Radeon RX Vega 64 Red Devil im Test: PowerColors Kühler bringt Vega zum Schweigen

Wolfgang Andermahr 308 Kommentare
Radeon RX Vega 64 Red Devil im Test: PowerColors Kühler bringt Vega zum Schweigen

tl;dr: Mit der PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil ist ab Freitag das erste Custom Design von AMDs Topmodell im Handel erhältlich. Auch diese Variante ist im Test ab Werk zwar kaum schneller als die Referenz und weiterhin recht laut. Der Wechsel auf das Silent-BIOS lässt den 3-Slot-Kühler aber auftrumpfen.

Die PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil im Test

Update 04.12.2017 10:47 Uhr

Die von PowerColor zum Verkaufsstart am 1. Dezember für Deutschland vorgesehene Stückzahl war in der Tat gering. Mindfactory, vorerst exklusiver Anbieter der PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil in Deutschland, hatte im Rahmen der Vorbestellungsphase laut Angabe auf der Webseite gut 40 Stück verkauft und den Verkauf daraufhin am vergangenen Donnerstag vorerst eingestellt.

Mittlerweile kann das Modell zum unveränderten Preis von 559 Euro erneut erworben werden, „über 180“ Mal sollen Interessenten inklusive Vorbestellungen bis Montagvormittag davon Gebrauch gemacht haben. Wer aktuell bestellt, soll Ware allerdings erst aus einer Lieferung bekommen, die Mindfactory für den 29. Dezember 2017 erwartet.

Lange hat es gedauert, bis das erste Custom Design mit AMDs neuen Vega-GPUs im Handel erhältlich ist. Am Freitag ist es jetzt soweit. Nach einem ersten Ausblick mit einer bis heute noch nicht verfügbaren Asus Radeon RX Vega 64 Strix (Test) ist es allerdings die PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil, die AMDs Radeon RX Vega 64 erstmals abseits der Referenzdesigns gegen Custom Designs der GeForce GTX 1080 antreten lässt.

3-Slot-Kühler, mehr Power und 3-Wege-BIOS

Um besser als AMDs Lösung zu sein, setzt PowerColor zum einen auf ein neues Kühlsystem, das gleich drei Slots belegt und entsprechend leistungsstark sowie leise sein soll. Ein höheres Power Target soll zum anderen gleichzeitig für höhere Taktraten sorgen. Darüber hinaus gibt es drei verschiedene BIOS-Versionen, die die Grafikkarte – je nach Wunsch – auf mehr Performance, einen kühleren oder einen leiseren Betrieb konfigurieren.

Es wird auch eine Radeon RX Vega 56 Red Devil geben

Die PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil soll ab Freitag – vermutlich aber zunächst nur in geringer Stückzahl – für einen Preis von 559 Euro im Handel verfügbar sein. Der Hersteller wird auch eine Radeon RX Vega 56 Red Devil in den Handel bringen. Sie erscheint später, vermutlich aber ebenfalls noch dieses Jahr.

Der Kühler und das PCB des roten Teufels

Der Kühler der PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil hat gewaltige Ausmaße: 3 Slot Dicke erstrecken sich über 30 Zentimeter Länge und 13,5 cm Breite. Unter der Abdeckung mit den drei Lüftern verbergen sich zwei größere Kühlkörper aus Aluminium. Die sind mit insgesamt sechs Heatpipes miteinander verbunden. Vier davon sind im Durchmesser sechs Millimeter und zwei acht Millimeter breit.

Für die nötige Frischluft sorgen drei im Durchmesser 85 Millimeter messende Axial-Lüfter, die mit maximal 3.800 Umdrehungen in der Minute arbeiten können – diese im Test aber nicht im Ansatz ausfahren werden.

Schmächtiger als der Kühler fällt das PCB aus. Das ist mit 27,5 Zentimeter ein Stück kürzer. Die Stromversorgung der Radeon RX Vega 64 Red Devil ist in der Basis dabei unverändert zur Referenzkarte geblieben. Sie ist laut PowerColor mit zwölf Phasen für die Vega-10-GPU und mit einer Phase für den acht Gigabyte großen HBM2-Speicher stark genug ausgelegt. Die zwei 8-PIN-PCIe-Anschlüsse hat PowerColor hingegen sehr ungünstig platziert. Vor allem bei 6+2-Pin-Kabeln ist die Montage teils eine Qual.

