10 Jahre: But can it run Crysis?

Jan-Frederik Timm et al. 298 Kommentare
10 Jahre: But can it run Crysis?

tl;dr: Heute vor zehn Jahren erschien Crysis in Deutschland. Die Grafik, die der Titel aus deutscher Feder auf den Bildschirm zauberte, war atemberaubend, die Hardware-Anforderungen waren es auch. „But can it run Crysis?“ wurde zum geflügelten Wort. Benchmarks zum Jubiläum zeigen: auch aktuelle Gaming-PCs schwitzen noch.

Den PC für Crysis gab es nicht

Dass Crysis (Test) vom deutschen Studio Crytek einen sehr starken PC benötigen würde, stand im Jahr 2007 schon lange vor der Veröffentlichung fest. Die kurz vor Markteinführung veröffentlichte Demo räumte dann allerdings letzte Zweifel aus und zeigte: Far Cry, drei Jahre zuvor das erste Spiel mit CryEngine, war kein Vergleich.

Crysis war ursprünglich noch fordernder geplant

Dabei hatte Crytek das ursprünglich geplante Grafik-Preset „Extrem“ sogar noch kurzfristig gestrichen, weil kein System in der Lage gewesen wäre, das Spiel auch nur im Ansatz vernünftig wiederzugeben. Aber auch das neue Maximum „Sehr hoch“ war selbst für die schnellsten Grafikkarten dieser Zeit noch zu viel des Guten.

Mit einer GeForce 8800 GTS geht bei 1.600 x 1.200 AA wohl nicht mal niedrige Details flüssig. 2 * 8800 GTX und Dual/Quad > 3 GHz sollte für „Hoch“ reichen. „Extrem“ ist eher als Diashow für fantastische Bilder zu sehen.

Beitrag eines Lesers vor 10 Jahren

In der damals sehr hohen Auflösung von 1.680 × 1.050 Pixel sanken die durchschnittlichen FPS unter Verwendung der absoluten High-End-Grafikkarte GeForce 8800 Ultra (Test) von 31 auf nur noch 16 FPS. Die per manuellem Eingriff weiterhin nutzbaren extremen Details ließen die FPS dann endgültig in den einstelligen Bereich abfallen.

Crysis auf aktuellen GPUs im Test

Und heute? ComputerBase hat aktuelle Grafikkarten und ausgewählte ältere Modelle erneut in Crysis getestet und festgestellt: Nur absolute High-End-Grafikkarten stemmen mittlerweile die höchsten Qualitätseinstellungen auch in Ultra HD. In Full HD sieht es entspannter aus, und viele GPUs könnten sogar noch schneller sein, werden aber von der CPU gebremst. Und wer mehr als vier Kerne einsetzt, der bekommt eventuell sogar Probleme, wie Broadwell-E im Test zeigt.

Benchmarks mit der Szene zum Staunen

Die nachfolgenden Benchmarks wurden nicht mit dem integrierten Benchmark, sondern der Spielsequenz mit dem ersten großen Aha-Effekt im Spiel erstellt: Dem nach gut zehn Minuten im Einzelspielermodus anstehenden Abstieg vom Bergkamm in eine vom Sonnenaufgang malerisch beleuchtete Bucht. Die Sequenz ist 25 Sekunden lang, startet auf dem Kamm und endet an der Brandung.

Der weite Blick über die Bucht mit ihren steil aufragenden und dicht bewaldeten Bergen wird vielen Spielern von damals noch in Erinnerung sein, ergoss sich die ganze Pracht der Inselwelt nach einem Auftakt in dunkler Nacht in diesem Moment doch erstmals mit aller Macht über den Spieler.

Die nachfolgenden Benchmarks wurden auf einem nicht übertakteten Core i7-7700K mit 16 GB DDR4-2400, aktuellem Windows 10 und aktuellsten Treibern durchgeführt. Zwei Einstellungen wurden gewählt: Full HD mit MSAA 4 x sowie Ultra HD ohne MSAA, jeweils im Preset „Sehr hoch“ (inkl. Objektqualität auf „Sehr hoch“).

