Corsair One Pro im Test: Gaming-PC mit zwei Waküs im Alu-Turm 2/3

Jan-Frederik Timm 58 Kommentare

Testergebnisse

ComputerBase stellt die Leistungsfähigkeit von Corsair One Pro nachfolgend exemplarisch anhand ausgewählter Benchmarks dar. Weil CPU und GPU bereits ausführlich von der Redaktion getestet wurden und es keine relevanten Anomalien im Test des ersten Komplettsystems von Corsair gab, ist der Parcours kompakt gehalten. Mehr Daten gibt es beim wesentlichen Aspekt Lautstärke.

CPU-, GPU und SSD-Benchmarks

Der Core i7-7700K erreicht im Corsair One Pro die auch im Test des Core i7-7700K erzielten Taktraten: Unter Last auf allen vier Kernen sind es 4,4 GHz, bei Last auf einem Kern bis zu 4,5 GHz. Ab Werk ist im BIOS die Einstellung „Enhanced Turbo“ aktiv, die auch bei Last auf allen vier Kernen stets 4,5 GHz anliegen lässt. Für die Benchmarks wurde diese Funktion deaktiviert. In Cinebench R15 liegt das System mit 965 Punkten im Multi– und 194 Punkten im Single-Thread-Benchmark auf dem erwarteten Niveau.

Nicht ersichtlich ist, warum der Prozessor unter Prime95 (AVX) beim Erreichen der 90-Grad-Celsius-Marke von 4,4 auf 4,1 GHz fällt. Die Temperatur ist unkritisch und der AVX-Offset im BIOS deaktiviert. Die Ursache dürfte dennoch im BIOS begründet liegen.

GeForce GTX 1080 mit Taktraten über FE-Niveau

Die GeForce GTX 1080 hält unter Last in Anno 2205 (Ultra HD, maximale Details) nach 30 Minuten einen Takt von im Mittel 1.740 MHz. Das liegt 133 MHz oder acht Prozent über dem Takt der Founders Edition. In Rise of the Tomb Raider und The Witcher 3 liegen die erreichten Taktraten sogar um 200 MHz höher.

Die Taktraten nach 30 Minuten Last
Spiel (3.840 × 2.160) Corsair One Pro GeForce GTX 1080 FE
Anno 2205 1.720 – 1.760 MHz [PT] 1.607 [TT]
Rise of the Tomb Raider 1.823-1.860 MHz [PT] 1.607-1.620 MHz [TT]
The Witcher 3 1.797-1.823 MHz [PT] 1.607 MHz [TT]
[P] = Power Target limitiert, [T] = Temperature Target limitiert

Zusammen mit dem Core i7-7700K liegt die in Spielen mit dem Corsair One Pro erreichbare Leistung damit auf Augenhöhe mit der bei Power und Temperature Target maximierten GeForce GTX 1080 Founders Edition im Grafikkarten-Testsystem mit Core i7-6700K bei 4,5 GHz.

SSD mit SATA, nicht mit NVMe

Die von Corsair eingesetzte SATA-SSD Force LE mit 960 GB Kapazität erreicht die von Laufwerken dieser Klasse erwarteten Geschwindigkeiten. Die kleineren Modelle mit 480 oder 240 Gigabyte sollen gleich schnell sein, weil der Controller durch die Wahl kleinerer aber nicht weniger NAND-Bausteine weiterhin so parallel arbeiten kann wie auf dem großen Modell. Das im Corsair One eingesetzte Mini-ITX-Mainboard besitzt neben den SATA-Anschlüssen auch einen M.2-Anschluss auf der Rückseite – genutzt wird er von Corsair nicht, für den Käufer ist er unzugänglich.

Lautstärke

Aus einem Meter Abstand soll der Corsair One Pro im Leerlauf unter 20 Dezibel laut sein. ComputerBase stand für den Test nur Equipment mit einer unteren Schwelle von 30 Dezibel zur Verfügung und der Abstand vom Rechner war mit 40 Zentimetern kürzer gewählt. An drei von vier gemessenen Seiten blieb das Messgerät aber auch auf diese Distanz ohne Ausschlag. Der Lüfter im Deckel ist nicht akustisch zu orten.

An der linken Seite wurden wiederum 33 Dezibel gemessen. Das ist mit Blick in die Software Corsair Link nachvollziehbar: Auf der linken Seite befindet sich die Kammer für die GPU, die im Fall der Variante mit GeForce GTX 1080 neben der Wasserkühlung auf einen Radiallüfter zur Kühlung der VRM setzt. Und der dreht selbst im Leerlauf unter Windows mit 1.100 U/min vergleichsweise schnell. Das System ist so jederzeit deutlich wahrnehmbar.

