DVB-T-Abschaltung: Sender, Kosten und Alternativen von DVB-T2

Mahir Kulalic 428 Kommentare
DVB-T-Abschaltung: Sender, Kosten und Alternativen von DVB-T2
Bild: FHgitarre | CC BY 2.0

DVB-T wird bald abgeschaltet, der Nachfolger DVB-T2 steht bereit. Private Kanäle kosten zukünftig, die regionalen Sender bleiben in HD kostenlos. Receiver, Antennen und Fernseher, die DVB-T2 unterstützen, sind bereits verfügbar. Der Artikel liefert umfangreiche Informationen zu Empfang, Signal-Abdeckung und Alternativen.

DVB-T wird abgeschaltet, DVB-T2 steht bereit

Update 28.03.2017 18:00 Uhr

In sechs Stunden um Mitternacht endet die Ausstrahlung von DVB-T in den ab dann versorgten Empfangsgebieten. In den Gebieten, in denen DVB-T2 noch nicht startet, bleibt der DVB-T-Empfang vorerst bestehen. ComputerBase hat den ursprünglich Anfang März veröffentlichten Artikel aus diesem Anlass um die letzten Informationen zur Abschaltung von DVB-T und Umstellung auf DVB-T2 ergänzt. Hinzugekommen ist der letzte Stand zum ersten Senderangebot, dem zum Voucher alternativen Bezahlmodell Bankeinzug, erste USB-TV-Sticks mit Irdeto-Entschlüsselung, Dolby Audio für ausgewählte Sender und Sendungen sowie der „Downtime“ in der kommenden Nacht.

Seit Mai 2016 steht in Deutschland die Ausstrahlung von hochauflösendem Fernsehen nach DVB-T2-HD-Standard bereit, die erste große Umstellung auf DVB-T2 erfolgt in weiten Teilen in der kommenden Nacht zum 29. März 2017 – um genau 00:00 Uhr wird die Verbreitung von DVB-T abgeschaltet.

Eine Nacht ohne Fernsehen

Der Wechsel erfolgt allerdings nicht fließend: Um auf Nummer sicher zu gehen, sollen Anwender mit DVB-T2-Receiver erst ab 12:00 Uhr einen neuen Sendersuchlauf starten. Die Umstellung kann auch schon deutlich früher erfolgt sein, die Nacht, der Morgen und auch der Vormittag könnte für einige DVB-T-Nutzer aber ohne Fernsehen daher kommen. Passend zum Start werden die Fernsehtürme in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Mannheim für einige Stunden in grüner Farbe beleuchtet.

DVB-T2 kann zum Start drei Monate kostenlos getestet werden, danach fallen für die privaten Sender Gebühren an. Neben Guthaben-Karten (Voucher) im Handel wird es auch ein Abomodell geben. Auf dem ersten USB-Stick für DVB-T2 HD inklusive Verschlüsselung beträgt die Testzeit nur einen Monat.

Warum wird DVB-T abgeschaltet?

Die Abschaltung von DVB-T erfolgt im Rahmen der „Digitalen Dividende II“ des Bundes. Die noch und/oder vormals für DVB-T genutzten Frequenzen sollen reduziert werden, unter anderem sichern sich die Mobilfunkanbieter die frei gewordenen Frequenzen für den Ausbau der Mobilfunknetze. Im Zuge der Umstellung soll die Übertragung von terrestrischem Fernsehen grundlegend modernisiert werden, sodass unter anderem der Empfang in Full HD vorbereitet und möglich wird. Zudem soll die Zuverlässigkeit gesteigert werden. Nebenher bringt die Versteigerung der alten Frequenzen mehrere Milliarden Euro.

Überblick zur Umstellung auf DVB-T2

Wer das Angebot nutzen möchte oder nach Ende des DVB-T-Betriebs für den Fernsehempfang nutzen muss, benötigt in der Regel einen neuen Receiver oder Fernseher. ComputerBase hat die wichtigsten Punkte zusammengetragen und liefert einen Überblick zur Einführung und Umstellung des neuen terrestrischen Fernsehens.

