3/13 PC-Netzteile im Test : Sieben Modelle von 1.000 bis 1.500 Watt im Vergleich

, 97 Kommentare

Kabelausstattung

Alle getesteten Modelle verfügen über ausreichend Anschlüsse, um die jeweilige Nennleistung auch in der Praxis abzurufen. Dank modularer Ausführung der Anschlüsse bleiben ungenutzte Kabel im Karton. Zudem zeigt sich ein Trend zu vollmodularem Kabelmanagement. Obwohl der ATX-Anschluss immer benötigt wird, wird dieses Merkmal von einigen Kunden sehr geschätzt. Modding-Projekte wie die Verwendung modifizierter Kabelsätze, eigene Kabelmäntel und ähnliche Umbauten werden dadurch massiv vereinfacht. Daneben wird auch der Einbau des Netzteils in den Rechner von einigen Anwendern als bequemer wahrgenommen.

Unterschiede gibt es bei den Kabellängen: Zwischen kürzester und längster Umsetzung liegen teils über 15 Zentimeter Unterschied. Im Zweifelsfall sollte man im eigenen Gehäuse vor dem Kauf nachmessen, ob die Kabellänge für die gewünschte Verlegung ausreichend ist oder Verlängerungen benötigt werden.

Die Kabelausstattung im Vergleich
Anschluss (Länge in cm) Antec High Current Platinum be quiet! Dark Power be quiet! Power Zone Corsair AX1500i Enermax Platimax Sea Sonic Platinum Super Flower Leadex
ATX 24-Pin (54) 20+4-Pin* (60) 20+4-Pin (60) 20+4-Pin (70) 24-Pin (60) 20+4-Pin (60) 20+4-Pin (59)
4-Pin CPU 1× (70) 1× (60)
4+4-Pin CPU 1× (59) 2× (70) 1× (70) 2× (65, 80) 1× (55) 1× (70)
8-Pin CPU 1× (65) 1× (70) 1× (70) 2× (60, 65) 1× (65) 1× (70)
6+2-Pin PCIe 4× (54) 8× (60) 6× (55) 6× (65-80) 8× (49) 4× (59)
2×6+2-Pin PCIe 2× (54 – 67) 2× (70, 85) 5× (55, 65) 1× (59, 71)
6-Pin PCIe 1× (60)
SATA 11× 10× 20× 14× 10× 10×
Molex 10× 12× 10×
Floppy
Lüfter -
*nicht abnehmbar

Floppy-Stecker sind inzwischen weitestgehend obsolet, da die entsprechenden Geräte ausgestorben sind. Die Ausstattung mit einem oder gar zwei Floppy-Steckern ist daher übertrieben. Ein Adapter von Molex auf Floppy im Lieferumfang wäre für die wenigen noch genutzten Komponenten mit diesem Anschluss absolut ausreichend.

Das gilt es zu beachten

Netzteile mit mehr als einem Kilowatt werden außergewöhnliche Systeme versorgen. Die schnellsten High-End-Grafikarten können Ströme über 40 Ampere über die beiden PCI-Express-Anschlüsse aufnehmen. Dementsprechend ist es wichtig, beim Anschließen der Komponenten zwei Aspekte zu beachten.

AMD Radeon R9 295X2
AMD Radeon R9 295X2

Zum einen eignen sich Y-Kabel, das heißt ein Kabelstrang mit zwei Grafikartenanschlüssen an einem gemeinsam genutzten Kabel, nicht für derart anspruchsvolle Pixelbeschleuniger. Der Stromfluss zweier 8-Pin-PCIe-Stecker unter hoher Last für die Grafikkarte ist zu hoch, als dass er mit drei +12-Volt-Kabeln und -Kontakten sicher übertragen werden könnte. Für Dual-GPU-Karten oder ambitionierte Übertaktungsprojekte müssen für jede Grafikkarte zwei vollwertige Kabelstränge verlegt werden.

Zum anderen müssen bei Multi-Rail-Netzteilen die richtigen Kabel verwendet werden, um Fehlauslösungen des Überstromschutzes auszuschließen. Das Handbuch oder die Internetseite des Herstellers verschafft Klarheit, welcher Stecker zu welcher Spannungsschiene gehört.

