Kommentar : Japan zeigte mir, wie schlecht deutscher Mobilfunk ist

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Nicolas La Rocco

Wir brauchen zunächst mehr LTE, nicht mehr WLAN-Hotspots, die mit Anmeldeseiten nerven und nur begrenzte Reichweite haben. Eine Geschäftsreise nach Japan hat mir gezeigt, wie gut flächendeckendes LTE sein kann und muss. Ernüchterung kam hingegen keine hundert Meter nach der Ankunft in Deutschland wieder auf.

In Deutschland machen wir immer wieder Freudensprünge, wenn neue WLAN-Hotspots an den Start gehen, sei es in der Bahn, im U-Bahnhof oder im Kaufhaus um die Ecke. Ich hingegen würde mich viel mehr freuen, wenn wir in Deutschland nach Jahren des Marktstarts endlich mal flächendeckendes LTE als Erfolg vermelden könnten.

Der Alltag in Deutschland
Der Alltag in Deutschland

Ich wohne und arbeite in Berlin und gerate selbst in Deutschlands größter Stadt und Hauptstadt regelmäßig in tote Empfangsbereiche, die ich 3G- oder EDGE-Funklöcher nenne, weil selbst mit UMTS kaum noch etwas zu bewerkstelligen ist. Das ist für mich mittlerweile der Standard, ich nehme es hin, kann es aber nicht nachvollziehen.

Dass es deutlich besser gehen kann, hat mir Tokio gezeigt. Nicht nur, dass ich dort bereits am Flughafen eine große Auswahl an Prepaid-SIM-Datenkarten mit viel Datenvolumen kaufen kann, ich kann das schnelle Netz auch tatsächlich nutzen.

EDGE gibt es in Japan nicht mehr, sein 2G-Netz hat der größte Anbieter NTT Docomo bereits 2012 stillgelegt. Dementsprechend können Nutzer im schlimmsten Fall auf 3G abrutschen, aber selbst das passiert nicht. Denn in Tokio und Umgebung hat man immer LTE mit vollem Ausschlag. Egal ob oberirdisch, unterirdisch, im Kaufhaus oder in der Bahn: Fünf weiße Punkte und „docomo 4G“ heißt es stets oben links auf dem iPhone. Für die Metropolregion mit über 37 Millionen Einwohnern scheint ein extrem dichtes Netz mit vielen Indoor-Antennen aufgebaut worden zu sein, das selbst in der tiefsten U-Bahn-Ebene kein Ende findet. Vorbildlich, so macht das Spaß!

Der Alltag in Tokio
Der Alltag in Tokio

Ja, auch in Tokio gibt es WLAN-Hotspots, und zwar jede Menge. Die sind aber als Ergänzung eines bereits sehr guten Mobilfunknetzes zu verstehen und füllen nicht die Lücken, die Operator in Deutschland vernachlässigen. Anstatt LTE überall zu haben, gibt es hierzulande einen Flickenteppich aus gutem Netz, schlechtem Netz und WLAN-Hotspots mit nervigen Captive Portals, die mich vom direkten Netzzugang abhalten.

LTE ist der bessere Internetzugang, weil es anders als WLAN eigentlich keine Grenzen kennt, sofern der Ausbau vorbildlich erfolgt. Japan hat mir gezeigt, dass gutes Netz wichtiger als Hotspots ist. In Frankfurt gelandet steige ich aus dem Flieger, gucke auf das Smartphone und werde von „3G“ begrüßt, das sich wenige Meter später zum Schreckgespenst „E“ mit zwei Punkten wandelt. Willkommen zurück in Deutschland!

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