Sender und Frequenzen

Zum aktuellen Zeitpunkt umfasst das Angebot von freenet TV die sechs Sender ARD, ZDF, RTL, VOX, ProSieben und Sat1, die in Full HD und parallel zum DVB-T-Angebot übertragen werden. Ab dem 29. März sollen dann im regulären Betrieb insgesamt rund 40 Sender verfügbar sein, die vorwiegend in Full HD übertragen werden und je etwa zur Hälfe aus dem privaten und öffentlich-rechtlichen Senderspektrum stammen. Für die privaten Sender fallen Kosten an (siehe nächster Abschnitt). Neben den auf dem Bild zu sehenden Sendern sind mit dem Start von DVB-T2 auch N24, Tele 5, Nickelodeon und der Disney Channel verfügbar.

Programmbelegung ab 29. März
Programmbelegung ab 29. März (Bild: Projektbüro DVB-T2 HD Deutschland)

Bildmaterial anfangs nur hochskaliert

Die Programme werden vorwiegend mit einer Full-HD-Auflösung von 1.920 × 1.080 (B × H) Pixel und 50 Vollbildern pro Sekunde (1080p50) ausgestrahlt, was teilweise eine höhere Auflösung als derzeit über Kabel und Satellit bedeutet (720p bei den Öffentlich-Rechtlichen, 1080i bei den Privaten). Das von den Sendern gelieferte Ausgangsmaterial liegt allerdings – zumindest zu Anfang – noch nicht in 1080p50 vor.

ARD und ZDF sind derzeit technisch noch nicht in der Lage, ein natives 1080p50-Signal zu liefern. Media Broadcast erhält stattdessen das auch für die Kabel- und Satellitenübertragung verfügbare 720p50-Signal, das auf Full HD hochskaliert wird.

Ähnlich verhält es sich bei den privaten Sendern, die ebenfalls das gleiche Signal wie für Kabel und Satellit liefern. Dabei handelt es sich allerdings um Material in 1080i-Auflösung mit 50 Halbbildern pro Sekunde.

DVB-T2 zum Start mit vielen kostenlosen Mediatheken

Neben dem Fernsehen können kompatible Receiver zudem auch Mediatheken und zusätzliche Sender über das Internet anbieten. Dies funktioniert über freenet TV connect. Auf diese Weise gibt es neben dem Fernsehen über DVB-T2 in Teilen auch die Möglichkeit von IPTV direkt über den Empfänger. Zu den Mediatheken und Sendern von freenet TV connect zählen unter anderem Spiegel TV, die Mediatheken von ARD und ZDF, arte Live Web und NHK World. Weitere sollen folgen. Am Anfang sind alle Angebote kostenlos, aber das muss nicht so bleiben. Spiegel TV könnte in Zukunft also Geld für den eigenen Kanal auf freenet TV connect verlangen.

freenet TV connect
freenet TV connect (Bild: Media Broadcast)

Kosten für freenet TV und Öffentlich-Rechtliche

Anders als bei DVB-T ist der Empfang der privaten Sender nach der dreimonatigen Testphase von DVB-T2 nicht mehr kostenfrei möglich. Ohne Gebühr sind dann nur noch die öffentlich-rechtlichen Sender, da diese über den Rundfunkbeitrag abgedeckt werden.

Während der 1. Phase des DVB-T2-Ausbaus mit eingeschränkter Senderauswahl bis zum 29. März 2017 können mit entsprechender Hardware sowohl die öffentlich-rechtlichen als auch die privaten Sender kostenlos empfangen werden. Mit Beginn des Regelbetriebs ab Ende März und nach Ablauf einer dreimonatigen Testphase können dann nur noch die öffentlich-rechtlichen Sender kostenlos und unverschlüsselt empfangen werden.

Kosten geringer als für Kabelfernsehen

Für den Empfang der privaten Sender wird dagegen eine jährliche Gebühr von 69 Euro im Angebot von freenet TV erhoben. Das entspricht Kosten von unter sechs Euro im Monat, womit DVB-T2 HD deutlich günstiger als die Basistarife der Kabelnetzbetreiber wäre, in denen die privaten Sender zudem nicht in Full HD verfügbar sind – sofern die Nutzung auf ein Gerät beschränkt ist. Die Abrechnung erfolgt per Guthaben und ist somit nicht an einen Vertrag gekoppelt. Das Guthaben kann unter anderem direkt bei Freenet TV erworben und eingelöst werden.

Zudem kann neben dem Guthaben für ein Jahr auch ein Abo abgeschlossen werden, die unveränderte Gebühr von 5,75 Euro im Monat wird dann per Bankeinzug abgebucht, das Paket ist zudem monatlich kündbar. Hierfür notwendig ist ein kostenfreies Kundenkonto bei Freenet TV.