Stromaufnahme einer AMD Radeon R9 295X2 über die beide PCIe-Stecker
Stromaufnahme einer AMD Radeon R9 295X2 über die beide PCIe-Stecker

Bei Netzteilen mit vier Spannungsschienen wie dem Antec High Current Platinum oder dem be quiet! Dark Power Pro P10 sollte jede Grafikkarte (abgesehen von Rekordversuchen mit Trockeneis etc.) nur über eine Spannungsschiene versorgt werden. Das Enermax Platimax stellt für die Grafikkarten vier Spannungsschienen (Nummer 3 bis 6) bereit. Single-GPU-Karten werden von einer Rail problemlos versorgt, bei zwei Dual-Chip-Karten sollte man drei oder alle vier Schienen verwenden, auch wenn dann mehr Kabel im Gehäuse herumhängen. Beim Corsair AX1500i werden durch die Verwendung von vier vollwertigen Versorgungsstränge automatisch vier Rails zugewiesen, eine manuelle Anhebung des Auslösewertes für den Überstromschutz über Corsair Link ist daher (abseits von Extrem-Übertaktung) nicht nötig.

Die meisten Netzteilprobleme mit besonders anspruchsvollen Verbrauchern lassen sich mit diesen beiden Maßnahmen verhindern. Eine gewisse Sorgfalt beim Verbinden der Hardware mit der Stromversorgung lohnt sich daher.

Dass die Hersteller auf diese Problematiken nicht durchgehend selbst hinweisen, ist klar zu kritisieren. Wenn man bei der Auswahl der Anschlüsse als Folge von Sparmaßnahmen bei der Kabelkonfiguration mehr beachten muss als die mechanisch passenden Stecker zu verwenden, muss der Hersteller ungefragt deutlich auf diesen Umstand hinweisen. Während die Zuordnung der Anschlüsse zu den Spannungsschienen bei allen Probanden dokumentiert ist, fehlen Hinweise auf diese beiden Problematiken.

Corsairs AX1500i kann als digitales Netzteil über Software angesteuert werden. Das Netzteil wird dafür über einen USB-Anschluss mit dem Mainboard verbunden, ein passendes Kabel wird mitgeliefert. Die derzeit aktuelle Softwareversion 2.7.5361 kann bei Corsair heruntergeladen werden.

Über Corsair Link können die Daten zahlreicher kompatibler Corsair-Produkte ausgelesen und die Hardware zum Teil auch angesteuert werden. Zudem werden die Informationen einiger weiterer Sensoren wie des Mainboards eingeblendet. Beim Corsair AX1500i werden Leistungsaufnahme, die Stromflüsse jeder Schiene, Leistungsabgabe, Temperatur und die Lüfterdrehzahl erfasst, zusätzlich wird der Wirkungsgrad berechnet. Außerdem lassen sich die Auslösewerte für den Überstromschutz verändern, diese Schutzschaltung komplett abschalten und der Lüfter in sehr begrenztem Maße manuell steuern.

Corsair Link – Lüftersteuerung
Corsair Link – Lüftersteuerung

Insgesamt wirkt die Software aber noch nicht ausgereift. Im Praxistest verliert Corsair Link häufig Messwerte des AX1500i-Netzteils. Die Genauigkeit der Leistungsaufnahme-Messung für das Gesamtsystem ist für eine erste Orientierung brauchbar, mit dem Brennenstuhl Primera-Line PM231E liefert schon ein Messgerät der Zehn-Euro-Klasse präzisere Resultate. Auch bei der Messung der Ausgangsspannung sind schon preiswerte Multimeter überlegen.

Von Nutzereingriffen in die Lüftersteuerung ist aufgrund der dann geltenden Mindestgeschwindigkeit von 40 Prozent (940 Umdrehungen pro Minute) ebenfalls abzuraten. Auch ist Corsair Link noch nicht 100 Prozent stabil, gelegentlich stürzt die Anwendung ohne erkennbare Ursache ab. Immerhin werden die Einstellungen direkt auf dem Netzteil gespeichert und bleiben zunächst erhalten.

Corsair Link – Messwerte und Einstellung Überstromschutz
Corsair Link – Messwerte und Einstellung Überstromschutz

Corsair Link ist daher bisher nur bei Extrem-Übertaktungsprojekten für die möglicherweise vorteilhafte Konfiguration der Schutzschaltungen nützlich – optimaler Weise von einem anderen PC aus. Abgesehen davon ist Corsair Link bisher eindeutig eher ein „Spielzeug“ als ein nützliches Werkzeug.

Auf der nächsten Seite: Technik extern