Radeon RX Vega 56 Nitro+ im Test: Sapphires 1,6-kg-Grafikkarte überzeugt auf ganzer Linie

Wolfgang Andermahr 559 Kommentare
Radeon RX Vega 56 Nitro+ im Test: Sapphires 1,6-kg-Grafikkarte überzeugt auf ganzer Linie

tl;dr: Die Grafikkarte Sapphire Radeon RX Vega 56 Nitro+ ist ein Monster geworden. Der drei Slot breite neue Kühler, drei 8-Pin-PCIe-Stromstecker und die RGB-LED-Beleuchtung sollen Kunden von diesem Modell überzeugen. Im Test geht Sapphires Rechnung auf, aber die Preisfrage bleibt auch in diesem Fall präsent.

Die Sapphire Radeon RX Vega 56 Nitro+ im Test

Es hat zwar etwas länger als bei der Konkurrenz gedauert, aber nun sind sie offiziell: Die Vega-Partnerkarten des exklusiv mit AMD verbündeten Herstellers Sapphire. Die Erwartungen sind nach der zuletzt sehr guten Radeon RX 580 Nitro+ (Test) und der flüsterleisen Radeon R9 Fury Tri-X OC (Test) sehr hoch. Und mit Superlativen will Sapphire sowohl bei der hier getesteten Radeon RX Vega 56 Nitro+ als auch dem größeren Modell diese Erwartungen erfüllen.

So hat der Triple-Slot-Kühler nicht nur gigantische Ausmaße, auch das Gewicht ist sehr hoch, was auf große Radiatoren mit viel Oberfläche hindeutet. Es gibt auch gleich drei 8-Pin-Stromanschlüsse, erstmals für den Hersteller eine konfigurierbare RGB-Beleuchtung, eine überarbeitete Stromversorgung und zwei verschiedene BIOS-Versionen.

Der aktuelle Plan: Nach Weihnachten verfügbar

Vorgestellt bedeutet allerdings nicht verfügbar: Wer die Sapphire Radeon RX Vega 56 Nitro+ kaufen möchte, muss sich auch in diesem Fall noch etwas gedulden. Nach aktuellem Stand soll es die Grafikkarte erst nach Weihnachten für eine UVP von 579 Euro in den Handel schaffen – die PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil kostet 20 Euro weniger.

Darüber hinaus wird es auch eine Sapphire Radeon RX Vega 64 Nitro+ geben, die sich ComputerBase später im Duell gegen die Asus Radeon RX Vega 64 Strix und die PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil ansehen wird.

Der Kühler und das PCB des blauen Monsters

Der Kühler der Sapphire Radeon RX Vega 56 Nitro+ hat es in sich: Gleich drei Slots in der Breite, einer Länge von 31 Zentimetern und einer Höhe von 13 Zentimetern gehört er zu den größten und mächtigsten, die je eine Grafikkarte gesehen hat. Es gibt einen die gesamte Karte überragenden Aluminium-Kühlkörper, eine Vapor-Chamber direkt über der GPU, drei acht Millimeter und drei sechs Millimeter breite Heatpipes für den GPU-Kühler sowie noch zwei Sechs-Millimeter-Heatpipes für die Spannungsversorgung. Hinzu kommt eine Backplate. Das Gewicht der Grafikkarte beträgt hohe 1,6 Kilogramm, weswegen Sapphire auch eine optional verwendbare Halterung mit in den Karton gelegt hat.

Auch bei den Lüftern wird es interessant. Die zwei außenstehenden Axial-Lüfter haben einen Durchmesser von 95 Millimeter, während der mittlere mit 85 Millimeter kleiner ist. Und während der Mittlere sich im Uhrzeigersinn dreht, drehen die zwei äußeren gegen den Uhrzeigersinn. Dadurch soll die erhitzte Luft schneller in alle Richtungen abtransportiert werden können. Die Maximaldrehzahl der Lüfter beträgt etwa 3.200 Umdrehungen in der Minute. Die Anlaufdrehzahl liegt bei 1.100 Umdrehungen pro Minute, sodass die Lüfter hörbar starten. Die Lüfter lassen sich einfach wechseln. Bei einem Defekt innerhalb der Garantiezeit sendet Sapphire ein neues separates Exemplar zu, das der Kunde einfach austauschen kann.