Wichtig hierbei: Die Gebühr fällt pro Gerät und nicht pro Haushalt an, sodass die Kosten bei mehreren Fernsehern, die alle über DVB-T2 Programm empfangen sollen, steigen. Das gilt auch für die nicht gleichzeitige Nutzung: Wer zuhause mit der Set-top-Box fernsieht, unterwegs dann aber den USB-Stick nutzen will, braucht zwei Accounts.

DVB-T2 empfangen

Damit DVB-T2 empfangen werden kann, sind unter Umständen weitere Kosten nötig. Denn das neue Fernsehen hat in Deutschland einige technische Sonderanforderungen, die trotz vorhandenem DVB-T2-Tuner im Receiver oder Fernseher nicht unbedingt erfüllt werden.

Was ist mit alten Geräten?

Vorhandene Fernseher und Receiver sind in der Regel nicht direkt für den Empfang von DVB-T2 in Deutschland geeignet. Dies kann selbst dann gelten, wenn bereits ein DVB-T2-Empfänger eingebaut ist. Denn DVB-T2 als Übertragungsstandard definiert nur die Bitübertragungsschicht, schreibt aber keinen bestimmten Videokompressions-Standard vor. In Deutschland kommt hierbei das sogenannte High Efficiency Video Coding (HEVC / H.265) zum Einsatz, während zum Beispiel in England, Frankreich und Österreich Advanced Video Encoding (AVC / H.264) eingesetzt wird.

Receiver für freenet TV
Receiver für freenet TV (Bild: Media Broadcast)

Perspektivisch ist das effizientere HEVC die bessere Wahl, da bei gleichem Frequenzspektrum mehr Programme bei einer besseren Qualität übertragen werden können, was insbesondere in Hinblick auf die Umwidmung des 700-MHz-Bandes für den Mobilfunk von Bedeutung ist, womit für DVB-T2 der Frequenzbereich von 470 bis 690 MHz bleibt. Kurzfristig schränkt die fehlende HEVC-Unterstützung vieler Fernseher und Receiver aber die Eignung vorhandener Geräte für DVB-T2 in Deutschland ein.

Das grüne DVB-T2-HD-Logo

Sicher zu erkennen sind Geräte wie Receiver, Set-Top-Boxen oder Sticks, die sowohl DVB-T2 als auch HEVC unterstützen und damit für den Empfang in Deutschland geeignet sind, am grünen DVB-T2-HD-Logo. Solche Geräte sind zudem auch zu DVB-T abwärtskompatibel und können bis zur Abschaltung auch für den DVB-T-Empfang genutzt werden. Bei Geräten, die zwar DVB-T2 unterstützten, aber das Logo nicht haben, muss dagegen explizit die Unterstützung von HEVC überprüft werden. Das volle Senderspektrum ist allerdings auch mit einem solchen Gerät noch nicht zu empfangen, es ermöglicht lediglich den kostenlosen Empfang der öffentlich-rechtlichen Sender in HD-Qualität. Die privaten Sender strahlt der einzige DVB-T2-Anbieter in Deutschland, die zu freenet gehörende Media Broadcast, nur verschlüsselt aus, was Zusatzanforderungen an die Hardware stellt.

DVB-T2 HD – Gerät ist für den Empfang von DVB-T2 in Deutschland geeignet
DVB-T2 HD – Gerät ist für den Empfang von DVB-T2 in Deutschland geeignet (Bild: Deutsche TV-Plattform)

Das freenet-TV-Logo

Um auch die mit Start des Regelbetriebs voraussichtlich rund 20 privaten Sender sehen zu können, müssen sie vom Fernseher respektive Receiver entschlüsselt werden. Die ersten darauf vorbereiteten Receiver, bei denen das für freenet TV verwendete, Irdeto-basierte Zugangsberechtigungssystem ohne Smartcard bereits integriert ist, erreichen langsam den Handel. Zu erkennen sind sie am freenet-TV-Logo auf der Verpackung.

Für grundsätzlich DVB-T2-HD-fähige Empfangsgeräte, die aber noch nicht für freenet TV vorbereitet sind, gibt es CI+-Module, mit denen sich die privaten Sender entschlüsseln lassen. Im ComputerBase-Preisvergleich ist das Telestar freenet TV CI+ Modul bereits gelistet und bei einigen Händlern auch verfügbar. Antennen, die bisher für DVB-T genutzt wurden, sind in der Regel zur Weiterverwendung mit DVB-T2 geeignet.

