Toshiba TR200 SSD im Test: Kein DRAM ist auch keine Lösung 3/4

Michael Günsch 56 Kommentare

Benchmarks

Erläuterungen und Einzelheiten zu dem Testsystem, der Testmethodik und den genutzten Benchmarks enthält der Artikel „So testet ComputerBase SSDs“.

Hinweis zu den Diagrammen: Ein Großteil lässt sich über die orangenen Pfeile am Kopf durchschalten. Zur Übersichtlichkeit ausgeblendete Elemente lassen sich über die Schaltfläche „+ xx Einträge“ je nach Belieben hinzufügen.

Iometer

516 MB/s beim sequenziellen Lesen sind für eine aktuelle SATA-SSD relativ wenig, bewegen sich viele doch bereits nahe am SATA-Limit von rund 560 MB/s. Ist dieses Resultat für ein Einstiegsmodell noch vertretbar, erweist sich das sequenzielle Schreiben als Achillesferse: Im Schnitt 138 MB/s bedeuten, dass so manche HDD schneller ist. Immerhin wird noch die Crucial BX200 geschlagen. Die OCZ Vector 180 (Test) ist mehr als dreimal so schnell, Crucial BX300 (Test) und Samsung 850 Evo (Test) schaffen mehr als 500 MB/s.

Bei Iometer kam es zu kleinen Aussetzern, die eine unvollständige Protokollierung zur Folge hatten. Letztlich gelang eine nahezu vollständige Messung, doch fehlten reproduzierbar die letzten 10 Sekunden, was den kürzeren Graphen bei der TR200 im Diagramm erklärt.

Dennoch wird der SLC-Cache sichtbar: 17 Sekunden lang wird mit im Schnitt 430 MB/s geschrieben. Danach geht es runter auf Werte unter 150 MB/s, kurzzeitig fiel die Schreibrate auf 7 MB/s ab. Die Messung lässt vermuten, dass der SLC-Cache der TR200 etwa 7 GByte groß ist. Übersteigen Transfers diese Größe, sinkt die Schreibleistung drastisch.

AS SSD

Im ungenutzten und leeren „Neuzustand“ erreicht die TR200 für ihre Klasse ordentliche Werte im AS SSD Benchmark. Doch testet ComputerBase die SSDs nicht unter diesen Idealbedingungen, sondern praxisnah nach simulierter Nutzung (Pre-Conditioning) und mit installiertem Betriebssystem plus Programmen. In diesem „Normalzustand“ verlieren SSDs in der Regel gegenüber dem Neuzustand kaum an Leistung, bei der TR200 war dies anders. So werden lesend und schreibend im Durchschnitt nur noch 406 MB/s und 362 MB/s erreicht. Im Neuzustand waren noch 516 MB/s und 470 MB/s möglich. Mehr Details zur Leistungsentwicklung liefert der Abschnitt Neuzustand und Leistungsabfall.

Weitere Resultate bedürfen einer Erklärung. Denn die sehr guten 47 MB/s bei wahlfreiem Lesen (4K Random Read) sind zwar ein neuer Spitzenwert im Feld der getesteten SATA-SSDs, doch ist der Wettkampf nicht ganz fair. Bekanntlich sind Phison-Controller bei komprimierbaren Daten schneller unterwegs. Der AS SSD Benchmark galt lange als Synonym für nicht komprimierbare und somit praxisnahe Daten, doch ist inzwischen klar, dass sich auch die Testdaten in den 4K-Tests von AS SSD zumindest zu 30 Prozent komprimieren lassen. Die genauen Hintergründe wurden im Test der PCIe-SSD Corsair Force MP500, die ebenso einen Phison-Controller besitzt, erläutert.

Toshiba TR200 im CrystalDiskMark mit Zufallsdaten (Standardeinstellung)
Toshiba TR200 im CrystalDiskMark mit Zufallsdaten (Standardeinstellung)
Toshiba TR200 im CrystalDiskMark mit komprimierbaren Daten (Einstellung „0 Fill“)
Toshiba TR200 im CrystalDiskMark mit komprimierbaren Daten (Einstellung „0 Fill“)

Nur dadurch ist die TR200 hier schneller als die Konkurrenz. Im CrystalDiskMark in der Standardeinstellung mit nachweislich nicht komprimierbaren Daten erreicht die TR200 dagegen nur durchschnittliche 37 MB/s bei 4K Random Read. Mit vollständig komprimierbaren Nulldaten sind dagegen sogar 144 MB/s möglich. Dies hat mit dem Datenaufkommen in der Praxis aber nichts mehr zu tun.