Drei BIOS-Versionen und die Taktraten

Die PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil kommt mit drei verschiedenen BIOS-Versionen daher, zwischen denen per Schalter an der Grafikkarte selbst gewechselt werden kann. Von Haus aus ist der OC-Modus aktiv. Alternativ gibt es noch einen Silent-Modus und – Achtung, Verwirrung – einen Standard-Modus, der aber nicht der Standard ist. In der Beschreibung zur Grafikkarte spricht PowerColor dann auch nicht von „Standard“ sondern von „Cool Mode“. Die Beschriftung auf der Grafikkarte ist offensichtlich falsch.

BIOS-Versionen der PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil
OC-BIOS (Standard) Standard-BIOS (Alternativ) Silent-BIOS (Alternativ)
Maximale GPU-Leistungsaufnahme 260 Watt 220 Watt 220 Watt
Ziel-Temperatur 70 °C 65 °C 80 °C
Maximale Lüfterdrehzahl 3.500 Umdrehungen 3.500 Umdrehungen 2.000 Umdrehungen
Lüfter aus unter Windows Nein
740 Umdrehungen
Nein
1.150 Umdrehungen
Ja
0 Umdrehungen

Die BIOS-Versionen haben Auswirkungen auf die Faktoren ASIC-Power (Stromverbrauch GPU), Ziel-Temperatur der Lüftersteuerung und maximale erlaubte Lüfterdrehzahl.

ASIC-Power, Ziel-Temperatur und Lüfterdrehzahl werden beeinflusst

PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil – BIOS-Schalter
PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil – BIOS-Schalter

Mit dem normalen OC-BIOS darf die GPU 260 Watt (Referenz: 220 Watt) aufnehmen. Die Ziel-Temperatur ist in dem Modus auf 70 Grad Celsius konfiguriert. Mit dem Standard-BIOS (beziehungsweise Cool Mode) ist die Leistungsaufnahme dagegen auf 220 Watt begrenzt. Die Ziel-Temperatur liegt bei geringen 65 Grad. Bei beiden Software-Versionen werden die Lüfter erst bei 3.500 Umdrehungen gebremst. Im Silent-Modus ist die GPU ebenso auf 220 Watt limitiert. Die Ziel-Temperatur liegt aber bei deutlich höheren 80 Grad Celsius und die Lüfter dürfen maximal mit 2.000 Umdrehungen in der Minute arbeiten.

Je nach BIOS verhält sich die Grafikkarte auch unterschiedlich bei den Lüfterdrehzahlen im Idle-Betrieb. Das mittlerweile gewohnte Abschalten aller Lüfter gibt es ausschließlich mit dem Silent-BIOS – eine fragwürdige Einschränkung. Mit dem normalen OC-BIOS agieren die Lüfter mit 1.150 Umdrehungen in der Minute, mit dem Standard-BIOS mit 740 Umdrehungen.

Drei Mal BIOS mal drei Mal Software

Pro BIOS gibt es darüber hinaus noch zwei weitere Einstellungen neben dem Standard (Balanced), die im Crimson-Treibermenü aktiviert werden können. So gibt es bei allen drei BIOS-Versionen noch einen Power-Save-Modus, der das Power Target und damit die maximale ASIC-Power um 25 Prozent reduziert. Im Turbo-Modus wird das Power Target dagegen um 15 Prozent erhöht. Alternativ können sämtliche Detaileinstellungen wie auch die Taktraten im WattMan-Tool manuell vorgenommen werden. Spieler können also aus neun verschiedenen Einstellungen wählen. Bei der Referenz von AMD sind es zwei mal drei.