Szenario Links Front Rechts Oben
Leerlauf Windows 33 dB < 30 dB < 30 dB < 30 dB
60 Minuten Prime95 36 dB 33 dB 33 dB 35 dB
60 Minuten Anno 2205 45 dB 41 dB 41 dB 44 dB
Alle Messungen orthogonal zur Oberfläche, 40 Zentimeter Abstand

Corsair One links vom Sitzplatz auf dem Schreibtisch aufzustellen erweist sich damit in der Tat als die für den Anwender leisere Variante. Wahrnehmbar bleibt Corsair One allerdings weiterhin, jetzt jedoch durch das typische Geräusch der Pumpen, die mit knapp 2.000 U/min (der angezeigte Wert in Corsair Link muss halbiert werden) rotieren. Corsair One ist im Leerlauf – mit Ausnahme der linken Seite – leise, aber nicht lautlos.

Wird nur die CPU belastet, steigt der wahrgenommene Geräuschpegel kaum: VRM-Lüfter und Pumpen drehen nach einer Stunde Prime95 unverändert, der Lüfter im Deckel allerdings mit 990 zu 404 U/min zweieinhalb Mal so schnell. Der Geräuschpegel ist jetzt an allen vier gemessenen Seiten ermittelbar. Am präsentesten bleibt die linke Seite, hier liegt der Messwert jetzt bei 36 Dezibel. In Cinebench R15 tut sich nach drei Durchläufen hingegen gar nichts.

Nicht mehr als leise ist Corsair One dann in Spielen zu bezeichnen, bis zu 45 Dezibel werden an der linken Seite jetzt erreicht, am Deckel sind es 44. Nach einer halben Stunde in Anno 2205 ist daran allerdings wieder der Radiallüfter auf den VRM schuld: Er dreht jetzt mit 1.600 Umdrehungen pro Minute. Der Lüfter im Deckel bleibt hingegen bei den schon in Prime95 zu beobachtenden rund 1.000 U/min. Entgegen der Behauptung im Reviewer's Guide ist das System damit definitiv wahrnehmbar.

Corsair One ist nicht geräuschlos, aber er wird beim Filmesehen, Arbeiten oder Spielen nicht wahrnehmbar sein.

Corsair über den Corsair One

VRM-Kühler ist die Achillesferse im Corsair One Pro

Die aktiv belüftete Kühlung der VRM stellt sich damit als Schwachstelle im Kühlsystem des Corsair One Pro heraus. Die 1.100 U/min im Leerlauf sind hörbar, unter Last werden die 1.600 U/min laut. Die Wasserkühlungen und der Lüfter im Deckel treten hingegen nicht negativ in Erscheinung, auch wenn das typische Laufgeräusch der beiden Pumpen selbst von der rechten Seite des Systems unter Windows jederzeit deutlich wahrgenommen werden kann.

Umbau zu Testzwecken von Corsair nicht gestattet

ComputerBase hätte die verbaute Grafikkarte gerne auf die GeForce GTX 1080 Founders Edition mit Luftkühlung umgebaut, um zu testen, wie sich diese Grafikkarte mit klassischer Luftkühlung im System schlägt. Auch der Einsatz einer Custom-Variante mit in Windows stehenden Lüftern wäre interessant gewesen. Aufwendige Veränderungen an der nur mit viel Aufwand wiederherzustellenden Konfiguration wurden von Corsair auf Nachfrage aber leider nicht gestattet.

Temperaturen

Bei den Temperaturen fällt auf, dass es deutliche Unterschiede zwischen CPU und GPU gibt: In Anwendungen arbeitet der Intel Core i7-7700K mit über 80 °C wie im Test des Prozessors Anfang Januar 2017 trotz Wasserkühlung mit sehr hohen Temperaturen, die GPU der GeForce GTX 1080 bleibt mit unter 60 °C in Spielen hingegen deutlich kühler als auf klassischen Desktop-Modellen mit Luftkühlung. Das zeigt, dass der Einsatz einer Wasserkühlung trotz fragwürdiger semi-passiver Belüftung des engmaschigen Radiators zumindest bei der GPU einen Vorteil bietet.

Leistungsaufnahme

Im Leerlauf liegt die Leistungsaufnahme des Systems bei den zu erwartenden 34 Watt, bei Last auf allen Kernen in Cinebench R15 sind es 106 Watt – 6 Watt weniger als mit dem Core i7-7700K im Prozessor-Testsystem von ComputerBase. In Anno 2205 (Ultra HD) steigt der Verbrauch auf gemessene 244 Watt an der Steckdose an. Mit der im Verbrauch leicht gedrosselten GeForce GTX 1080 Founders Edition aber übertakteter Skylake-CPU braucht das langsamere Grafikkarten-Testsystem 2 Watt mehr.

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