Vorerst keine Erklärung hat die Redaktion für die utopischen Werte beim 4K-Schreiben mit 64 Threads. Klar ist, dass eine SATA-SSD durch die Schnittstelle auf rund 560 MB/s limitiert ist. In diesem Testabschnitt sind sogar Werte unter 300 MB/s für SATA-SSDs die Regel. Die Toshiba TR200 erreicht jedoch reproduzierbar Resultate von weitaus mehr als 600 MB/s, zum Teil wurden sogar über 1.000 MB/s angezeigt, was sonst nur schnelle PCIe-SSDs erreichen. Die Vermutung liegt nahe, dass hier nicht nur die SSD-Leistung, sondern auch der RAM des Systems getestet wird. Bemerkenswert ist, dass dieses „Caching“ aber nur bei Verwendung der TR200 als Systemlaufwerk auftrat. Als leerer Sekundärdatenträger erreichte die TR200 im Schnitt 313 MB/s.

TR200: Ein typisches Resultat für den „Neuzustand“
TR200: Ein typisches Resultat für den „Neuzustand“
TR200: Ein typisches Resultat für den „Normalzustand“
TR200: Ein typisches Resultat für den „Normalzustand“
TR200: Ein typisches Resultat für „Stark genutzt“
TR200: Ein typisches Resultat für „Stark genutzt“

PCMark 8

Mit der zweitniedrigsten Durchsatzrate aller im Rahmen des aktuellen Testparcours getesteten SSDs bedarf es keiner weiteren Erläuterung. Im PCMark 8 gehört die Toshiba TR200 zu den langsamsten SSDs.

Praxistests

Programmstart & Installation

Nicht spürbar und nur marginal langsamer als bei Mainstream-SSDs verlief der Programmstart auf der TR200. Für ein Produkt der günstigen Einstiegsklasse ist dies in Ordnung. Schon deutlichere Unterschiede waren bei der Installation festzustellen, die zehn Prozent langsamer als bei der SATA-Referenz verlief. Bei einer Messung gab es allerdings einen der zuvor beschriebenen Aussetzer, durch den sich das Durchschnittsergebnis von 6,7 auf 9,8 Sekunden erhöhen würde. Da dieser nur einmalig auftrat, wurde er nicht für die Wertung berücksichtigt.

Entpacken & Kopieren

Erneut am unteren Ende der Leistungsskala findet sich die TR200 beim Entpacken und Kopieren wieder. Wofür die TR200 rund 24 und 82 Sekunden benötigt, braucht das einstige Schwestermodell Vector 180 nur 19 und 52 Sekunden. Die von Toshiba selbst als Gegenspieler auserkorene SanDisk Ultra Plus (Test) kann nicht geschlagen werden und ist beim Kopieren sogar fast 20 Prozent schneller.

Ratings

Leistungsaufnahme

Nach all der Kritik gibt es eine Disziplin, wo die Toshiba TR200 glänzen kann: beim Stromverbrauch. Die Leistungsaufnahme ist mit rund 280 Milliwatt im Leerlauf bereits sehr gering und reduziert sich beim Einsatz des „Link Power Management“ (LPM), das durch den Energiesparplan „Energie sparen“ unter Windows aktiv wird, nochmals drastisch. Weniger als 5 Milliwatt sind ein absoluter Spitzenwert, den die bisher sparsamsten SSDs mit ihren 20 Milliwatt nicht annähernd erreichen. Die Leistungsaufnahme ist so niedrig, dass das Messgerät an seine Grenzen stieß. Hier zahlen sich der Verzicht auf DRAM sowie der Einsatz eines leistungsschwachen, aber sparsamen Controllers aus.

Auch im aktiven Betrieb ist die TR200 meist sparsamer als alle Kontrahenten. Hier gilt es aber zu berücksichtigen, dass die niedrige Leistungsaufnahme mit niedriger Leistung einhergeht.

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