Zwei PWM-Lüfter können von der Grafikkarte gesteuert werden

Apropos Lüfter: An der Grafikkarte lassen sich zwei weitere PWM-Lüfter anschließen, die dann vom 3D-Beschleuniger gesteuert werden. Sie richten sich nach fünf verschiedenen Temperatursensoren, die auf dem PCB abgebracht sind. Orientierungspunkt ist damit die Grafikkarte und nicht wie bei Mainboard-Lüftersteuerungen in der Regel die CPU. Die Funktion hört bei Sapphire auf den Namen „Turbine-X“ und ist von Asus-Grafikkarten bereits länger bekannt.

Das PCB ist beinahe genauso lang wie das Kühlsystem. Die Stromversorgung hat Sapphire gegenüber dem Referenzdesign umgebaut und erweitert. Es handelt sich um ein 14-Phasen-Design. Gleich drei Acht-Pin-Stromstecker müssen bestückt werden, ansonsten startet die Hardware nicht. Maximal könnte sie damit spezifikationskonform 525 Watt aufnehmen.

Zwei BIOS-Versionen und die Taktraten

Sapphire stattet die Radeon RX Vega 56 Nitro+ mit zwei verschiedenen BIOS-Versionen aus. Standardmäßig ist das „Nitro-Boost“-BIOS aktiv. Bei diesem liegt der Base-Takt bei 1.305 MHz und der durchschnittliche Turbo bei 1.572 MHz (der höchste DPM-State beträgt 1.592 MHz). Das Referenzdesign sieht 1.156 MHz und 1.471 MHz vor, also 12 respektive 6 Prozent weniger. Der acht Gigabyte große HBM2-Speicher wird mit den gewöhnlichen 800 MHz angesteuert. Die Vega-10-GPU darf maximal 240 Watt aufnehmen (Referenz: 165 Watt). Die Ziel-Temperatur der Lüftersteuerung beträgt 70 Grad Celsius. Ab einer GPU-Temperatur von 55 Grad fangen die Lüfter an zu drehen und unter 50 Grad Celsius stoppen sie.

Das alternative BIOS hört auf die Bezeichnung „Efficiency“. Bei diesem liegt der Basis-Takt bei geringeren 1.176 MHz und der Turbo bei 1.471 MHz. Damit sind die Frequenzen fast identisch zu den Referenzvorgaben. Jedoch sind die Angaben der Hersteller ohnehin nur Schall und Rauch. So stehen im WattMan dieselben Frequenzen bei allen DPM-States wie beim Nitro+-Boost-BIOS. Auch auf der Sapphire-Grafikkarte wird wie bei allen Vega-Modellen der Takt ausschließlich durch die ASIC-Power geregelt. Diese beträgt beim Efficiency-BIOS 180 Watt. Die restlichen Eigenschaften wie Ziel-Temperatur sowie das Lüfterverhalten bei geringen Temperaturen sind identisch.