Das Power-Target bestimmt den Takt

Apropos Taktraten: Die PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil hat einen Basis-Takt von 1.417 MHz und einen Turbo-Takt von 1.607 MHz (der höchste DPM-State geht bis 1.630 MHz). Der HBM2-Speicher arbeitet mit 945 MHz. Der Basis-Takt liegt damit höher als bei der Referenzkarte (1.247 MHz), dasselbe gilt für den – wenig aussagekräftigen – Turbo-Takt (1.546 MHz), während der höchste DPM-State in beiden Fällen gleich ist. Die PowerColor-Grafikkarte taktet maximal mit 1.678 MHz und damit rund 10 MHz höher als die Referenz.

Das ist jedoch nur ein theoretischer Wert wie überhaupt GPU-Taktraten auf einer Vega-Grafikkarte. Denn diese sind eigentlich ausschließlich vom gewählten Power Target abhängig. Und dieses ist auf der Radeon RX Vega 64 Red Devil mit dem OC-BIOS höher als auf dem Referenzmodell (260 Watt zu 220 Watt), sodass die PowerColor-Grafikkarte potenziell schneller ist.

Anschlüsse, Beleuchtung, Eckdaten

Die PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil bietet wie jede moderne High-End-Grafikkarte eine Beleuchtung, von RGB allerdings keine Spur: Das kleine Red-Devil-Logo auf der Grafikkarte ist rot beleuchtet. Wer das nicht möchte, kann die Beleuchtung per Switch auf dem PCB abschalten. Eine andere Farbe gibt es nicht.

PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil im Test
PowerColor Radeon RX Vega 64 Red Devil im Test

Wie das Referenzdesign verzichtet die Partnerkarte auf einen immer weniger wichtigen DVI-Anschluss. Moderne Monitore können dagegen mit zwei HDMI- und zwei DisplayPort-Anschlüssen angesteuert werden.

Radeon RX Vega 64 im Vergleich
Merkmal AMD-Referenz Asus Strix PowerColor Red Devil
Karte PCB-Design AMD Asus PowerColor
Länge, Breite 27 cm, 11,0 cm 30,0 cm, 13,0 cm 30,5 cm, 13,5 cm
Stromversorgung 2 × 8 Pin 2 × 8 Pin 2 × 8 Pin
Kühler Design Referenzkühler, 2 Slot DirectCU III, 2,5 Slot Red Devil, 3,0 Slot
Kühlkörper Alu-Radiator, Vapor-Chamber 6 Heatpipes, Alu-Radiator 6 Heatpipes, Alu-Radiator
Lüfter 1 × 75 mm (radial) 3 × 90 mm (axial) 3 × 85 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Nein Ja Ja (Silent-BIOS)
Takt
GPU-Idle 27 MHz 27 MHz 27 MHz
GPU-Maximum 1.670 MHz 1.670 MHz 1.678 MHz
Speicher 945 MHz (167 MHz) 945 MHz (167 MHz) 945 MHz (167 MHz)
Power Limit (GPU) 220 Watt 260 Watt (Standard-BIOS)
240 Watt (Zweites BIOS)
260 Watt (OC-BIOS)
220 Watt (Standard-BIOS)
220 Watt (Silent-BIOS)
Speichergröße 8.192 MB HBM2 8.192 MB HBM2 8.192 MB HBM2
Anschlüsse 1 x HDMI 2.0b
3 x DisplayPort 1.4
1 x Dual-Link-DVI
2 x HDMI 2.0b
2 x DisplayPort 1.4
2 x HDMI 2.0b
2 x DisplayPort 1.4

Garantie

PowerColor gibt auf Grafikkarten grundsätzlich zwei Jahre Garantie ab Kaufdatum, die Abwicklung findet über den Händler oder alternativ den Hersteller statt. Darüber hinaus erhalten Red-Devil-Käufer nach der Registrierung der Grafikkarte die Möglichkeit, über einen Chat direkt Kontakt mit PowerColor aufzunehmen.

Hersteller Zeitraum Optional verlängerbar Abwicklung
PowerColor 2 Jahre - Händler oder Hersteller

Details zu den Garantiebedingungen enthält der Artikel Grafikkarten: Garantiebedingungen von Abwicklung bis Kühlerwechsel.

Auf der nächsten Seite: Testergebnisse