Cherry MX Board 5.0 im Test: Acht Stellfüße sind teurer Komfort

Max Doll 14 Kommentare
Cherry MX Board 5.0 im Test: Acht Stellfüße sind teurer Komfort

Besonderheiten sind bei dem MX Board 5.0 nicht auf, sondern unter der Tastatur zu suchen. Die Tastatur verspricht durch zusätzliche Stellfüße und eine große Handballenauflage höheren Komfort. Auf typische Gadgets wie Software und RGB-Beleuchtung verzichtet Cherry dafür. Torpediert wird die Tastatur indes an anderer Stelle.

Cherry MX Board 5.0 im Test

Um den Kaufpreis von rund 160 Euro zu rechtfertigen, setzt Cherry auf das Argument „Komfort“. Der großen Handballenauflage und den zahlreichen Stellmöglichkeiten kommt dabei die Aufgabe zu, die sonst im obersten Preisbereich üblichen Ausstattungs-Extravaganzen zu kompensieren. RGB-Beleuchtung oder programmierbare Tasten sieht Cherry im Konzept nicht vor, stattdessen müssen weiße LEDs sowie vier mechanische Zusatztasten das Bedürfnis nach Luxus befriedigen. Abseits des Mainstreams bewegt sich die Tastatur zudem mit ihrem leisen MX-Silent-Tastern, die derzeit nur vereinzelt am Markt zu finden sind.

Cherry MX Board 5.0
Cherry MX Board 6.0
Cooler Master MasterKeys Pro L
Größe (L × B × H): 47,0 × 14,5 (23,2) × 3,6 (4,7) cm
Handballenauflage
45,4 × 14,7 (23,1) × 3,5 (4,5) cm
Handballenauflage
43,9 × 13,0 × 4,0 (5,1) cm
Layout: 105 ISO (erweitert)
Gewicht: 1.410 g 1.141 g 1.090 g
Kabel: 1,90 m, USB 2.0 2,00 m, USB 2.0 1,50 m, USB/Micro-USB (modular)
Hub-Funktion:
Key-Rollover: N-KRO 6-KRO, N-KRO
Schalter: Cherry MX Silent (Red) Cherry MX Red Cherry MX Red / Brown
Repeat-Rate wählbar
Tasten: Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
flache Tasten
Form: zylindrisch
Material: ABS-Kunststoff
Beschriftung: laser cut
Zusatztasten: 3 × Medien
1 × Extra
4 × Extra
Medienfunktionen: Stumm, Lautstärke, Abspielen/Pause, Vor/Zurück Lautstärke, Abspielen/Pause, Stopp, Vor/Zurück
Zusatzfunktionen: Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Gaming-Modus Helligkeit (regeln, ausschalten), Gaming-Modus Profile wechseln, Helligkeit (regeln, ausschalten), LED-Modi, Gaming-Modus, Makroaufnahme
Beleuchtung: Farbe: Weiß
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung
Farbe: Rot Farbe: RGB
Modi: Atmungseffekt, Welleneffekt, Reaktiver Modus, umlaufende Aktivierung, Gaming-Beleuchtung
Sonstige: individuelle LED-Profile
Makros & Programmierung: 1 Profile, Hardware-Wiedergabe?
? programmierbar
512 kB, 4 Profile, Hardware-Wiedergabe
vollständig, softwarelos programmierbar
Preis: ab 150 € ab 140 € ab 120 € / ab 130 €

Äußerlichkeiten: Die Unterseite sticht hervor

Dass Cherry eher ein funktionales Arbeitsgerät denn ein verspieltes Accessoire gebaut hat, unterstreicht das Design. Die Tastatur genehmigt sich links und rechts der Tasten lediglich noch maßvolle anderthalb Zentimeter Überhang, der aufgrund der nochmals breiteren Handballenauflage nicht ins Gewicht fällt.