BIOS-Versionen der Sapphire Radeon RX Vega 56 Nitro+
Nitro-Boost-BIOS (Standard) Efficiency-BIOS (Alternativ)
Basistakt 1.305 MHz 1.176 MHz
Typischer Boost 1.572 MHz 1.471 MHz
Maximale GPU-Leistungsaufnahme 240 Watt 180 Watt
Ziel-Temperatur 70 °C 70 °C
Maximale Lüfterdrehzahl 2.400 Umdrehungen 2.400 Umdrehungen
Lüfter aus unter Windows Ja Ja

Zwei Mal BIOS mal drei Mal Software

Pro BIOS gibt es darüber hinaus noch zwei weitere Einstellungen neben dem Standard (Balanced), die im Adrenalin-Treibermenü aktiviert werden können. So gibt es bei allen drei BIOS-Versionen noch einen Power-Save-Modus, der das Power Target und damit die maximale ASIC-Power um 10 Prozent reduziert. Im Turbo-Modus wird das Power Target dagegen um 15 Prozent erhöht. Alternativ können sämtliche Detaileinstellungen wie auch die Taktraten im WattMan-Tool manuell vorgenommen werden. Spieler können also aus sechs verschiedenen Einstellungen wählen. Bei der Referenz von AMD sind es ebenfalls zwei mal drei.

Anschlüsse, Beleuchtung, Eckdaten

Eine Premiere für Sapphire ist der Einsatz einer konfigurierbaren RGB-Beleuchtung. Diese umfasst die zwei äußeren Lüfter, den Sapphire-Schriftzug an der Seite und das Nitro-Logo auf der Rückseite. Im Auslieferungszustand leuchten die Elemente Blau. Mit der hauseigenen Trixx-Software lässt sich eine Farbe nach Wahl einstellen oder ein Regenbogeneffekt aktivieren. Alternativ sind auch verschiedene Farben je nach PCB-Temperatur oder Lüftersteuerung möglich. Die Helligkeit der Beleuchtung lässt sich auf 75 oder 50 Prozent reduzieren. Abschalten lässt sich die Beleuchtung in dem Tool auch.

Die Sapphire Radeon RX Vega 56 Nitro+ bietet zwei DisplayPort- und zwei HDMI-Ausgänge für den Betrieb an mehreren Monitor an. Durch die zwei HDMI-Ausgänge soll der Anschluss einer VR-Brille erleichtert werden. Auch hier zeigen sich Parallelen zu Asus.

Radeon RX Vega 56 im Vergleich
Merkmal AMD-Referenz Sapphire Nitro+
Karte PCB-Design AMD Sapphire
Länge, Breite 27 cm, 11,0 cm 31,0 cm, 13,0 cm
Stromversorgung 2 × 8 Pin 3 × 8 Pin
Kühler Design Referenzkühler, 2 Slot Nitro+, 3,0 Slot
Kühlkörper Alu-Radiator, Vapor-Chamber 8 Heatpipes, Alu-Radiator, Vapor-Chamber
Lüfter 1 × 75 mm (radial) 2 × 95 mm (axial)
1 × 85 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Nein Ja
Takt
GPU-Idle 27 MHz 27 MHz
GPU-Maximum 1.640 MHz 1.650 MHz
Speicher 800 MHz (167 MHz) 800 MHz (167 MHz)
Power Limit (GPU) 165 Watt (Standard-BIOS)
150 Watt (Zweites BIOS)
240 Watt (Standard-BIOS)
180 Watt (Zweites BIOS)
Speichergröße 8.192 MB HBM2 8.192 MB HBM2
Anschlüsse 1 × HDMI 2.0b
3 × DisplayPort 1.4
2 × HDMI 2.0b
2 × DisplayPort 1.4

Garantie

Sapphire gibt auf Grafikkarten grundsätzlich drei Jahre Garantie ab Kaufdatum, die Abwicklung findet über den Händler oder alternativ den Hersteller statt. Letzteres gilt jedoch nur, wenn der Händler die RMA verweigert. Zuerst sollte also der Weg über den Verkäufer gegangen werden.

Hersteller Zeitraum Optional verlängerbar Abwicklung
Sapphire 3 Jahre - Händler oder Hersteller

Details zu den Garantiebedingungen enthält der Artikel Grafikkarten: Garantiebedingungen von Abwicklung bis Kühlerwechsel.

Auf der nächsten Seite: Testergebnisse