. Deshalb sorgt das Tablet spürbar früher für Ermüdungserscheinungen in Unterarm und Handgelenk. Mit dem Surface Pro 3 lässt sich weniger lange entspannt im Netz surfen oder ein Casual Game spielen, als es mit den genannten Kontrahenten möglich ist. Das Surface ist schlichtweg weniger ein Freizeit-Tablet und umso mehr ein Arbeitstier.

Dass die App-Auswahl im Windows Store umfangreicher geworden ist, ist nicht abzustreiten. Dass Apple und Google weiterhin der Maßstab sind, aber ebenso wenig. Wenn eine App aber im Windows Store verfügbar ist, dann ist sie meistens auch sehr gut umgesetzt und fügt sich gut in das Modern UI ein. Das gilt insbesondere für Apps, die offiziellen Status inne haben, also auch tatsächlich vom Anbieter des Dienstes entwickelt wurden.

Hochformat
Hochformat
Querformat
Querformat
Rückseite
Rückseite

Aus den Kompromissen Gewicht und Größe resultieren aber auch eindeutige Vorteile: Leistung und Immersion. Das Surface Pro 3 ist ein pfeilschnelles Tablet, das jeden „normalen“ Kontrahenten in den dunkelsten Schatten stellt. Egal ob Apps, Spiele, Webseiten, Filme oder Musik, das Surface lädt so ziemlich jedes erdenkbare Tablet-Szenario in Windeseile. Und aufgrund des großen Displays erlaubt Microsoft ein tieferes Eintauchen in das Web oder Spiele.

Bei Spielen ist dann auch der Zeitpunkt gekommen, dass der eine Lüfter des Tablets wahrgenommen wird. Während das Surface Pro 3 im produktiven Einsatz praktisch lautlos arbeitet, ist beim Spielen ein nicht störendes Rauschen zu hören, das deutlich leiser als beim Surface Pro 2 ausfällt. Die Rückseite wird unter Volllast zwischen 45 und 50 Grad warm, was aber erst bei langer Nutzung unangenehm wird. Die gut klingenden Stereo-Lautsprecher wirken dem Rauschen entgegen und sorgen für eine angenehme Klangkulisse. Der Maximalpegel hätte aber gerne noch höher ausfallen dürfen.

Das 15:10-Seitenverhältnis auf 12 Zoll mit 2.160 × 1.440 Pixeln ist die richtige Wahl von Microsoft. Vor allem hochkant gehalten kann selbst das Browsen durch triste Webseiten zum Erlebnis werden. Dabei sollte allerdings zum Internet Explorer gegriffen werden, weil dieser sich flüssiger im Vergleich zu Firefox und Chrome anfühlt. Chrome hat darüber hinaus mit einem störenden Fehler zu kämpfen, der sich in Aussetzern beim Scrollen zeigt. Sobald eine zweite Wischgeste auch nur etwas zu schnell auf die erste folgt, quittiert der Browser den Dienst und scrollt nicht weiter. Das ist dann erst nach einer kurzen Pause wieder möglich.

Kreative Ader

Großer Pluspunkt des Surface Pro 3 ist der stark verbesserte Stift. Microsoft hat sich von der Wacom-Technik der ersten beiden Surface Pro verabschiedet und legt nun einen aktiven Stift von N-trig bei, der eine AAAA-Batterie und zwei Knopfzellen vom Typ 319 benötigt. Die Knopfzellen versorgen den Knopf am Kopfende, mit dem das Notizprogramm OneNote innerhalb von wenigen Sekunden auch im Standby gestartet werden kann. Durch das neue Magnesiumgehäuse und die Batterien ist der Stift zwar schwerer, aber auch hochwertiger und liegt besser in der Hand. Die zwei Tasten dienen mit Standardbelegung als Radierer und Auswahltaste, beispielsweise als Lassowerkzeug in Bildbearbeitungsprogrammen, sie können aber auch frei belegt werden.

Zeichnen in Fresh Paint
Zeichnen in Fresh Paint
Stift auf Cover-Rückseite
Stift auf Cover-Rückseite
1 × AAAA, 2 × Knopfzelle 319
1 × AAAA, 2 × Knopfzelle 319

Die neue Stift-Technik macht sich auf Anhieb durch eine deutlich erhöhte Genauigkeit bemerkbar. Beim Zeichnen lassen sich Linien präzise fortsetzen oder Flächen ausfüllen. Die jetzt nur noch 256 statt 1.024 verfügbaren Druckstufen der Wacom-Technik machen sich im Alltag nicht negativ bemerkbar. Wer seine kreative Ader ausleben möchte, erhält mit dem Surface Pro 3 das richtige Tablet. Doch auch im produktiven Einsatz ist der Stift von Vorteil. Die kleinen Bedienflächen von klassischen Desktop-Anwendungen lassen sich mit dem Stift deutlich besser als mit den Fingern treffen.

Der Stift wird wie bisher üblich per Magnet an der Seite des Tablets gehalten. In Verbindung mit dem Type Cover kann er auch mit Hilfe einer Schlaufe am Rand der Tastatur befestigt werden. Kritik erhält hingegen das zu dünne und leicht mit dem Stift verformbare Glas des Surface Pro 3. Wird zu viel Druck auf den Stift ausgeübt, zieht er Spuren auf dem Panel hinter sich her. Diese Eigenschaft weisen die Vorgänger nicht auf.

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