Abstürze und DRM haben mehr Benchmarks verhindert

ComputerBase hätte gerne noch viel mehr aktuelle und ältere Grafikkarten getestet, das Einschreiten des Kopierschutzes bei Origin (zu viele unterschiedliche PC-Konfigurationen) und im späteren Verlauf anhaltende Abstürze (Steam, GoG) beim Programmstart haben diesem Vorhaben allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht.

But can it run Crysis today?

Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: In Ultra HD ist das Preset „Sehr hoch“ auch ohne Kantenglättung selbst zehn Jahre nach Veröffentlichung für die meisten aktuellen Grafikkarten noch zu fordernd. Nur GeForce GTX 1080 und GeForce GTX 1080 Ti erreichen über 60 FPS, die Radeon RX Vega 64 scheitert knapp daran, ihr schmeckt der Titel im GPU-Limit weniger. Die GeForce GTX 1050 als aktuell zweitkleinste Grafikkarte mit Pascal ist deutlich zu langsam. Insgesamt ist das Leistungsniveau im Vergleich zu aktuellen Titeln wie Wolfenstein 2 (Technik-Test) oder auch Assassin's Creed Origins (Technik-Test) erschreckend gering.

Crysis (Ultra HD, Sehr Hoch, kein MSAA)
Angaben in Frames
    • GeForce GTX 1080 Ti
      80,8
    • GeForce GTX 1080
      64,7
    • Radeon RX Vega 64
      56,0
    • GeForce GTX 980 Ti
      52,2
    • GeForce GTX 1060 (6 GB)
      38,3
    • Radeon RX 580
      35,6
    • GeForce GTX 770
      27,6
    • GeForce GTX 1050 (2 GB)
      21,0
    • Radeon RX 460 (2 GB)
      16,0

But can it run Crysis today? In Ultra HD mit den ohne Eingriff maximal möglichen Details lautet die Antwort: „Nur aktuelle High-End-GPUs!“

In Full HD sind heute auch Einstiegsgrafikkarten schnell genug

Ein anderes Bild ergibt sich bei Verwendung desselben Presets und unter Hinzuschalten von MSAA 4 x unter Full HD: Die FPS steigen hier mit allen GPUs zum Teil deutlich an. Auch aktuelle Einstiegsgrafikkarten sind heute schnell genug.

Crysis (Full HD, Sehr Hoch, MSAA 4x)
Angaben in Frames
    • GeForce GTX 980 Ti
      93,7
    • GeForce GTX 1060 (6 GB)
      92,0
    • GeForce GTX 1080 Ti
      91,0
    • GeForce GTX 1080
      89,9
    • Radeon RX Vega 64
      82,0
    • Radeon RX 580
      81,2
    • GeForce GTX 770
      72,6
    • GeForce GTX 1050 (2 GB)
      62,3
    • Radeon RX 460 (2 GB)
      45,7

Die unter Ultra HD stärksten Modelle profitieren dabei überraschend wenig vom Wechsel auf Full HD, offensichtlich limitiert ab einer gewissen Leistungsfähigkeit die CPU. So erreicht die GeForce GTX 1080 Ti nur 11 FPS mehr als unter Ultra HD, der MSI Afterburner bescheinigt eine Auslastung von nur 50 Prozent. Dass die ältere GeForce GTX 980 Ti oder die schwächere GeForce GTX 1060 sogar vor dem Flaggschiff mit Pascal liegt, ist vor diesem Hintergrund eher der Messungenauigkeit in der dynamischen Testszene als der Technik zuzuschreiben.

Das CPU-Limit zeigt sich auch im Vergleich von Radeon RX Vega 64 und Radeon RX 580, die mit diesen Einstellungen in dieser Szene fast gleichauf liegen. Erst weniger starke GPUs lösen diese Bremse, indem sie selbst den Flaschenhals bilden.

