4/5 Doom im Test : Was zur Hölle!

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Zu viel Moderne im Mehrspieler

Was also könnte man in Anbetracht des Einzelspieler-Modus also mehr wollen? Einen gleichwertigen Mehrspieler-Teil! Denn der überzeugt im neuen Doom nicht, vielmehr fühlt er sich stellenweise wie ein völlig anders, ungewolltes Spiel an. Das rockige, erfrischend klassische Spielgefühl des Einzelspieler-Modus kann id Software nicht in Online-Gefechte übertragen, was auch daran liegt, dass id Software nur ersteren entwickelt hat. Zuständig für die zweite Hälfte des neuen Doom war vielmehr Certain Affinity, die bereits am Mehrspieler-Teil von Halo und Call of Duty gearbeitet haben.

Online weckt Doom keine echte Begeisterung
Online weckt Doom keine echte Begeisterung

Vielleicht aus diesem Grund erinnert Doom Online viel zu sehr an diese Serien. Obwohl im Kern immer noch ein spaßiger Shooter steckt, beeinträchtigt der überflüssige Anhang den Spaß viel zu stark. Im Wesentlichen bestätigt sich damit der Eindruck aus dem Beta-Test. Primär stört weiterhin das umständlich-unnötiges Freischalten von Waffen und Ausrüstung, die sich, anders als bei der Rettung des Mars, nicht in Level aufheben sondern nur vor Spielstart ausrüsten lassen, der übermäßig starke Dämon als Pick Up stören in der finalen Version sowie Hack-Module, deren Aktivierung und Ende quasi pausenlos angekündigt wird.

Das Balancing der Waffen hat sich seit der Beta immerhin verbessert; statt Schrotflinte und Raketenwerfer hat nun aber die Gattling-Gun ein leichtes Übergewicht. Trotzdem fühlt sich das nicht nach Doom, sondern eher dumm an, weil es nicht das ist, was der Name erwarten lässt – im Jahr 2016 wird auf Servern etwas gespielt, das an eine schnellere Version von Halo 5: Guardians erinnert, nicht an das, was der Einzelspieler-Teil vorführt.

Das Ziel: Konsolen

Darin mag auch ein gewisser Kniefall vor Konsolen sein, weil der Verzicht auf Waffensuche stärkere und schwächere Spieler weniger durch Kartenkenntnisse und zugunsten schnellerer Action eher durch ihr Können bei der Steuerung differenziert, schafft es aber nicht, eine wirklich eigenständige Identität zu entwickeln. Mangels Server-Browser und Mod-Unterstützung wird sich daran auch nichts ändern können. Das unterhält zwar kurzzeitig für eine Partie zwischendurch ganz ordentlich, bleibt aber weit hinter dem zurück, was Doom zuvor im Solo-Abenteuer gezeigt hat. Damit deutet sich auch an, auf welche Zielgruppe Bethesda es hier abgesehen hat.

Ob diese „Seelenlosigkeit“ akzeptabel erscheint, hängt auch von der Plattform ab: Auf Spielkonsolen wird ein solches Konzept potentiell besser unterhalten als auf dem PC, wo die Stammzielgruppe klassischer Shooter unterwegs ist, die hier zu Recht einen gewissen Etikettenschwindel kritisieren kann. Zum Vergleich von Doom mit Doom ermuntert das Reboot selbst ausgiebig, ist doch in jedem Einzelspieler-Level ist ein (versteckter) Abschnitt aus den Klassikern untergebracht.

Ein halber Level-Editor

Als wesentlicher Teil von Doom wird von Bethesda der „Snap Map“-Editor angepriesen. Damit können Spieler aus vorgefertigten Elementen neue Karten in verschiedenen Szenarien für Einzelspieler, kooperatives Spiel oder klassische Mehrspieler-Partien erstellen. Das restriktive Lego-Baukastensystem hat den Vorteil, sich auch für Konsolen zu eigenen. Ob daraus kreative und spielenswerte Inhalte erwachsen können, lässt sich aktuell aufgrund der Nähe zur Veröffentlichung des Spiels nicht sagen. Großartig Neues einzufügen wird mit den vorgefertigten Elementen aber nicht möglich sein.

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