CI+Modul für freenet TV
CI+Modul für freenet TV (Bild: Media Broadcast)

Eine fortlaufend aktualisierte Liste DVB-T2-HD-fähiger Fernseher und Receiver ist auf der Seite der Deutschen TV-Plattform abrufbar. Die Fernseher gängiger Hersteller wie LG, Samsung oder Sony ist mittels dem genannten CI+-Modul erweiterbar. Sie enthält auch Informationen darüber, ob ein Zusatzmodul für den Empfang der privaten Sender notwendig ist. Laut Carine Chardon, Geschäftsführerin der für die Zertifizierung verantwortlichen Deutschen TV-Plattform, wurden bereits mehr als 100 Geräte für den Empfang von DVB-T2 HD zertifiziert.

Für Computer, Laptops, Tablets und Smartphones wird es darüber hinaus in Zukunft, ähnlich wie für DVB-T, auch USB-Empfänger geben, die den mobilen Empfang von DVB-T2 inklusive der privaten Sender in HD (Irdeto-Verschlüsselung) ermöglichen. Einen ersten solchen Empfänger hat der Betreiber mit dem freenet TV USB TV-Stick bereits vorgestellt, verfügbar ist der Stick ebenfalls schon. Der Preis: 59,99 Euro.

Der Freenet TV USB TV-Stick empfängt verschlüsseltes DVB-T2 HD
Der Freenet TV USB TV-Stick empfängt verschlüsseltes DVB-T2 HD (Bild: Freenet TV)

Erste Sendergruppen mit Dolby Audio

Zum Start von DVB-T2 haben zudem das ZDF und die Sendergruppen ProSiebenSat.1 sowie RTL angekündigt, erste Sendungen über DVB-T2 mit Dolby Audio wiederzugeben. Hierdurch soll sich die Klangqualität der Sender verbessern. Zu den Inhalten mit Dolby Audio zählen unter anderem die UEFA Champions League. Über Satellit greifen diese Sender bereits auf Dolby Audio zurück, nun zudem über terrestrisches Fernsehen.

Empfangsgebiete und Abdeckung

Zum deutschen Sendestart am 31. Mai 2016 waren mit 36 Senderstandorten zunächst 18 Ballungsgebiete abgedeckt. Es handelt sich dabei um Bremen/Unterweser, Hamburg/Lübeck, Kiel, Rostock, Schwerin, Hannover/Braunschweig, Magdeburg, Berlin/Potsdam, Jena, Leipzig/Halle, Düsseldorf/Rhein/Ruhr, Köln/Bonn/Aachen, Rhein/Main, Saarbrücken, Baden-Baden, Stuttgart, Nürnberg und München/Südbayern. Ab Ende März 2017 kommen zudem einige Städte und Gebiete hinzu, die hauptsächlich die öffentlich-rechtlichen Sender empfangen können.

Bis 2018 soll der Ausbau weiter auf die Ballungszentren konzentriert werden, bevor dann 2018 die Erweiterung auf andere Regionen beginnt. Der Ausbau in ländlichen Regionen soll bis Mitte 2019 abgeschlossen sein. Mit dem regulären Betrieb beginnt ab dem 29. März – parallel zum Ausbau des DVB-T2-Angebots – die Abschaltung der alten DVB-T-Sender. Der Umstellungsprozess soll bis Ende 2019 abgeschlossen sein. In den Regionen, in denen DVB-T2 noch nicht gestartet ist, wird bis zur Einführung auch DVB-T noch empfangbar sein. Die Verfügbarkeit im eigenen Postleitzahlengebiet kann online überprüft werden.

