Nanoxia Ncore Retro im Test: Tippen like it's 1888 3/4

Max Doll 62 Kommentare

Alltagserfahrungen

Bestückt wird die Ncore Retro ausschließlich mit Tastern des Typs Kailh White. Bei diesem Modell handelt es sich um eine Variante der Kailh Blue mit höherer Lebenserwartung. Der weiße Stempel markiert eine Lebensdauer von 70 anstatt 60 Millionen Anschlägen nach Herstellerangaben. Ob daraus praktisch Vorteile erwachsen, ist angesichts nicht dokumentierter und nicht nachprüfbarer Testverfahren unklar. An Erfahrungswerten fehlt es nach wie vor.

Kraftdiagramm der Kailh White
Kraftdiagramm der Kailh White (Bild: Nanoxia)
Kailh White
Kailh Blue
Cherry MX Blue
Charakteristik: taktil („clicky“)
Hubweg: 4,0 mm
Position des Signalpunktes: 2,0 mm 2,2 mm
Widerstand am Signalpunkt: 50 g
Lebensdauer (Anschläge): 70 Mio. 60 Mio. 50 Mio.

Abseits der versprochenen Langlebigkeit gleichen sich weiße und blaue Taster aus dem Hause Kailh inklusive ihrer taktilen Charakteristik bis aufs Haar und die Farbe. Der Hubweg liegt daher bei vier Millimetern, ein Signal wird bereits nach der Hälfte der Wegstrecke übertragen. Die Taster geben bei Erreichen dieses Punktes ein spürbares Feedback und ein hörbares Klickgeräusch von sich.

Der feine Unterschied zu MX-Technik

Als Standard gilt Cherrys MX-Tastentechnik, denen die Kailh-Taster sowohl hinsichtlich ihres Funktionsprinzips als auch der Charakteristik zumindest grob gleichen. Kailh Blue sind aufgrund des geringeren Federwiderstandes aber etwas leichtgängiger als MX Blue und akzentuieren ihren Druckpunkt spitzer beziehungsweise ein wenig klarer. Das „Einhängen“ des Tasters, das mehrfache Auslösen von Signalen ohne erneuten „Klick“, wird jedoch erschwert. Dabei handelt es sich allerdings nur um feine Unterschiede, die vor allem im direkten Vergleich auffallen und im Bereich persönlicher Präferenzen liegen.

Qualitativ haben Kailh-Taster in den vergangenen Monaten zugelegt. Perfekt sind aber auch diese Modelle nicht. In drei Fällen ließ sich, in diesem Fall jedoch nicht reproduzierbar, der Schlitten im Taster ein wenig verkanten, was durch den unerwartet und plötzlich ansteigenden Widerstand Irritationen hervorruft. Das deutlich hörbare Federpingen bei unkontrolliertem Ausfedern, das etwa der Sharkoon Skiller Mech innewohnt, ließ sich bei der Ncore Retro indes nicht beobachten. Wahrzunehmen war unter gewissen Umständen lediglich ein feiner Nachhall. Irgendeinen Manko ist bei Kailh wohl immer vorhanden: Auch wenn sich die Qualität merklich verbessert hat, liegen die Modelle noch immer nicht auf Augenhöhe mit Cherry.

Nur Theorie: Der Tastenwechsel

Dank Kreuzaufnahmen können Taster von Kalih zudem mit Tastenkappen verschiedener Formen und Qualitätsstufen aus einem reichhaltigen Zubehörmarkt bestückt werden. Dass die Tastatur wie von Nanoxia versprochen „austauschbare Tasten“ besitzt, ist dennoch nicht in diesem Sinne korrekt. Austauschbar sind die Tastenkappen auch bei einfachen Rubberdome-Produkten, weil sich die Kappen immer abnehmen lassen. Das Problem ist lediglich die Verfügbarkeit von Alternativen. So auch hier.

Von Kappen mit Kreuzaufnahmen kann die Ncore Retro nicht profitieren. Weil die Taster eng umschlossen sind, müssen die Stempel der Retro-Tastenkappen schmaler und ein wenig länger werden. Was eine Verwendung von handelsüblichen Alternativen verhindert, ist aber der Umstand, dass die Stempel über den Kopf der Kappe hinausragen müssen. Übliche Varianten liegen daher auf dem Chassis auf, sitzen aber nicht fest auf dem ausgefederten Taster. Andersherum besteht das Problem nicht: Die Tastenkappen von Nanoxia können ohne weiteres auf Tastern nach MX-Bauform von Cherry, TTC, Kailh und Co verwendet werden.

Nanoxia Ncore Retro

Schreiben nur fast wie auf der Schreibmaschine

Gepaart wird die auch hinsichtlich des N-Key-Rollovers solide Technik mit einem ordentlichen Layout, bei dem wesentliche Funktionen - die Steuerung von Lautstärke und Medienplayer – einhändig bedient werden können. Die ungewöhnliche Form der Tastenkappen erfordert allerdings Gewöhnung, weil die Oberfläche gegenüber den quadratische Normkappen kleiner ausfällt und die Form – zentral abfallend – eine kleinere Auflagefläche suggeriert. Aufgrund der fehlenden „Ecken“ wollen die Tasten zentral getroffen werden, sie fühlen sich anfangs ungewohnt an. Es braucht eine Weile, bis sich die Finger an ihren neuen Arbeitsplatz gewöhnt haben.

Die nur visuell offene Tastengestaltung geht zudem nur mit einer geringfügigen Reduzierung der Lautstärke einher. Das Klicken der Taster wird zwar ein Wenig gedämpft, Anschläge finden unterhalb der Kunststoffabdeckuckung aber einen potentiellen Klangkörper vor. Besonders harte Anschläge können vor allem in der Mitte der Tastatur zu einem Kunststoffklackern, einer deutlich helleren Klangfarbe, führen, die weder zum metallenen Erscheinungsbild noch der Preisklasse so richtig passen will. Eine Schreibmaschine klingt dann doch anders.

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