Viele CPU-Kerne machen Probleme

Zu Beginn der Arbeiten an diesem Test hatte ComputerBase auf das bekannte Grafikkarten-Testsystem mit Core i7-6850K gesetzt. Die CPU auf Basis von Broadwell-E bietet sechs Kerne und zwölf Threads, während der im Anschluss genutzt Core i7-7700K vier Kerne und acht Threads besitzt.

Die mit dem ersten System erzielten Ergebnisse waren allerdings derart schlecht und vor allem kaum vom Wechsel der GPU beeinflusst, dass der Wechsel auf das andere System erfolgte. Der Vergleich der Werte unter Full HD zeigt, dass das CPU-Limit auf dem Sechskern-Prozessor noch viel früher zum Zuge kam, als auf dem Vierkern-Modell. Auch in diesem Fall machten anhaltende Stabilitätsprobleme tiefgründigere Analysen unmöglich, aber ein Testlauf mit dem Medion Akoya P56000 (Test) und dessen Ergebnis von 44,6 FPS verdeutlicht, dass auch Ryzen 5 mit sechs Kernen bremst.

Crysis (Full HD, Sehr Hoch, MSAA 4x)
Angaben in Frames
  • Mit Core i7-6850K (6C/12T):
    • GeForce GTX 1080
      58,0
    • GeForce GTX 1060 (6 GB)
      55,1
    • Radeon RX Vega 64
      52,7
  • Mit Core i7-7700K (4C/8T):
    • GeForce GTX 1060 (6 GB)
      92,0
    • GeForce GTX 1080
      89,9
    • Radeon RX Vega 64
      82,0

Vor zehn Jahren waren die schnellsten CPUs gerade von zwei auf vier Kerne gewechselt, Crysis selbst bewarb zum Start Intels Core-2-Extreme-Serie auf Basis von Kentsfield (Test).

Spielstart: Werbung für die ersten Quad-Core-CPUs von Intel
Spielstart: Werbung für die ersten Quad-Core-CPUs von Intel

Fazit

Crysis sah vor zehn Jahren nicht nur atemberaubend aus und brauchte deshalb sehr schnelle Hardware, es war auch nicht sonderlich effizient programmiert. Das zeigen Benchmarks mit aktuellen GPUs, die der Titel in hohen Auflösungen immer noch an die Belastungsgrenze treibt, ohne hohe FPS zu liefern. Immerhin entscheidet in Ultra HD und dem Preset „Sehr hoch“ die Grafikkarte, wie schnell Crysis läuft. In Full HD wird hingegen auch ein aktueller Core i7-7700K auf High-End-GPUs zur Bremse. Und mehr als vier Kerne und acht Threads brachten den Titel im Test auf einem Broadwell-E-System noch schneller ins CPU-Limit.

Nichtsdestoweniger ist die Leistung zehn Jahre alter PCs mit der heutiger Rechner nicht mehr zu vergleichen. Wo anno 2007 eine GeForce 8800 Ultra nur noch um die 15 FPS lieferte, erreicht ein Einstiegsmodell vom Typ Radeon RX 560 mit 2 GB heute in etwa die dreifache Leistung. Mit hohen Details und in hoher Auflösung sieht Crysis zudem auch heute noch nicht nach einem Titel aus, der bereits im Jahr 2007 das Licht der Welt erblickt hat.

Crysis gibt es noch heute zu kaufen. Bei GoG ohne DRM kostet es rund 18 Euro, bei Steam mit DRM sind es 15 Euro. Wer Origin Access abonniert hat, kann auf den Titel ohne Aufpreis zugreifen. Dass er auf jedem aktuellen PC läuft, kann nach den Erfahrungen der Redaktion aber nicht mit Sicherheit vorausgesetzt werden.

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