Bundesland Betrieb der Sendestandorte seit/ab
31. Mai 2016 29. März 2017
Baden-Württemberg Baden-Baden
Heidelberg
Mannheim
Stuttgart
Karlsruhe
Pforzheim
Reutlingen
Bayern München
Nürnberg
Wendelstein
Büttelberg
Dillberg
Berlin Berlin
Brandenburg Booßen
Bremen Bremen
Hamburg Hamburg
Hessen Frankfurt am Main
Großer Feldberg
Wiesbaden
Darmstadt
Rimbreg
Würzberg
Mecklenburg-Vorpommern Rostock
Schwerin
Niedersachsen Braunschweig
Hannover
Bremverhaven
Sibbesse
Steinkimmen
Torfhaus
Nordrhein-Westfalen Aachen
Bonn
Dortmund
Düsseldorf
Essen
Köln
Langenberg
Wesel
Wuppertal
Gelsenkirchen
Hagen
Hohe-Warte
Iserlohn
Kleve
Rheinland-Pfalz
Saarland Saarbrücken Göttelborner Höhe
Kerlingen
Spiesen
Sachsen Leipzig
Sachsen-Anhalt Halle Brocken
Magdeburg[r]Wittenberg
Schleswig-Holstein Kiel
Lübeck
Stockelsdorf
Bungsberg[r]Flensburg
Schleswig
Wedel Wittsmoor
Thüringen Jena

Die Alternativen zu DVB-T2

Wenn DVB-T2 etwa aufgrund der Verfügbarkeit am eigenen Standort keine Option darstellt, bleiben nach der Abschaltung verschiedene Alternativen für heimisches Fernsehen. Diese teilen sich weitgehend in drei Lager: IPTV, also Fernsehen über das Internet, oder Kabelfernsehen, beides in der Regel bei großen Betreiber und das unabhängigere Satellitenfernsehen.

Bei Kabel reicht eine Gebühr für mehrere Geräte

Die größten Anbieter für Kabelfernsehen sind Unitymedia und Vodafone Kabel Deutschland, die zum Teil verschiedene Gebiete bedienen. Unitymedia ist etwa in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktiv. Vodafone Kabel Deutschland bedient derweil die restlichen Bundesländer mit Kabelfernsehen. In beiden Fällen kommen Kosten aufgrund des Kabelanschlusses hinzu, weitere Hardware ist allerdings nicht zwangsläufig nötig – außer für Features wie HD. Beim Kabel sind nur die öffentlich-rechtlichen Sender in hoher Auflösung frei empfangbar. Bei Unitymedia kostet der Anschluss 21 Euro im Monat, deckt aber alle Geräte im Haushalt in SD ab. Teilweise wird der Kabelanschluss auch über die Nebenkosten bereits abgeglichen. Hinzu kommen bei Bedarf aber weitere Kosten für etwa die HD-Option, die wiederum nicht über alle Fernseher hinweg einmalig gezahlt werden kann. Regional gibt es zudem kleinere Kabelnetzbetreiber, die unter Umständen andere Konditionen anbieten.

Unitymedia bietet Kabelfernsehen an
Unitymedia bietet Kabelfernsehen an (Bild: Unitymedia)
Die Telekom ist mit Fernsehen via Internet vertreten
Die Telekom ist mit Fernsehen via Internet vertreten (Bild: Deutsche Telekom)

IPTV ist flexibel, aber Internet-abhängig

Bei IPTV ist vor allem die Deutsche Telekom mit EntertainTV stark vertreten. Alternative Anbieter sind etwa waipu.tv oder Zattoo, hier ist der Umfang aber kleiner als bei der Telekom. Der Vorteil von IPTV ist die mitunter größere Flexibilität, beispielsweise bei Zattoo können die Sender auch per App auf dem Smartphone oder Tablet betrachtet werden. Zudem entfällt bei IPTV die Gebühr für Kabelfernsehen, eine monatliche Gebühr fällt für HD-Sender und einen großen Funktionsumfang trotzdem an. Ein Nachteil von IPTV ist allerdings die Notwendigkeit vom Internet: Fällt das heimische Netz aus, ist auch Fernsehen in der Zeit nicht möglich.

IPTV-Anbieter per App oder Computer
Zattoo waipu.tv Magine TV
Zattoo Free Zattoo HiQ waipu.tv Free waipu.tv Comfort waipu.tv Perfect Magine TV Free Magine TV Basic Magine TV Premium
Anzahl Sender 74 90 (davon 29 in HD)
Weitere, auch
internationale Sender
gegen Gebühr
ca. 20 (nur Öffentlich-Rechtliche) 61 62 (davon ca. 16 in HD) ca. 20 (nur Öffentlich-Rechtliche) 39 (davon 20 in HD) 75 (davon ca. 30 in HD)
Weitere Sender gegen Gebühr
Kosten kostenlos 1,59 Euro pro Tag
9,99 Euro pro Monat
99,99 Euro pro Jahr
kostenlos 4,99 Euro pro Monat 14,99 pro Monat kostenlos 6,99 Euro pro Monat 11,99 pro Monat
Plattformen PC/Mac, Android, iOS, Windows 10 Mobile, Android TV, Samsung Smart TV, Chromecast, Fire TV, Apple TV, Xbox One Android, iOS
Für den Fernseher zusätzlich Chromecast, Fire TV
PC/Mac, Android, iOS, Windows 10 Mobile, Android TV, Chromecast, Fire TV, Apple TV, Xbox One
Laufzeit Kostenpflichtige Tarife monatlich kündbar

