Western Digital: Vom HDD-Marktführer zum Storage Leader

Michael Günsch 15 Kommentare
Western Digital: Vom HDD-Marktführer zum Storage Leader
Bild: Western Digital

Western Digital macht neuerdings auch „in Flash“. Die Übernahme von SanDisk ist die Basis für ein neues Ziel: Die Führerschaft im Storage-Sektor. Bei HDDs ist Western Digital bereits führend und will dies auch beim jüngeren Massenspeicherprodukt sein. Auf dem Investor Day 2016 wurde die Strategie erläutert.

Western Digital ist seit der Übernahme von SanDisk inklusive der Kooperation mit Toshiba im SSD-Bereich sehr gut aufgestellt. Direkter Zugriff auf NAND-Flash sowie die etablierte Marke SanDisk im Consumer-Segment sollten sich am Ende trotz der hohen Akquisitionskosten bezahlt machen, denn schon jetzt ist der Markt mit Flash deutlich größer als mit HDDs. Die Schere wird künftig immer weiter auseinander driften, denn die Nachfrage nach NAND-Flash wächst stetig, während immer weniger HDDs ausgeliefert werden.

Große HDDs spielen noch lange eine Rolle

Dennoch spielen herkömmliche Festplatten auf absehbare Zeit eine Rolle, denn beim Preis pro Gigabyte ist die HDD-Technik unschlagbar. Dies wird sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern. Am Beispiel der Enterprise-Laufwerke macht Western Digital deutlich, dass auch 2020 die SSD-Preise (hier $/GB) voraussichtlich noch das vier- bis fünffache von High-Capacity-HDDs betragen werden, auch wenn die Preise der SSDs bis dahin deutlich sinken.

HDDs mit hoher Kapazität weiter relevant
HDDs mit hoher Kapazität weiter relevant (Bild: Western Digital)

Aus diesem Grund hält Western Digital an den Helium-Festplatten der Tochter HGST auch weiter fest und hat neue Modelle mit nochmals höherer Kapazität von bis zu 14 TByte angekündigt. Einsatzgebiete, wo es auf möglichst viel günstigen Speicherplatz ankommt, wird es weiterhin geben.

Hochleistungsfestplatten mit hoher Drehzahl spielen für den Hersteller dagegen keine Rolle mehr. Dort, wo es auf Leistung ankommt, bietet die schnellere SSD-Technik immense Vorteile. Auch wenn SSDs zunächst mehr kosten, rechnet sich dies langfristig, denn die Leistung pro Dollar ist ein Vielfaches höher beziehungsweise ist die gleiche Leistung mit weniger Laufwerken zu erreichen. Für dieses Segment hat der Hersteller neue PCIe- und SAS-SSDs der Ultrastar-Familie mit hoher Leistung vorgestellt, die mit fast 8 TByte in der Spitze auch beim Speicherplatz mehr bieten als 15K-Festplatten.

Vom HDD-Marktführer zum „Storage Leader“

Western Digital hat die Zeichen der Zeit erkannt und mit der Übernahme von SanDisk auf ein sicheres Pferd mit hohem Wachstumspotenzial gesetzt: NAND-Flash. Nun heißt das neue Ziel, auch bei Flash-Speicher-Produkten eine Führungsposition einzunehmen. Der Hauptgegner ist dabei ganz klar der amtierende NAND-Flash- und SSD-Marktführer Samsung, der für über ein Drittel der weltweit verkauften SSDs verantwortlich zeichnet. Auch beim NAND-Flash-Absatz ist Samsung führend, doch haben die Partner Western Digital und Toshiba bereits aufgeholt und erreichen zusammen einen ähnlichen Anteil am Weltmarkt.

Die Führerschaft bei Solid-State-Speicher, zu dem auch andere Flash-Produkte wie Speicherkarten und Embedded-Flash zählen, ist eines der fünf von Western Digital formulierten Ziele für den Erfolg des Unternehmens. Außerdem soll das HDD-Geschäft mit Fokus auf High-Capacity-Modelle optimiert und die Vertikale Integration im Unternehmen weiter ausgebaut werden. Und auch an den Lösungen für Kunden und der internen Organisation des Unternehmens soll weiter gearbeitet werden. Zudem behält sich das Unternehmen weitere (strategische) Akquisitionen vor, die allerdings vorerst nicht die Größe des SanDisk-Deals umfassen werden, denn das Fundament stehe nun.

Theoretisch schon jetzt der Storage Leader
Theoretisch schon jetzt der Storage Leader (Bild: Western Digital)

Als globaler Marktführer im Storage-Sektor sieht sich Western Digital bereits jetzt. Mit 17,7 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz, bei dem die SanDisk-Einnahmen „pro forma“ hinzugerechnet wurden, hätte Western Digital bereits jetzt mehr als alle anderen Größen der Branche erwirtschaftet. Die Kür ist natürlich etwas verfrüht, denn erst seit Mai 2016 gehört SanDisk offiziell zum Unternehmen.

Flash 35% am Umsatz, mehr Geld für Forschung

Der Anteil an Flash-Speicher-Produkten soll im Jahr der Übernahme bereits rund 35 Prozent am Gesamtumsatz ausgemacht haben. Der Stellenwert für die gefragte Speichertechnik wird auch daran deutlich, dass langfristig mehr Geld für Forschung und Entwicklung für Solid-State-Produkte als für andere Segmente ausgegeben werden soll.

35% Umsatz mit Flash im Fiskaljahr 16
35% Umsatz mit Flash im Fiskaljahr 16 (Bild: Western Digital)
Mehr Geld für Flash-Forschung
Mehr Geld für Flash-Forschung (Bild: Western Digital)

Ausblick auf das nächste Quartal verbessert

Zwar hat die SanDisk-Übernahme ein großes Loch in die Kasse gerissen. Doch trägt die Fusion laut CEO Milligan bereits Früchte. Für das kommende zweite Quartal des Geschäftsjahres 2017 hat Western Digital den Ausblick verbessert. Der Umsatz soll nun leicht steigen und etwa 4,75 Milliarden US-Dollar erreichen, statt zu stagnieren. Bei der Bruttomarge wird ein Anstieg auf 36 Prozent erwartet und der Gewinn pro Aktie (EPS) wird auf 2,10 bis 2,15 US-Dollar geschätzt.

Ausblick auf das zweite Geschäftsquartal 2017
Ausblick auf das zweite Geschäftsquartal 2017 (Bild: Western Digital)

Patenteinnahmen von Samsung

Beigetragen zum positiven Ausblick hat auch die kürzlich erzielte Einigung mit Samsung. Western Digital erhält Lizenzeinnahmen durch erworbene SanDisk-Patente für Flash-Speichertechniken, die Samsung im Gegenzug weiter nutzen darf.