Dabei präsentiert sich die Tastatur generell als durchdacht. Beispielhaft machen dies neben den immer wieder praktischen Kabelkanälen die Status-LEDs deutlich: Da der Platz oberhalb des Nummernblocks für Zusatztasten genutzt wird, setzt Cherry die Dioden per Lichtleiter einfach höher. So wird gewährleistet, dass die Anzeigen nicht von den Tastenkappen verdeckt werden – ein Umstand, der gerne übersehen wird.

Visuell wird die Verwandschaft zur MX Board 6.0 herausgestrichen: Beide Tastaturen senken das Gehäuse rund um die Pfeiltasten ab. Bei Modell 5 spart sich Cherry allerdings den großflächigen Einsatz von Aluminium. Das Metall wird lediglich für einen Zierrahmen ohne tragende Funktion eingesetzt, ansonsten dominiert funktional-matter Kunststoff.

Was die MX Board 5.0 ungewöhnlich macht, sind ihre Stellfüße, die mitnichten nur durch ihre rote Kontrastfarbe ins Auge stechen. Zwei Hochstelloptionen für die Tastatur und vier weitere an der Handballenauflage geben insgesamt acht Möglichkeiten zur Ausrichtung beider Komponenten an die Hand. Aus- oder eingeklappt werden können die Füße aufgrund ihrer Position auch ohne die Tastatur umzudrehen, sie lassen sich beim Anheben des Gehäuses im gleichen Zuge betätigen.

Nur bis ins letzte Detail perfekt ist die Konstruktion trotz solcher gelungener Lösungen nicht. Der Klappmechanismus hakt an der Handballenauflage durch einen zu hohen Widerstand beim Aufstellen. Die Befestigung des Komfort-Zubehörs lässt ebenfalls zu Wünschen übrig, da die Halterungen selten beim ersten Versuch einrasten wollen. Beim Wackeln und Probieren werden einmal mehr die Vorteile magnetischer Halterungen ins Bewusstsein gerufen.

Beleuchtung und Tastenkappen

Die Möglichkeiten der Preisklasse werden nicht nur an dieser Stelle ganz ausgeschöpft. Einfache ABS-Tastenkappen mit Laser-Cut-Beschriftung sind Standard bei Tastaturen mit Beleuchtung, werden aber bei schlichteren Tastaturen langsam durch höherwertige Verfahren abgelöst. Das ist auch Cherry bewusst; PBT-Kappen mit im Doppelspritzguss-Verfahren erzeugten Lettern sind allerdings der US-Version der Tastatur im ANSI-Layout vorbehalten, die zudem mit weiteren Tastern angeboten wird.

Genauso konservativ agiert der Hersteller bei der Beleuchtung. Einfache MX-Taster mit schwarzem Gehäuse erlauben zwar den Einsatz großer LEDs, was hohe Helligkeitsreserven einbringt, beeinträchtigt aber die Ausleuchtung der Tastenkappe. Optimal angestrahlt wird die Beschriftung nur direkt oberhalb der Diode im oberen Bereich der Kappen, gegenüber der Lichtquelle fällt die Helligkeit sichtbar ab. Der Effekt wird durch die weiße Farbe etwas gemildert, bleibt aber sichtbar.

Dennoch ist die Beleuchtung nicht einfach nur ein Extra für die Checkliste. Den alltäglichen Gebrauch der Tastatur und ihrer LEDs vereinfacht Cherry durch Kleinigkeiten wie die praktische Verknüpfung zum Ausschalten der Beleuchtung, die das mühselige Durchschalten aller Helligkeitsstufen spart. Die Wiedergabegeschwindigkeit der obligatorischen Leuchteffekte kann zudem in einem breiten Rahmen angepasst werden, was die Leuchtmuster unterhalb der Wahrnehmungsschwelle bringt und ihr ablenkendes Potential minimiert. In letzter Konsequenz wurde der Gedanke indes nicht durchgesetzt. Da Cherry helle Status-LEDs einsetzt, aber nicht parallel zur Beleuchtung der Tasten dimmt, bewegen sich die Info-Leuchten je nach Umgebungshelligkeit in einem Bereich an der Grenze zu aktiver Ablenkung.