Mediatheken und Livestreams

Neben IPTV über Streaming-Anbieter haben viele Sender auch eigene Mediatheken, zum Teil auch die Möglichkeit von Livestreams direkt über die Website. So lässt sich zum Teil auch über den PC fernsehen – und wenn im Falle einer Mediathek nicht immer live, so aber doch der gleiche Inhalt, der im Fernsehen lief.

Von den Öffentlich-Rechtlichen haben insbesondere ARD und ZDF große Mediatheken zum Betrachten von Inhalten auf Abruf. Bei den Privaten sind es vor allem die Gruppen RTL mit TV Now und ProSiebenSat.1 mit 7TV. Nicht alle Angebote der privaten Sender sind jedoch kostenfrei zugänglich, denn unter anderem bei RTL ist für einige Leistungen eine kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft nötig. Zu den Zusatzleistungen zählen in diesem Fall etwa eine Folge vor der Ausstrahlung zu sehen oder die Inhalte auf dem Smartphone anzuschauen.

7TV
7TV (Bild: ProSiebenSat.1)
TV Now
TV Now (Bild: RTL)

Dazu kommt: Nicht alle Inhalte bleiben dauerhaft abrufbar, beispielsweise Fernsehsendungen verschwinden nach einem gewissen Zeitraum, bei RTL etwa 30 Tage nach der Erstausstrahlung im Fernsehen. Auch Spartensender wie Sport1 bieten eine Mediathek und zudem auch einen kostenlosen Livestream des eigenen Programms.

Satellit ist unabhängiger – noch

Wie auch DVB-T seinerzeit läuft Satellitenfernsehen ohne Anmeldung bei einem Provider oder wiederkehrender Gebühren, sofern auf private Sender in HD verzichtet wird. Die größten Satellitenbetreiber, über die in Deutschland empfangen wird, sind Astra und Eutelsat. Benötigt werden in erster Linie eine Satellitenschüssel und ein kompatibles Empfangsgerät, etwa ein Receiver oder ein Fernseher mit Sat-Tuner. Öffentlich-rechtliche Sender sind über Satellit in HD frei empfangbar, für die privaten Sender muss allerdings eine jährliche Gebühr entrichtet werden. Diese beläuft sich auf knapp 60 bis 70 Euro, die „HD+“-Karte kann dafür aber bei Fernsehern mit CI+-Modul direkt eingesteckt werden. Dieses Modul muss aber einmalig für rund 80 Euro erworben werden. Auch der Empfang von ausländischen Sendern ist zum Teil möglich, dies auch ohne Zusatzkosten.

Satellitenschüsseln am Haus
Satellitenschüsseln am Haus (Bild: Norsk Folkehjelp, CC BY 2.0)

Ab 2022 wird aber voraussichtlich auch mit kostenlosen Privatsendern über Satellit Schluss sein: Die privaten Sendergruppen ProSiebenSat.1 und RTL haben sich im Jahre 2012 gegenüber dem Bundeskartellamt bis 2022 dazu verpflichtet, ihre Sender in SD unverschlüsselt über die Empfangskanäle auszustrahlen. Sobald diese Einigung abläuft, können die Sendergruppen die Ausstrahlung in SD abschalten und nur noch auf HD setzen, was auch bei Satellit analog zu den anderen Empfangswegen bereits jetzt kostenpflichtig ist.

Während die Satellitenschüssel Vorteile wie die Unabhängigkeit vom Anbieter bringt, birgt sie aber auch Nachteile. Die Ausrichtung der Schüssel ist wichtig, kann aber bei schlechten Wetterverhältnissen beeinträchtigt werden. Zudem ist auch der Aufbau aufwendiger als bei einem in der Regel vorhandenen Verteiler für Kabel oder dem Fernsehen über das Internet.

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