SSD-Kühler M.2 Shield: MSI weist Vorwurf der Unwirksamkeit zurück

Michael Günsch 126 Kommentare
SSD-Kühler M.2 Shield: MSI weist Vorwurf der Unwirksamkeit zurück
Bild: Gamers Nexus

Die neue Generation von MSI-Mainboards brachte das sogenannte M.2 Shield mit sich, das für niedrigere Temperaturen von M.2-SSDs sorgen soll. Ein Test besagt jedoch, dass das Konzept nicht aufgeht und die SSD an der Unterseite sogar wärmer wird. MSI bezog Stellung und verweist auf positive Tests.

Nachtrag vom 04.04.2017: ComputerBase hat neben weiteren M.2-SSD-Kühlern auch das M.2 Shield von MSI getestet. Dabei zeigt sich die Lösung zwar nicht so effektiv wie dedizierte Kühler, aber als durchaus wirksam. Ohne direkte Belüftung der SSD bietet das M.2 Shield messbare Vorteile und zögert den Zeitpunkt bis zur temperaturbedingten Drosselung deutlich hinaus. Die eigenständigen Kühler sind allerdings effektiver und verhindern zum Teil sogar vollständig ein Drosseln.

Hinweis: Die ursprüngliche Meldung wurde durch die Stellungnahme von MSI ergänzt und überarbeitet. Weitere Details stehen im Update am Ende der Meldung.

Das M.2 Shield ist eine Art Kühlhaube mit Wärmeleitpad, die am M.2-Steckplatz über eine SSD gestülpt wird. Versprochen hatte MSI eine niedrigere Temperatur, wodurch unter Umständen eine temperaturbedingte Drosselung der Leistung verhindert oder zumindest hinausgezögert werden soll. Einige Varianten der neuen Mainboard-Generation mit Chipsätzen der 200-Serie sind mit dem M.2 Shield ausgestattet.

Ein erster Test ...

Gamers Nexus führte mit dem MSI Z270 Gaming Pro Carbon und der M.2-PCIe-SSD Kingston HyperX Predator Temperaturmessungen durch. Zunächst wurden die heißesten Punkte (Hot Spots) mit einer Infrarotkamera ermittelt. Die eigentlichen Messungen wurden mit kalibrierten Temperaturfühlern durchgeführt, die an den ermittelten Stellen der SSD befestigt wurden. Zum Vergleich wurden die Messungen sowohl mit als auch ohne den M.2 Shield durchgeführt.

SSD mit Temperatursensoren und M.2 Shield
SSD mit Temperatursensoren und M.2 Shield (Bild: Gamers Nexus)

... mit ernüchterndem Resultat

Die Ergebnisse fallen ernüchternd aus: Zwar zeigten sich mit dem Shield geringfügig niedrigere Temperaturen an der Oberseite. Doch an der Unterseite wärmte sich die SSD sogar mehr auf, sodass die Temperatur bis zu vier Grad Celsius höher ausfiel als ohne den Kühler. Vom Marketing bereits plump als „Hitzeschild“ tituliert, erweist sich das Konzept als eben solches. Das M.2 Shield führt zwar an der Oberseite einen geringen Teil der Wärme ab, doch wird die Unterseite von der kühlen Außenluft noch mehr abgeschirmt als dies bei horizontaler Montage zwischen den PCIe-Slots ohnehin der Fall ist. Dies führt auch zu einer etwa vier Grad Celsius höheren Temperatur des Controllers, die für eine etwaige Leistungsdrosselung relevant ist.

Controller wird mit M.2 Shield wärmer als ohne
Controller wird mit M.2 Shield wärmer als ohne (Bild: Gamers Nexus)

Auch Biostar bietet M.2-Kühler

MSI ist nicht der einzige Hersteller, der eine M.2-Kühllösung am Mainboard anbietet. Biostar hat das Flaggschiff Racing Z270GT9 mit einem ähnlichen Ansatz versehen: M.2 Cooling Protection lautet die Werbung. Inwieweit das Konzept bei Biostar aufgeht, bleibt noch herauszufinden.

Update 31.01.2017 15:38 Uhr

Auf Anfrage hat MSI der Redaktion eine Stellungnahme zu den im Test von Gamers Nexus aufgestellten Resultaten zukommen lassen. Darin wird die Messmethodik in Frage gestellt:

Die Kritik am MSI M.2 Shield verfehlt leider völlig ihr Ziel.

Selbstverständlich ist es richtig und vor allem auch wichtig, dass derartige Features, wie wir sie erstmals eingeführt haben, von der unabhängigen Fachpresse näher beleuchtet werden. Das Ganze muss jedoch auch nachvollziehbar geschehen und die Messergebnisse müssen ein realistisches Bild darstellen.

Wenn ein Magazin nun aber Messtechnik nutzt, die der Physik entgegenhandelt, wird den Lesern ein leider falsches Bild vermittelt.

Genau das ist beim Test von gamersnexus nämlich geschehen: Der Temperatursensor wurde auf einen Speicherchip geklebt, wirkt so als Isolator und verhindert so den unmittelbaren Kontakt zum Wärmeleitpad innerhalb des M.2 Shields, welches so die Hitze natürlich wieder weniger effektiv abführt als bei unmittelbarem Kontakt.

MSI

Andere Tests bescheinigen Wirksamkeit

Um diese Ansicht zu bestärken, verweist MSI auf weitere Tests, die dem M.2 Shield eine Wirksamkeit bei der Kühlung von M.2-SSDs bescheinigen. Demnach haben sowohl bit-tech.net als auch kitguru.net beim Einsatz des M.2 Shield eine Verringerung der Temperatur ermittelt.

Es kommt auf die getestete SSD an

Direkt vergleichbar sind die Werte aufgrund unterschiedlicher Plattform/SSD und Testmethodik nicht. So hat Bit-Tech zum Beispiel die Samsung 960 Evo mit HD Tune belastet und bis zu zehn Grad niedrigere Temperaturen über das SSD-Tool Magician ausgelesen. Die 960 Evo besitzt auf der Rückseite keine Komponenten und stattdessen an dieser Stelle einen Aufkleber mit Kupferkern zur Wärmeableitung. Die Bedingungen sind somit völlig anders als mit der beidseitig bestückten HyperX Predator von Gamers Nexus, die zudem einen solchen Aufkleber nicht besitzt.

Über die Messungen von Kitguru, die mit einer Infrarotkamera durchgeführt wurden, lässt sich zudem diskutieren. Bei einer solchen Methodik können bereits Winkel und reflektierende Oberflächen das Ergebnis stark verfälschen.

MSI ist vom M.2 Shield überzeugt

MSI hat ComputerBase ein Testmuster angeboten, damit sich die Redaktion selbst ein Bild vom M.2 Shield machen kann. Der Hersteller zeigt sich somit selbstbewusst und ist von der Wirksamkeit der Lösung überzeugt.

Update 02.02.2017 11:03 Uhr

MSI steht inzwischen in direktem Kontakt mit GamersNexus und dem testenden Redakteur, um die Ergebnisse zu überprüfen.