Alltagserfahrungen: Leise und bequem

Signale erfassen bei der deutschen Version der MX Board 5.0 Cherrys MX-Silent-Taster in roter Ausführung. Die Taster sind linear abgestimmt und geben keine Rückmeldung beim Erreichen des Signalpunktes nach zwei Millimeter Hubweg. Die maximale Eindrücktiefe sinkt verglichen mit üblichen MX-Tastern und ihren Nachbauten zudem von 4 auf 3,7 Millimeter. Was für den Kopf eine lächerlich geringe Veränderung ist, nehmen Finger als spürbaren Unterschied wahr. Wesentlicher für Taster und Tastatur ist aber der in beide Richtungen geräuschgedämpfte Schlitten, der den Anschlag etwas weicher werden lässt und die Lautstärke der Taster effektiv reduziert. Dieser konstruktive Aufwand schlägt im Ergebnis Nachrüstlösungen mit O-Ringen.

Cherry MX Silent Red
Charakteristik: linear
Hubweg: 3,7 mm
Position des Signalpunktes: 1,9 mm
Widerstand am Signalpunkt: 45 g
Lebensdauer (Anschläge): 50 Mio.

Leise und scheinbar flach

Solchermaßen zum Schweigen gebrachte Taster bieten eine ideale Basis für eine leise mechanische Tastatur. Folgerichtig baut Cherry diese Eigenschaft mit weiteren Maßnahmen aus. Etwas flachere Tastenkappen mit reduziertem Volumen reduzieren die Geräuschentwicklung ebenso wie der höhere Gehäuserahmen und generieren einen dumpfen, unauffälligen Klang. Im Ergebnis ist die MX Board 5.0 eine der leisesten getesteten mechanischen Tastaturen und noch einmal schweigsamer als etwa Corsairs Strafe RGB (Test) mit gleicher Technik.

Cherry MX Board 5.0 (Cherry MX Silent)

Beide Maßnahmen erzeugen zudem in Verbindung mit dem verkürzten Hub die Illusion flacherer Taster, obwohl die numerischen Unterschiede gering bleiben. Flach wirkt die Tastatur, weil die Differenz zwischen Höhe der Handballen und Oberkante der Tasten um vier Millimeter verringert wird, nicht weil die Taster oder Kappen flacher werden. Im Endeffekt erscheint das aber irrelevant, weil nicht der Weg zum Ziel, sondern das Ergebnis zählt.

Ein gelungenes Gerät für Eingaben

Geringe Lautstärke und „flache“ Bauweise machen die MX Board 5.0 in Zusammenspiel mit der Handballenauflage zu einem gelungenen „Eingabe“-Gerät. Dafür sind tatsächlich der Einsatz aller drei Faktoren ausschlaggebend: Durch das vorne höhere Gehäuse war die Handballenauflage für Schreibkomfort während des Tests mit kleineren Händen durchaus nötig. Dem Komfort zuwider läuft lediglich das nicht gänzlich ideale Layout: Die Lauststärkeregelung lässt sich nicht einhändig erreichen, was beim Schreiben irrelevant, beim Spielen jedoch lästig ist.

Die gummierte Oberfläche der Auflage liefert zudem guten Halt, benötigte aber zwei bis drei Tage Zeit, bis ein Zustand geruchlicher Neutralisierung erreicht war. Die Tiefe von neun Zentimetern ist dabei ebenso am Nutzer orientiert wie die zusätzliche Breite. Dieser Raumgewinn erlaubt es, die Hände stärker anzustellen ohne zumindest gefühlt von der Ablage zu fallen.

