AMD Ryzen 7 1800X, 1700X, 1700 im Test: König in Anwendungen, Prinz in Spielen 3/8

Volker Rißka et al. 4.621 Kommentare

Benchmarks: Ryzen 7 1800X, 1700X und 1700 gegen Intel

Wie ComputerBase Prozessoren testet und welche Software dafür zum Einsatz kommt, kann in einem separaten Artikel nachgelesen werden.

Der Dank geht an MIFCOM, Caseking, Asus und G.Skill, die nicht nur neue und ältere CPUs, sondern auch alte und neue Mainboards sowie viel DDR4-Speicher zur Verfügung gestellt haben. Ohne diese Unterstützung wäre der Test in diesem Umfang nicht möglich gewesen.

Gesamtergebnis

Hinweis: Alle Seiten enthalten durchklickbare Diagramme für die Einzeltests. Zudem gibt es eine Aktualisierung und Überarbeitung der Ratings: Über den Bearbeiten-Schalter kann das Rating den eigenen Favoriten nach selbst gewichtet werden.

Anwendungen (Windows)

In Anwendungen spielen je nach Einsatzgebiet mal ein hoher Takt und mal viele Threads eine Rolle. Gerade mit letzterem kann AMD mit Ryzen punkten, beim Takt hingegen maximal bei den größeren Varianten mithalten. Da im ComputerBase-Rating aber Anwendungen mit Unterstützung für viele Threads überwiegen, sieht es für die neuen AMD-Prozessoren sehr gut aus.

Auffälligkeiten im Test: Stärken und Schwächen

Werden von der Anwendung tatsächlich 16 Threads genutzt, profitiert Ryzen besonders stark. Die bessere SMT-Umsetzung als bei Intel lässt den R7 1800X so in einigen Tests nicht nur Intels Acht-Kern-Prozessor schlagen, sondern übertrifft mitunter gar den mit zehn Kernen.

Vier Tests zeigen jedoch eine mögliche Schwachstelle von Ryzen auf. Im realen Packtest eines 3,79 GByte großen Ordners mit 4.407 Dateien in 309 Unterordnern zeigte sich das Problem beim RAM erneut: Mit 124 Sekunden brauchte der schnellste Ryzen 7 exakt so lang wie ein Core i7-7700, der 230 Euro günstiger ist und langsameren DDR4-2400-Speicher nutzt. Auch andere Real-World-Szenarien wie die Umwandlung von 34 Bildern in Adobe Photoshop zeigen die Auswirkungen: 76 Sekunden für Ryzen entsprechen nur dem Niveau eines 230 Euro teuren Core i5-7600 mit nur einem Viertel der Prozessorthreads und langsamerem Speicher. Wirft man zudem einen Blick auf Euler3D, landet AMDs Neuling ebenfalls nur beim Core i7-7700, im 3DPM-Test sieht es richtig schlecht für AMD aus.

Eine teilweise Gemeinsamkeit der Tests ist der Einsatz der CMD-Konsole. Die naheliegende Vermutung, dass es an der alten CMD-Konsole unter Windows liegt, konnte aber nicht bestätigt werden, da andere Tests mit dieser sehr gute Ergebnisse zeigen. Der Paint.NET-Benchmark, der intern immer noch mitgeführt wird, zeigte für den R7 1800X schnelle 5,18 Sekunden – der Core i7-6900K schafft dies in 5,23 Sekunden. Auch der x265HD-Benchmark nutzt diese und zeigt ein sehr gutes Ergebnis für Ryzen – in beiden Fällen schlägt der Neuling Intels CPU.

Die Vermutungen gehen deshalb aktuell in Richtung Speicher(-controller) und Cache sowie die dazu gehörigen Latenzen. AIDA64 und SiSoft Sandra unterstützen laut AMD die neuen Ryzen-CPUs nicht korrekt, beide messen in ihren Memory- und Cache-Benchmarks einen teils erheblichen Rückstand zu Intel mit sehr hohen Latenzen. AIDA64 verkündet beispielsweise zudem, dass die Ergebnisse richtig sind.

Auch SMT kommt als Schuldiger in Frage. Von Spielen bereits bekannt, kann dieses zu geringerer Leistung führen. Auch Anwendungen sind nicht immun dagegen: Euler3D und Dolphin zum Beispiel können mit dem AMD-SMT noch nichts anfangen, ist dieses deaktiviert, zeigt sich deshalb dasselbe Ergebnis wie mit aktiviertem SMT.

Die Diagramme zum Selberbauen

Die ComputerBase-Diagramme erlauben es, die Problemtests auf Wunsch auszublenden. Über den Bearbeiten-Schalten können diese abgewählt werden – dadurch steigen die Ryzen-CPUs im Rating deutlich nach oben, das Flaggschiff liegt quasi gleichauf mit Intels Core i7-6900K. Natürlich ist das Problem so nicht gelöst, und in Spielen zeigen sich ebenfalls Auffälligkeiten.

Anwendungen (Linux)

In Linux zeigen sich die drei neuen AMD-Prozessoren von ihrer richtig guten Seite. Denn in den Tests kommt es noch isolierter einerseits auf Single-Thread-Leistung aber vor allem auch auf viele Threads an. So gewinnt zwar AMD nicht jeden Test, Intel aber eben auch nicht. Heraus kommt im Durchschnitt ein sehr gutes Ergebnis für AMD.

Spiele (Full HD/HD)

Ryzen 7 bietet deutlich mehr Leistung als alle AMD-CPUs zuvor, doch mit Intels schnellsten und neuesten CPUs kann Zen hier nicht ganz mithalten. Die Unterschiede liegen je nach Spiel mal bei nur wenigen Prozent, im CPU Limit unter HD können es aber auch bis zu 40 sein. Der separate Zusatztest mit 14 ganz aktuellen Spielen, noch stärkerer Grafikkarte und neuesten Treibern untermauert das: Ryzen 7 ist gut, aber Intels Core i7-7700 derzeit in fast jedem Spiel immer noch die erste Wahl.

Weil der an dieser Stelle zum Vergleich herangezogene Parcours mit fast 60 Prozessoren nicht mehr der aktuellste ist, hat ComputerBase Ryzen in Spielen auf der kommenden Seite noch unzähligen weiteren Tests unterzogen.

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