Acht verschiedene Positionen bedeuten jedoch praktisch nicht die vom Hersteller suggerierten acht Wahlmöglichkeiten. Beim Herumprobieren wird schnell ersichtlich, dass von insgesamt acht möglichen Konfigurationen nicht jede Gewinn verspricht. Nur die mittigen Füße aufzustellen bringt das Eingabegerät etwa in ein dreieckiges Profil, das zum Schreiben oder Spielen denkbar ungeeignet ist.

Eine waagerechte Ebene für die Handballen zu erzeugen und die Arme schweben zu lassen, erscheint hingegen sinnvoll, weil es den Winkel der Gelenke reduziert und eine natürlichere Haltung befördert. Zwischen Marketing und Alltag stellt sich damit tatsächlich ein Gewinn für den Anwender ein.

Fazit

Die Vorzüge der MX Board 5.0 erschließen sich erst beim „Hands On“: Dann hinterlässt die äußerlich so unscheinbar bleibende Tastatur einen bleibend positiven Endruck an den Fingern. Die Kombination leiser Taster, gehobener Handposition und großer, vielfältig einstellbarer Handballenauflage überzeugt voll – die MX Board 5.0 ist eines der bequemsten Eingabgeräte, die ComputerBase bislang getestet hat.

Sinnvoll nutzbare, mechanische Zusatztasten erhöhen den Alltagskomfort weiter. Einziger Makel des Layouts bleibt die nicht einhändig erreichbare Lautstärkesteuerung – ein Umstand, dem mangels Software nicht abgeholfen werden kann. Derlei nagt wie die hakeligen Stellfüße und die ungeregelten Status-LEDs aber nur wenig an einem positiven Gesamteindruck.

Überzeugend, nicht empfehlenswert

Das Gesamtpaket ist eine gelungene Plug -&-Play-Tastatur. Mit der Orientierung auf Komfort statt prolligem Disco-Look einfach ein gutes Eingabegerät herzustellen klappt. Das Vorhaben gebiert so ein Produkt, das auf seinem Feld wenig Konkurrenz hat und deshalb kaum fürchten muss. Cherry kann Tastaturen – aber trotz günstiger Umstände dennoch keine Kaufempfehlung abstauben. Die Rolle des Schurken in diesem Stück nimmt ausgerechnet Konkurrenz aus eigenem Hause ein.

Cherry MX Board 5.0 im Test

Dieser überraschende Befund hat einen einfachen Grund: Die insgesamt besser ausgestattete MX Board 6.0 (Test) wird gegenwärtig für rund 140 Euro angeboten, die nominell kleinere Variante kostet derzeit 160 Euro. Insofern lässt sich das Fazit kurzfassen: Wenn das Zusammenspiel aus MX Silent, Stellfüßen und hochgezogener Bauform keine unüberwindbare Anziehungskraft entwickelt, erscheinen der Griff zur günstigeren Luxus-Tastatur in der gegenwärtigen Situation oder aber Abwarten als bester Kurs.

Ist eine (große) Handballenauflage nicht relevant, bieten sich Tastaturen wie Cooler Masters MasterKeys Pro L, die Corsair K70 RGB LUX, die Logitech G810 (Test) oder die ebenfalls mit MX Silent erhältliche, aber etwas lautere Corsair Strafe RGB (Test) als Alternativen an.

Cherry MX Board 5.0
Produktgruppe Tastaturen, 11.09.2017
  • Gehäuse
    +
  • Tasten & Beschriftung
    +
  • Layout
    +
  • Ausstattung & Extras
    O
  • Software
    n/a
  • sinnvoll genutzte und platzierte Zusatztasten
  • bequeme Handballenauflage
  • leises Betriebsgeräusch
  • Geschwindigkeitsregelung für LED-Effekte
  • Lautstärketasten nicht einhändig erreichbar
  • Helligkeit der Status-LEDs ungeregelt
  • Hakelige Stellfüße

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